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hin erläutert, daß durch ihn die deutschen Interessen nicht ge­fährdet werden dürften. Es ist die Rücksicht auf die Nationa­lität, auf den Wunsch der Bevölkerung, auf die militärische Grenze und endlich hauptsächlich die Rücksicht, daß wir ein Stück als Polen hinstellen, als ein vollberechtigtes Polen, die wir bei der Beurtheilung der Abgrenzungslinie zu nehmen ha­ben, einer Abgrenzungslinie , die dereinst wohl die Grenzlinie des deutschen Reiches werden kann. Die Zentralgewalt hat einen Mann ihres Vertrauens nach Posen gesandt. Wozu hat man Experten, wenn man auf ihre Gründe kein Gewicht legen will? Stärken Sie Preußen, machen Sie es so unab­hängig als möglich. von Rußland. Preußens Stärke ist Deutschlands Stärke. Machen Sie es so stark, daß es eines Tages auch gerecht werden könne gegen Polen! (Beifall.)

Herr Wiesner von Wien: Die Polen haben auf allen Punkten Deutschlands für die Freiheit gefochten in der Hoff­nung auf den Dank desgemüthlichen" Deutschlands. Wie lautet die Inschrift neben unserer Germania? (Gelächter von dem Theile der Versammlung er ist nicht zahlreich der beim Erscheinen des Redners auf dem Platze geblieben.)Walle hin, du Opferbrand ic." Nachdem Hr. Wiesner den Vers zitirt hat, beklagt er, daß bessen Inhalt nur noch in den un- befangeuen Seelen seiner Parteigenossen einen freundlichen Wie­derhüll finde. Die Theilung Polens sey in diesem Saale be­schlossen worden, eine unglückselige Vorläuferin der Theilung Deutschlands, die jetzt durch die Ausschließung Oesterreichs beabsichtigt werde. Wie die Deutschen in Polen zu ihrem Grundbesitz gelangt seyen, darüber gebe bas schwarze Buch von Hans von Held Auskunft. Wenn Deutschland solche Ko­lonisten sende, so werde sich die Welt vor ihm hüten. Die Polen schweigen zu unserem Vorhaben, aber dies Schweigen ist keine Einwilligung. Die Polen handeln wie jene Mutter vom König Salomon, die ihr Kind lieber weggeben, als ge­theilt sehen wollte. Aber wo sitzt jetzt ein Salomon auf einem deutschen Throne? Hr. Wiesner erklärt sich schließlich für den Antrag Wigard's auf Uebergang zur Tagesordnung über den Ausschußbericht.

Herr Wuttke aus Leipzig bezeichnet cs als eine un­deutsche und schmähliche Gesinnung, die das Unerhörte wage in einem deutschen Parlamente, das Mißliche und Schlechte des eigenen Volkes hervorzukehren, um daraus Anklagepunkte gegen sich selbst und Hilfsmittel für den Feind zu bilden. Denn feindlich habe sich Polen von je gegen Deutschland be­nommen. Nachdem der Redner dann die Lage der Sachen be­trachtet und in ihr nur die dringendsten Gründe gefunden hat, daß durch einen Beschluß die deutsch-polnische Frage endgiltig entschieden werde, hofft er, niemals wieder eine ähn­liche Sprache, wie die von ihm gerügte, in diesem Hause zu vernehmen.

Da hierauf der Schluß der Debatte beliebt wird, so er­greift noch einmal der Berichterstatter, Hr. Schubert das Wort und bringt durch feinen Vortrag, worin er das ganze Ergeb­niß der heutigen Debatte zusammenfaßt und die wider die Ge­nehmigung der vorgeschlagenen Abgränzungslinie geäußerten Bedenken sowohl, als die der deutschen Nationalität in Bezug auf Polen gemachten Vorwürfe widerlegt, eine nachdrückliche Wirkung hervor. Dann erfolgt die Abstimmung nachdem der Antrag der Herren Wigard und Genossen auf Tagesord­nung abgelehnt und der von Nauwerck gestellte eventuelle An­trag zurückgezogen worden ist durch Namensaufruf darüber, daß die Nationalversammlung, dem Ausschußerach- ten^ gemäß,

die vorbehaltene Genehmigung zu der in Auftrag der provi­sorischen Zentralgewalt vom Reichskommissär von Schäffer- Bernstein festgestellten Demarkationslinie auf Grund des Be­schlusses vom 27. Juli vorigen Jahres ertheile"

dies wird von 280 bejahenden gegen 124 verneinende Stim­men angenommen. Alle Zusätze dazu werden abgelehnt. Die nächste Sitzung findet Donnerstag den 8, Fcbr. statt. Be­rathung über den zurückgelegten Theil der Grundrechte.

Frankfurt, 7. Febr. (D. Z.) Unseren Landsleuten an der Ost- und Nordsee können wir aus sicherer Quelle Die Nach­richt mittheilen, daß, soweit die Diplomatie über Krieg und Frieden zu bestimmen hat, es so gut wie gewiß ist, daß noch vor Ablauf dieses Monats der Waffenstillstand mit Dänemark verlängert werden wird.

Frankfurt, 6. Febr. Auf Antrag des Ministerraths hat Se. k. Hoh. der Erzherzog Reichsverweser am 27. Jan. be­

schlossen, den Regierungen der deutschen Einzelstaaten kund zu geben, daß die provisorische Zentralgewalt für Deutschland tn dessen auswärtigen Verhältnissen keinen Grund mehr sehe, ein allgemeines Pferdeausfuhrverbot in den deutschen Einzelstaaten fortbestehen zu lassen, und daher den Regierungen der Ein­zelstaaten anheimstelle, die von ihnen in Folge des Bundes- beschlusses vom 8. März v. I. erlassenen Verordnungen wieder aufzuheben. Der Reichsminister des Handels hat diese Kund­machung am genannten Tage durch Zirkulärste an alle deut­schen Regierungen vollzogen.

Köln, 6. Febr. (K. Z.) In Köln und Umgegend ent­sprechen die Hauptwahlen zur zweiten Kammer ziemlich den Urwahlen: sie find überwiegend demokratisch ausgefallen. In Köln hat die Demokratie ihre beiden Kandidaten mit großer Stimmenmehrheit durchgesetzt. Auch in Bonn blieb ihnen mit wiewohl sehr geringer Majorität, der ausschließliche Sieg. In Deutz erlangte jede der beiden gegenüberstehenden Parteien einen, in Aachen die Demokraten zwei der drei zu wählenden Abgeordneten. In Duisburg, Lennep und Gum­mersbach, sowie in Elberfeld, so weil von dort das Resultat bekannt, wurden nur Konstitutionelle gewählt. Es verdient bemerkt zu werden, daß an mehreren Orten, wie z. B. in Bonn, Aachen, die Majoritäten der Demokraten viel schwächer ausge­fallen sind, als nach den Urwahlen zu berechnen gewesen wäre. Dennoch, obwohl die Berichte bisher noch sehr unvollständig vorliegen, dürfte so viel nach den Berichten über die Urwahlen sich noch immerhin voraussagen lassen, daß die Regierungsbe­zirke Trier, Koblenz, Aachen und wahrscheinlich auch Köln dies­mal weit überwiegend ihre Abgeordneten aus der so genann­tendemokratischen" Partei werden genommen haben. Welche Folgen diese Siege haben werden, ist noch nicht abzusehen. Hier in Köln hat sich einstweilen die Siegesfreude in unwür­diger Weise durch Erzesse namentlich gegen den Hauptkandida­ten der Besiegten Luft gemacht.

Kassel, 5. Febr. Der Kurfürst ist gestern Abend nach Berlin abgereist.

Aus Baden, 6. Febr. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so dürfen wir dem baldigen Ausbruche eines neuen republikani­schen Aufstandes in nächster Zeit entgegensehen. In den demo­kratischen Vereinen sowohl als unter den Flüchtlingen herrscht die auffallendste Rührigkeit. Daß sich aber, wie unlängst ein Blatt berichtete, der Abgeordnete Dr. Brentano an die Spitze dieses neuen Aufstandes stellen wird, können wir aus der besten Quelle für "ganz grundlos erklären. Wenn schon die Gesinnung des Hrn. Brentano im höchsten Grade republikanisch ist, so wird sich derselbe doch niemals an die Spitze eines so unsin­nigen Unternehmens stellen, um so weniger, alö ja die Erfolg­losigkeit desselben klar zu Tage liegt. Möge es unserer Regie­rung gelingen, das Unternehmen in seinem Keime durch die ihr nothwendig scheinenden Mittel zu ersticken.

Wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, wird alsbald nach Aburtheilung Struve's und Blind's durch das dieser Tage in Freiburg gewählte Geschwornengericht der Prozeß des schon seit beinahe einem Jahre wegen Hochverraths verhafteten Redakteurs derSeeblätter," I. Fickler zur Verhandlung und Aburtheilung durch dieses Gericht kommen; worauf man nicht wenig gespannt ist.

AuS Potsdam geht die Nachricht ein, daß der Ober­präsident von Patow und der Justizrath Krahn aus Cremmen gewählt wurden; aus Magdeburg v, Unruh und Par; der Teltower und Beskow - Storkower Kreis werden den Herrn v. Vincke und den ehemaligen Minister V. Bodelschwingh ge­wählt haben. Morgen werden wir das Bestimmte darüber mittheilen.

Halle, 5. Febr. Heute ist in unserer Stadt der konsti­tutionelle Kandidat Kaufmann Jakob, und in dem Saalkreise ebenfalls der konstitutionelle Kandidat Prediger Fubel in Lomnitz mit überwiegender Stimmenmehrheit für Die zweite Kammer gewählt worden.

Berlin, 4. Februar. Daß hier die Wahlen zur zweiten Kammer überwiegend im ultra-demokratischen Sinne ausfallen werden, ist nicht mehr in Zweifel zu ziehen. Es herrscht hier in den untern Klassen und unter den Personen, welche sich ausschließlich ihres VertraueuS bemächtigt haben, ein revolu-