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Nassauische Allgemeine Zeitung.

M 63* Donnerstag den LS Marz L8LS

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich. mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Prânume- ratiouspreis ist in Wiesbaden 3 ft., für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes S ft. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliesse man in Wiesbaden in der L. Schellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Ikede des Abgeordneten Welcker.

Deutschland. Aus dem Kamberger Grund (Die Schule als Ge­meindeanstalt). Hada m a r (Abmarsch der Truppen. Die Volksver­sammlung am Ahlbacher Chauffeehause). Von der Lahn (Volks­versammlung in Elz). Frankfurt (Die neue österreichische Note und die Politik von Ollmütz. Darmstadt (Wechsel in der Frank­furter Reichsbesatzung). Mannheim (Die Stimmung. Revolutions- sest). Aus Sachsen (Die Umstimmung der vaterländischen Vereine).

W i e n (Nachrichten aus Ungarn und Bosnien. Fürst Windischgrätz.

Die Minister. Die Rekrutirung. Der Kaiser. Schleswig (Die Rüstungen).

Ungarn. Debreczin (Koffuth).

Frankreich. Paris (Die Verhandlungen des Gerichtshofes in Bourges). Großbritannien. London (Der Frieden im Süden Europas. Piemont und Oesterreich).

Italien. Rom (Die Zwangsanleihe).

Rede des Abgeordneten Welcker

zur Begründung seines in der 184. Sitzung der Reichsversammlung gestell­ten Antrags auf Ue b ertragu ng der erblichen Kai se r w ü rd c an die Krone Preußen.

Meine Herren 1 Mein Gevanke ist nicht, so wichtige Be­schlüsse Ihnen zur Annahme zu empfehlen, ehe sie nicht we­nigstens mehrere Tage gedruckt in Ihren Händen sich befinden. Erlauben Sie mir nur, die Dringlichkeit selbst Ihnen mit we­nigen Worten darzustellen. Ehe ich aber unmittelbar dieses thue, erlauben Sie mir, wenigstens bei denjenigen, die meine ganze Ansicht nicht genauer kennen, jedes Vorurtheil einer In­konsequenz bei diesem Anträge zu beseitigen. Meine Bedenken gegen daö Erbkaiserthum gingen weder von einer Abneigung gegen Preußen, noch von einer Vorliebe für Oesterreich aus. Ich hatte nichts im Sinne, als das, was wir Alle wollen, die Einheit unseres großen deutschen Vaterlandes, ich-wollte sie nicht beeinträchtigt wissen durch irgend eine in Beziehung auf diese Einheit gefährliche Maßregel.

Ich habe, als ich glaubte, wir dürften noch nicht das preußische Erbkaiserthum beschließen, mich auch nicht bestimmen lassen durch glänzende Hoffnungen von der österreichischen Ka- binetspolitik; ich habe keine bestimmte Erwartung gehabt, ich habe dieses auf dieser Tribüne gesagt; ich drückte mich so aus: ich habe diese Politik nicht in meiner Tasche; ich habe kein Vertrauen zu irgend einer Kabinetspolitik. Meine Ansicht war einfach diese: die Pflicht gebietet das ganze Vaterlands zusam- menzuhalien, und keinen Schritt zu thun, welcher es möglicher­weise auch nur vorübergehend zerreißen könnte, ehe alle Mittel erschöpft sind, das ganze Vaterland zu verbinden. Ich habe zweitens ganz entschieden abwarten wollen, bis ich, nicht nach subjektiven Wahrscheinlichkeitsgründen, sondern nach objektiven Gründen, die Ueberzeugung hätte, daß Oesterreich jetzt nicht eintreten wolle in den deutschen Bundesstaat. Bloße Aus­

legungen einzelner Nvienstellen, die nicht einmal an uns ge­richtet waren, oder augenblickliche äußere Schwierigkeiten gaben mir diese Ueberzeugung nicht; ich wollte alle Mittel erschöpft wissen, ich wollte endlich fest überzeugt seyn, daß der äußerste Termin gekommen sey, ehe ein so großer, bedenklicher Schritt geschehe.

Jetzt glaube ich, meine Herren, die Mittel sinh erschöpft, jetzt glaube ich, es liegt in dem Werke der eigenen Hände der Minister, in ihrer babylonischen Verfassung, hinlänglich klar vor, daß wir von ihnen die Vereinigung Oesterreichs in den Bundesstaat nicht erwarten dürfen. Die neuesten Ereignisse sind ihnen bekannt. Jetzt glaube ich, daß die Zeit dringt, das übrige Deutschland desto fester, desto stärker, desto inniger zn vereinigen. (Lebhaftes Bravo.) Wenn ich hier Hinblicke auf meine alten Freunde, so werde ich vielleicht einem kleinen Tri­umphe in Ihrem Herzen, wenn nicht in Ihren Mienen begeg­nen, daß sie schon vor Wochen und Monaten, und ich erst so spät das Richtige erkannt hätte. Seyen Sie stolz darauf, wenn Sie wollen, aber vergeben Sie mir, auch ich bin obwohl jetzt mit traurigem Herzen stolz darauf, daß ich, soviel wie möglich war, nach allen Kräften eine Verzögerung der Tren­nung bewirkte. (Bravo.) Wir haben viel dadurch gewonnen, und Sie selbst, gerade die eifrigsten Anhänger der preußischen Kaiserkrone müssen mir danken; denn, meine Herren, denken Sie, wenn an dieser Krone ein Flecken geklebt, ein Vorwurf, ein Schein einer Schuld, daß sie Deutschland zerrissen hätte, wenn der Gedanke entstanden wäre, durch voreilige oder eigen­nützige Beschlüsse wäre Oesterreich hinausgetrieben worden, oh! dann wäre diese Krone nicht so viel werth, nicht so wohl­thätig schützend. Wir wollten unsere österreichischen Brüder in brüderlichem Verbände mit uns erhalten, dafür haben wir zu wirken gesucht. Wir wollten ihnen das Bewußtseyn lassen, daß hier in ganz Deutschland deutsche Herzen für sie schlagen, die jeden Augenblick bereit sind, ihnen die Bruderhand zu rei­chen, wenn sie wieder zu uns kommen. (Lebhaftes Bravo.)

Keine Stachel der Empfindlichkeit darf in ihrem Herzen zurückbleiben; Sie selbst, die Sie für das preußische Kaiser- thum stimmten, haben nicht Oesterreich verletzen wollen. (Meh­rere Stimmen aus dem Zentrum: Nein!) Sie haben geglaubt, es wäre das unentbehrlichste Mittel der Sicherung des Vater­landes. Uebrigens haben sich trotz jenem Wunsche, durch das preußische Kaiserthum baldigst zum Abschluß zu kommen, wieder­holt Majoritäten in dieser Versammlung gebildet, um den Oesterreichern auszusprechen, daß wir nicht ohne tiefsten Schmerz sie auch nur vorübergehend ausscheiden sähen. Dies, meine Herren, ist wichtig, die Schuld möge das österreichische Kabinet, nicht das österreichische Volk, nicht uns, unser Werk und unsere Krone treffen. Diese Reinheit von Schuld, dieses volle, klare Bewußtseyn, daß wir uns nicht übereilt haben, dieses ist ein großer Vortheil. Die öffentliche Meinung wird für uns seyn, und denken Sie, meine Herren, wir hätten un­seren Brüdern in Süddeutschland, die diese Trennung beson­ders schmerzhaft trifft, wir hätten den Bayern und den ehe­mals österreichischen katholischen Badnern und Württembergern den Glauben gelassen, daß wir uns übereilt oder eigennützig das Vaterland zerrissen hätten, wie wären bei den Gefahren