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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

JI£ 22. Sonntag den 18» Februar

182»

Die Nass. Atlg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Prânume- ratiouspreis ist in Wiesbaden 8 ft., für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fL SO fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn-und Tarisschen Verwaltungsgebietes 3 fl. 40 kr. Inserate werden die dreisvaltige Petitzcilc vdcr deren Raum mit S fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen­der g'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dienstnachrichten.

Nichtamtlicher Theil.

Die Wirksamkeit desDeutschen Vereins" zu Wiesbaden.

Zur Kritik des ständischen Gesetzentwurfes, die Einführung der Jury im Herzogthum Nassau betreffend.

Deutschland. Wiesbaden (Die reaktionäre Regierung. Joh. Dan. Düringer t). Herborn (Das Missionswesen an der Dill). Frankfurt (Reichstag). Mainz (Dr. v. Löhr t). Jena (Ehren- boktordiplom für Heinrich Gagern).

Amtlicher Theil.

Wilhelm Künstler von Biebrich ist nach bestandener Prüfung in die Zahl der geprüften Kandidaten der evange­lischen Theologie ausgenommen worden.

Die beiden Regierungskanzlisten Schildknecht und von Gödke sind in den Ruhestand versetzt und die Diurnisten Friedrich Heerlein und Gustav Kieme zu Regierungö- kanzlisten ernannt worden.

Nichtamtlicher Theil.

C.V. Die Wirksamkeit desDeutschen Vereins" zu Wiesbaden.

In einer der letzten Generalversammlungen des Vereines ist folgender s Rechenschaftsbericht des Vorstandes erstattet wor­den: Die vielfachen Anfeindungen, welche unser Verein erfah­ren, machen eine Erklärung über dessen Absichten und Wirken nothwendig, da den meisten unserer Mitbürger die Ursache seines Entstehens und seiner Grundsätze ganz unbekannt zu seyn scheinen. Es wäre sonst ganz unmöglich, daß von der Gegenpartei, so wie es geschehen ist, gegen den Verein auf eine so perfide Weise Anschuldigungen hätten gemacht und für Wahrheit hätten angenommen werden können, wie es leider, (zum Nachtheile der Leichtgläubigen) der Fall gewesen.

Bekanntlich genügte bald nach den Märztagen einer kleinen Anzahl politischer Schwindler nicht mehr, was das Volk ver­langt hatte, und was demselben feierlich zugcsagt worden war; es wurde versucht, die noch nicht vollkommen beschwichtigte Aufregung wieder zum Umstürze aller bürgerlichen und staat­lichen Einrichtungen neu zu beleben. Von der Uebereinkunft

zwischen Fürst und Volk am 4. März sollte abgesehen und es sollten Verhältnisse hervorgerufen werden, welche zu dem Bruche dieses Vertrages einen Grund abgeben könnten. Mochte der Fürst zu den gemachten Zugeständnissen noch weitere freisinnige Konzessionen aus eigenem Antriebe machen, mochte die Staats­gewalt alle Triebfedern in Bewegung setzen, um die Verwirk­lichung der Versprechungen herbeigeführt zu fthen, alles dieses genügte einer Partei nicht, welche für sich aus der ruhi­gen Entwickelung der Verhältnisse keinen Vortheil erwachsen sah und die Reform in das Gebiet der Revolution überspielen wollte; deßhalb verlangte man das Unmögliche, wollte alles in den nächsten Tagen verwirklicht haben, wohl wissend, daß, weil es unausführbar, solches bei den Unwissenden als ein Grund zum Mißtrauen, zur Unzufriedenheit und Aufregung benutzt werden könnte. So wurde der Herzog und die Staats­gewalt verdächtigt und die beklagenswerthen drückenden Ver­hältnisse hervorgerufen, woran unser Land und insbesondere unsere Stadt gegenwärtig noch schwer leidet. Ueberzeugt, daß mit dem Verträge am 4. März die Bewegung ihr Ende recht­licher Weift erreicht haben müßte, und daß in den damaligen Zugeständnissen alles enthalten sey, was dringliches Bedürfniß dcö Volkes^und der Zeitverhältnisse gewesen, mußte das oben bezeichnete Treiben zu der Befürchtung veranlassen, die jeder einseitig gebrochene Vertrag erregt, daß nämlich nun derselbe auch von der anderen Seite nicht mehr für bindend angesehen werden würde. Da dessenungeachtet die Staatsgewalt in ihrem redlichen Bestreben der Verwirklichung der 9 Artikel fortfuhr, so fühlte sich eine Anzahl hiesiger Bürger um so mehr ver­pflichtet, durch ihr Zusammentreten und gemeinschaftliches Wir­ken die Staatsgewalt zu unterstützen, da nur durch Kräftigung derselben die schnellste Verwirklichung der Hoffnungen des Lan­des zu StandeZommen sonnte. Ist ein Ministerium liberal, so ist es keine Schande, auf Seiten des Ministeriums zu stehen, und zwar so lange, als dasselbe Ministerium seinen Grund­sätzen treu bleibt.

Dieses ist die Ansicht des Vereines, sie bleibt immer die­selbe, fest an der Verwirklichung der zugesagten Freiheiten zu halten und gegen jeden anzukämpfen, der sie zu schmälern ver­sucht. Bis jetzt ist noch kein Grund vorhanden, an Gefährdung von Oben zu denken, wohl aber finden wir in den zahllosen Versuchen von einer andern Seite eine traurige Aussicht auf die Fortdauer der eingetretenen Störung des Wohlstandes aller Volksklaffen und gewaltsame Herbeiführung einer Reaktion, wie sie an andern Orten schon durch dieselben Versuche her­beigeführt worden und den Verlust der erworbenen Freiheiten zur Folge gehabt.

Diejenigen, welche mit den Märzcrrungenschaftcn nicht zu­frieden sind, sey, daß sie dieselben verkürzen oder gar mit einem grenzenlosen Maßstabe erweitern wollen, können und werden freilich nicht mit der Tendenz unseres Vereins über- einstimmen; sie werden aber stets an der festen Haltung des­selben und an der Lauterkeit seiner Grundsätze einen nicht leicht zu besiegenden Widerstand finden.

Richt allein der Verein zu Wiesbaden, sondern alle ver­bundenen deutschen Vereine huldigen derselben Ansicht; sie haben durch ihr gemeinsames Wirken dem deutschen Vaterlande