hervorragende Figur des ganzen Festes. Beim Herausgehen auS der Magdalenkirche wußte Herr Marrast den Jubel der Menge durch fortwährendes Erwidern der Zurufe: Es lebe die Republik! Es lebe die Nationalversammlung! dergestalt auSzubeuten, daß der Präsident der Republik oft gänzlich verschwand ......"
L'Union sagt: Nicht blos in der Magdalenenkirche wurde der 24. Febr. gefeiert, sondern auch Abbe Châtel hat diesen Tag zu neuer Profanation der römisch-katholischen Religion benützt, indem er in seiner Eglise Frangaise (Passage Dauphine) eine Gedächtnißfeier abhielt, welche den Katholizismus schändete. Abbe Chätel verkündete in einer Predigt die Morgenröthe einer neuen Epoche, den Tod des Katholizismus und den Beginn des Reiches des Glückes und der Liebe auf Erden. Er hat auf den Pabst in Gaëta geschimpft. Seine Gesichtszüge nahmen einen wahrhaft teuflischen Ausdruck an, als er erklärte, daß weder dieser Pius noch irgend ein anderer Pabst auch nur um einen Grad besser sey, als die übrigen Menschenkinder; man solle Dankgebete anstellen, daß die Pabstherrschast für immer zusammengestürzt sey. Im Verlaufe desselben Vortrages erklärte der priesterliche Apostat, daß die Pfaffen alle lögen, wenn sie den Kain dafür, daß er den Abel erschlagen, mit ihrem Bannflüche verfolgten. Kain sey das Sinnbild der Armen (Proletariats) und Abel das Sinnbild des Reichthums (Aristokratie). Wir begnügen uns mit diesen Auszügen aus der Gedächtnißfeier des Abbe Chutel."
— Aus Lyon keine neuen Ruhestörungen. Die Statue des L’homme du Peuple bleibt auf dem Place Louis XX III. darin bestand vorläufig Alles, was das Volk verlangt. Die Verhafteten sind größtentheils freigelassen.
— In Dijon ist bekanntlich die Artillerie-Kompagnie der Bürgerwehr aufgelöst worden. Es sollten ihr die Kanonen abgenommen werden. Die Kompagnie verschloß aber das Zeughaus und eine Abtheilung des 9ten Dragonerregiments sprengte die Thüren, um die Geschütze nach Auronne zu befördern. Auch in Dijon stehen sich, wie man sieht, zwei Klassen der Einwohner gleich Observationskorps gegenüber.
— Kolloredo's Auftreten in London erfüllt unsere monarchischen Blätter mit Jubel. Die „Assemblee" ruft beim Durchlesen der Times aus:
„Ahnten wir es doch, daß die Hoffnung unserer Revolu tionäre, die italienische Frage in Brüssel auf dem Papiere nach ihrem Geschmacke erledigt zu sehen, zerrinnen würde. Oesterreich hat erklärt, daß es seine Rechte einer Prüfung deS Kongresses nicht unterwerfen werde."
— Die „Opinion publique“ meldet: „Ein Korps der sardinischen Armee ist in Toskana eingedrungen, um die Rebellen zu strafen und den Großherzog Leopold auf seinen Thron zurückzuführen. Im Augenblicke, wo wir dieses schreiben, ist die Ordnung in Florenz wieder hergestellt."
Großbritannien.
London, 23. Jan. Wie die „Times" berichtet, hat der Wiener Hof durch seinen Gesandten, den Grafen Collored o, dem hiesigen Kabinet die Anzeige gemacht, daß er nicht Willens sey, auch den kleinsten Theil seiner landesherrlichen Rechte in den Provinzen der Lombardei und Venedig nachzulassen, und daß er gerüstet sey, diese Rechte mit der ganzen Macht des Reiches zu vertheidigen. Es sey der Wille des Kaisers Franz Joseph, in seinen italienischen Landen liberale und die nationale Wohlfahrt seiner Unterthanen südwärts der Alpen zu fördern geeignete Institutionen einzuführen. Aus Rücksicht für die Mächte, welche an der italienischen Angelegenheit lebendigen Antheil genommen haben, sey die österreichische Regierung vorbereitet, die Konzessionen, welche sie zu machen geneigt sey, in Brüssel kundzugeben ; aber da dies gänzlich eine innere Regierungsfrage zwischen dem Oberhaupt des Reiches und einem Theile seiner eigenen Besitzungen, so könne bei diesem Gegenstände auch keine fremde Vermittelung weder verlangt, noch angenommen werden und die in Rede stehende Vermittelung habe ebensowenig mit der Verfassung der Lombardei, als mit der Unabhängigkeit derselben etwas zu thun. Der einzige Gegenstand, welcher in dieser Beziehung also noch übrig bleibe, bemerkt die „Times", sey die FrievenSunterhand-
lung zwischen Oesterreich und Sardinien. Könnte die Geschicklichkeit der Diplomaten einen solchen Frieden in Brüssel zu Stande bringen, so würden sie Europa einen Dienst erweisen; allein die größte Schwierigkeit, mit welcher sie zu kämpfen haben werden, rührt nicht von Oesterreich, sondern von Sardinien her, oder besser von der Revolutionspartei, welche das unglückliche Land nach Außen dem Kriege, nach Innen der Revolution preisgibt.
Sprechsaal
für Stadt und Land.
Erklär u n g.
Als ein Ungenannter in Folge meiner Interpellation in der Ständekammer mit einem Artikel „0 Vom Taunus" als Verfechter des Maturitätöeramens gegen mich austrat, hielt ich es für meine Pflicht, meine Ansichten über diesen Gegenstand in einer kurzen Erwiderung anzudeuten. Ich that es, und sprach mich im Allgemeinen dahin aus, daß den Lehrerkollegien das Recht vindizirt werden müsse, auf Grund ihrer aus längerer Beobachtung geschöpften Kenntniß der Schüler die Maturität derselben zu beurtheilen. Anstatt nun auf eine gründliche Untersuchung und Beurtheilung dieser Ansicht einzugehen, versucht sich mein Gegner in Nro. 45 der Nass. Allg. Zeitung mit einer Gereiztheit und Leidenschaftlichkeit, die ich nicht weiter bezeichnen mag, in Angriffen auf meine Person. Ich erkläre, daß ich ihm auf das Feld der Persönlichkeit erstens nicht folgen kann, weil er es immer noch vorzieht, verkappt seinem unermeßlichen Zorne Luft zu machen; zweitens aber auch nicht folgen will, weil ich eine Kampfesweise verschmähe, die großen Mangel an humaner Bildung beurkundet.
Die Kampfesweise meines Gegners möge kurz an einem Beispiele gezeigt seyn. Derselbe wirft mit Unkenntniß eines früheren, Reskriptes zur Einführung der Maturitätseramina vor und züchtigt mich dann mit interessanten Prädikaten liegen dieser Unkenntniß. Hierauf diene ihm zur Antwort: Ich weiß sehr gut, daß man schon in früherer Zeit den Versuch gemacht hat, die fraglichen Eramina einzuführen; aber ich weiß auch, daß es bei dem Versuche geblieben ist, und daß deßhalb Herr Oberschulrath Metzler im Programm des Weilburger Gymnasiums vom Jahr 1844 mit Recht sagen konnte: „Wesentlich neu war die am 23. März 1843 eingegangene hohe Verfügung herzvgl. Landesregierung wegen Abhaltung einer nunmehr auch auf die Schüler des Landesgymnasiums ausgedehnten ausführlichen schriftlichen und mündlichen Maturitätsprüfung der zur Universität Abgehenden." Sie dauerte mit der Aufnahmeprüfung kaum drei Wochen. Ebenso sind mir die Konflikte in der Schulfrage zwischen der Staatsgewalt und den Leitern der katholischen Interessen in mehren deutschen Staaten bekannt; daß aber diese Konflikte sich um die Maturitätsprüfungen gedreht haben sollen, das hätte mein Gegner doch nachweisen müssen. Schließlich die Erklärung, daß ich erst dann wieder an dem Streite über die Maturitätsprüfungen mich betheiligen werde, wenn er in geziemender Weise geführt wird. Auf persönliche Angriffe werde ich nicht mehr antworten. Bellinger.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
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Die Expedition der Nass. Allg. Zeitung.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.