Ungarn:
Vom Kriegsschauplatz in Ungarn und den Nebenländern sind neuere Nachrichten cingelaufen, von denen die wichtigste die von dem nunmehr wirklich erfolgten Einmarsch der Russen in Siebenbürgen ist. DaS Schreiben eines in der Regel gut unterrichteten Korrespondenten der „Leipziger Zeitung," aus Olmütz, 17. Febr., stellt dies Ereigniß in nahe Aussicht, während der ministerielle „Lloyd" bereits von dem fait accompli berichtet. Die russische Intervention in Siebenbürgen, heißt cö in dem Olmützcr Brief der „Leipziger Zeitung," wird sehr wahrscheinlich in weit ausgedehnterem Maß estattfinden, als sie vor dem Falle Hermannstadts und Kronstadts eingeleitet war. Das russische Schutz- und Trutzbündniß, das bereits lange geschlossen, dürfte in nicht ferner Zeit zur Veröffentlichung gelangen.
Dem „Lloyd" aber wird von der siebenbürgischen Grenze vom 14. Febr. geschrieben: So eben vernehme ich, daß die Russen in «Siebenbürgen eingerückt sind; sie wurden von den Sachsen, also vom Volke gerufen, das sich gegen die vereinigten Schaaren Bem's und der Szekler nicht mehr zu schützen vermochte.
Weiter heißt cs in jenem Ollmützer Brief: Der Zusammenhang der italienischen und ungarischen Bewegung liegt auf der Hand. Desto mißlicher berührt cs, daß der ungarische Feldzug noch immer keine wesentlich entscheidende Wendung nehmen will. Während die Serben im Süden vordringen — Peterwardein ist jetzt auch in die Hände der Kaiserlichen gefallen, — während das Banat der alten Autorität zurückerobert ward, ist Siebenbürgen verloren gegangen und wird keine entscheidende Operation gegen die Theiß unternommen. Ueber die künftige Organisation Ungarns will noch immer Nichts verlauten, und Fürst Windisch-Grätz schwankt zwischen Maßregeln der Milde und Strenge. Zu Prcßburg ließ er die Güter der Verdächtigen mit Beschlag belegen; zu Raab drohte er, Orte, die im Rücken der Armee aufstehen würden, der Erde gleich zu machen; zu Pesth ward er ungewöhnlich nachsichtig und man vernahm beinahe nichts von den in Wien üblichen Erschießungen. Neuerdings geht er aber mit Maßregeln der äußersten Strenge vor.
Pesth, 13. Febr. (A. Z.) Der große Schlag — das Einrücken der russischen Truppen über die Gränze von Siebenbürgen, jenes Ereigniß, das selbst die loyale wohlmeinende Ostdeutsche Ztg. als eine ganz neue Phrase für den Weltzustand ansehen wollte — ist in Rauch aufgegangen. Als die zersprengten von allen Seiten ins Gedränge gebrachten Jnsurgentenhaufen sich zu einer bedeutenden ètärke unter Bem vereinigten und plötzlich das schwachbesetzte Hermannstadt überfielen und die dortige Gegend zu verheeren drohten, sprach das höchst bedrängte Landvolk den russischen General an der Gränze an, es gegen Raub uns Plünderung zu beschützen. Der russische General entschloß sich den befreundeten Einwohnern jener Gegend freund- nachbarliche Hülfe zu leisten, und versprach Truppen über die Gränze zu senden. Inzwischen waren aber bie-eigenen unter Puchner bereits mit Den Insurgenten fertig geworden, und die Russen gingen wieder ruhig dahin zurück, wo sie hergekom- men, als sie sahen, daß ihre guten Dienste nicht mehr nöthig wären.
Italien.
Am 11. Febr. Abends gelangte die Nachricht von der Proklamirung der Republik zu Rom nach Bologna. Sofort Gesang und lärmende Musik in den Straßen, Menschenströme, Flüche und Verwünschungen überall. DaS päbstliche Wappen wurde allenthalben von den öffentlichen Gebäuden herunterge- rissen, dem Gcspötte der Umstehenden preisgegeben und mit Füßen getreten; daS Ultimatum des PabsteS wurde im Angesicht der Hauptwache auf dem Marktplatz verbrani t. — Die beiden Schweizerregimenter sind einfach unter der »lternative abgcdankt worden, nach Hause zu gehen oder in die Nationalgarde überzutreten. Der Abmarsch des ersten Transports sollte am 15. beginnen.
Aus Gaöta vom 6. Febr. berichtet das Neapler Hofjournal, daß der portugiesische außerordentliche Gesandte Graf Pennafiel seine Abschiedsaudienz bei Sr. Heiligkeit batte. ES wird beigefügt, der Pabst erfreue sich der besten Gesundheit, und sey fast täglich, zu Wagen oder zu Fuß, im Freien zu sehen, zum großen Trost der Gläubigen, welche stets nach seinem Segen dürften.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Frankfurt a. SOL, den 20. Februar.
Mittags I Uhr.
Oesterreich, 5 °/„ Metalliques......
" /2 /o re .....*
„ 3 % Bankaclien o. D.....
„ 500 ff. Loose ........
„ 250 ff. Loose........
Preußen, 50 Thaler Prämieuscheine .... „ 3'/i% Staatsschuldscheine « 105 kr. .
Bayern, 37, % Obligationen....... Berbacher-Eisenbahn-Actien..... Würte mberg, 37, % Obligationen.....
„ 4% % neue Obligationen . . .
Baden, 37i % Obligationen von 1842 .... „ Lotterie-Anl. â 50 ff. bei G. u. S. . .
„ 35 ff. Loose vom Jahr 1845 ....
Darmstadt, 37i % Obligationen.....
4 % „ .....
„ 50 ff. Loose........
„ 25 ff. Loose.........
Kurhessen, Friedrich-Wilhelms-Nordbahn-Actien „ 40 Thlr. Loose bei Rothschild. . .
Nassau, 37i% Obligationen bei Rothschild . .
„ 25 fl. Loose..........
Frankfurt, 3 % Obligationen.......
„ 37i% „ von 1839 . . .
„ 3 7, „ „ von 1846 . . .
Tau nus-Eisen bahn-Actien è 250 fl. . . . Holland, 2 7i % Integralen....... Spanien, 3 % Innere Schuld.......
„ 5 „ Ardoin incl. 16 Coup.....
Polen, 300 fl. Lotterie-Loose.......
„ 500 p. „ „ . ......
Sardinien, 36 Fres. Loose bei Gebr. Bethmann D isconto..............
Papier. “75%~ 59% 40% 1197 1277, 807«
81%
74’/, 80 94% 79 50 28% 7971 877* 71% 237* 38 28 82 21 777, 9271 89
291 50% 22%
103 75% 28%
,Geld.
75% 59% 397,
1191
126%
987, 80% 78% 7471 79.7, 94% 787, 497, 2871 79 87 70% 23 37% 27% 8171 207* 77 92
887, 288
50% 22%
757* 28%
1%
Gold. ___fL_ _fr.__Silb er. __ fl. ! kr.
Großbritannien.
London, 17. Febr. Die „Times" enthält folgende Notiz: „Kriegsdampfbote für Deutschland. Die Dampf- fchiffe Akadia und Britannia, die in Postdienste der britischen und nordamerikanischen Gesellschaft (zwischen Liverpool und den Vereinigten Staaten) einen so großen Namen erlangten, sind jüngst dieser Gesellschaft von einer der deutschen Regierungen abgekauft worden. Sie befinden sich jetzt im Coburg- Dock zu Liverpool, wo an ihnen die Aenderungen vorgenommen werden sollen, welche zu ihrer Umgestaltung in wirksame Kriegsschiffe nöthig sind. Ihre Bewaffnung wird von der schwersten Gattung seyn."
Pistolen.......
Pr. Friedrichsd'or . .
Holl. 10 ff. Stücke .
Rand- Ducaten . . .
20 Francsstücke . . .
Engl. SouverainS. .
9
9
10
5
9
12
54 55%
2
37
35
1
Gold al Marco . . Laubth., ganze. . . Preuß. Thaler. . . 5 Frankenthaler . . Hochhaltig Silber. Gering u. niittelh.
382
24
24
28
20
In der L. Schellenverg'schen Hosbuchhandlung in Wiesbaden ist vorrâthig:
Ueber die Demokratie in Frankreich von Franz Guizot
Preis 18 kr.
Hierzu eine zweite Ausgabe des politischen Blattes welche an jedem Werktage, Vormittags um 11 Uhr, ausgegeben wird.
Die Expedition der Aass. ^tllg. Zeitung.
Druck und Verlag der L, Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.