Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^N «SS* Mittwoch den Lâ. Februar L8LN
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal^täglich, mit Ausnahme des Sonntag». — Der vierteljährige Prânnme- rationspreis ist in Wiesbaden Ä fl-, für den Umfang des Hcrivgthunis Via stau, des Großber;ogtbum» und Kurfurstenthunis Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt Ä fl. »<» ft., in den übrigen Ländern des füesilich Thurn- und Tarissch-n Verwaltungsgebietes S fl. 40 fr. — Inserate werden die dreispaltige Pelitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellente rg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern ju machen.
Uebersicht.
Arber Gründung und Einrichtung von Gewerbeschulen im Herzogthunt Nassau.
Deutschland. Wiesbaden (Ein Volksfest). — Hochheim (Die Wahl des Pfarrers Snell). — Höchst (Kindermvrd. Truppenzug nach Kriftel. Vermischtes). — Vom Taunus (Uebergriffe eines Geistlichen). — Von der E l b (Der Werth mancher Petitionen). — Aus de m A m t Hachenburg (Die Amnestie für Forstfrevler). — Frankfurt (Reichstag). — Aus Baden (Aussichten auf einen republikanischen Putsch). — M ü n- chen (Die Ministerkrifls). — Wien (Unruhen in Gran). — Triest # (Seegefecht zwischen sardinischen und österreichischen Schiffen). "
'* R'ranftcid). Paris (Tagesbericht).
Sprechsaal für Stadt und Land.
â Ueber Gründung und Einrichtung von Gewerbeschulen im Herzogthum Nassau.
(Schluß.)
Um unsern Gegenstand zu erschöpfen, dürfte es nicht ungeeignet seyn, der früher gegebenen Nachweisung deS Bedarfs an Lehrern für eine vollständige Gewerbschule zum Schlüsse auch noch die über den Bedarf an Attributen und Lokalitäten beizufügen.
An Attributen ist nothwendig:
1) eine sehr reiche Auswahl von Vorlagen für alle oben aufgezählten Zweige des Zeichnungsunterrichts, wozu auch einige sternometrische Körper und eine Anzahl Gypsvorlagen gehören; letztere beide können in den Werkstätten der Schule gemacht werden;
2) ein vollständiger Meßapparat;
3) ein physikalisch-mechanischer Apparat; vieles hierher Gehörige kann gleichfalls die Schule selbst Herstellen;
4) der für das chemische Laboratorium erforderliche Apparat ;
5) eine technologische Modellsammlung auch durch die Schüler theilweise anzufertigen;
6) eine vollständige Einrichtung für die drei Werkstätten, wozu namentlich eine Anzahl Hobelbänke und ein Paar Dreh bänke gehören;
7) eine Bibliothek, besonders größere Werke und Journale enthaltend.
Von Lokalitäten ist erforderlich :
1) ein Lehrsaal für den vorbereitenden Kurs;
2) ein Lehrsaal für die eigentliche Gewerbeschule;
3) ein besonderer Zeichnungssaal, weil öfter, während ein Theil der Schüler Vorlesungen hört, der andere mit Zeichnen beschäftigt werden muß;
4) ein chemisches Laboratorium, das, wo möglich zwischen beiden Lehrsälen gelegen und mit diesen durch Thüren verbunden seyn soll. Damit die Schüler beider Kurse behufs praktischer Demonstrationen nötigenfalls augenblicklich in daö |
Laboratorinm geführt und auch ohne Zeitverlust wieder eben so schnell zurückgeführt werden können;
5) ein geräumiger Saal für die Modellirwerkstätte;
6) ein eben solcher Saal für die Bossir- und Steinschnitt« werkstälte; diese beiden Säle müssen unmittelbar neben einander gelegen und durch eine Thüre verbunden seyn , damit wenn in beiden gleichzeitig gearbeitet wird, was jedenfalls öfter vorkommen wird, der eine für diese drei Fächer angestellte Lehrer in beiden Werkstätten die Aufsicht führen kann; ferner soll die Bossirwerkstätte an die Wohnung des EchuldienerS anstoßen und mit dieser durch einen Ofen geheizt werden, damit sie nie ganz kalt ist und die Bossirarbeiter nicht durch den Frost gestört werden;
7) mindestens ein großer Saal zur Aufbewahrung der oben erwähnten Apparate;
8) ein Vorstandsbureau , daS zugleich bie Bibliothek enthalten kann;
9) eine kleine Wohnung, da irgend jemand zur Sicherheit der Anstalt in Derselben wohnen muß, sey es nun der Schuldiener ober vielleicht einer der Lehrer.
Dr. MedicuS.
Deutschland.
0 Wiesbaden, 12. Febr. Vorgestern Abend gab die hiesige Wehrmannschaft einen glänzenden Ball, der ein wahres Volksfest genannt zu werden verdient. Bürgerwehr und Militär, Einheimische und Fremde, Arm und Reich waren auf's Einträchtigste beisammen.
Wahrhaft bedeutsam erschien aber das Fest durch die allgemeine Begeisterung, mit welcher Se. Hoheit der Herzog empfangen wurde, welcher in Begleitung der verwittweten Frau Herzogin, der Prinzessinnen Helene und Sophie und des Prinzen Nikolaus den Ball besuchte. Während auf der Einen Seite das bekannte volksfreundliche Benehmen des Fürsten ihm Aller Herzen gewann, konnte man sich auf der anderen Seite nicht minder schlagend überzeugen, welche Bewandtniß eS eigentlich mit dem vielbesprochenen Republikanismus in Wiesbaden hat, wenn schier die ganze Stadt eine so einmütige und ungeheuchelte Begeisterung für ihren Fürsten öffentlich kund gibt.
4 Hochheim, 11. Febr. Den klarsten Bestimmungen des neuen Wahlgesetzes zuwider hat die Abgeordnetenkammer — freilich mit nur sehr geringer Majorität — die Wahl des Pfarrers Snell von Langenbach zum Abgeordneten des Bezirkes Hochheim-Wiesbaden als gültig angenommen, obgleich, wie Jedermann bekannt war und sich wohl auch auS den Wahlakten selbst ergeben haben wird, derselbe bei dem ersten Stimmenzählen nicht die absolute Mehrheit der Stimmenden für sich hatte, darauf die Thüren des Wahllokals geöffnet wurden, Die Wähler fast sämmtlich weggegangen sind und Die zweite Wahl von einer Anzahl Menschen, welche eben so gut aus Einwohnern von Mainz und Kastel wie aus den Aemtern