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Ueber den Ausfall der Wahlen in Berlin schreibt die Vos- fische Zeitung:

Daß eine so beträchtliche Anzahl demokratisch gesinn, ter Wahl männer auS den Urwahlen hervorgehen, daß eine bedeutende Reihe von Namen, jener entschiedenen Richtung ent­sprechend, in die Zusammensetzung der zweiten Kammer gelie­fert werden würde, das konnte nur Denjenigen überraschen, der nicht von einem ruhigeren Standpunkte her, bis zu wel­chem die schwüle Hitze des Parteitreibens nicht hinaufreicht, die Nothwendigkeit zu überschauen vermag, welche sich natur­gemäß in unseren Tagen Platz macht. Wir glauben, daß es jetzt Zeit ist, die Ausmerksamkeit auf diesen Standpunkt hinzu­leiten, da eben jetzt in dieser Erörterung keine Absicht des po­litischen Agitirens mehr ließen kann, sondern die Sache schon gemacht ist; wir glauben auch, daß die Aengstlichen in dem Erkennen jener Naturnothwendigkeit und der Richtung ihrer Wirkungen Trost und Beruhigung finden werden.

Das absolutistische System des Verwaltens ward im vo­rigen schicksalsvollen Frühjahre unrettbar untergraben; der theilweise Einsturz desselben hinterließ zuerst eine unermeßliche Bestürzung Aller, dann aber wachten sofofort zwei nothwen­dige Thätigkeiten im Volke auf, die auS dem eigensten Wesen deS Instinktes und Triebes zu bilden und zu schaffen, selbst hervorgehen, und deren Energie uns den höchsten und sichersten Beweis dafür gibt, daß wir kein vermorschtes, zum Tode reifes Volk sind, sondern ein lebenskräftiges und uns selber verjün­gendes. Diese zwei Thätigkeiten aber sind die deS Neubauens unserer staatlichen und bürgerlichen Verhältnisse im Geiste der wesentlichen Volksbetheiligung am öffentlichen Wesen, und der unausbleiblichen Zerstörung der Reste vom absolutistischen Sy­steme, welche und insofern sie den Neubau hindern. In der aufgelösten Nationalversammlung, wie in der ganzen Nation, sahen wir beide Thätigkeiten in hoher Eilesich entwickeln, kreu­zen, und eben dadurch stören; beide begannen deßhalb in ihrer vollständigen Durchführung zu stocken und ein Theil der Abge­ordneten, so wie der Nation außer den Mauern des Sitzungs­saales, vermeinte diese Stockung durch eine gänzliche Umände­rung unsres ganzen geschichtlichen Daseyns zu überwinden. Sie versuchten daher, die Republik an die Stelle der Monar­chie zu setzen, begannen den Kampf gegen alle unsre äußeren Staatsverhältnisse, gegen unsre tiefe Ueberzeugung von der inneren Nothwendigkeit' des kräftigen Königthums, gegen unsre Untrennbarkeit von einem fürstlichen Geschlechte, das uns stark und tüchtig gemacht hat und mit uns Eins geworden ist. Der Kampf der Nationalversammlung mit der Regierung und Na­tion war schließlich der Kampf der Republik mit der Monar­chie. Dieser vollständige Irrthum und gänzliche Mißgriff sprengte die Nationalversammlung in die Luft; durch drei Mo- uate trat die Nation von ihrer politischen, gestörten Arbeit in'S Ausruhen zurück, während die Regierung diese Zeit zu einem vorsichtigen Bilden an unseren auswärtigen Verhältnis­sen benutzte.

Jetzt nun ist dieser Urlaub, den die Nation sich selbst für ihre innere Thätigkeit gegeben, nahe am Ablaufe. Es ist nichts geschehen und konnte nichts geschehen, um jene beiden Thätig­keiten des ReubauenS und Zerstörens abzufinden: sie erwachen in voller Stärke wieder, denn die Nation ist kraftvoll, erquickt durch kurze Ruhe, und beide Thätigkeiten müssen und werden ihren Lauf vollenden! Nicht Krieg, nicht Frieden, nicht Zu­versicht noch Zagen können und werden sie aufhalten.Das Verhängte muß geschehen." Und dies Verhängniß hat als eine politische Nothwendigkeit unsre Wahlen hervorgerufen und wird deren Folgen unvermeidlich entwickeln.

Aber ebenso wie bereits im Spätherbste das Gebiet her­vortrat, auf welches der Neubau wie die Zerstörung nicht führen können, ohne sofort aufhören zu müssen, ebenso wissen wir auch jetzt, wohin keine Kammerzusammensetzung uns führen kann: die Kammern können und werden keine Re­publik schaffen, die starke Krone wird vielmehr unsere politische Spitze bleiben, es geschehe auf Erden was da auch wolle. Die nothwendige Zerstörung aber hat noch eine Reihe von gewissen Verhältnissen in der öffentlichen Sphäre zu er­greifen und wird mit ihnen über lang oder kurz fertig wer­den, eS geschehe auf Erden was da auch wolle.

Also selbst Jakobi" sagt derKonstit. Korresp." in einem Bericht über die Berliner Wahlender den König Preußens im eigenen Hause zu beleidigen versuchte, wird von

der Hauptstadt desselben Königs, desselben Landes zweimal gewählt! Ob wir das auch als einen Ausdruck der politischen Gereiztheit hinnehmen sollen, wissen wir nicht. Es ist eine Beleidigung des ganzen Landes, wenigstens aller ehrlichen Preußen im Lande, und wir haben die feste Ueberzeugung, daß die Zahl der ehrlichen noch sehr, sehr groß ist im Lande." Die Hauptstadt Preußens hat sich heute ihr politisches Todes­urtheil gesprochen. Die Bewohner Berlins haben daö Wohl des Vaterlandes ihrer politischen Gereiztheit zum Opfer ge­bracht. Vielleicht haben sie auch nur einen Witz machen und den General Wrangel , das geheime Ober-Tribunal, das Ober- Landesgericht zu Münster, und wer weiß, wen sonst noch, ärgern wollen. Ganz recht so! Schlägst du meinen Juden, schlag' ich deinen. Was kümmert unö, ob indeß die Pferde mit dem Wagen davonlausen und am nächsten Abhange zer­schellen? WaS kümmert es die Berliner, ob der preußische Staat besteht oder untergeht!"

Es ist wichtig, das Urtheil der österreichischen Blät­ter über die preußische Zirkularnote zu vernehmen: dieWie­ner Zeitung" theilt sie ohne Kommentar mit, dieOstdeutsche Post" knüpft einige vorläufige Bemerkungen daran. Sie meint, wenn man sich die Stelle über das Verhältniß Oesterreichs zumBundesstaate" ins Klare setze, so sey ihr Sinn der: Während früher Oesterreich im Staatenbunde das Präsidium und vier Stimmen am Bundestage gehabt, so habe es am Bundesstaate daS Recht, sich durch 190 Deputirte in der Na- tionalversammlung vertreten zu lassen. Die preußische Regie­rung erkläre also, Oesterreich müsse entweder seine Pflichten gegen den Bundesstaat erfüllen, oder seine Deputirten zurück­rufen; daS Präsidium werde ihm für den Fall des Eintritts jedenfalls abgesprochen.Wer die Brochure des Herrn v. Ra- dowitz (Deutschland und Friedrich Wilhelm IV.), sagt die Ostdeutsche Post", so wie seine jüngstenichtgehaltene" Rede gelesen, wer die persönliche Stellung dieses Staatsmannes zu dem preußischen Monarchen kennt, der wird den Sinn dieses Zirkulars noch besser verstehen."

DerLloyd", der bekanntlich als ministerielles Blatt an­gesehen wird, beginnt mit einer Reihe von Leitartikeln über die Organisation Oesterreichs", in denen wir die Absichten deS gegenwärtigen Ministeriums dargelegt erhalten werden. Im Eingangsartikel erklärt derLloyd", er lasse sich den Namen eines ministeriellen Blattes gefallen, weil das Ministerium die Ansichten seiner Partei, die Bekämpfung der Absonderungs­gelüste zu Gunsten Italiens, Ungarns und Deutschlands, ver­trete. Uebrigens stehe er so unabhängig von demselben da, wie irgend ein Journal in der Monarchie.

DaSMorning Chronikle" enthält über die deutsche Ein­heit folgende bittere Stelle, von der jeder deutsche Patriot nur zu sehr wünschen möchte, daß sie gänzlich unbegründet sey: In einem und zwar nicht fernen Hintergründe bewegt sich die Frage wegen der Auseinanderklüftung zwischen Nord- und Süddeutschland, zwischen Preußen und dem gegen dasselbe in tiefwurzelnden dynastischen Eifersüchteleien befangenen Bayern und Oesterreich, zwischen den feindlichen Heerlagern des Katho­lizismus und Protestantismus, zwischen Schutzzöllnern und Freihändlern, zwischen jedem nur immer denkbaren morali­schen, materiellen und politischen Interesse. Einheit! und doch ist gegenwärtig nicht mehr (?) Einheit des Sinnes oder der Zwecke vorhanden als damals, da Wallenstein und der große Gustav in tödtlicher und langer Fehde an einander geriethen. Es wäre in der That merkwürdig, wenn das mit den Hohen- zollern durch so manche Bande der Verwandtschaft und Privat­freundschaft verbundene Haus Bayern in Betreff der Ober­hauptsfrage wirklich eine unzweideutige, fast bis zu persönli­cher Feindschaft gesteigerte Bitterkeit gegen Preußen zeigen sollte. Und doch ist dem so, und vergebens wäre die Hoff­nung, daß Bayern je zu der Erhebung Preußens seine Einwil­ligung geben würde!" An einer andern Stelle wünscht daS Morning-Chronikle den Preußen Glück, daß sie, die Monate lang ihr Preußenthum vergessen hätten, jetzt wieder zur Besin­nung, zum Gefühle ihrer Nationalität kämen, und daß, wenn nicht die neue Kammer, wie die vorige gethan, sich zu dem Ruin Preußens verschwöre, Preußen seine frühere Unabhängig-