Hierauf ist von herzoglicher Landesregierung folgendes Reskript an das Dekanat zu Usingen erlassen worden:
„In der von Ihnen und einigen andern Gliedern der im vorigen Jahre zur Vorberalhung einer freien Verfassung der evangelischen Landeskirche versammelt gewesenen Spezialsynode unterzeichneten Eingabe werden Ansichten und Wünsche in Beziehung auf die Dringlichkeit der bald zu berufenden Generalsynode ausgesprochen, auf deren weitere Erörterung wir hier einzugehen keine Veranlassung haben. Wir eröffnen Ihnen darauf nur, und zwar mit dem Ersuchen, auch den übrigen Unterzeichneten davon Kenntniß zu geben, daß es nicht in unserer Absicht liegt, die Zusammenberufung der Generalsynode länger hinauszuschieben, als cs durch die Umstände durchaus geboten ist; daß aber die Entscheidung über den Zeitpunkt der Entschließung der Behörden Vorbehalten bleiben muß.
Wiesbaden, 8. Febr. 1849."
Münster, 17. Febr. Heute Nachmittag gegen halb 4 Uhr verschied hier nach längeren Leiden der Prinz Waldemar, Kommandeur der 13. Kavalleriebrigade, der bekanntlich mit der englisch-ostindischen Armee den vorletzten Feldzug gegen die Sikhs im Penschab mitgemacht und dort den alten Heldenruf der Hohenzollern von neuem bewährt hat, in den Armen seines Vaters des Prinzen Wilhelm, Dheim Sr. Majestät des Königs und Gouverneurs der Reichsfestung Mainz, und seines älteren Bruders des Prinzen Adalbert, Generalinspekteurs und Chef der preußischen Artillerie, an den unglücklichen Folgen eines früheren Sturzes mit dem Pferde bei einem Jagdrennen. Der leider zu früh erfolgte Tod dieses hoffnungsvollen jungen Prinzen, — er starb in noch nicht vollendetem 32. Lebensjahre, — von dem das Vaterland die ausgezeichnetsten Dienste bei den noch bevorstehenden politischen Stürmen erwarten durfte, hat hier um so mehr das tiefste Bedauern und die regste Theilnahme hervorgerufen, als die Familie des Prinzen Wilhelm, des früheren Generalgouverneurs von Rheinland und Westphalen wegen ihres liebenswürdigen Benehmens hier noch in gutem Andenken ist und der hohe Verstorbene selbst durch An- spruchlosigkeit, Leutseligkeit und große Mildthätigkeit sich die allgemeine Liebe zu erwerben gewußt hat. (Elberf. Z.)
Schleswig-Holstein, im Febr. Wie verlautet, will Dänemark nach einer von ihm vorgeschlagenen Friedensbasis den Waffenstillstand auf kurze Zeit (etwa 3 Monate) prolongiren; man verlangt den Rücktritt der ledigen gemeinsamen Regierung und die Einsetzung einer neuen, theils aus wirklichen Dänen (für Schleswig), theils aus Holsteinern (für Holstein) gebildeten Verwaltungs-Kommission für die Herzogthümer. Daß Dänemark mit seinen unverschämten Forderungen durchdringen werde, ist kaum glaublich, obgleich der russische Gesandte in London, Frhr. v. Brunow, alle Hebel zu Gunsten Dänemarks in Bewegung setzt.
frönst et «H.
□ Paris , 19. Febr. Auf dem Marsfelde findet so eben eine große Parade statt. Auch sind dort, wie auf dem Kon- kordienplatze bereits die Zimmerleute mit dem Aufschlagen der Gerüste beschäftigt , die zur Revolutionsfeier am 24, Febr. dienen sollen.
— In Paris macht die Zivilisation (?) sehr erfreuliche Fortschritte. Wer in früheren Jahren das ungestüme Treiben während der Fastnachtstage, namentlich am Sonn- und Diensttage sah, konnte sich sicher eines Ekels nicht enthalten. Wir sahen heute keine Fleischerzünfte mehr die Keulen von Pappdeckel schwingen und die bemalten Amors find mitsammt dem Phaeton hinter dem Fastochsen verschwunden. Paris bleibt im bürgerlichen Rock oder Blouse und die Hanswurstereien haben ein Ende. Hätten die Herren Carlier und Rabillot nicht die republikanische Garde mit martialischen Fausthandschuhen und Schnurrbärten längs der Boulevards gestellt: kein Mensch hätte daran gedacht, daß heute Fasching wäre. Die Boulevards waren voll Menschen. Aber ist dieß nicht an jedem Sonntage der Fall? Das schöne Wetter und die Neugierde, ob es wirklich noch Leute gäbe, die Narr genug sind, sich mit Ruß zu entstellen, lockte allerdings einige Tausende mehr heraus; aber ihre Erwartungen wurden getäuscht. Mit Ausnahme einiger unerläßlichen Titi's und Pierrots gab es keine Maske.
Zwischen 2 und 3 Uhr verließ Bonaparte in hellgrüner Equipage sein Schloß in dem Faubourg St. Honors, kreuzte den Bendomesplatz und fuhr die Boulevards entlang. Obgleich man sich überall sagte voilä le président, blieb doch das Publikum still und wir finden selbst in den Hoforganen den Jubel nicht wieder, der ihm neulich an der Börse zu Theil wurde.
— Die Tuilerien, deren große Säle seit Mitte Januar's in Kasernen umgewandelt wurden, sind wieder leer. Das Militär ist anderweitig einquartirt worden.
— Für die Pariser Journale gibt es nur zwei wichtige Tagesfragen:
1) Der Sozialismus, der nach dem heutigen Consti- tutionnel wie die Cholera um sich greife, und dem durch die nächsten Wahlen der Hals gebrochen werden müsse.
2) Die italienische Frage. Letztere wird namentlich von der Girardin'schen „Presse" ausgebeutet, die den Franzosen die Nothwendigkeit der Herstellung eines lombardisch-venetiani- schen Königreichs, Wiedereinsetzung des PadstS, Rückkehr Leo- pold's nach Florenz u. s. w. vordemonstrirt.
„... Wie jedes Menschenwerk, glauben auch wir die Wiener Verträge einer Aenderung fähig, und wir wünschen sie sogar. Aber die jetzige Epoche ist so revolutionär, daß man mit nicht genug Ruhe und Reife an diese Revision schreiten könnte. Zerhiebe man diese Verträge mit dem Schwerte, so zerrisse man mit ihnen die letzten internationalen Banden, welche die Völker noch zusammenhalten, und statt einer allgemeinen Verbrüderung würde man einen allgemeinen Sturz der Rechtsherrschaft herbeiführen, der nur die Gewalt als Grundgesetz folgen dürfte. Es gäbe einen allgemeinen Völkerkrieg., Europa zählt 250 Millionen Einwohner; 76 Millionen (38 Millionen französischer, 22 Millionen italienischer und 16 Millionen spanischer Zunge) romanischen Ursprungs; 60 Millionen Deutsche und 65 Millionen Slaven. Man frage die Geschichte und man wird sehen, daß in allen Augenblicken großer Gefahr die Deutschen mit den Slaven stets gemeinschaftliche Sache gegen die Romanen (Franzosen, Italiener und Spanier) machten. Die heilige Allianz ist der letzte Beweis für diese Behauptung."
Italien.
Die Ausrufung der Republik in Rom ist jetzt außer allen Zweifel gestellt und, wie wir bereits bemerkten, die italienische Frage dadurch ihrer Entscheidung näher gerückt. Die neue Regierungsform wurde von der römischen Constituante in der Nacht vom 9. Februar mit 120 gegen 20 Stimmen angenommen, und zwar durch ein Dekret folgenden Inhaltes:
1) Das Pabstthum ist in der Wirklichkeit und von Rechts wegen von dem weltlichen Regiment des römischen Staates abgesetzt (decaduto); 2) der römische Bischof wird alle nöthigen Garantiern dafür erhalten, daß er seine geistliche Gewalt unabhängig ausüben kann; 3) die Regierungsform des römischen Staates wird die reine Demokratie seyn und den glorreichen Namen: „Römische Republik," annehmen; 4) mit dem übrigen Italien wird die römische Republik in denjenigen Verbindungen stehen, welche die gemeinsame Nationalität erfordert.
Sprechlaal
für Stadt und Land.
Zur Frage über Maturitätsprüfungen.
0 Vom Taunus, 12. Febr. Herr Bellinger hat meine Bitte, sich über den seiner Interpellation zu Grunde liegenden Gegenstand weitläufiger auszulassen, nicht erfüllt. Ich habe mich deßhalb für jetzt nur aus Folgendes zu beschränken.
Zunächst danke ich ihm dafür, daß er in Abrede stellt, gesagt zu haben, die Maturitätsprüfungen sevcn in anderen Ländern schon abgeschafft; denn das retablirt mir meinen Glauben an seine Aufrichtigkeit. UcbrigenS hatte mir vaS ein Ohrenzeuge mitgetheilt, Hr. Bellinger sieht also, daß die am