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' Reform"von Allen, denen an einer sicheren Bürgschaft : ; für die parlamentarische Ordnung liegt, freudig begrüßt wer­den. Ein Meister in der Anwendung der Geschäftsordnung - und in der Fragestellung, entschieden und schonungslos zu­gleich, wußte er selbst unter den schwierigen Verhältnissen des ' vorigen Sommers die Würde der Versammlung aufrecht zu erhalten und sogar den Gegnern Achtung abzunvthigen. Ge- : kränkt trat er von seinem wichtigen Amte zurück und ließ eine Versammlung im Stiche, die seiner Leitung in den verhäng- nißvollen Tagen des November gerade am meisten bedurfte.

! Jetzt hat ihm die Mehrheit von Neuem den Vorsitz eingeräumt und damit den Mann ihrer Wahl, wie sich selbst, geehrt. Freilich nur eine unbedeutende Mehrheit, die von Neuem der konstitutionellen Partei der zweiten Kammer zur Mahnung dienen mag, ihr Band enge zu schürzen und ihre gute Sache nicht durch Nachlässigkeit Preis zu geben."

F r a n k r e i ch.

Paris, 7. März. DerMoniteur". schreibt: Die italienische Post bringt uns manches Neue. In Rom werden die Glocken geschmolzen und Kanonen daraus gegossen. Fer­ner soll ein neues österreichisches Korps in Toskana eingefallen seyn (bei Saftet, Nuovo de Monti) um Fivizzano zu überrum­peln. DerSiecke" schien gestern also nicht schlecht unter­richtet.

Im Ministerium des Auswärtigen machte diese neue Post wenig Eindruck.

Das Steckenpferd der Pariser Journale ist der Prozeß in Bourges. Damit werden sie uns für einige Wochen den Magen verderben.Credit" meint: die Angeklagten wären sehr niedergeschlagen.La Presse" findet die Behandlungs­weise der Angeklagten barbarisch; es gäbe zwar viele Kanaillen darunter, aber mit dem alten 57jährigen Dr. Raspail hätte man doch schonender umgehen sollen.Constitutionnel" mel­det: Viele Geschworene hätten drohende Brandbriefe erhalten, aber trotzten der Gefahr und seyen in Bouxges eingetroffen. DieGazette des Tribunaur" zeigt die Verhaftung von meh- * reren Personen in den Vorstädten von Bourges an. Diese , Personen hätten geschrieen'Vive Barbes!" Eine derselben, ein stämmiger Kerl, zwischen zwei Frauenzimmern, hätte sich zur Wehre gesetzt und einen der Mobilgensdarmen verwundet.

Heute, 7. März, ist die erste Sitzung des Nationalge­richtshofes. Sie wird wohl gänzlich mit Erledigung der förm­lichen Vorlesung des Anklageakts w. gefüllt werden. Am ge­spanntesten sind wir auf die Beschreibung der Physiognomien derselben Männer, die wir auf der Bühne der Nationalver­sammlung des 15. Mai zuletzt sahen.La Reform" protestirt gegen die Form, in welcher die Geschwornen gezogen werden sollen. Ihre Protestatio» wird nichts nützen. In jedem Falle wird man sich an die Vorschriften der Kriminalprozedur halten. (Vorige Nacht wurde der wegen anderer Spitzbübereien schon seit einiger Zeit sitzende berüchtigte Vidocq aus der Conciergerie nach Bourges geschafft, um als Zeuge gegen die Maiangeklag­ten zu dienen (!)

Großbritannien.

London, 5. März. Aus Harwich berichtet man einen der traurigsten Schiffbrüche, welche je an diesem Theile der englischen Küste vorgekommen sind und durch welchen 200 Men­schen, außer den Seeleuten, leider sämmtlich deutsche Aus­wanderer, ihr Leben verloren haben. Dieses Unglück betraf das Fahrzeug Floridan, dem Herrn E. D. Hulbert zu New- Nork zugehörig, und von einer deutschen Gesellschaft für Aus­wanderer zur Ueberfahrt nach Nordamerika befrachtet. Es war von Antwerpen aus gesegelt und scheiterte während eines furchtbaren Sturmes an den Long Sands. Die einzelnen Um­stände sind, wie bei solchen Schiffbrüchen immer, sehr traurig. Viele scheinen auf dem Wrack erfroren zu seyn. Die Umge- kommenen waren meist junge und achtbare deutsche Landleute nebst Familien und viele Handwerker; darunter 5060 Frauen und zwischen 2030 Kinder. Nur vier wurden gerettet, drei Matrosen und ein Auswanderer, wie es schien, ein Handwer, ker, und auch diese in einem gänzlich erschöpften Zustande.

I t a l i e n»

Rom, 28. Febr. (O.-P.-Z.) Das Ministerium hat der konstituirenden Versammlung in geheimer Sitzung angezeigt, daß die Intervention gegen Rom zwischen Oesterreich, Spanien und Neapel beschlossen sey; Frankreich habe sich bisher noch nicht bestimmt erklärt. DaS Ministerium will einen Volkskrieg im ganzen Lande organisiren.

Sprechfaul

für Stadt und Land.

Wiesbaden im Febr. Schluß. (Siehe Nr. 59 erste Aus­gabe.) Allein bald wurde Deutschland anders belehrt, da von die­ser schwarzen Prophezeiung nichts in Erfüllung gehen wollte, und die zeitweilig berichteten mysteriösen Transporte in ver­schlossenen Wagen nach Mainz in Nichts sich auflößten, viel­mehr es sich herausstellte, daß die Kommission sich in den Schranken der größten Mäßigung hielt *).

Denn ihre Mitglieder standen alle entweder noch im Rich­teramt und Pflicht oder hatten darin gestanden, haßten daher jede Ungesetzlichkeit nnd Willkühr, achteten die Selbstständigkeit der Lokalbehörden und wußten sie zu schonen, den Erfahrungs­satz vor Augen habend, daß Untersuchungen durch kühne Griffe einer Zentralstelle selten gefördert werden, indem daS dadurch, vollends von einer ausländischen Behörde, verletzte Richtergefühl widerstrebt.

Notorisch ist es, daß diese Kommission nie einen Ver­hafteten gehabt und nie ein Urtheil, was freilich auch gar nicht in ihrer Befugniß lag, gesprochen hat.

Diese ihre Handlungsweise hatte nun zur Folge, daß die ursprünglichen Vorurtheile gegen die Kommissäre nach und nach schwanden, und wenn gleich Viele waren, welche die vom Bun­destage ausgegangene Anstalt an sich fortwährend bitter tadel­ten, so fand doch die große Mäßigung, womit die Mitglieder die in ihre Hände über ganz Deutschland gelegte Gewalt ge­brauchten, Anerkenntniß. Die Kommission war kein Konvent, kein Wohlfahrtsausschuß, die Namen ihrer Mitglieder können in die der Wahrheit-Zeugniß gebende Geschichte, so wenig schwarz als roth eingetragen werden.

Eine Hauptthätigkeit der Kommission war noch die Zu­sammenstellung der Ergebnisse, worauf sie großen Fleiß ver­wendet haben soll. Man sagt, es finde darin die Anficht-Be, gründung: daß zwar unter den Studenten damaliger Zeit über die Frage: ob zur Herbeiführung Deutschlands Einheit und Freiheit jedes Mittel, den Meuchelmord nicht ausgenommen, vor dem Gewissen erlaubt sey? vielfach debattirt worden sey, auch daß mancherlei politische Verbindungen anderer Art wirk­lich eristirten, der vorbemerkte Assassinenbund der Jungen und ein diesen leitender der Alten aber keineswegs bestanden, auch daß die Verbrechen Sand's und Lönning's diesen beiden durch individuelle Motive mehr noch fanatisirten Gemüthern ganz allein angehörten, ohne Miturheber oder Mithelfer gehabt zu haben.

Wenn nun ein Mitglied dieser Kommission gewesen zu seyn jetzt noch zu gehässigen Insinuationen benutzt wird, so läßt sich dieses nur aus Unkenntniß der wirklichen Verhältnisse erklären in Verbindung mit einer Reminiszenz an jene schwarze Prophetie.

Mehrmals schon sind aüch die hohen Taggebührcn, welche der Nassauische Kommissär bezogen habe, zur Verunglimpfung desselben benutzt worden. Wir haben deßhalb aus sicheren Quellen zu erfahren gesucht, wie es sich damit verhält, und können Folgendes darüber mittheilen.

Bei dem vorgefallenen Meuchelmord und Mordversuch, bei der fleißigen Uebung der Taktik persönlicher Verunglimpfung der Kommissäre, sobald nur ihre Namen bekannt geworden, war es Absicht der Konstituenten, sie für die Zeit ihres Aufent­halts zu Mainz in- Rücksicht ihrer Bedienung, ihres Umgangs, Transportes rc. in eine möglichst unabhängige und gesicherte Stellung zu versetzen und es wurden daher auch dem Nassaui­schen Kommissär 22 fl. Diäten täglich festgesetzt. Während es

*) Einmal nur soll eine Lokalbehörde, und zwar aus eignem Antriebe . zwei Gefangene, einen Studenten und einen Kommis in einem Wagen

an die Kommission geschickt, diese sie aber nach einem Nachtquartier sofort wieder zurückgesendet haben.