Debatte über das Ganze der Adresse wollte. Wahrscheinlich wird mit einigen Modifikationen der Majoritätsentwurf der Kommission angenommen werden.
Berlin, 4. Febr. (Lith. Korrsp.) Die Zirkulärverfügung der Generalintendantur der königlichen Schauspiele an,die ihr untergebenen Beamten und Schauspieler theilen wir in Fol- gendem wörtlich mit: „Nach dem Inhalte eines mir durch das Ministerium deS königlichen Hauses mitgetheilten Erlasses des königlichen HofmarschallamteS sind seit dem 1. März v. I. vielfach Personen deS königlichen Hofvienstes verdächtig geworden, sich in republikanische Umtriebe und Verbindungen eingelassen, auch durch ungebührliche respektswidrige Aeußerungen über Se. Majestät bekundet zu haben, daß sie diejenige Treue und pflichtschuldige Hingebung nicht hegen, welche für ihren König und Herrn mit Recht verlangt werden muß. Anonymen Verdächtigungen ist, wie sie eS verdienen, nicht glauben ge- schenki worden; geschehen aber solche Anzeigen auf zuverlässige Weise mit Angabe der Beweismittel, so sollen die betreffenden Individuen sofort, ohne Ansehen der Person und der Verhältnisse zur Untersuchung gezogen und einstweilen vom Dienste suSpendirt werden, um eventuell ihre Entlassung zu bewirken. Die Generalintendantur ist veranlaßt worden, allen den königlichen Schauspielen angehörigen Personen dies mit der Verwarnung, bekannt zn mächen, daß dieselbe vorkommenden Falles gleiches Verfahren eintreten lassen wird. Generalintendantur der königlichen Schauspiele, (gez.) v. Küstner."
Berlin, 4. Febr. Gestern Abend ist der im Bau begriffene Sitzungssaal der ersten Kammer, welcher im Garten deS Gouvernementshauses gebaut wird, plötzlich zum Theil eingestürzt. Die Trümmer haben zwei Arbeiter erschlagen, mehrere andere sind verletzt worden, und wenn die Katastrophe einige Stunden früher eintrat, würde eine bedeutende Zahl Menschen ihr Leben eingebüßt haben. Man hat diesen Bauten von Anfang an nichts Gutes prophezeit, denn mitten im Winter und mit größter Hast bei Tag und Nacht ausgeführt, lag das Unheil nahe. (Z. f. N.)
Berlin, 6. Febr. Die Wahlen zur zweiten Kammer sind in folgender Weise ausgefallen:
I Wahlbezirk: 1)Hr.Waldeck, 2)Berends, 3)Rod- bertuS.
II. Wahlbezirk: 1) RodbertuS, 2) Philipps.
III. Wahlbezirk: 1) Waldeck, 2) Jakobi.
IV. Wahlbezirk: 1) Jakobi, 2) Temme.
Wie die mitgetheilte Wahlliste ergibt, sind für Berlin' die Wahlen so radikal demokratisch ausgefallen, als es nur gedacht werden kann. ES sind dieselben überall von dem hier zusammengetretenen Comite für volkSthümliche Wahlen vollständig beherrscht worden, nur im ersten Bezirk ist wider den Willen desselben als dritter Abgeordneter statt Simon aus Breslau RodbertuS gewählt worden. Da Herr RodbertuS, Waldeck und Jakobi an drei Stellen doppelt gewählt sind, so werden wir also für Berlin drei Nachwahlen haben, für welche namentlich Sifton auS BreSlau bestimmt ist. Von den früheren radikalen Elementen der Nationalversammlung ist nur der Ass. Jung nicht wieder gewählt worden. Herr RodbertuS besaß bisher bei seiner eigenen Partei wenig Sympathieen, da er derselben nicht entschieden genug war. Derselbe scheint seine DoppLlwâhl nur der Art seiner Ausweisung zu verdanken. Auch Hetr Tëmnie scheint sich in Bezug auf seine Äerhafkung in gleicher Lage zu befinden.
Wien, 1. Februar. Die militärischen Anlagen um Wien werden dahin erweitert, daß 6'Hetaschirte FortS auf die Höhen zunächst zu stehen kommen. EineS davon wird die Militärdepots auf dem Laâer Berge beherrschen, von denen die Allg. Zeitvng bereits berichtete, das zweite steht auf der Anhöhe von Meidling hinter SchöNbrunN, das dritte auf der Schmelz, Nro. 4 auf der Türkenschanze, Nro. 6 wird das Neugebäude bei Simmering, Nro. 5 kommt zwischen 4 und 6 in die Donauinsel zu- stehen. ES wird nämlich eine Brücke mit Stein- Vfeilem über die,Don«P gebaut, beiderseits mit befestigten Brückenköpfen. Der Bau wird aüf' der Insel zwischen der großen Donau und dem Tabor ganz im Trocknen geführt, mit Ausnahme des einen Pfeilers, der in den Arm, genannt „Kai- serwasser," zu stehen kommt. Die große Donau wird dann nach Vollendung des Baues ein neues Bett unter der vollendeten Brücke enthalten, wozu eben das Kaiserwasser mit be>
nützt wird. Dadurch kommt der schiffbare Strom um beinaht eine halbe Stunde näher an die Barriere, was von großer Wichtigkeit ist. Der geniale Plan rührt von General Weldm selbst her. Außer den fünften Bataillonen der Linienregimentrr werden jetzt noch neue 12 Jägerbataillone errichtet.
Die Mittheilung über die Luftballons durch welche man Malghera mit Bomben zu überschütten beabsichtigt, hätte ich Ihnen längst machen können, wenn ich dieselbe nicht für vor- eilig gehalten hätte. Die hiesigen Blätter haben sich um so mehr taktlos bewiesen, als sie unsinniges Zeug darüber berich, teten. Ich kann Ihnen nur sagen, daß mân allerdings mit der erwähnten Idee sich beschäftigt, aber mit Hülfe aller neuesten Erfahrungen in der Luftschifferei, so daß man vor einer Lächerlichkeit hinlänglich gesichert ist. Alles was man übrigens von Versuchen in Treviso schreibt, das ist Fabel. Siewerdch seiner Zeit schon durch mich das richtige erfahren.
Vorgestern in der Dunkelheit erhielt ein armer Teufel voti' Soldat, ruhig in die Alserkaserne zurückkehrend, eine Pistolenkugel in das Knie, mußte gestern früh amputirt werden, und starb im Verlauf des Tages. Es soll ein Komplott ér# iftiren, daß jede Hinrichtung durch das Sebe'n eines Soldaten gerächt werden müsse.
Wien, 3. Februar. Zwanzigstes Armeebülletin. Nachdem General Bem mit seinem Korps von Oberst Urban und Feldmarschalllieutenant Malkowsky nach Siebenbürgen zurückgedrängt worden, rückte er, die Unmöglichkeit einsehend sich in der Bukovina festzusetzen, über Klausenburg gegen Hermannstadt vor, vor welcher Stadt er am 21. Jan. vor Anbruch des Tages eintraf. Um 7 Uhr früh war er bereits auf Kanonenschußweite in seiner Position, und unsere vorpoussirtèck Geschütze begannen das Feuer auf den vielmals überlegenes Gegner, der eö aber aus 6- und 12pfünder Batterien so kräftig erwiederte, daß Feldmarschalllieutenant Puchner den Angriff mit dem Bajonett anbefahl. Unsere Sturmkolonne, von einer Eskadron Savoyendragoner und den Geschützen untere stützt, rückte vor und warf den Feind aus seiner ersten Position. Hierauf entspann sich der Kampf auf der ganzen Siritë, Den linken Flügel bildete die Brigade unter Oberstlieutenant Losenau, die Brigade Kaliany den rechten und daS Zentruck befehligte Feldmarschalllieutenant Puchner. Durch Kavällerlt- attaken und wiederholten Bajonettangriff wurde der Feind nach einem siebenstündigen mörderischen Gefecht allenthalben zück Rückzug gezwungen und von der Brigade Losenau bis gegsttt Stolzenberg verfolgt, wobei 5 Kanonen und 4 Muffitionskar- ren erobert wuröèn. Am 22. vereinigte sich das KorpS deS' Generals Gedeon mit jenem des FeldmarschalllieutenäntPüch- ner, worauf Stolzenberg angegriffen wurde. Bei dein Umstand, daß die verschiedenen Jnsurgentenkorps aus den obern' und südlichen Gegenden gegen Debreczin zusammengchrängt werden, woselbst der ungarische Reichstag sein ungesetzlich^ Wirken fortsetzt, kam eines dieser KorpS vor Arad, welches am 26. Jan. von demselben beschossen wurde. In Temèswar haben sich nach der am 26. Jan. erfolgten Einnahme Vock Versecz der Patriarch Rajacsics, General Theovorovich uftb Oberst Mayerhofer eingefunden, um von da auS in voller Kraft gegen Debreczin und Siebenbürgen zu wirken." — Heüte Nacht ist abermals auf eine Patrouille vor dem Burgthor geschossen worden. — Wie bereits gemeldet, sind schon einige Unglücksfälle dadurch entstanden, daß die Wachtposten bei Nichterwiederung deS Anrufens Feuer geben. Dieß hat eine erneuerte Verwarnung von Seite deS Gouverneurs v. Weiden zur Folge gehabt.
So eben erscheint das einundzwanzigste Arme e b ü l l e t i n. Vermöge telegraphischer Depesche hat sich die Festung Leopoldstadt gestern den 2. um S Uhr früh nach einstündiger Beschießung auf Gnade und Ungtrabe ergebch. Kid, marschalllieütenant Simum rückt zur Besetzung der Bergstädte vor, nachdem Generalmajor Götz nMf erfolgter Besetzung von Neusohl die Rebellenhaufen unter Görgry und Ballogh lebhaft verfolgt. Aus Agram wird gemeldet: Generalmajor TreberS- bürg hat am 30. Januar um 5 Uhr Früh die' Vorstädte dèt Festung Essegg in fünf Kolonnen angegriffen und mit Sturm genommen. Von den in die Festung entfliehenden Rebellen wurden hundert gefangen, darunter mehrere KaffkllerieoffiziÜe. Um- 6 Uhr früh wurde die untere Stadt aus der Festung eine Stunde lang beschossen. Generalmajor Trebersburg ließ hierauf den Festungskommandanten durch einen Parlamentär zur Uebergabe auffordern.' Von dem Korps des FeldzeugmeisterS Nugent wurde Fünfkirchen ohne Widerstand besetzt. Feldzeug-