es wäre abscheulich, um solcher Lappalien willen ihnen ernstlich anzusinnen, sich mit ihren Verwandten und Freunden zu veruneinigen oder gar ihr Leben auf's Spiel zu setzen. Sie hatten Recht, daß sie vor Kurzem, als sie in der Gemeinde Oberweier von den widcrspcnstischen Bauern die wegen Verweigerung der Steuern gepfändeten Gegenstände abholen sollten, bei dem Anblicke der ernsten Gesichter der Bauern und deren durch unvorsichtig von den Schuljungen abgeworfene Schneeballen allerdings bedenklich erscheinender Haltung sich aus dem von ihnen besetzten Wirthshause zu Oberweier, wo man ihnen auch nicht sehr artig begegnete, in aller Eile nach Hadamar zurückzogen und dem Amte auf brutale, ich möchte sagen „herrische" Weise rund heraus erklärten, sie würden keinen Dienst mehr thun. Dabei sind sie so unglücklich und treffen die zu arretirenden Leute immer nicht zu Hause an.
Darin stimmen aber auch alle gutgesinnten Bürger überein und Jeder fragt sich: „Warum kommt uns das Militär nicht zu Hülfe?" Schon ist das Zutrauen so sehr zerstört, daß alle Geschäftsleute dahier gestern übereinkamen, keinem ihrer auf dem Land; wohnenden Mitbürger mehr etwas zu kreditiren. Wem schadet aber am Meisten das Sinken des Kredits? Dem Reichen, der eine bessere Zeit abwarten kann, oder dem Armen, der von Hand zu Mund lebt und oft kein Geld zur Anschaffung des täglichen Brodes hat? Der Arme ist es, der auf tausend Arten am schmerzlichsten darunter leidet, der 'arme Irregeleitete, dem man schändlicher Weise vorschwatzt, Anarchie wäre Freiheit, Anarchie bringe ihm Heil. Zu spät wird er einsehen lernen, wie man ihn blindlings durch Täuschungen zu ihm unbekannten Zwecken verwendet und dann freilich seinen Verführer verfluchen.
Es eile daher die Regierung, die Stimme der hiesigen Bürger zu erhören und ihnen Militär zu senden; wo möglich aber Reichstruppen, weil Nassau ein so kleines Land ist, in einem kleinen Lande die Verbindungen durch Verwandtschaft und Freundschaft zu häufig sind und deshalb die Bürger befürchten , es möchte das nassauische Militär nicht mit der nöthigen Energie auftreten.
Frankfurt, 6. Febr. (D. Z.) (Reichstag. Fortsetzung.) Ignaz Döllinger aus München: Altes Unrecht zu vergüten, Neues nicht zu begehen — dadurch ist die Ehre Deutschlands zu wahren. Den Polen ist eine Reorganisation versprochen worden. Kann diese, wenn die uns vorgeschlagene Abgränzungs- linie wirklich gezogen wird, noch von irgend einer Bedeutung seyn? Preußisch-Polen hatte bis jetzt drei Gymnasien. Wird die vorgeschlagene Linie genehmigt, so bleibt den Polen ein einziges. Wie wollen Sie sie nun in den Stand setzen, die Bildungsanstalten herzustellen, die nöthig sind zur Erziehung eingeborner Beamten? Sagen wir es grade heraus: bei der gezogenen Abgränzungslinie hat es sich um die möglichste Schwächung der polnischen Nationalität gehandelt. Die strategischen Gründe mögen von großer Wichtigkeit gewesen seyn. Ich erkenne das an, aber ich sehe auch kein Maß und kein Ende darin. Denn auch nach der jetzt vorgeschlagenen Linie bleiben noch gefährdete Punkte übrig, so daß vielleicht ein zweiter Kommissär die Demarkation noch weiter hinausrücken würde. Daneben haben auch noch andere Motive obgewaltet, wie z. B. bei der Aufnahme des Fürstenthums Kroloschin zu Gunsten des Fürsten von Thurn und Taris. Ueberall zur Benach- theiligung der polnischen Nationalität. An Sie aber wende ich mich insbesondere, die Sie das Verbleiben Oesterreichs im deutschen Staatsverbande wünschen. Welchen Eindruck würde es unter der slavischen Bevölkerung des Kaiserthums hervor- bringen, wenn Sie hier zu einem so unbilligen Verfahren gegen die Polen Ihre Einwilligung ertheilten. Zu einem Verfahren, welches den kleinen, zwischen Rußland und Deutschland eingeklemmten Rest von Polen zu einem traurigen Scheindasein zwischen Leben und Tod verdammte! An eine Verpflichtung zur Wiederherstellung Polens, die wir hätten, glaube ich allerdings nicht. Aber ich glaube, daß wir die Theile Polens, die nun einmal per fas oder nefas an uns gekommen sind, mit Schonung und mit Gerechtigkeit zu behandeln, daß wir ihre Nationalität zu achten und ihnen die gegebenen Versprechungen zu halten haben. Die Reorganisation deS ganzen Großherzogthums Posen ist ihnen zugesagt worden. Kann dies als eine Erfüllung dieses Versprechens gelten, daß wir drei Viertheile davon losreißen, daß dieser Reorganisation nur ein Viertheil übrig bleibt. Mit welchen Gründen wollten wir uns der russischen Regierung widersetzen, wenn das den Polen überlassene Viertheil der Schauplatz der unruhigsten Bewegung, wenn es ein Sei
tenstück zur Moldau und Walachei und dadurch sür Rußland der Anlaß zum Einschreiten würde?" Indessen bewährt sich Herr Döllinger auf dem politischen Gebiete keineswegs als ein so bedeutender Redner, wie in der Kirchenfrage/ Nicht einmal die Aufmerksamkeit des Hauses vermag er in einem höheren Grade für die geschichtliche Auseinandersetzung zu fesseln, in welcher er die Umstände schildert, unter denen die Einverleibung Posens in das Königreich Preußen erfolgt sey. Durch ein großes Unrecht sey diese Einverleibung geschehen. Hüten wir uns nun, daß wir uns an die Ostseile' des Reiches kein unglückliches Irland setzen! Von dem Prinzipe, daß wir den Volkswillen vertreten, dürfen wir auf keine so flagrante Weise abgehen. Was Anderes sey es denn, als eine Wiederholung des französischen Uebermuths, der einst zu den Holländern sagte: man wird verhandeln bei Euch, man wird ver» handeln über Euch und wird verhandeln ohne Euch. Gerade so thun wir jetzt den Polen, so daß ihnen nur die Wahl zwischen zwei Uebeln bleibt, ob sie die Einverleibung des ganzen Großherzogthums oder ob sie dessen Zerstückelung wollen.
(Schluß folgt.)
Frankfurt, 6. Febr. Einer in der heutigen Nummer des hiesigen Amtsblattes erlassenen amtlichen Bekanntmachüng zufolge ist in diesen Tagen mit der Herstellung einer elektromagnetischen Telegraphenlinie zwischen hier und Berlin auf hiesigem Gebiet begonnen worden.
Frankfurt, 5. Febr. (D. Z.) Noch geben die Spielbank, Halter und die Freunde des „grünen Tisches" ihre Hoffnungen nicht auf. Sie vertrauen jetzt auf die „Nachsicht" der Lokalpolizeistellen gegen „geschlossene" Klubbs. „Troy alle dem" haben es, wie man hört, die Brüder Blanc für gerathen ge, funden, den Fortbetrieb ihres „Geschäfts" nicht allein in Spaa in Belgien, sondern auch auf freiem Schweizerboven, in Inter, laken im Kanton Bern, fortzusetzen.
Der „konstitutionell-monarchische Verein" in Augsburg hat eine Adresse an die II. Kammer erlassen, worin er die Einführung der Grundrechte mit Gesetzeskraft ohne Verneh- mung der Kammern für einen Verfassungsbruch und in der „angeblichen Souveränetät der deutschen Reichsversammlung lediglich eine jeder rechtlichen Grundlage entbehrende Fiktion" zu erkennen erklärt.
Berlin, 30. Jan. Von der neuen großen „konstitutionell len Zeitung", die Hansemann in'S Leben gerufen hat, soll die erste Nummer den 15. Febr. oder spätestens beim Zusammentritt der Kammern erscheinen.
Prag. Nach einer Nachricht der „Slovanska Lipa" soll Stratomirovich gefangen und in Temeswar vor ein Kriegsgericht gestellt worden seyn.
Wien, 1. Febr. Die Stimmung Wiens wird nachgerade wieder düsterer, wozu die Maßregeln, welche General Melden wegen verweigerter Waffenablieferung zu nehmen sich bemüssigt glaubt, nicht wenig beitragen. Nach seiner neuesten Verordnung sind die Gemeinden bei Strafe von 1000 bis 20,000 fl. solidarisch verantwortlich die Waffen auszuliefern. Die Uni, versitât kann, wie es heißt, aus Mangel an Hörern, nicht eröffnet werden; eigentlich aber, weil alle, die sich melden, beweisen sollen, daß sie früher nicht in der akademischen Legion eingereiht waren.
Von der gestrigen Reichstagssitzung erfahre ich aus zuverlässiger Quelle, daß der 8. 10 der Grundrechte in nach- stehender Fassung angenommen worden ist. „Die Freizügigkei- der Person und des Vermögens innerhalb des Staatsgebietes unterliegt nur den in den Gemeindeordnungen enthaltenen Be, schränkungen. Von Staatswegen wird die Freiheit der Auswanderung nicht beschränkt. Es darf kein AbsahrtSgeld — Fälle der Reziprozität ausgenommen — gefordert werden." Auch verbreitete sich gestern das Gerücht in Kremster, daß der Reichstag bis zum 15. Mai prorogirl werden soll, um die Magyaren an der Berathung der Grundrechte theilnehmen zu lassen.