NassauiMe
Allgemeine Zeitung.
M 60. Moutag den 12 März 1839.
Zweite Ausgabe.
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Uebersicht.
Amtt icher Theil.
Dienstnachricht.
Nichtamtlicher Theil.
Die Gefahren des LtaterlandcS.
Sols die Volksschule Staats- oder Gemeindcanstalt seyn? Deutschland. Hadamar (Entwendung von Kirchenglocken). — Limburg (Der 4. März. Vermischtes). — Weilburg (Feier des 4. März). — Nassau (Widerlegung).— Darmstadt (Trinkspruch auf die Guillotine).
— Hannover (Unruhen. Ordensverleihung an Windischgrätz). — Berlin (Verweigerung der Kirchensteuer). - Aus der Provinz Preußen (Reklamation).
Frankreich. Paris (Tagesbericht).
Siebenbürgen. Kronstadt (Gefangene Rebellen).
Ungarn. Pesth (Ein feindlicher Parlamentär).
Italien. Turin (Die Deputirtenkammer verlangt Kampf gegen Österreich.)
Amtlicher Theil.
Dem Pfarrvikar Freudenberg zu Emmerichenhain ist die Verwaltung der dortigen Pfarrei übertragen worden.
Nichtamtlicher Theil.
Die Gefahren des Vaterlandes.
Unter dieser Ueberschrift bringt die Oberpostamtszeitung folgenden merkwürdigen Artikel:
Frankfurt, 8. März. Die russische Note eristirt und ist kein leerer Schall. Man wird in Berlin ihr Daseyn nicht mehr in Abrede stellen, sondern einsehen, daß sie in Olmütz nur früher bekannt war. Rußland laßt die Verhältnisse des Augenblicks als Entschuldigung für die Einsetzung der deutschen Zentralgewalt gelten, wird aber keine Aenderungen, weder an der Bundesverfassung, noch an den Verfassungen der Einzelstaaten ohne die Zustinimnng der Theilnehmer an den Verträgen von 1815 gestatten. Diese Sprache ist gegen Kleindeutschland gerichtet; mit Oesterreich ist sie verabredet; die Könige zweiten Ranges vernehmen sie mit Wohlgefallen. Rußland kann diese Sprache führen, denn Oesterreich deckt die Flanke, welche bald pazifizirt seyn wird, thut freundlich mit Dänemark und bringt die Paulskirchc in Verwirrung. Frankreich steht in gutem Vernehmen mit Rußland, zeigt guten Willen für Oesterreich in Italien und genießt dafür die Aussicht — auf das linke Rheinufer. Großbritannien steht zwar nicht bei der Koalition; ob es aber zu Deutschland stehen wird, ist um so mehr die Frage, als es nicht gern mit unfer
tigen Verhältnissen zu thun hat, Deutschland aber zur Zeit noch keine vollendete Thatsache ist. Preußen zaudert; die Kündigung des Waffenstillstandes durch die Dänen kommt ihm ungelegen; es möchte gern von dem Kriege bleiben und unbeschädigt wegkommen, auch seine Macht zu anderer Verwendung verfügbar halten.
Deutschland kann dennoch den Frieden mit Rußland und dessen Verbündeten bewahren, wenn ihm der Preis nicht zu hoch ist. Der Preis aber ist folgender: In London wird der Friede mit Dänemark nach den Vorschlägen dieser Macht abgeschlossen. Der deutsche Bund kehrt zu seiner Verfassung zurück; der Bundestag zählt 7 Mitglieder mit 9 Stimmen unter dem Vorsitze Oesterreichs; Volks- und StaatenhauS bleiben weg. Die deutsche Nation verzichtet auf den Bundesstaat, auf die Befriedigung ihres Dranges nach Einigung und ihrer gemeinsamen Interessen. Preußen ist für seine kraftlosen deutschen Symyathien d«rch das Sinken seiner Macht und seiner Stellung im Bunde gestraft; die kleineren Fürsten sind für ihre Hinneigung zu Preußen durch Zurückstellung in dem neuen Bundestage ebenfalls gestraft; die Könige zweiten Ranges sind für ihr Widerstreben gegen den Bundesstaat belohnt; die Nation endlich hat erfahren, was es heißt, ein Jahr lang beisammensitzen, um eine Verfassung — nicht fertig zu bringen.
Ist uns um diesen Preis der liebe Frieden zu theuer, dann haben wir Krieg; Krieg mit Rußland und seinen Bundesgenossen, von denen die Einen gegen uns, die Andern nicht für uns sind, Krieg, wahrscheinlich ohne die englische Allianz. Wie steht es alsdann um das deutsche Reich? Es eristirt nur im Entwürfe und harrt der zweiten Lesung.
Die Reichsversammlung beräth Grundrechte, vielleicht auch noch ein Wahlgesetz, Dinge, welche immer einen historischen Werth behalten; sie kömmt wohl auch noch zur zweiten Lesung der Verfassung und zu dem Gefühle der Reue über den Verlust einer kostbaren Zeit.
Die Zentralgewalt findet in einer Versammlung, welche in sich keinen Halt mehr hat, ebensowenig eine Stütze, als an den Staaten, welche eifersüchtig wachen, daß kein Theil- chen ihrer Souveränetät an eine Reichsgewalt übergehe, die versäumt hat, ihnen eine Vertretung einzuräumen. Die Zentralgewalt seufzt nach der Vollendung der Verfassung, als nach dem Augenblicke ihrer Erlösung. So steht, um nur die allgemeinsten Umrisse anzudeuten, das deutsche Reich einem Kriege mit Rußland und dessen Bundesgenossen gegenüber. Was unter diesen Umständen zu thun ist, ergibt sich von selbst. Die Zentralgewalt sollte — so dâucht uns wenigstens — mit einer offenen Darlegung der Lage des Vaterlandes vor die Nation treten. Die Gründe, aus denen sie namentlich ihr Verhältniß zu den Regierungen bisher verschwiegen, mögen ganz löbliche Gründe seyn; man deckt die Familienschäden nicht gern vor bösen Nachbarn auf. Aber diese scheinen uns besser davon unterrichtet, als die Nation, und doch kann nur die Nation die Uebel heilen, welche sie in die größten Gefahren zu stürzen drohen. Die Reichsversammlung würde sich durch eine solche Mittheilung wohl veranlaßt sehen, zu der ungesäumten Er richtung einer Staatenvertretung die Hand zu bieten , durch