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und auS'-der von seinem Gesammtwillen beschlossenen Ver­fassung auszuscheiden, für alle Zeiten feierlichen Wider­spruch ein.

8) Sie ist aber bereit, so lange einer definitiven Verwirk­lichung des völligen Eintritts der deutsch-österreichischen Lande in die teutsche Reichsverfassung noch Schwierigkeiten im Wege stehen sollten, die bestehenden nationalen brüder­lichen Verhältnisse, jedoch unbeschadet der Selbstständigkeit der deutscyen Reichsverfassung, zu erhalten.

Auf die Frage des Präsidenten, ob Herrn Welcker das Wort zur B e g r ü n d u n g der Dringlichkeit zu verleihen sey, erhebt sich einhellig die ganze Versammlung. Tiefe Stille, unter deren Eintritt die Rednerbühne einnimmt:

Herr Welcker: Meine Bedenken gegen das Erbkaiser- thum gingen aus keiner Abneigung gegen Preussen hervor, sondern aus meinem heißen Verlangen, daß das ganze Vater­land zusammen gehalten werde. Nur daß kein Mittel ver­säumt werde, welches zur vollständigen Einheit führen könne, war meine Absicht. Jetzt glaub' ich, daß diese Mittel erschöpft sind, ,daß der Augenblick gekommen ist, wo wir das übrige Deutschland zu einem festen Körper zusammen zu fassen haben. Und so ist die durch mich mitbewirkte Verzögerung zum Segen gewesen. Sie hat jeden Schimmer der Usurpation von der Krone entfernt, die wir auf Preußens Haupt setzen, wir haben die Oesterreicher nicht ausgestoßen und unsere Hand ist jeden Augenblick bereit, sie auf'S Neue brüderlich zu empfangen (Stürmischer Beifall von dem ganzen Hause). Alle, ich zweifle nicht daran, auch die katholischen Badner und Bayern sind jetzt durchdrungen von dem Gedanken, daß Deutschland gerettet werden müsse, und gegen jeden Eingriff von Außen, gegen jeden Versuch, das selbstständige Werk seiner Verfassung zu hindern, wird sich unser Volk wie Ein Mann zur Vertheidi­gung seiner Freiheit erheben! (Bravo.) Keine oktroyirte Karte, eine selbst ertheilte werden wir haben! Das Vaterland ist in Gefahr. Wäre noch eine Möglichkeit des Eintritts Oester­reichs in unsern Bund übrig, so wird es an dem Könige von Preußen, als dem Kaiser von Deutschland seyn, das Ultima­tum zu stellen. Ich wiederhole, das Vaterland ist in Gefahr. Retten Sie das Vaterland! (Anhaltender, allseitiger Ruf der Zustimmung und Beifallsklatschen.)

Dem Anträge Hrn. WelckerS gemäß, wird genehmigt, daß die Berathung des von ihm angeregten Gegenstandes auf eine der nächsten Tagesordnungen gebracht werde.

Nachdem dieser Beschluß gefaßt ist, wird die Berathung über Abschnitt VI. deö Verfassungsentwurfs:Das Reichs­gericht" eröffnet. Aber es zeigt sich bald, daß unter dem Ge­wicht so inhaltschwerer Ereignisse und nach der Behandlung deS Welcker'schen Antrags der Versammlung die Ruhe und das Interesse gänzlich mangelt, um den vorliegenden Para­graphen und den dazu gestellten Verbesserungsanträgen die er­forderliche Aufmerksamkeit zu widmen. Auf das wiederholte und allgemeine Verlangen vertagt daher der Präsident schon gegen 11 Uhr Vormittags die Fortsetzung der Berathung über das Reichsgericht auf die morgende Sitzung.

Frankfurt, 12. März. (O.-P.-A.-Z.) Die Verfassung für den österreichischen Kaiserstaat, welche gestern hier eintraf, hat das Verhältniß Oesterreichs zu der deutschen Verfassungs- frage bestimmt. Die österreichische Reichsgewalt nimmt für alle, auch für die zum deutschen Bunde gehörigen Länder die nämlichen Befugnisse in Anspruch, welche der deutschen Reichs­gewalt in dem Entwürfe zugetheilt werden. Oesterreich wird also in einen deutschen Bundesstaat nicht eintreten. Deutschland hat nun seine Entscheidung dahin zu treffen, das cS den Bundesstaat unverzüglich herstellt und die Nationalversammlung ist heute durch den Ab­geordneten Welcker aufgefordert worden, ihre Schuldigkeit zu thun.

Herr v. Schmerling, von dem Kabinet in Olmütz mit Vorschlägen beauftragt, die nicht ernstlich gemeint waren, und über die getroffene Entscheidung in Unkenntniß gelassen, hat seine Stelle als Bevollmächtigter Oesterreichs bei der proviso­rischen Zentralgewalt niedergelegt, und wir versehen uns zu ihm, daß er von nun an für die Herstellung eines möglichst innigen Bundeöverhältnisses zwischen Deutschland und Oester­reich wirken werde.

Stuttgart, 7. März. Das königliche Ministerium des Innern hat einen Erlaß an die Oberämter ergehen lassen, be.

treffend Verwarnung vor der Betheiligung bei einem freiwilligen Anlehen zu Gunsten der deutschen Republik.

Stuttgart, 10. März. (F. I.) Ein furchtbares Brandun­glück hat das Städtchen Güglingen bei Brackenheim be­troffen. Es find 160 bis 170 Häuser, die große schöne Kirche, das Rathhaus und Pfarrhaus ein Raub der Flammen und nahezu zwei Drittel der 1500 Einwohner obdachlos geworden. Ein schrecklicher Orkan trieb Furien gleich die Brandfackel von Haus zu Haus. Leider ist die Gewißheit vorhanden, daß Bos­heit das schreckliche Werk vollbracht. Einige Tage zuvor hatte der Stadtschultheiß einen Droh« und Warnungsbrief erhalten und darum mit einigen Personen bei Nacht patrouillirt, da Brandstiftungen in dieser Gegend nichts ganz Seltenes waren; auch in jener Unglücksnacht kam er eben von einem Patrouillen­gange zurück, als er sein HauS in Flammen fand; gleich darauf schlug die lichte Lohe noch an einigen Punkten deö Ortes auf.

Leipzig, 10. März. (O.-P.-Z.) Zwanzigtausend Bayern sollen einem Gerücht zufolge, im Königreich Sachsen die nach Schleswig-Holstein marschirenden königl. sächsischen Trup­pen ersetzen. Dies veranlaßte gestern Abend eine Volksver­sammlung, berufen von den demokratischen und republikanischen Vereinen, in welcher eine Adresse an die Regierung beschlossen wurde, die Bayern nicht in das Land kommen zu lassen. Die Versammlung verlief ruhig.

Hannover, 9. März. Der hiesige russische Ge, sandte ist in Begleitung eines von Petersburg kommenden Gesandten gestern nach Frankfurt gereist. Angeblich soll letzterer dem Reichsverweser eine Depesche wegen deö Sinnt ar# sches russischer Truppen in Siebenbürgen überbringen. Wenn dies übrigens auch nicht der Fall seyn sollte, ist die Thatsache, daß Rußland mit der deutschen Zentralgewalt in amtlichen Verkehr tritt, schon an sich von Bedeutung, denn mit der Ge- sandtschaftSreise selbst hat eS seine völlige Richtigkeit.

In Hannover dauert nach letzten Nachrichten die Mini, sterkrisis fort; die Ruhe ist am 10. März nicht weiter gestört worden.

Berlin, 9. März. (Lith. Korresp.) Sicherem Vernehmen nach wird der König bereits in den nächsten Wochen eine Reise antreten, deren Zweck der definitive Entscheid der Fürsten über die deutschen Angelegenheiten seyn soll. Trügen nicht alle Zeichen, so wird man preußischer SeitS wohl schon jetzt offen mit Oesterreich zusammenhandeln. Ei­nige Nachrichten, die man auf diplomatischem Wege von Frank, furt erwartet, werden die nächsten Schritte der preußischen Regierung in dieser Beziehung bestimmen.

Auf offiziellem Wege ist der Regierung die Mittheilung geworden, daß man in verschiedenen französischen Städten ein paar Hundert falscher Pässe aufgefangen hat, welche sämmtlich nach Berlin dirigirt waren.

Posen, 8. März. (O.-P.-Z.) Von der polnischen Grenze her geht uns heute die höchst auffällige Nachricht zu, daß ein großer Theil dex russischen Truppen, welche bislang dieGrcnz- besatzung ausmachten und etwa eine bis zwei Meilen von der Grenze entfernt in kleinen Städten und Dörfern einquartirt waren, plötzlich bis hart an unsere Genzlinie vorgerückt sind und hier Bivouaks bezogen haben. Diese Maßnahme deS russischen Gouvernements bat auf dem platten Lande, insbe­sondere in dem zu reorganisirenden Polnisch-Posen, eine außer­ordentliche Aufregung hervorgebracht und die Furcht vor einer demnächstigen Invasion der Russen ist fast allgemein.

Wien, 8. März. (P. Z.) So eben wurden die Deputir, ten Fischhof und Prato unter starker Militärbedeckung gefäng, lich eingebracht. Löhner, Goldmark, Kudlich haben daS Weite gesucht und, wie man glaubt, auch gefunden. Die zurückge- kommenen Deputirten schildern den Eindruck der Schließung des Reichstags als unheimlich. Am 6. um 9 Uhr AbendS war der Minister des Innern, Graf Stabion, plötzlich in Kremsier eingetroffen. Um 10 Uhr Nachts wurden meh­rere Diener mit Namenslisten von Deputirten auSgesendet, welche schleunigst zu einer Berathung geladen wurden. Darunter waren: Pinkas, Brauner, Palacky, Strobach, Leop. und Jos. Neumann, Neüwall, Gredler, Haßlwanter, Straffer,