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Deutschland.

* Wiesbaden, 20. Mârz. (Ständeversammlung.) Die frühere Anfrage des Abg. Zollmann, wegen Erfüllung Ler Verbindlichkeit der Auswanderer vor ihrer Abreise beantwortet die Regierung dahin, daß deßhalb am geeignetsten das Nöthige und die Instruktion für die Kreisbeamten ausgenommen würde.

Für den Militärerigenzetat werden mehrere Anforderun­gen gemacht.

Ueber die Verwilligung von 10,800 fl. zur bequemeren Herrichtung des Lederzeuges entspinnt sich eine weitläufige DiS- kussion. Nach ärztlichen Zeugnissen, wie nach dem Gutachten der Techniker, wird dadurch den Soldaten eine bedeutende Er­leichterung gewährt und die Gesundheit geschont. _ Die Mehr­heit der Versammlung erklärt sich für die Bewilligung der Summe.

Wenckenbach II. trägt hierauf die Instruktion für die Gewerbeordnung vor und beantragt mehrfache Abänderungen. Die Instruktion wird vorbehaltlich der vom Ausschusse bean­tragten Redaktions-Veränderungen einstimmig angenommen.

Müller II. trägt die Instruktion über die Trennung der Justiz von der Verwaltung vor. Der Ausschuß beantragt, von einer paragraphenweisen Berathung abzustehen. Dies wird angenommen und die Instruktion mit den Bemerkungen des Ausschusses an die Regierung zurückgegeben.

Hierauf geht Lie Kammer zu Petitionsberichten über.

Die Kammer ist sodann nach dem Anträge deS Abgeord­neten Zoll mann beigetreten, daß die Regierung ersucht werde, aus den Grund der heutigen Zustimmung der Kammer die In­struktion für die Kreisbeamten das Nöthige zur Erfüllung der Verbindlichkeiten der Auswanderer aufzunehmen, jetzt gleich in diesem Sinne die Beamten durch ein Gl. Reskript zu instruiren, da voraussichtlich bis zum Eintritte der neuen Kreisverwaltung noch einige Zeit hingehe.

O Weilburg, 19. März. In der preußischen ersten Kam­mer sagte ein Abgeordneter:Die Volkssouveränität, welche auf Len Straßen gepredigt wird, hasse ich; es gibt aber eine, die wahrhafte, Lie ewig bleibt, so lange es Menschen gibt, deren Formen nur mit der Verfassung wechseln." An diese Worte knüpfen sich so mancherlei Betrachtungen über das bis­herige Treiben Ler Volksmänner von gestern, die nichts wich­tigeres zu thun hatten, als dem zur Unzufriedenheit aufge­reizten Pöbel ihre Staatsweisheit auszukramen, bald auf der Elendsmühle, bald auf dem Knoten, dem Mensfelder Kopf rc., während sie Len Umgang mit Männern von gleicher Bilbung und Wissenschaft sorgfältig mieden. Die Volkssouveränitât war stets die Angel worum es bei solchen Gelegenheiten sich Lrehte, unv wenn jene Herrn auch späterhin abläugneten, jemals den Umsturz der Verfassung, die Republik oder sonstigen Unsinn gepredigt zu haben, so empfanden sie doch stets ein selbstgefäl­liges Wohlbehagen, wenn ihre Versammlung bis zu dem Grade sich begeistert hatte, Laß vie Auseinandergehenden schrieen: Ler Hecker soll leben." Wir glauben und hoffen, daß die Zeit solcher Auswüchse hinter uns liege; wenn auch die sür das Volk selbst nachtheiligen Wirkungen noch eine Weile fort­dauern werden, namentlich der Aberglaube, daß man jene Gassenprediger zu Landtagsabgeordneten, Geschwornen oder sonstigen Vertretern wählen müsse.

Im Gegensatz der gänzlichen Lähmung ihrer vorigjährigen Thätigkeit haben viele unserer Beamten den Schein eines sicherern und energischeren Auftretens angenommen. Faßt man aber die Sache etwas schärfer ins Auge, wozu cs uns, die wir diese Zeilen schreiben, nicht an Gelegenheit fehlt, so ist ihr ganzes Wirken eitel von Papier, und die Strenge des Rechts wird nicht selten nur gegen den geübt, von dem man seiner Lage und seinem bisherigen Verhalten nach nichts fürchtet, während dieser selbst den Rechtsschutz entbehrt, den er für sich in Anspruch nimmt.

Bekannte Ruhestörer und Anarchisten finden, wenn auch nicht direkte, doch indirekte Unterstützung. Am meisten vermißt man die nöthige Energie, wenn es darum gilt, einem Ge­meindevorstand entgegenzutreten, der die Schranken des Gesetzes überschreitet, das erst neu in's Leben trat, und gerade seiner durchaus freisinnigen Grundlage wegen auf das strengste muß befolgt werden.

Die letzte Gemeindeversammlung, welche unlängst hier in bet Kirche gehalten wurde, hat den Kirchenvorstand, dessen Majo­rität aus Bewohnern der vier Filialortschaften besteht, zu der Erklärung veranlaßt, daß man sich für die Zukunft um ein

anderes Lokal umsehen möge. Wir erblicken hierin nicht so­wohl die gewissenhafte Sorge für das Kirchengut, als eine kleinliche Eifersucht, und hätten gewünscht, daß der Herr De­kan einem solchen Ansinnen der bäuerlichen Vorstandsmitglie­der durch geeignete Belehrung zuvorgekommen wäre, nament­lich mit Hinweisung auf die Zukunft, wo möglicherweise die Kirche noch zu andern Dingen müßte benutzt werden. Eine Bürgerversammlung kann die Kirche nicht entweihen; aber dem Tabakrauchen, welches in keiner Versammlung paßt, könnte in anderer Weise gesteuert werden.

Frankfurt, 19. März. (Reichstag.) DaS Wort über den Gegenstand der Tagesorvnug erhält zuerst Herr v. Wyden- brugk aus Weimar. Um Oesterreich und Deutschland zu­sammenzuhalten, müsse entweder die österreichische Verfassung oder die Idee einer konstitutionellen Reichsregicrung für Deutsch­land zu Grunde gehen. Trete die letztere aber nicht bald ins Leben, so würden Kosacken oder Republikaner sich der Herr­schaft bemächtigen. Darum müsse ver Staat Preußen als Vorort an die Spitze treten, nicht aber ein erbliches Kaiser- thum geschaffen werden, das zu einem gefährlichen Kampfe mit dem Republikanismus führen müßte. Glaubend indeß, daß dieser Gedanke keine Mehrheit finden würde, schließt sich der Redner doch dem erblichen Kaiserthum an.

Raveaur: Daß dasselbe Königthum, welches heute vor einem Jahre tief erniedrigt war, heute zum Kaiserthum erhöht werden solle, sey entweder ein trauriges Zeichen der Zeit oder deS Werths dieser Versammlung. Die innere Gährung Deutschlands werde durch die Kaiserkrone nicht gehemmt; ob selbst die Macht in das Reich oder in die preußische Na- . tionalversammlung gelegt werde, sey mindestens zweifelhaft. Für einen sechsjährigen Kaiser würde selbst ein Theil der Linken mitstimmen, und dann könne der König von Preußen eher die Wahl annehmen.

Nachdem der Redner unter dem anhaltenden Beifalle der Linken geendet, so erregt ein Antrag von Hrn. Schulz von Darmstadt, der zur Verlesung kommt, allgemeines und wie­derholtes Gelächter, indem er nichts Geringeres verlangt, als daß der König von Preußen nur unter der Bedingung zum Kaiser erwählt werde, daß er sofort den Russen den Krieg erkläre, Europa die Freiheit und den Frieden sichere, Oester­reich unterwerfe, die Verhältnisse in Ungarn ordne, Konstan­tinopel erobere, Polen wieder Herstelle u. s. w. Im Fall der Verwerfung dieses Antrags hat Hr. Schulz noch einen andern Vorschlag in petto, wornach an die Urwähler zurückgegangen und ein neuer gesetzgebender Körper zur Vorlage einer Ver­fassung ernannt werden soll.

Waitz: Die Politik Oesterreichs ist schwerlich eine deutsche zu nennen, weder früher noch jetzt, wenn es in dem Augen­blicke, wo Preußen den vereinigten Landtag beruft, einBünd- niß mit Rußland schließt und die Russen nach Siebenbürgen beruft, da Deutschlanv einen Schritt weiter in seiner Ent­wickelung gethan. Auch ists Oesterreich, welches auf einen europäischen Kongreß hingewirkt hat zur Ordnung der gegen­wärtigen Angelegenheiten Deutschlands. Der Revner betrach­tet dann das Verhältniß der Oesterreicher in unserer Mitte. Daß sie sich an Deutschland anklammern, daß sic nicht von uns gerissen werden wollen, das begreife ich. Aber wie sie die österr. Verfassung anzuerkennen vermögen und doch an der unsrigen fortarbeiten, das begreife ich nicht. (Große Bewegung.) Oesterreich läßt für Frankfurt wählen mit der offenen Absicht, daß sein StaatSintereffe hier mit der nöthigen Stimmenzahl unterstützt werde. Daher erklären sich die Oesterreicher unter uns namentlich gegen das Erbkaiserthum. Aber daS Haus Habsburg hat sich von Deutschland losgefagt, es hat kein Recht, zu verlangen, daß wir ihm den Platz auf unserm Throne offen halten, ja nicht einmal einen Platz im Di­rektorium.

Der Redner sucht dann nachzuweisen, daß der deutsche Bundesstaat, den man durch daS Erbkaiserthum sür gefähr­det auSgebe, eben des Erbkaiserthums zu seiner Erhaltung be­dürfe, und daß im Volke selbst nicht der Wunsch nach einem Präsidenten, sondern nach einem Kaiser lebe. Es wird gesagt, der Grundsatz, daß Oesterreich kein starkes und zentralistrtes Deutschland neben sich dulden könne, sey alten Styls. Wohlan meine Herren von Oesterreich, so zeigen Sie uns das durch Ihre Abstimmung. Blicken wir auf die Lage Deutschlands, auf die Haltung der Kammern in Sachsen und Bayern, auf den drohenden Krieg in meinem engeren Vaterlande (Schles­wig-Holstein). Er hat schon einmal eine tiefe Erschütterung