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Nassauische

Allgemeine Zeitting.

â SS Donnerstag den 8. Februar 18LS

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Zeitungsschau.

Deutschland. Wiesbaden (Landtag). Montabaur (Das Hos­pital). Frankfurt (Reichstag. Verlängerung des Waffenstillstandes mit Dänemark). Köln (Die Wahlen). Kasse l (Der Kurfürst).

Aus Baden (Anzeichen eines neuen Putsches). Potsdam und Halle (Die Wahlen). Berlin (Desgleichen). Wien (Die deutschen Grundrechte). Ollinütz (Die Wahlen nach Frankfurt).

Allgarn. Pesth (Vom Kriegsschauplätze).

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

Z e i t u n g s s ch a u.

Die Oberpostamtszeitung schreibt: Es laufen aus meh­reren deutschen Ländern Nachrichten ein, welche melden, daß die demokratischen Vereine einen Aufstand vorbereiten. Die Nach­richten sind so übereinstimmend, daß an ihrem Inhalte leider nicht zu zweifeln ist. Wir sagenleider," nicht weil wir ir­gend Besorgniß vor dem Gelingen solcher wahnsinnigen Pläne hegten, sondern weil den Feinden der Freiheit dadurch der erwünschte Anlaß zu dem höhnischen Ausrufe gegeben würde: Seht wohin die Grundrechte führen; mit der Freiheit be­friedigt ihr nicht, ihr reizt nur!" Wenn unsereVolksmän- mer" nur einen Funken politischen Verstandes besäßen, sie müßten aus allen Kräften dahin wirken, daß von nun an durch Beobachten strenger Gesetzlichkeit von Seiten des Volkes die Unwahrheit des oft gehörten Satzes bewiesen würde,mit so ausgedehnten Freiheiten, wie die Grundrechte sie gewähren, sey nie und nimmer zu regieren, und es werde sich bald zeigen, daß sie ungeschmälert nicht fortbestehen können."

DasMannheimer Journal" bringt unter der Ueberschrift: Ein Finanzplan" folgenden Artikel:

Wir wollen eine wohlfeile Regierung! So hat man seit dem März vorigen Jahres unablässig gerufen, und je tiefer wir in die Freiheit hineingerathen sind, desto theurer wurde die Regierung. Weshalb? Diese Frage scheint uns nicht schwer zu beantworten. Das Volk, oder diejenigen, welche sich das Volk nannten, arbeitsscheue Bummler mit einigen brodlosen Literaten und kassierten Gcnie's an der Spitze, wollten nur die Freiheit oder die Ilngebundenheit; Keiner aber wollte nebeu der Freiheit auch das Gesetz, was doch die Grundbedingung alles staatlichen Zusammenlebens ist. In einem Staate aber, wo man nur die Freiheit will, da bedarf es natürlich vieler Arme, um neben der sogenannten Freiheit auch das Gesetz auf­recht zu erhalten; jeder Arm aber, der zur Aufrechthaltung des Gesetzes dient, muß bezahlt werden. Daher die theuerere Regierung in jedem Lande, wo man das Gesetz vergißt; die

wohlfeilere überall, wo man das Gesetz der Freiheit wenigstens gleichstellt. Das Gesetz aber soll in jedem Staate der Freiheit nicht gleich, sondern über ihr stehen; denn das Lebe» im Staate ist ein kontraktliches Zusammenleben. Wenn aber zwei oder drei oder mehrere krontraktlich sich vereinigen, so geschieht das -^en dadurch, daß jeder der Zusammentretenden etwas von seiner Eigenthümlichkeit, von seiner Freiheit zu Gunsten aller Uebrigen abgibt, daß jeder sagt: Das will ich nicht thun, das will ich thun. Dies: Das will ich nicht thun, das will ich thun, diese Beschränkung der Freiheit ist daS Gesetz der Gesellschaft oder die Grundlage des kontraktlichen Verhält­nisses, und muß, so lange der Kontrakt dauert, der persönlichen Freiheit vorgezogen werden. Nun ist aber der Staat keine aus dem freien Willen, sondern aus der Naturnothwendigkcit hervorKgangene kontraktliche Gesellschaft, die wir nicht nach Willkür aufheben dürfen, sondern deren Gesetz wir erfüllen müssen, so lange wir darin leben. Um wie viel mehr also ist im Staate das Gesetz über die Freiheit zu stellen. Wenn wir nun bereits gesehen haben, daß die Regierung in einem Lande, wo das Gesetz minder geachtet wird als die Freiheit, theurer ist, weil das Gesetz einer größeren Anzahl Wächter bedarf, so werden wir uns auch sehr bald überzeugen, daß eine Regie­rung um so wohlfeiler wird, je mehr das Gesetz im Lande ge­achtet wird. Wollt ihr also eine recht wohlfeile Negierung, so lernt eure persönliche Freiheit dem Gesetze unterordnen, so lernt das Gesetz über Alles achten! Jemehr Gesetzlichkeit in Allem, desto wohlfeiler die Regierung.

DieElberfelder Zeitung" läßt sich von Berlin aus berichten:Die preußische Zirkularnote hat überall da, wo auf ihre Wirkung etwas'ankam, den besten Eindruck ge­macht. Aus Frankfurt erfahren wir, daß Gagern die­selbe vollständig adoptirt und gleichsam zu seinem Programm gemacht habe. Hannover stellt in Folge die­ser Note seine Zustimmung in Aussicht; von Würtemberg weiß man dies gleichfalls. Im feindlichen Lager hat diese Note wahrhaften Schrecken angerichtet. Nachträglich vernehmen wir auch aus guter Quelle, daß Camphausen selbst den wesent­lichsten und unmittelbarsten Antheil an der Abfassung der Note hat. Eine nähere Erklärung Preußens wird, in Folge der eigenen Note, bald zu erwarten seyn."

Deutschland.

* Wiesbaden, 9. Febr. (Ständeversammlung. Schluß.) Zu unserm LandtagSberichte haben wir noch nachzutragen, daß die Verhandlungen über das Gesetz über Trennung der Justiz von der Verwaltung über den Punkt, bis zu welchem wir in dem Berichte deS Hauptblattes kamen, nicht fortgeschritten sind, und daher morgen wieder ausgenommen werden.