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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

â 57,

Donnerstag den 8. März

1849,

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume­rationspreis ist in Wiesbaden S fl., für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthuws und KurfürstenthumS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt Sfl. 30 kr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn-und TariSschen Verwaltungsgebietes Ssi. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenf- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dienstnachricht.

Nichtamtlicher Theil.

Was wir wollen?

Deutschland. Wiesbaden (Landtag). Die Trinksprüche bei dem Bankett am 4. März). Aus dem Amte Idstein (Die Feier des 4. März). Frankfurt (Gerücht in Betreff Rußlands. Die Mör- der Lichnowskh's). Wien (Sieg in Ungarn).

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

Amtlicher Theil.

Friedrich Alt bürg er von Rüdesheim ist naw bestan­dener Prüfung unter die Kandidaten der evangelischen Theologie ausgenommen worden.

Nichtamtlicher Theil.

:: W a s wir wollen?

Wir haben jüngst in einer Ansprache an das Volk von der gegenwärtigen Lage unseres Vaterlandes geredet. Wir haben gesagt, daß, wo jetzt ein patriotisches deutsches Herz schlage, dasselbe nur für die Freiheit, Einheit und Größe des Vaterlandes schlagen könne. In dieser Dreieinigkeit der heißesten Wünsche eines deutschen Herzens liegt die ganze Triebkraft der Gegenwart und die Hoffnung unserer Zukunft.

Aber die Wege, die unser Volk wandelt, um zu dem höch­sten Ziele seiner Sehnsucht hineinzudringen, sind nicht sanft und eben. Tausend Hindernisse thürmen sich vor ihm auf, und an Feinden zur Rechten und zur Linken fehlt es nicht, die dasselbe um den Preis seiner Kämpfe und Leiden zu bringen trachten.

Wo sich etwas Neues gestalten will, das auf eine längere Dauer, als eine flüchtige Laune Anspruch macht, da muß es, wie der Baum, aus einem Kerne, der in die Erde gelegt wird und über den die Gesetze des Lebens, die ewigen Ordnungen der Natur walten, sich naturgemäß begrün­den, um zu wachsen und zu gedeihen.

Die Geschichte eines Volkes ist der Boden, aus welchem alle Gestaltungen seines Lebens sproßen! Wer ein Gebilde des Staates versuchen wollte, das nicht in dem ge­schichtlichen Boden des Volkes wurzeln sollte, würde dem Mann gleichen, der aus einem Kern einen Baum zu erziehen trach­

tete, ohne daß er denselben dem befruchtenden Schooße der Erde anvertraute und ihn den Mächten des Himmels unv der Luft zur Pflege und Erziehung überantwortete.

In den Anfängen ihrer Geschichte erscheinen die Völker gemeiniglich in ver ureinfachsten Gestalt ihrer Artung. Darum hat ein großer Geschichtschreiber gesagt, daß man nur auf die Anfänge ver Geschichte eines Volkes zurück zu gehen brauche, um über die Bestimmung desselben, wie über die Art und Weise Aufschluß zu erhalten, in welcher dieses Volk na­turgemäß zu allen Zeiten seine Bestimmung zu erreichen suchen werde.

An dem Anfang unserer G-eschichte haben alle deut sch en Stämme ein freies Gemeinwesen ge- zeigt mit Fürsten oder Königen an ihrer Spitze. Das ist auch der innerste Kern und Sinn der Staatsform, die wir die konstitutionelle Monarchie nennen, und die wir zu deutsch das Volksfürstenthum heißen wollen! Dasselbe vereinigt m i t a llen V o r züg e n d er Fre ih ei t die festere Sei# tung der Einherrschaft unv die kräftigere Entwick­lung der Macht und Größe, so wie deren Geltend­machung im Kreise aller übrigen Völker der Erde.

Wenn die Bewegungen des vergangenen Märzes auf die Wievereroberung eines freien Gemeinwesens gerichtet gewesen sind, so haben sie zugleich den unbewußt in der Geschichte fortwirkenden Trieb der Nation auch wieder enthüllt, der an dre Spitze des freien Gemeinwe­sens zu allen Zeiten die fürstliche Macht berufen hat. Darum ist die Nation auch in der jüngsten Revolu­tion überall vor den Thronen stehen geblieben, obwohl es ihr ein Leichtes gewesen wäre, in dem Sturme des Erdbebens, der auch die stärksten Throne erbeben machte, über diese hinzu« schreiten.

Eine Revolution, wie die, welche wir erlebt haben, und deren Schwingungen wir noch immer nachfühlen, ist nicht das Werk eines augenblicklichen Ein falls. Jahre und Jahrzehnte lang muß der Kampf der Ideen, der eine gewalt­same Umwälzung immer und zu allen Zeiten eingeleitet hat, in der Nation schon gewährt, müssen die weltumgestaltenden Gedanken schon in den Geistern den Sieg errungen haben bevor durch einen gewaltsamen Stoß endlich die langsam und im Stillen gezeitigte Frucht von dem Baume fällt.

Was ist der Kern aller Kämpfe und Leiden der letztvergangenen dreißig traurigen Jahre gewe­sen? Kämpfe und Leiden, die vorzugsweise die edleren und gebildeteren Geister der.Nation geführt und erduldet haben? Sie haben alle npr die Beschränkung der Willkühr- macht und die Herstellung eines freien Gemeinwesens bezweckt, und daneben die Einheit der Nation gefordert, ohne welche unser Volk nun und nimmermehr den ihm gebüh­renden Rang unter den Völkern der Erde wird einzunehmen vermögen!

Für diese Ideen haben die Männer als Jünglinge ge­glüht, die jetzt der Konsolidirung eines wahrhaften VolkSfür- stenthums und eines deutschen Bundesstaates alle Sympathieen ihres Herzens zuwendcn und jedes Opfer für sie zu bringen bereit sind!