suchung eine Vertheidigung zuläßt, müssen wir im Allgemeinen billigen. Tadeln müssen wir es aber wieder, daß seine deß- fallsigen Vorschläge logischer Weise nicht in der Unterabtheilung „von der Voruntersuchung", sondern unter dem Titel II von dem Staatsanwalre und von dem Vertheidiger vorkommen.
Wir halten es für die Erforschung der Wahrheit sür sehr bedenklich, wenn dem Vertheidiger des Angeklagten, wie der ständische Entwurf in Art. 58 will, schon vor dem Schlußverhöre in der Voruntersuchung die Einsicht der gesammten Untersuchungsakten gestattet würde, und sind der Meinung, daß dadurch den schädlichsten Kollusionen Thür und Thor geöffnet , in vielen Fällen die wirklichen Verbrechen der wohlverdienten Strafe entgehen und dadurch der bürgerlichen Gesellschaft unheilbare Wunden geschlagen würden.
Der Beisatz: „insofern eS der Untersuchungsrichter sür unbedenklich findet", kann unser Bedenken nicht beseitigen, weil eine solche Bestimmung eines Theils mißbraucht werden, andern Theils den Untersuchungsrichter in den Verdacht der Parteilichkeit bringen kann. (Schluß f.)
Deutschland.
f* Vom östlichen Taunus. (Andeutungen über das Wirken der Schulkommission in Beziehung auf die Volksschule und ihre Lehrer.) Wie wir wiederholt vernehmen, so ist dem Wunsche vieler unserer Amts- und Berufsgenossen in dem Herzogthum Nassau dadurch entsprochen worden, daß die Lehrer Rühl und Welcker zu Mitgliedern unserer Schulkommission gewählt und ernannt worden sind. Nach den Aeußerungen, die wir vor einiger Zeit in einer Lehrerversammlung zu hören Gelegenheit hatten, sollen diese beiden Herren Amtsbrüder unter allen Lehrern unseres Landes allein geeignet seyn, unserer Sache in der Kommission rc. zu führen und den ganzen Lehrerstand so recht in das Eldorado gewünschter Zustände und Verhältnisse zu setzen. Besonders verspricht man sich große Dinge von Hrn. Rühl, der, wie man ausdrücklich bemerkte, ein unbegrenztes Wissen mit einer Alles niederschmetternden Beredsamkeit verbinde und allen Widersachern gehörig zu schaffen machen könne. — Da uns die nähere Bekanntschaft mit jedem der erwähnten Herren abgeht, so lassen wir das, was dem Einen oder dem Anderen vindizirt wird, dahingestellt seyn, obschon es uns etwas nach Uebertreibung zu schmek, ken scheint, wenn man uns im Ernste glauben machen will, kein anderer Lehrer im Herzogthum könne ihnen und namentlich dem Hrn. Rühl an die Seite gestellt werden. Wir sind im Gegentheil der Ansicht, daß noch manche zu finden seyn I möchten, die das wahre, wohlverstandene Interesse un-! seres Standes mindestens eben so tüchtig und würdig vertreten könnten; allein jeglicher Parteiung und den damit zusammenhängenden Einseitigkeiten des Urtheils abhold, wollen und können wir hier nicht um Persönlichkeiten rechten; wir halten uns vielmehr an die Sache, um'die es sich handelt, und deren Wichtigkeit uns bestimmt, auch einmal das Wort zu nehmen.
Nach einer ruhigen und besonnenen Würdigung aller Zu, stände und Verhältnisse unseres Schul- und Lehrerlebens glauben wir, daß dessen Hebung und Verbesserung nicht auf dem schwanken Boden gereizter, leidenschaftlich -^erregter Subjektivität, sondern nur von dem Standpunkte aus, den eine gehobene und unbefangene Lebensauffassung anweiSt, dauernd und sicher angestrebt werden könne. In den Erörterungen darüber darf und kann darum auch nicht die Leidenschaftlichkeit Stimme haben, sondern die klare freie Ansicht der tüchtigen, im Amte sich vielseitig bewährten pädagogischen Bildung. Besitzen unsere Vertreter diese Bildung, haben sie den von uns angedeuteten Standpunkt gewonnen, so werden fie im Vereine mit dem trefflichen Seminar,Oberlehrer Meister, von dem wir Beides mit Zuversicht behaupten können, in rech- ter Weise für Schule und Lehrer zu wirken vermögen, eher gerade die erwähnte und wohl etwas übertrieben geschätzte niederschmetternde Beredsamkeit mit dem unbegrenzten Wissen nöthig zu haben.
Sie werden dann im Sinne aller tüchtigen und besonnenen Lehrer des HerzogthumS und in sorgsamer Berücksichtigung unseres wohlverstandenen wahren Interesses vor Allem die Frage genau zu erwägen haben: Welche Verbesserung und Hebung thut der Volksschule bei uns in ihrem inneren Leben noth, um so recht eine Pflanzstätte deS in Sinn und Sitte ge
hobenen und veredelten, wahrhaft christlichen Volkslebens zu werden und somit dem Staate zu seyn, was sie dem Staat! 3 und der Kirche, was sie der Kirche sevn soll? Weiter möcht! 3 wohl zu untersuchen seyn, warum die Erwartungen, welch, g man an die vor drei Dezennien mit Begeisterung eingeführt, e Verbesserung unsers Schulwesens knüpfte, bis jetzt nicht fid recht in Erfüllung gehen wollten. Bei dieser Untersuchung und Erörterung handelt sich's nun natürlich nicht etwa um weit- § läufige Angabe der seit Jahren vorgekommenen Uebergriffe rc. 3 von Seiten der Geistlichen, auch bedarf eS keiner Herzählung b der Fälle, in denen dieser oder jener Lehrer da und dort nicht b gut Gehör finden konnte; mit Einem Worte: der freie unbe# ? fangens Blick kann unmöglich an dem haften bleiben, waS man i seither uns nur zu oft von geistlicher Bedrückung, von bureau- $ kratischen Mißständen und Seminarmängeln sagte. Nein, es muß vielmehr hingeschaut werden auf den historischen Gang st unseres innern Schullebens, und wer Beruf haben soll, für i Schule und Lehrer in rechter Weise wirksam zu seyn, muß " durch die angedeutete Untersuchung zu der Ansicht kommen, daß - man bei der nach Deutschlands großartiger Erhebung in den 1 Befreiungskriegen eingeführten, auf die pestalozzischen Bestre- ‘ bringen begründete „Schulverbesserung vorzugsweise auf die - Lösung der Methodenfrage und die Erweiterung des Unter# ! richtszyklus sah, sich bei der hin und wieder sehr mangelhaften 1 praktischen Ausführung der neuen Unterrichtsweise nicht selten in methodologische Experimente verlor und darüber das eigent- , liche erziehliche, das Gemüth- und Thatlebende bildende Ele- ■ ment in den Hintergrund gerathen ließ." (Schluß folgt.)
Potsdam, 26. Febr. Morgen gegen Abend trifft die Leiche des verewigten Prinzen Waldemar von Preußen mit einem Ertrazuge auf der Eisenbahn von Münster hier ein. Der Verlust dieses ritterlichen Prinzen wird auch hier von allen Volks- klassen schmerzlich gefühlt, und dem edlen Vater des verewigten Prinzen die innigste Theilnahme gewidmet.
Berlin, 27. Febr. In Folge der Einladung der Herren Waldeck und Berends an die Mitglieder der sogenannten Oppositionspartei versammeln sich gegenwärtig deö Abends etwa 150 Abgeordnete in der Weinhandlung von Jaroschewitz am Gensdar- menmarkte. Diese Zahl würde also die Stärke der Linken in der zweiten Kammer bezeichnen. Doch ist dabei zu erwägen, daß viele Abgeordnete sich zu dieser Fraktion nur deßhalb bekennen, weil sie zum gegenwärtigen Ministerium in Opposition stehen.
Durch die Eröffnung ■ der Kammern ist einiges Leben in unsere Literatur gekommen. Es erscheinen mit dem heutigen Tage fünf neue Zeitungen: die konstitutionelle Zeitung, eine neue lithographirte Korrespondenz, eine Kammerzeitung, eine Parlamentszeitung und die Tribüne.
— Während die allgemeine Aufmerksamkeit sich ausschließ, lich auf die politischen Dinge richtet, gehen wichtige Bewegungen auf kirchlichem Gebiet vor sich. Die Mißstimmung, welche seit der sogenannten Union und dem Erlaß der neuen Agende unter den streng Konfessionellen gegen die neu gestiftete Landeskirche herrscht und durch die Verfolgung der separatistischen Lutheraner aufs äußerste gesteigert wurde, benutzt das Recht der freien Assoziation, welches der März gebracht hat, zu einer allmäligen und immer rapider vor sich gehenden Auflösung der unirten Kirche. Ganze Gemeinden, namentlich in Schlesien und Pommern, treten zu der verfolgten Sekte der Lutheraner über. Die Gemeinde Jaffow bei Kammin, Sommersdorf bei Stettin sind übergegangen, und nur Pastor und Kantor verblieben an einzelnen Orten in der Landeskirche. In Breslau hat ein Professor der Theologie Dr. KahniS sich der Sekte angeschlossen; der bekannte Hr. v. Thadden ist mit seiner Ge, meinde und dem Prediger gleichfalls übergetreten. In Rogasen (Posen) gründen die Separatisten schon ein Lchrinstitut. Selbst am Rhein gründet ein Kandidat Rudel zu Wolperöhofen bei Saarbrücken eine lutherische Gemeinde.
— Der Finanzminister Rabe soll sich bei seinen Büreau- beamten daS.Prädikat Exzellenz verbeten haben.
— Die Auswanderungölust regt sich in diesem Frühjahr bei unS und im ganzen Deutschland in einer fast unglaublichen Weise. ES bestehen hier schon Dutzende von Vereinen für den bevorstehenden Umzug, und in allen Städten und Dörfern regt sich ein gleicher Trieb. Namentlich werden aber in diesem Jahre nicht nur Arbeiter und überhaupt arme Personen, sondern auch vorzugsweise wohlhabende Familien auS- wandern. Besonders sind die politischen Ereignisse hieran Schuld.