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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M S« Mittwoch den 7. März

1849.

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Die Taunus-Eisenbahn, insbesondere die Biebricher Zweig­bahn, deren Einrichtung und Betrieb.

Deutschland. Bem Main (Charakteristische Züge). Usingen (Be­richtigung). Hachenburg (Die Feier des 4. März). Frank­furt (Reichstag).,H ann aber (Das Ministerium). Wien (Armee- bülletin. Sieg der Kaiserlichen in Ungarn). Ollmütz (Ministerielle Verlegenheit). Schleswig-Holstein (Antrag an die Laridesver­sammlung).

Sprechsaal für Stadt und Land.

*1* Die Taunus - Cisenbahtt, insbesondere die Biebricher Zweigbahn, deren Einrichtung und Betrieb.

(F v r t s e p a n g.)

Die jetzigen Zcitverhältnipr sind, das wird Niemand läug- neu, für alle industriellen und kommerziellen Unternehmungen keineswegs günstig. Sie werden hoffentlich bald wieder besser werden, und können auf die vorliegende Frage keinen hindern­den Einfluß haben. Weil sie überall dcprimircnd wirken, for­dern sie um so ernster zu Anstrengungen und geeignetem Fort­schritte auf.

Keine Anstrengung, aber ein Fortschritt ist's sowohl im Interesse der Eiscnbahngesellschaft als auch des öffentlichen Ver­kehrs ober des Publikums, daß die verlangte.Tarif-Ermäßigung bald realisirt werde.

Der bisherige Personengelvtarif ist von Frankfurt bis Wiesbaden für die

I. Wagenklasse . . . 2 fl. 42 kr.

II 1 fl. 48 kr.

UI. . . . 1 fl. 15 kr.

IV. . . . - fr. 51 kr.

Nimmt man den Eisenbahnweg von Frankfurt bis Wies­baden rund zu 10 Stunden an, so kommen auf die Stunde nach obigen Sätzen

I. Klasse . . . 16% kr.

II. ... 10% kr.

III ... 7% kr.

IV. 5'/i«kr.

In diesen Abstufungen mag vielleicht eine beiläufige Aus­gleichung für die Qualität der Wagen selbst oder für den von der Gesellschaft geleisteten Aufwand an Material gefunden werden. Eine billige und nothwendige Berücksichtigung der ge­ringeren Klasse des Publikums resp, eine gehörige Unterscheidung zwischen Lurus und Nothdurft finden wir darin nicht. Gegen die Sätze der beiden ersten Klassen, obgleich auch ziemlich theuer, mag vorerst nichts einzuwenden seyn , dagegen sind die andern gewiß zu hoch gegriffen und unserer Ansicht nach von

7% kr. auf 5% kr. für die III. Klasse,

5% ofr. auf 3% fr. für die IV. Klasse, zu ermäßigen.

Für die ganze Eisenbahnstrecke von Frankfurt bis Wies baden werden sich nach diesem Vorschläge folgende Sätze bilden ' für die III. Wagenklasse 55 kr. für die IV. Wagenklasse 35 kr.

In dem nun zu entwerfenden Tarife müßten dann aber auch diese Sätze für alle Stationen streng nach den Distanzen, nur mit Vermeidung der Kreuzertheilung berechnet, die bishe­rigen willkürlichen Ungleichheiten, wodurch die Reisenden für kürzere Strecken übervortheilt wurden, also beseitigt werden.

II. Tarif für den Transport von Fuhrwerk, Schlachtvieh rc.

Gegen die bisherigen Tarifsätze für die ganze Bahnstrecke von Frankfurt bis Wiesbaden dürfte vorerst nichts zu .erinnern seyn; nur müßte auch hier die Berechnung für die Stationen Kassel und Biebrich andere bestehen für den fraglichen Transport nicht nach Maßgabe der Entfernungen vollzo­gen werden.

III. Tarif für Güter, Geldsendungen und Gegen­stände mit Werthangabe.

Wir haben oben bei I schon beiläufig erwähnt, daß bet dem ursprünglichen übermäßigen Tarife der Gütertransport auf der Taunusbahn wenig oder gar kein Erträgniß abge­worfen habe. Es hatten nämlich, weil zu den damaligen Tarifsätzen jeder Frachtfuhrmann mit entschiedenem Vortheile konkurriren konnte, der Eisenbahn keine Güter überwiesen wer­den können und eS war somit die Taunusbahn bezüglich des Gütertransportes dem öffentlichen Verkehre, wie den Aktionären nichts werth.

Die Eisenbahn-Verwaltung entschloß sich später nicht aus eigenem Antriebe, sondern auf mehrfache Reklamationen, den Tarif herabzusetzen. Auch bei diesem herabgesetzten Tarff konnte die Bahn noch wenig benutzt werden, weil die Wasscrfracht und für größere Ladungen selbst auch noch die Landfracht sich billiger stellten, so daß Biebricher Spediteure, um mir Mainz konkurriren zu können, ein ständiges Frachtfuhrwerk zwischen Biebrich und Frankfurt unterhielten. Endlich, auf fortgesetztes Reklamiren, erfolgte im Jahre 1846 der jetzt noch bestehende Tarif. Von diesem Zeitpunkte beginnt eigentlich erst die Nutz­barkeit der Taunusbahn für das Handels-Transportwesen und ihre Jahresrechnungen weisen nach, welche bedeutende Ein- Uahmc aus dem Gütertransport-Betriebe resultirte.

Wir sind aber fest überzeugt, daß die jetzigen Tarifsätze für Güter an sich und im Vergleiche mit den Frachtsätzen und Transport-Bedingungen anderer deutschen Eisenbahnen, der äußersten Grenze erst näher gerückt, also noch einer weiteren Vermindung fähig sind, und daß als unmittelbare Folge wei­terer Verminderung ganz gewiß ein weit bedeutenderer Zu­schuß von Frachtgütern und eine verhältnißmäßige Aufbesse­rung des Erträgnisses für die Eisenbahnkaffe in Aussicht steht.

Indem wir darauf antragen, daß auf weitere Ermäßigung des Tarifs, etwa so, daß für die ganze Eisenbahnstrecke von Frankfurt bis Wiesbaden

Güter I. Klasse . .... zu 6 fr. pr. Ztr.

II. .....zu 8

HI- (Eilgut) zu 15