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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M SL Samstag -en 3. März 1849»

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume­rationspreis ist in Wiesbaden S fl., für den Umfang des HerzogthumS Staffan, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrasschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 3 fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen­te rg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postänitern zu machen.

U e b e r s i ch t.

Amtlicher Theil.

Dienstnachricht.

Nichtamtlicher Theil.

Französische Zeitungsstimmeu über die drohende italienische Verwickelung.

Deutschland. Wiesbaden (Festprogramm für den 4. März). AuS dem Amte Langenschwa lb a ch (Der Amtstaschendienst). Frank­furt (Reichstag). Die dänische Frage).

Dänemark. Kopenhagen (Die Aufkündigung des Waffenstillstandes). Siebenbürgen. Kronstadt (Vom Kriegsschauplätze).

Sprechsaal für Stadt und Land.

Amtlicher Theil.

Johann Ehrlich von Lorch ist nach bestandener Prüfung in die Zahl der Kandidaten der katholischen Theologie ausge­nommen worden.

Nichtamtlicher Theil.

Französische Zeitungsstimmen über die drohende italienische Verwickelung.

Paris, 27. Febr. Die Russen in Siebenbürgen und die Oesterreicher in Ferrara!.... Das sind die beiden Tages­ereignisse, welche das Ministerium und die Gemüther, nament- in der Nationalversammlung, am meisten beschäftigen.

Hören Sie zunächst das Urtheil der Morgen-Journale:

National:... Der Ton, mit welchem die Patrie gestern Abend den Eintritt der Oesterreicher in die Stadt Ferrara ver­kündete, beweist nur zu klar, welche Freude diese Nachricht in ( den Herzen ihrer Freunde hervorruft. Das Selbstvergnügen, mit dem sich das halbministerielle Abendblatt schon im Voraus über die Einnahme Rom's durch die Oesterreicher ergießt, er­füllt uns mit großem Bedenken. Großer Gott! wo sind wir hingekommen? Hätten wir die Zeiten Casimir Perier's zu be­dauern? Wäre die Februar-Republik weniger muthig als die Juli-Regierung? Auf die Depesche, welche der Regierung das Einrücken der Oesterreicher in das Gebiet der römischen Repu­blik anzeigt, hat die Regierung nicht anders als mit einem Heere und einer Flotte vor Civita Vecchia und in das adria­tische Meer zu antworten.... Die Okkupation der Oesterrei- .cher scheint übrigens mit einem allgemeinen Plane der Reak,

tion zusammen zu fallen. Am 19. Febr. sollten die Gioberti­scheu Truppen in Toscana einfallen; am 19. Febr. überschreiten die Oesterreicher bei Ferrara den Po und morgen wird unS die Post wahrscheinlich die Nachricht bringen, daß ein neapo­litanisches Korps von dem Süden her einrückt. Das verräth eine förmliche Verschwörung der Reaktion gegen die Revolution. Hiefür genügen keine bloßen Interpellationen. Die republika­nische Majorität muß vielmehr dem Ministerium den Weg vorzeichnen, den es zu befolgen. Sofortige Räumung der Le­galionen, Garantie gegen die Rückkehr der Oesterreicher; voll­ständige Entschädigung für die, einem unter französischem Schutz stehenden Brudervolk angethanen Verletzungen... ober Krieg! Wir sind stark; denn wir sprechen im Namen des Rechts und haben die Sympathieen der Völker für uns; ihre Sache ist unsere Sache und die der ganzen Welt."

DiePresse" freut sich heimlich, daß sich die Lage nach Innen und Außen gleichzeitig verwickele. Sie sagt:

Die Lage Zentralitaliens verwickelt sich. 10,000 Oester­reicher sind in Ferrara eingerückt. So hätten wir denn Bürger­krieg im Innern und Invasionen an der Gränze. Ganz wie 1792. Aber der Konvent triumphirte über alle Hindernisse; er hatte 14 Armeen und eine furchtbar organisirte Regierung. Wir sehen uns vergebens auch nur nach einem Schatten von Armee im Mittelitalien um. Wir sehen nichts als Klubbs, welche befehlen; Ministerien, welche nachgeben und Einwohner, schäften, die noch stillschweigen, bis sie Gelegenheiten finden, sich zu revoltiren."

Consntutionnel" bemerkt: Manzoni erklärte in der Sitzung der Konstituante vom 16. Febr., daß die Staatskasse leer sey, daß sich keine 250,000 Röm. Thlr. darin befänden.... Am 17. Febr. legten Erekutivkonseil und Ministerium ihr Programm vor, das viele hohle Deklamationen enthält; aber auch eine Kriegserklärung gegen Oesterreich. Womit will man aber in jenem Lande Krieg führen, das von Opposition und Partei­zwist zerrissen?

Siecle sagt:Es ist für Niemanden mehr ein Geheim, niß, daß zwischen den Kabinetten von Wien und St. Peters­burg heimliche Verträge bestehen. Oesterreich opfert seiner un­sinnigen Leidenschaft, in Italien zu herrschen, die theuersten Interessen seiner Politik, sowie die Interessen des Westens. Oesterreich ist bereit, an dem Tage, wo es seine Kräfte nach Italien wenden müßte, die Hauptpunkte der Donaugegenden den Russen zu überliefern. Die Wiener Zeitung meldet täglich neue Anmärsche der Russen auf Galizien, Moldau, Walachei und Siebenbürgen. Rußland in Bucharest und Jassy, steht an den Thoren von Konstantinopel. Wie weit hat es dann noch von dort zu den Dardanellen? Dieses Andrängen des Slavenreiches haben wir der affreusen Anarchie zu danken, die in Rom und Florenz herrscht."

Das Journal des Debats hält noch hinter dem Berge; es knüpft für heute nur folgende Aeußerungen an daS Ein­dringen der Oesterreicher:

Wir sahen neulich einen Brief Mazzini's an die Römer, in welchem er ihnen empfiehlt, den Oesterreichern die Zitadelle von Ferrara, koste es was es wolle, zu entreissen. Ein unglück­licherer Rath als dieser konnte den Römern nicht gegeben wer.