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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 47. Samstag den 24. Februar 1849.

Die Raff. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- rationsvrcis ist in Wiesbaden 8 fl., für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und Kurfurstentbums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl. SO fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit S fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen­de rg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dienstnachrlchten.

Nichtamtlicher Theil.

Die Freihandels-Bestrebungen des norddeutschen Handels- standes.

Deutschland. Wiesbaden (Ausmarsch von Truppen). Usingen (Die Herabsetzung der Pfändungsgebühren der Gerichtsvollzieher). Mainz (Der neue Bischof). Fran kfurt (Reichstag). München (Die Ministerkrists). Hannover (die MinisterkriflS). Berlin (Vor­kehrung gegen angebliche Revolten). Wien (Widerspruch der Nach­richten über Siebenbürgen. Die Russen).

Italien. Florenz (Theilweises Widerstreben des Militärs. Französisches Gelüste auf Elba).

Amtlicher Theil.

Der Rechtskandidat Stamm von Wiesbaden ist zum Amtsprokurator zu Höchst ernannt worden.

Der Pfarrer Schulrath Rittersbacher zu Laufenselten ist auf sein Ansuchen in den Ruhestand versetzt worden.

Der zu der im vorigen Jahre stattgefundenen theoretischen (ersten) Konkursprüfung in der Forstwissenschaft zugelassene Forstkandivat F. Hatzfeld von Driedorf ist unter die geprüf­ten Kandidaten der Forstwissenschaft ausgenommen worden.

Nichtamtlicher Theil.

** Die Freihandels-Bestrebungen des nord­deutschen Handelsstandes.

Ueber das Wesen der nationalen Arbeit und die Frage, ob dieselbe geschützt oder sich selbst überlassen bleiben müsse, scheinen die guten Deutschen noch lange nicht einig werden zu wollen. Diese Frage ist offenbar zu einfach, um von uns be­griffen werden zu können. Sie wird deßhalb auf alle mögliche Art ausstaffirt und mit einem Apparat von Unverständlich­keiten umwickelt, der ihre eigentliche Gestalt fast nicht mehr er­kennen läßt.

Schaut euch doch nur int Leben um, ihr aufrichtigen Streiter für Freihandel und Schutzzölle, wie es der einfache Bürgers­mann hierin hält, und ihr werdet nicht mehr um eitler Lheo- rieen willen die Wohlfahrt einer großen Nation auf's Spiel setzen wollen.

Fragt jeden Krämer und Handwerker, ob er sich nicht

gerne seine Bedürfnisse da kauft, wo sie am wohlfeilsten und dellen sind? Sie werden auch alle sagen: Ja! Fragt sie aber auch, ob sie es thun? dann werden sie sagen: Nein! Denn sie müssen von Denen diese Bedürfnisse kaufen, die ihnen auch ihre Produkte wieder abkaufen; da sie sonst ebenfalls nichts verkaufen könnten. Warum geschieht dieses aber? Weil sie Alle leben wollen und weil Leben und Lebenlassen das erste und heiligste Gesetz alles Verkehrs ist.

Wenn man nun aber vom Auslande die Bedürfnisse viel wohlfeiler und besser haben kann, und der ehrsame Handels­stand sich erbietet, für die Herbeischaffung derselben zu sorgen, so sollte man denken, würden alle Bedenklichkeiten fallen. Mit Nichten! Der einfache Bürgersmann wird euch sagen: wenn unsere inländischen Arbeiter, meine Nachbarn, die Gegenstände meines Verbrauchs auch nicht so wohlfeil und gut liefern kön­nen, so wollen wir ihnen lieber Zeit und Schutz gönnen, daß sic sich durch eigenen Fleiß und Konkurrenz vervollkommnen, als daß wir sie zu Grunde gehen lassen; denn sie ernähren sich doch redlich und wir können dabei bestehen. Wir brauche« dann r och auch unser Geld nicht herzugeben und kommen nicht in den Fall, unsere eigenen Produkte nicht an den Mann brin­gen zu können. Es kommt überhaupt gar nicht so genau dar­auf an, wie theuer gegen andere Länder die Bedürfnisse und wie hoch die Steuern sind, wenn die Erwerbsquellen reichlich fließen. Wo dieses aber nicht der Fall, ist Alles zu theuer und die niedrigste Steuer zu hoch.

Der ganze Reichthum einer Nation besteht nur in den Er­zeugnissen ihrer geistigen und materiellen Arbeit. Wenn sie nicht arbeitet, so hat sie nichts, und aller Handel der Welt, wenn er sich in ihr konzentrirte, würde sie als Ration immer arm lassen, wenn nicht die Masse ihrer Angehörigen (was übrigens nur bei einem kleinen Küstenvolke seyn kann) bei die­sem Handel beschäftigt wären, darin' arbeiteten. Der Han­del ist auch überhaupt nur ein nothwendiges Anhängsel der Arbeit, denn er hat naturgemäß nur die Bestimmung, den in­neren Austausch der Produkte zu vermitteln und die durch die nationale Arbeit nicht hervorbringbaren Bedürfnisse einer Na­tion von Außen herbeizuschaffen. Dieses letztere kann er aber nachhaltig nur dadurch, daß er den Ueberschuß der nationalen Arbeitsprodukte gegen diese Bedürfnisse eintauscht.. Kann er nun von diesen Produkten einen höheren Werth erzielen, als die Bedürfnisse kosten, so schafft er für die Nation, welcher der Handel angehört, neue Werthe, er bereichert also dieselbe. Dieses kann aber nur geschehen, wenn die Nation eine eigne blühende Industrie besitzt. Thut er aber das Gegentheil, so trägt er zur Verarmung derselben bei, da dann die Tausch­differenz mit Geld ausgeglichen werden muß.

Daö Geld ist überfein höckst nöthiges nationales Bedürf- niß, das eigentliche Blut alles Verkehrs, da es überall an die Stelle der Produkte treten muß, wo diese sich nicht unmittel­bar im Austausche begegnen. Ist das Geld nun rar, so ist es auch theuer, wodurch der Verkehr und mit ihm die Produk­tion erschwert wird: ist es dieses aber nicht, so begünstigt oder erleichtert es denselben. DaS Geld wird aber rar, wenn wir von Außen mehr kaufen, als wir mit unsern Arbeitsprodukten bezahlen können, denn dann müssen wir mit Geld auögleichcn.