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ff Vom Main, 13. Febr. Dem Korrespondenzartikel in der zweiten Ausgabe Ihres gestrigen Blattes, überschrie­ben:88 Wallmerod, 9. Febr.," können wir unsern Beifall nicht versagen, und wenn wir auch blos die eine Rücksicht beobachten wollten, daß die Wahlmänner nur ihnen bekannte Leute und nicht von der republikanischen Partei vorgerittene politische Wunderkinder, von welchen man aus Erfahrung weiß, daß sie weit mehr versprechen, als leisten können, als Kandidaten anerkennen sollen. Es kommt aber bei der bevorstehenden Wahl noch besonders in Betracht, daß die Wahl­männer im Bezirk selbst eine hinlängliche Anzahl tüchtiger Männer des bezeichneten Standes finden, unter welchen na­mentlich der auch schon in dieser Zeitung genannte Pfarrer Rau sich auszeichnet.

Wahlmänner! Diesem Manne könnt Ihr unbedenklich Vertrauen schenken, sey es nunweil" oderobgleich" er ein katholischer Geistlicher ist, wie Ihr es eben nehmen wollt.

5 Hadamar, 12. Febr. Nachdem sich in diesen Tagen die verschiedensten Gerüchte über den Anmarsch von Reichstruppen gekreuzt hatten, rückten gestern Nachmittag 60 Mann H. N. Linientruppen unter dem Kommando des Herrn Hauptmann Frensch, (Oberl. Stahl und Lieut. Ferger) von Weilburg und 40 Mann unter dem Herrn Oberl. von Zigesar von Diez um 4 Uhr in unsere Stadt ein, und trafen vor dem Rathhause zusammen. Die Stadt war von tausend neugierigen Landleu­ten des Amtes angesüllt, welche dem Militär nach beiden Richtungen entgegeneilten. Die kriegerische Haltung der Trup­pen flößte den Anwesenden Achtung ein. Man quartirte sie gestern bei Privaten und heute in den für sic bestimmten Stuben der Amtswohnung ein. Der Empfang der Offiziere und Soldaten war herzlich, wie es sich voraussehen ließ, und jeder rechtlich denkende hofft, daß nur die zu lange entbehrte Ordnung und Achtung vor dem Gesetze zurückkehren und es dem Privaten wie dem Staate ermöglicht werden wird, ihren rechtlichen Forderungen Geltung zu verschaffen. Abgesehen da­von, baß man Erzesse aller Art beging und so z. B. ein För­ster vor kurzem bei Oberzeuzheim am Hellen Tage in eine 15 Fuß tiefe Grube geworfen ward; daß man (im Laufe eines Jahres) Die Wälder auf das Empörendste ausplünderte, in dem Frickhöfer Gemeindewalde etwa für 1500 fl., in dem Lah- rer etwa für 2000 fl., in dem Oberzeuzheimer etwa für 500 fl. in der ganzen Oberförstern Hadamar aber etwa für 40,000 fl. Schaden durch Holzfrevel anrichtete und mit gefreveltem Holze an,vielen Orten wie Waldernbach, Lahr, Hinter- und Langen- meilingen, Steinbach und Wilsenroth beinahe ganze Straßen anlegte und durch die Ausrottung der Wälder der sämmtliche Grund und Boden entwerthet, und der Verarmung der Land­leute mit Riesenschritten entgegengegangen wird, wie es vor 50 Jahren in Frankreich durch die' Verschleuderung der Do- mänenwälber geschah; abgesehen davon, daß sich die in den Gemeinden bestraften Frevler offen über den Nichtvollzug der Strafen brüsteten, man bei den vor kurzem in Neunkirchen, Steinbach und Lahr abgehaltenen Holzversteigerungen die Kon­kurrenz der Steigliebhaber und mithin den Preis des Holzes durch Bedrohung jener verminderte, dem Staate aber dadurch einen Theil seiner Einnahmen entzog; abgesehen von Allem diesem hat die Herzl. Rezeptur allein in hiesigem Amte zirka 50,000 fl. Aus stände an rückstehenden Steuern und sonstigen Gefällen.

Nimmt man nun an, daß je nach dem Grade der politi­schen Reife die Handlungen der Einzelnen mehr oder weniger dem Rechte und Gesetze entsprechen, oder mit andern Worten, daß derjenige für die freieste Verfassung der reifste ist, welcher dl« Freiheit am besten anwendet, und umgekehrt derjenige, welcher sie am schlechtesten gebraucht am unreifsten dafür, so müsse man wirklich aufrichtig bedauern, den Ansichten der Herren von der äußersten Linken in unserer Kammer über die politische Reife der Menge nicht immer beistimmen zu können.

Düsseldorf, 12. Februar. (O.-P.-A.-Z.) Bei den heute stattgehabten Wahlen der Deputirten für die erste Kammer für den Düsseldorf-Duisburger Wahlbezirk wurden die Herren Bankdirektor Hansemann und Reichsfinanzminister v. Becke­rath gewählt. In Neuß fiel die Wahl ebenfalls auf Herrn Hanse mann und den Ministerialrath Brüggemann in Berlin.

München, 12. Febr. Die Ministerkrisis ist noch tfer nicht vorüber. Wie es heißt, werden die Mini- ^?efutre und Weigand bleiben. Die Kammer soll auf genl

sechs Wochen vertagt, nicht aufgelöst werden. Das Projekt eines Fackelzugs von der Linken oder für sie scheint vorerst auf­gegeben zu seyn.

Leipzig, 11. Febr. DieDeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Wie man hört, soll hier in den nächsten Tagen eine Konferenz von Mitgliedern der thüringischen Volksvertretung und deS firchsischen Landtags stattfinden, bei der wohl auch der Anschluß von Thüringen an Sachsen mit bespro­chen werden wird.

Wien, 8. Febr. Der Kampf in Ungarn hat eine ziem­lich unerwartete Wendung genommen. In dem Augenblicke als man denselben dem völligen Erlöschen nahe glaubte, wer­den die kaiserlichen Truppen auf einzelnen Punkten zurückge­drängt. So hätten wir bisher glauben sollen, daß Feldmar­schalllieutenant Schlick mit dem fünften Armeekorps in Ober­ungarn nur noch mühsam zusammengehaltenen Honveos ge­genüber stehe, mit einem Male erfahren wir durch den neuesten offiziellen Bericht, daß er entdeckt, der Feind zähle 15,000 Mann regulärer Truppen, was ihn denn auch zu einer retro­graden Bewegung veranlaßte.

Die Berichte aus Kroatien schildern den Zustand dieser Provinz sehr bedenklich und die Stimmung gegen Den Banus so zweideutig, daß es sehr unentschieden bleibt, welcher Art von Erhebung er bei seinem persönlichen Auftreten daselbst ent­gegen ginge. Großes Elend lastete auf dieser Provinz, und die zum Bestellen der Felder nöthigen Hände wurden dennoch durch Rekrutirung dem Boden entzogen. Eine Deputation soll von Kroatien aus an den Ban gehen und ihm die Frage stel­len, was er denn eigentlich bisher für sein Land gethan? Die Grausamkeiteü, womit die Serben, sogenannte Raizen, ihren Durchzug überall bezeichnen, sollen allen Begriff übersteigen. Und bei allem Dem kann das Ende des Kampfes hier noch weniger zweifelhaft als in Italien seyn.

Die chemische Zersetzung Ungarns ist einmal im Rathe jener Erdengötler beschlossen, denen vorerst die mächtigsten Donnerkeile zu Gebote stehen. Hier, wie in Polen, ent­scheidet die geographische Lage; selbst wenn Frankreich und England drein sprechen wollten, entscheidet der Zustand der im Sinken begriffenen Nationalität. Dennoch blutet das Herz, wenn man bei der unausweichlichen Verlängerung der Kriegsgräuel der Verwüstung des von der Natur so reich ge­segneten Landes auf Jahre hinaus cntgcgensieht.

Wien, 8. Febr. (A. Z.) Das Gerücht erneuert sich, daß sechs Mitglieder der Linken, Violand, Füster, Borrofch, Goldmark, Fischhof und Sierakowski in Anklagestand versetzt werden! In Betreff des Abg. Fischhof brachte Bäuerle's Theaterzeitung gestern einen Artikel, der als ein wahres Hep- hep-Aktenstück in die Archive des sechszehnten und siebenzehnten Jahrhunderts gehört, und alle Gutgesinnten mit Ekel erfüllte.

Wiener Briefe vom 9, Febr. melden wiederholt die Ein­nahme von Tokay, bestätigen aber nicht die Besetzung von Essegg, und bringen über Bems Stellung in Siebenbürgen nur widersprechende Gerüchte.

Das Wiener Großhaus Sina hat durch Zirkular die Frankfurter Bankiers in Kenntniß gesetzt, daß es im Verein mit den Häusern Rothschild und Stieglitz das neue österreichi­sche Anlehen von 40 bis 60 Mill. fl. C.-M. abgeschlossen habe.

Frankreich.

Paris. Das Charakteristische in der Sprache der ganzen Pariser Presse , welche hier so eben die Revue passirte, ist, wie der Kölnischen Zeitung geschrieben wird, daß an die Fortdauer der Republik von keiner Seite mehr geglaubt wird; die Einen trauern um den bevorstehenden Fall, die An­deren können ihre Freude darüber kaum mehr verbergen, aber Niemand scheint die Sache selbst noch irgendwie zu bezweifeln. Was aber eigentlich bevorsteht, ein Kaiserthum oder eine dritte Ausgabe des Königthums durch die Gnade Gottes, das wer­den erst die nächsten Wahlen ein wenig genauer erkennen lassen, welche noch zu fern sind, als daß man schon jetzt mit einiger Sicherheit von ihrem Ausfall sprechen könnte. In zwei Mo­naten erfährt die öffentliche Meinung hier zu Lande so bedeu­tenden Umschwung, daß, was heute wahr ist, dann zur Lüge geworden seyn kann.