Einzelbild herunterladen
 

brachte Verbesserungsantrag. Außerdem betheiligen sich an der Debatte Herr Buß aus Freiburg, der den Paragraphen be­stimmter gefaßt sehen will, Herr Boczek aus Mähren und Herr Georg Heseler als Berichterstatter. Die Abstimmung entscheidet sich, unter Verwerfung des Verbesserungsantrags des Herrn Esterle, sowie der Zusätze von Buß und Boczek, für dw Annahme des Paragraphen in der oben mit­getheilten Gestalt des Verfassungöausschusses. Desgleichen wird zum Beschluß erhoben:

§. 48. Jeder deutsche Staatsbürger in der Fremde steht unter dem Schutze der deutschen Nation.

Dazu wird angenommen der Zusatz des Hrn. Michelsen:

Die im Auslande angestellten Gesandten, Konsuln und sonstigen Agenten Deutschlands sind verflichtet, den Angehöri­gen des deutschen Volkes den erforderlichen Schutz zu ge­währen."

Mit der Annahme des 8. 48 ist die erste Lesung des rück­ständigen Theils der Grundrechte beendigt und nachdem ein Antrag von Spatz, Pattai und Genossen auf Verweisung die­ses Theils an den VerfassungsauSschuß zur sofortigen Vor­bereitung der zweiten Lesung abgelehnt worden ist, wendet sich die heutige Berathung zu dem Berichte des Prioritäts- und Petitionsausschusses (Berichterstatter Hr. Ludw. Uhland) über den Antrag des Hrn. Künßberg die weitere Behand­lung des Verfassungswerks betreffend. (Schluß f.)

Mannheim, 12. Febr. (K. Z.) So eben erhalten wir Briefe aus verschiedenen Theilen unseres Landes, woraus er­sichtlich ist, daß man aller Orts Befürchtungen hegt, die Trans- portirung Struve's und Blind's nach Freiburg werde die Veranlassung zum Ausbruche des befürchteten Putsches geben. Diese Transvortirung soll noch diese Woche vor sich gehen, da die Geschwornengerichte dort ihre Sitzungen beginnen werden.

F r a u k r e i d>.

Paris, 13. Febr. Der Schluß der gestrigen National­versammlung ist für das Ausland so wichtig, daß wir ihn nach dem heutigen Moniteur so vollständig als möglich geben.

Odilon Barrot: Ich glaube, mich genügend darüber ausgesprochen zu haben, daß ich daran zweifle, der Marschall Bugeaud habe sich genau so ausgedrückt, wie dies die Blätter angeben. Ich habe erklärt, daß wenn der Chef, dem das Ober­kommando der Alpenarmee übergeben wurde, wirklich öffentlich oder in Privatgesprächen erklärte, daß die Alpenarmec nicht jene Bestimmung erhalten solle, die ihr gesetzlich und amtlich zugedacht wurde und die sie auch behält: so hätte dieser Chef alle seine Amtspflichten außer Acht gelassen, er hätte den stupi­desten Unsinn begangen, er hätte sich selbst destituirt (Gelächter). Ich füge hinzu, daß mir die Sache Seitens des Marschalls Bugeaud dergestalt erstaunlich erscheint, daß es sich wohl der Mühe lohnt, sie rezifiziren zu lassen.... Ja unsere schöne und tapfere Alpenarmee hat einer Frage die Spitze zu bieten (faire face) die noch über uns brennt, welche aber die Weis­heit und der gesunde Sinn sowohl der Nationen, als der Re­gierungen zu pazifiziren suchen werden und zwar, wie ich hoffe, im Interesse der Freiheit selbst.

Wenn also die Alpenarmee wirklich berufen würde, die Alpen zu übersteigen, glaubt Ihr dann, daß es von keiner Ge­fahr sey, wenn in ihrem Rücken der Bürgerkrieg entbrenne?...

David (Angers): Aber Sie selbst sehnen sich ja nach dem Bürgerkriege! . . . .

Arago (Emanuel): Billigen oder mißbilligen Sie die Sprache Bugeauds, das ist die Frage!

Barrot (ohne auf die Unterbrechungen zu antworten fährt fort): Der Redner Arago scheint zu befürchten, daß die Aeußerungen Bugeauds der Negoziation schaden könnten, welche in diesem Augenblicke gepflogen werden. Beruhige er sich. Das Ausland sowohl als die Regierung selbst wissen sehr gut, daß je energischer der Geist der Unruhe im Innern unterdrückt wird, desto höher unser Einfluß nach Außen steige (Lärm vom Berge). Das Ausland versteht die Worte Bugeauds sehr wohl. Es sieht sehr gut, daß sich, Gott sey Dank, die Gefahr allmälig entferne und sich mit jedem Tage schwäche .... Diese Bemerkung bildet nicht nur die Freude aller wahren 1

qggMWMWf»^::^ --------------r-,lnw, 1M

Patrioten (Ah! Ah!) sondern des Auslands selbst. (Oh! Ohl links. Beifall rechts). Die Ordnung und die Achtung der Obrigkeit, die in unsere Städte wieder eingezogen, sind Symptome denen das Ausland vielleicht mit eben so viel oder noch größe­rer Aufmerksamkeit folgt als wir. (Bewegung links. Rechts Geschrei: Tagesordnung. Tagesordnung!)

Coralli entgegnet: Dieses immerwährende Vorhalten eines blutigen Gemäldes vom Bürgerkriege im Innern birgt eine enorme Gefahr nach Aussen. Daß die gesellschaftlichen Fragen mit Weisheit und unblutig gelöst werden müssen, ist schon hundert Male auf dieser Bühne gesagt worden. Das ist der Wunsch und das Streben von uns Allen. Aber diese Befürchtung und Schilderung einer Gefahr bis auf's äußerste zu treiben: wollen Sie wissen, wie das heißt? Ein Plagiat! Verzeihe mir's der Herr Konseilpräsident, aber er wiederholt das Spiel, wie man es 18 Jahre lang trieb. Seine Sprache ist reiner Guizot ....

Barrot: Nie befand sich Hr. Guizot in meiner Lagel

Coralli: Es handelt sich hierbei nicht um die Person, sondern um das System. Repression nach Innen, braucht keineswegs den Frieden nach Aussen â tout prix zu bedingen. Indem man nach Aussen und Innen fortwährend von Staats­gefahr und Bürgerkrieg schreit, lähmt man die Kräfte nach Aussen und Innen (des Verkehrs und der Armee). Die Erklä­rungen des Ministers finde ich keineswegs genügend, darum schlage ich folgenden Tadel in Form einer begründeten Tages­ordnung vor:

Die Nationalversammlung betrachtet die Explikationen der Regierung als eine Ablehnung (desavou) der dem Mar­schall zugeschriebenen Worte und geht zur Tagesordnung über."

Vom Berge: Unterstützt! Unterstützt!

Stimmen rechts: Einfacke Tagesordnung!

Bede au erscheint auf der Tribüne mit einem Zeitungs­blatt und will, unter zahllosen Unterbrechungen, den unsterb­lichen Ruhm der afrikanischen Offiziere, in specie Bugeauds, rechtfertigen.Die Macht des Namens des Marschalls Bu­geaud allein ruft er durch den Tumult wird sicherlich für die Erfolge der Zukunft... (Oh! Oh!) ich sage, die Macht des Namens des Marschalls Bugeaud ander Spitze der Alpen- Armee w^rd den Erfolgen der Zukunft gewiß keinen Schaden thun." (Sturm, in dem man vorzüglich die Stimme St. Gau- dens's erkennt.)

St. Gaudèns: Der Bürger Bedeau schien den Glie­dern der Nationalversammlung das Recht der Kontrolle über die Handlungen des Marschalls Bugeaud abzusprechen. Ich protestire dagegen. Wir haben das Recht, alle Militär- und Zivilbeamten zur Rechenschaft zu ziehen. (Ja! Ja!) Als Be­deau vom Marschall ferner sagte, daß er die Alpenarmee ge­wiß nur zur Ausrechthaltung des Gesetzes und der gesellschaft­lichen Prinzipien anwenden würde, wenn die angedeuteten be- klagenswerthen Umstände eintreten sollten, so rufe ich ihm zu: und der Republik!" Diesen Zuruf that ich, weil ich den reaktionären Gang der Regierung sehe; weil man das Wort Republik zu vermeiden sucht, weil man selbst amtliche De­krete nicht mehr mit dem republikanischen Wahlspruche beginnt. (Sturm.) Ich protestire gegen diese monarchischen Tenden­zen! (Zur Abstimmung ! Zur Abstimmung!)

Marrast: Da die einfache Tagesordnung der begründe­ten vorangeht, so bringe ich sie zur Abstimmung.

Stimmen: Durch Namenszettel!

Das Resultat ist folgendes: Anwesend sind 682, von denen 397 gegen, 285 für die einfache Tagesordnung stimmen.

Die Sitzung wird um 7 Uhr geschlossen.

Das Journal des Debats meldet, daß eine telegra­phische Depesche der Regierung die Ankunft des Großherzogs von Toscana auf der Insel Elba (also aus französischem Bo­den) anzeige.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Abends um 6 Uhr, ausgegeben oder kann im Erpeditionslokale abgeholt werden.

Die Expedition der Nass. Aüg. Zeitung.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.