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erwachsende Unpopularität, als vielmehr die dadurch geförderte Aufregung im Lande scheuen mochten. DaS neue Ministe­rium ist in folgender Weise zusammengesetzt: Ministerialrath Aschenbrenner übernimmt das Porteuseuille der Finanzen, Kleinschrod das der Justiz, Ringelmanu verwaltet das Kultus­ministerium, dessen Trennung vom Ministerium des Innern im Lande gut ausgenommen werden wird. Letzteres wird einst­weilen vom Staatsrath Volz, derselbe, welcher zur Zeit der Märzerhebung dieses Portefeuille inne hatte, versehen werden, indem man Herrn Forster in Augsburg zur definitiven Be­setzung dieses wichtigsten Ministeriums noch zu gewinnen hoffte. Lcsuire und Graf Bray bleiben, letzterer, seiner Erklärung zu­folge, bis zum Schluffe des Landtags. Die Beibehaltung Bray's beweist, daß man der bisher befolgten äußern Politik auch ferner getreu bleiben wolle; folglich ist hier keine Besse­rung zu hoffen. Von den neuen Ministern läßt sich übrigens weder etwas Gutes noch etwas Schlimmes sagen, da sie über ihr Bureau hinaus kaum gekannt sind. Ob dieselben ein - Programm vorlegen werden, darüber verlautet bis jetzt noch nichts.

Der bisherige Prediger der freien Gemeinde in Halle, Herr Giese, ist wegen eines in demWächter an der Saale" veröffentlichtenSturmliedes" der Anreizung zum Aufruhr und Majestätsbeleidigung angeklagt und zu LV^jährigem Festungsarrest verurtheilt worden.

Berlin, 8. März. Der preußische Bevollmächtigte bei der Reichsgewalt, Herr Camphausen, ist in Berlin angekom­men und wohnte heute der Sitzung der ersten Kammer bei.

Die zweite Kammer hat in ihrer heutigen Sitzung den Antrag v. Vincke's auf Errichtung einer Adressekommis­sion durch die Abtheilungen mit 172 gegen 159 Stimmen angenommen. Dagegen ist der Antrag des Abg. Behnsch und Genossen wegen Wahl eines Ausschusses zur Vorberathung der oktroyirten Verfassung mit großer Majorität verworfen. Waldeck will seinen Antrag auf Aufhebung des Belagerungs­zustandes erst nächsten Montag motiviren.

Die erste Kammer hat in ihrer heutigen Sitzung den Antrag von v. Schleinitz und Genossen,daß die Verfassungs- ) urkunde vom 5. Dezember der Abtheilung zur Vorberathung über die vorbehaltene Revision überwiesen werde," fast einstim­mig zu einer weitern Berathung den Abtheilungen überwiesen.

Wien, 5. März. Ich eile Ihnen das so eben (4 Uhr Nachmittags) erschienene Armeebulletin zu senden, auS welchem die weiteren Bewegungen unserer Armee und der Rückzug der Jnsurgentenarmee jenseits der TheiS zu ersehen ist. 27. Armee­bulletin. Den 26. und 27. hatten die Spitzen der Kolonne der unter Sr. Durchl. dem Feldmarschall Fürsten zu Windisch- Grätz vorrückenden Hauptarmee die Rebellen aus der Stellung hinter der Tarna zwischen Kapolna und Kaal angegriffen und zurückgeworfen. Die Kolonnen des Feldmarschalllieutenants Schlick, welche gegen Verpeleth und Erlau vorrückten, hatten den Feind in die Flanke genommen und durch diese gelungene Bewegung seine Rückzugslinie gegen Miskolcz und Tokay be­droht. Der Feldmarschall rückte den 28. auf der ganzen Linie vor, und verlegte sein Hauptquartier diesen Tag nach Maklar, nachdem der Feind es eben verlassen und sich in der Richtung gegen Mezö-Kövesd zurückgezogen hatte. Dem eiligen Rückzüge deS Feindes rasch folgend, stieß daS Kürassierregiment Prinz Karl von Preußen nahe an Mezö-KöveSd auf die hier zusam- mengedrängte Arriergarde deS Feinoes, wobei es zu einem hartnäckigen Kavalleriegefechte kam, welches von den nachrücken- den Brigaden Wyß und Montenuovo unterstützt wurde. Bei diesem ersten Gefechte wurden Major Prinz Holstein und zwei Offiziere verwundet.

Am 1. März unternahm der Feldmarschall längs der gan­zen Linie eine große RekognoSzirung längs der ganzen Ebene, die sich von Mezö-Kövesd über Jstvan bis an die Theiß zieht, welche jedoch deö großen Nebels unb Schneewetttrs wegen nicht die nöthigen Resultate gab. Einstweilen manövrirte daS Korps des Feldmarschalllieutenants Schlick immer in der rech­ten Flanke des Feindes, der dadurch genöthigt war, noch im Laufe des Tages Mezö-Kövesd zu räumen, sich über Szemere und Eger Farmas gegen Poroßlo zurückzuziehen. Gegen Mit­tag, als sich der Nebel etwas verzogen, meldeten die rekognos- zirenden Avantgarden den Abmarsch des Feindes in der Rich­tung gegen die Theiß und seinen Uebergangspunkt bei Tißa- Füred. Bei Eger Farmas versuchte der Feind noch einmal

Widerstand zu leisten, wurde aber geworfen, und am Abend dieser Ort von unseren siegenden Truppen besetzt. Bei Comorn war es auf dem rechten Donauufer schon zu mehreren Gefech­ten zwischen den Insurgenten und den Truppen der Brigade Lederer gekommen.

Offizielle Nachrichten vom 3. März aus Krakau sagen, daß 600 Mann Kosaken die russische Gränze auf dem eigenen Gebiete von Michalowice, an die Weichsel, und von dort bis an die Biliza beützt halten. Krakau , welches nach andern Nachrichten bombardirt und sogar von den Russen besetzt seyn sollte, war ruhig; obwohl zahlreiche Emissäre und Waffen­schmuggler bemüht waren, diese Ruhe zu stören. Feldmar­schall-Lieutenant Legedicz war dort vollkommen in Verfassung jeder Eventualität zu begegnen.

Wien, 5. März. Die Vorsteher der Pesther Judenge­meinde sind, ihren Rabbiner Schwab an der Spitze, dem Feld­marschall Windisch-Grätz in's Hauptquartier gefolgt, um Nach, laß der ihnen in Baarem auferlegten Leistung von 110,000 fl. für Toleranzsteuerrückstände, dann der den Gemeinden jur Last fallenden solidarischen Verbindlichkeit bei hochverrätherischen Vergehungen Einzelner. Sie wurden nicht nur mit ihrem Begehren "abgewiesen, sondern auch-wegen angeblichen Haltens der Juden an die Sache der Rebellen sehr hart angelaffen, wobei auch der österreichischen Deputirten Fischhof und Gold­mark mißbilligend und in sehr heftigen Ausdrücken gedacht worden sey.

Prag, 5. März. (A. Z.) Heute Nachts um 1 Uhr ver, schied unser schon mehrmals in Zeitungen todtgesagter Erz­bischof Frhr. von Schreuck an der Gehirnerweichung. Wenige Priester dürften in Oesterreich in so kräftigem Mannesalter zu dieser hohen Würde gelangt seyn. Nun wäre an der Zeit den Gehalt deS Prager Erzbischofs, der mehr als hun­derttausend Gulden Einkünfte hat, zu beschränken.

Kiel, 4. März. (H. Z.) Die Rüstungen werden mit großem Eifer betrieben. Die Küsten werden mit schwerem Geschütz versehen. Es werden vier Musketierbataillons, ein leichtes Bataillon und drei Eskadrons Kavallerie neu gebildet. Die Uebungen der freiwilligen Schützen haben guten Fortgang, Ein Theil unserer kleinen Marine wird, laut Nachrichten aus Frankfurt, nächstens von der Zentralgewalt übernommen wer­den; man zweifelt nicht, daß dieses demnächst vollständig ge­schehen werde.

Schleswig, 5. März. Reventlou- Farve ist von Kopen­hagen zurück und von hier schon wieder fort, wie es heißt, nach Frankfurt. Sein Auftrag soll dahin gelautet haben, sich nur an Friedrich VII., als unsern Herzog, zu wenden; es ist ihm nicht gelungen, der König Herzog hat ihn nicht empfangen, sondern an die Minister verweisen lassen. (S.-H. Z.)

Ungarn.

Den Nachrichten aus Pesth vom 3. März zufolge wurde Erlau von den kaiserl. Truppen erstürmt und die Armee rückt gegen die Theiß vor. Von Kaschau und Eperies operirten die Generäle Götz und Vogel gegen die sich zurückziehenden Magyaren, so daß die weiteren glänzenden Re, sultate demnächst zu erwarten sind.

Italien.

Neapel, 24. Febr. (A. Z.) Gestern langte der Groß, Herzog Leopold von Toscana mit seiner Familie in Gaeta an, und fuhr heute in Begleitung des Königs nach Neapel; ihm wird das Schloß Quisisana bei Castellamare zur Verfügung gestellt. Die k. Residenz zu Neapel ist halb vermauert, und gleicht mehr einer Kaserne oder einem Gefängniß, als einem fürstlichen Wohnsitze. ,

Die Umgegend Neapels wird durch Räuberbanden heim, gesucht; in Pianura wurden letzthin mehrere Häuser vollstän­dig geplündert.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl«