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haben, sich werde beirren lassen; so sieht man doch hieraus, wie diese Menschen alles versuchen, um die Revolution in Permanenz zu erhalten, immer hoffend, ihr Schäfchen noch zu scheeren. Täuschen wir uns nicht, so muß dieser Akt zu einer Auslösung desVolksvereins" führen, denn wir kennen viele Mitglieder, die sich niemals zu den hier aufgestellten Grund­sätzen bekennen und nunmehr einsehen werden, wo Hr. Gerau, Durst, Küstler rc. hinaus wollen.

Das'Hofgericht zu Dillenburg hat in dem wegen eines angcb'ich verlaumderischen Aufsatzes im hiesigen Wochenblatt gegen den Lehrer S. zu D. erlassenen Strafbeschlusse auf den §. 13 der Grundrechte Bezug genommen. Wir freuen uns darüber um so mehr, als dieser Gerichtshof unter dem Direk­torium R. von der Freiheit des Wortes die sonderbarsten Begriffe hatte. Um einen Anwalt mit drei, fünf oder zehn Gulden zu strafen, reichte es hin für das Direktorium, wenn ein demselben unterthâniger Referent eineAnzüglichkeit,"un­geeigneten Ausfall,"injuriöse Wendung" und wie diese Dinge alle genannt wurden, entdeckt zu haben glaubte. Auf den Amtsstuben waren es immer nur die Hohlkopfe, die dergleichen Spuck nachahmten, und dadurch in die Fußtapfen des großen Meisters zu treten glaubten; und noch ist dieser böse Geist nicht ausgetrieben, noch hat man den §. 13 nicht erfaßt, vielleicht nicht gelesen, denn er gehört ja nicht zur Prozeß- praris, die allein aus den dicken Hofgerichtsmanuskripten gelernt wird.

Mannheim, 31. Jan. (D. Z.) Vielleicht erinnern Sie sich noch eines seiner Zeit viel besprochenen Vorfalls, als zur ' Zeit des ersten Freischaarenzugs im Oberlande ein Soldat der Hessen-Darmstädtischen Reichstruppen offen seine Sympathieen für die republikanische Erhebung aussprach und sich weigerte, auf die Insurgenten zu schießen: er wurde zur Haft gezogen, vom Kriegsgericht infam kassirt und zum Tode verurtheilt, eine Strafe/die auf dem Wege der Gnade später in zwanzig­jähriges Zuchthaus umgewanvelt ist. Dieselbe Partei, welche hier neuerdings die Wahl des Abgeordneten Brentano zum Bürgermeister der Stadt durchsetzte, hat es nun auch für ihre Pflicht" gehalten, zur Unterstützung dieses ihresunglücklichen wackern Mitbürgers" eine Summe Geldes zusammenzubringen, und der Volksverein hat von diesem speziellen Falle sogar An- laß genommen, einenVerein zur Unterstützung unglücklicher Militärs" zu gründen. Was unterunglücklichen Militärs" zu verstehen, ergibt sich aus dem Vorstehenden, von selbst.

Karlsruhe, 29. Jan. Die Regierung hat den Kammern zur Deckung- des Defizits von 5 Millionen den Entwurf einer außerordentlichen Vermögenssteuer vorgelegt. Obgleich in Zahlen nicht ausgedrückt, geht doch aus deren Zusammenstel­lung hervor, daß man 12 kr. von 100 fl. Steuerkapital erhe­ben will, also 7s Prozent des Stockes, oder als Einkommen­steuer revuzirt 5 Prozent. Ein außerordentliches Mittel, das nur dadurch gerechtfertigt wird, daß die Regierung eine'Er- sparniß von 490,000 fl. an Staatsausgaben, wovon 100,000 fl. die Zivilliste treffen, nachgewiesen hat, und der Kredit' des Staats jetzt in Anspruch genommen werden darf, weil 'man nicht weiß, was die Jahre 1849 und 50 noch bringen könnten.

Freiburg, 1. Febr. In Anklagesachen gegen Gustav v. Struve und Karl Blind von Mannheim wegen Hochverrath wurden in der heutigen öffentlichen Sitzung des oberrheinischen Hofgerichts aus der Vorschlagsliste des Oberrheinkreises, welche 716 Personen nachweist, die 30 Geschwornen, und aus der Freiburger Urliste die 8 Ersatzmänner durch das Loos gezogen.

Berlin, 1. Febr. (K. Z.) Gestern Abend langte Rod- bertus mit dem Stettiner Bahnzuge hier an, um einer Ein­ladung gemäß, vor dem zweiten Wahlbezirke als Kandidat zur zweiten Kammer aufzutreten. Ein Mann geleitete ihn zu einer Droschke. Seine Gattin meldete ihm jedoch Rodbertus hat nämlich hier einen eigenen Hausstand daß er unmöglich lange werde hier bleiben können, da Schutzmänner schon eine Zeit lang in der Nähe des Hauses ausgestellt seyen. Heute früh 5*/i Uhr wurde Rodbertus durch einen Schutzmanns- Offizier geweckt und aufgefordert, Berlin sofort zu verlassen. Er erlangte aber so viel, daß er mit dem Schutzmanne zum Polizeipräsidenten gehen konnte. Der Präsident, Hr. v. Hin­keldey, begab sich auch Vormittags mit Hrn. Rodbertus zu dem Ober-Befehlshaber in den Marken," General v. Wrangel, nachdem Rodbertus vorgestellt hatte, daß er als Staatöminister

hier in Berlin ansässig gewesen und somit ein Recht zum Bleiben habe. Hr. v. Hinkeldey gestand dieses Recht auch zu, bedauerte aber, ihm nicht dienen zu können, da der Ober- Befehlshaber den alleinigen Befehl habe. Beide Herren, Hin­keldey und Rodbertus, begaben sich zu Wrangel. Dieser wies letzteren ab, ließ ersteren jedoch vor. Nach einiger Zeit kehrte Hinkeldey, anscheinend erregt, zurück und erklärte, daß seine Verwendung fruchtlos gewesen. Rodbertus fragte hierauf in Gegenwart der Adjutanten, ob man nöthigenfalls Gewalt ge­gen ihn gebrauchen werde. Der Präsident bejahte vies, wo­rauf Rodbertus auf sein Ehrenwort die Erlaubniß erhielt, bis zwölf Uhr Mittags hier weilen zu können. Um diese Zeit kehrte er nach Stettin zurück. Inzwischen war sein Bedienter hier polizeilich vernommen und u. A. gefragt worden. ob sein Herr schon gewählt sey. Der Bediente erwiederte, daß eine Wahl noch nicht gewesen. Die zweite Frage: ob er hier ge­wählt werden würde, beantwortete der Gefragte dahin, daß er dies nicht wisse, aber daran glaube. Der Bediente erhielt gleichfalls einen Zwangspaß und wurde ausgewiesen. Eine große Anzahl Wahlmänner hat sich bei Wrangel für Rodbertus verwandt.

Die Wiener Post vom 31. Jan. meldet, daß der Reichs­tag in Kleinster mit 197 gegen 106 Stimmen die Todes­strafe für aufgehoben erklärt hatte. Gegen Soldaten fielen abermals mehrere Erzesse vor; ein Soldat wurde auf dem Glacis durch einen Pistolenschuß verwundet. Das 19. Armee- bulletin erzählt von bedeutenden Erfolgen, welche die kaiser­lichen Truppen gegen die Magyaren davongetragen hätten welche gegen Tokay und Essegg gedrängt worden. Ueber daS Vorrücken Perczels über die Theiß und auf der Straße von Pesth beobachten die ministeriellen Blätter Schweigen.

Prag, 30. Jan. Heute früh reiste der junge Kaiser, in Begleitung des Herzogs von Modena und Erzherzogs Ferdi­nand d'Este, mit einem Separattrain von hier nach Olmütz zurück. (Knnst. Bl. a. B.)

Frankreich.

Paris, 2. Febr. Der Moniteur schreibt:Die teke, graphischen Depeschen, welche aus den Departement?» einlau- fen, sind sehr beruhigend. Obgleich sie beweisen, daß daS Komplott von Paris die weitesten Verzweigungen hatte, wur­den doch die Präfekten bei Zeiten davon unterrichtet und konn­ten die gehörigen Maßregeln treffen im Interesse des öffent­lichen Friedens.

In Marseille vereitelte die Behörde einen bewaffneten An- griffsplaty indem sie in der Nacht vom 27. zum 28. Jan. alle Posten verdoppelte.

In,Lyon hielt der Anblick einer starken Garnison die Agi­tatoren im Schach, deren Thätigkeit bemerkt worden war.

In Mâcon und Châlon (Saone) gab's eine tumultuarische Klubdemonstration, bei der ein Polizeikommiffarius beleidigt wurde.

In Straßburg durchzog ein Haufe von mehreren hundert Sirbeitern die Straßen und rief ungestüm nach Arbeit. Auf eine Ansprache des Adjointen und Vertheilung von Almosen an die Dürftigsten ging er jedoch auseinander.

In Limoges erschien die Haltung der Arbeiter Anfangs drohend; aber die vortreffliche Haltung der Bürgerwehr und der Garnison beruhigte alsbald die Gemüther.

In Troyes hat der Präfekt sechszehn Kisten voll Gewehre ausgefangen, die nach Châlons bestimmt waren.

An der nordöstlichen und östlichen (also deutsch-belgischen) Gränze ist man mehreren Munitionsschmuggeleien auf die Spur gekommen. Auf den Landstraßen, namentlich in der Nähe von Paris, hat man starke Haufen Arbeiter aus den Departements dem Sammelplätze der Emeute zueilen sehen, während Emis­säre von Paris in die Departements reisten, um dort Agita­tion und Revolte zu stiften.

Das Gerücht vom nahen Ausbruch einer Insurrektion war überall verbreitet. Die schlechten Bürger machten aus ihren Hoffnungen hiefür gar kein Geheimniß, man hätte sich noch einmal am Vorabend deS Juni glauben können. Dieses ist die große Bewegung, welche die Regierung durch ihre Wach- samkeit im Keime erstickte und zu erdrücken mit Energie ent­schlossen."