den Plan erschüttern, den eö mit großer Energie verfolgen zu wollen scheint, ist begreiflich. Es will die Wunden des Vaterlandes besten, cS verspricht, die festen Mittel zu diesem Ende zu ergreifen: aber eS betheuert: So lange jene Kammer da ist, vermögen wir nichts zu thun. Die Kammer ihrerseits fühlt sich dadurch um so weniger geneigt, zu weichen, weil eö kein Geheimniß seyn kann, daß jene Mittel, die Wunden des blutenden Frankreichs zu heilen, keine anderen sind, alö welche die Republikaner mit dem Worte „reaktionär" zu brandmarken glauben. Der Minister Leon Fancher hat ja kein Geheimniß varaM gemacht, daß er vor allen Dingen den absoluten Triumph -der Ordnung und der Autorität sehen will. Die Auflösung der Mobilgarde, die Schließung der Klubs, daö Verbot für,kaS Heer, an politischen Diskussionen Theil zu nehmen und Klubs zu besuchen, sind die ersten Schritte zu jenem Ziele; wahrscheinlich, daß das Ministerium sodann wider die Zügellosigkeit der Presse Vorgehen, die Artillerie der Nationalgarde auflöfen wird und so weiter, bis von republikani, scheu Institutionen sehr wenig mehr übrig ist. Was dann geschehen soll, ist schwerlich jetzt schon sicher festgestellt. Man wird auf irgend eine Weise sich deS Prâsiventen zu entledigen suchen, und ihn bitten, Heinrich > . Platz zu machen, der, da er ohne näheren Erben ist, den Grafen von Paris adoptirt und zu seinem Nachfolger ernennt. Das sind wohl die Grundzüge deS ministeriellen Planes.
Die neueste Nummer der „Times enthält einen leitenden Artikel über die deutsche Oberhauptsfrage, in welchem die Unschlüssigkeit der Frankfurter Nationalversammlung in dieser wichtigsten Angelegenheit einem ziemlich harten Tadel unterworfen wird. In einer jeden verständigen und praktischen Versammlung, meint das Organ der City, kommt man doch zu irgend einem Resultate; nur eine befangene Versammlung könne alle ihr gemachten Vorschläge verwerfen. Die „Times" führt dafür ein Beispiel aus der Geschichte Englands an. Als Wilhelm von Oranien nach der Flucht Jakobs II. in White- Hall ankam, da herrschte auch eine große und unvermeidliche Verschiedenheit in den Meinungen deS Parlaments, welche noch dadurch vermehrt ward, daß dieses Parlament nach den Einrichtungen der englischen Verfassung in zwei Häuser getheilt war. Einige waren für eine Regentschaft, Andere für die Königin Mary, Einige für König Wilhelm, Andere für die Erben Jakobs. Die Schwierigkeit war groß, die Krisis dringend; Ober- und Unterhaus faßten andere Beschlüsse. Aber Oberhaus und Unterhaus, versammelt um eine gewaltige Revolution zu beenden, mochten nicht mit einer sinnlosen und nichts bedeutenden Verneinung sitzen bleiben. Und sie faßten einen Beschluß. Den schlechtesten der gemachten Vorschläge anzunehmen ist immer noch weniger schlimm, als alle zugleich zu verwerfen. Zum Unheil für die Frankfurter Versammlung aber haben die Ueberfluthung demokratischer Leidenschaften und die Rivalität eifersüchtiger Staaten die Möglichkeit irgend einer Beendigung ihrer Arbeiten ausgeschlossen und das deutsche Parlament gewährt mithin den größten Kontrast zu der kon- stltuirenden Versammlung Englands im Jahre 1688. Indessen, fährt die „Times" fort, habe die preußische Note alle die vorliegenden Schwierigkeiten glücklich besiegt. Die in derselben enthaltenen Erklärungen, durch welche das Prinzip des herzlichen Einverständnisses mit Oesterreich aufrecht erhalten werde, seyen am besten geeignet, die obschwebenden Differenzen zu lösen. Und so wie der König von Preußen den Zollverein gegründet habe, das mächtigste und nützlichste Werk des neuen Deutschland, das nie zu Stande gekommen wäre, wenn man es einer deutschen Nationalversammlung zur Berathung vorgelegt hätte, so werde auch jetzt das Werk der Einigung durch seine Hülfe und in verständiger Uebercinkunft mit den andern Fürsten zum Ziele gelangen. „Was immer dahin strebt," schließt der Artikel, „die Einheit der deutschen Staaten auf der Grundlage wahrer Freiheit und Ordnung zu kräftigen, das dient auch dazu, die Defensivgewalt des Kontinents" zu befestigen und etwaigen kriegerischen Gelüsten am Rhein und an der Weichsel Schranken zu setzen, im Fall der Noth aber die wirksamste und zweckmäßigste Allianz, welche Deutschland auf dem Festland haben kann, zu sichern. Für die englische Politik ist der Fortschritt einer solchen Einigung von dem größten Interesse, eine Einigung, welche man um so weniger erwarten zu dürfen glaubte, als schon Befürchtungen rege wurden, es möchten durch die Leidenschaftlichkeit, mit welcher
man in Frankfurt zu Werke ging, der Norden mit dem Süden, der Protestantismus mit dem Katholizismus, die Monarchisten mit den Republikanern in Konflikt gerathen und alles dies zu der Wiederkehr eines dreißigjährigen Krieges führen. Die Entschließung der preußischen Negierung hat, wie wir glauben und überzeugt sind, diese Gefahr abgewendet."
Nicht ohne Beachtung, heißt es in der sogenannten „Park. Corr.", ist der Antrag Henkels in der hessischen Kammer ge- geblieben, auf den Austritt der österreichischen Abgeordneten aus dem Frankfurter Parlament hinzuwirken, um so weniger, als sich die Ansicht selbst in Oesterreich allmälig Bahn zu brechen scheint, man dürfe, falls der Eintritt Oesterreichs in den Bundesstaat wirklich nicht zu ermöglichen stehe, der Einigung des übrigen Deutschlands nicht länger hindernd in den Weg treten. Einer der Führer des Reichstags zu Kremsier, Herr Löhner, spricht in einem Sendschreiben an seine Wähler offen aus: Entweder Deutschland - Oesterreich als ein neues freies Mitteleuropa, oder das Gagern-Schwarzenberg'sche Programm mit allen Konsequenzen, das staatliche Nebeneinanderstehen Deutschlands und Oesterreichs. Dann ist für unsere De- putirten auch keinen Augenblick mehr Platz in der Paulskirche."
Ferner meldet dieselbe Correspondenz: „Aus Bayern mehren sich die Adressen, welche die einheitliche Regierung Deutschlands auf Preußen zu übertragen verlangen. Die letzte derselben ist dem Dekan Bauer von seinen Wählern in Bamberg zugegangen. Der „Nürnb. Kur." hat seinen Ton geändert, und wir haben alles Vertrauen, die bayerische Kammer werde alle Hindernisse der deutschen Einigung kühn und entschieden zu überwinden wissen. Inzwischen ist auch die Gegenpartei nicht unthätig; unter anderem läßt man von dieser Seite auS den Entwurf der Gewerbeordnung, welcher von unserem volks- wirthschaftlichen Ausschuß vorgeschlagen ist, bereits als angenommenes Gesetz im Lande vertheilen, um die Besorgnisse vor norddeutscher Gewerbefreiheit auf die passende Höhe zu steigern".
Deutschland.
$ Aus dem Cambergergrund, 3. Feb. Es ist in der That sehr interessant zu beobachten, welche Mittel der Einsender des Artikels, Idstein den 30. Jan. (in der freien Zeitung Nr. 28) anwendet, um das Kreisamt der Aemter Idstein und Usingen nach dem, durch seine Lage ganz unpassenden Idstein zu bringen. Er glaubt etwa durch die Bezeichnung einiger Personen, und daß sich nur katholische Ortschaften für Camberg, als den Sitz deö Kreisamtes aussprächen, nützlich, in seinem Sinne, zu wirken; diese Idee wird aber unsere tolerante Stände-Kammer und Gouvernement nicht bewegen, das entlegene Idstein zu der fraglichen Kreisamtsstaht zu erheben.
0 Weilburg, 1. Fehr. Wer unsere frühern Verhältnisse kannte, wer da weiß, wie es vor dreißig Jahren und früher um unsere Erwerbsquellen stand, gegen jetzt, der wird sich nicht wundern, daß es der Weilburger als eine Lebensfrage ansteht, ob hier oder in Hadamar der Sitz des Kreisamtes für die Zukunft seyn soll, und daß Alles aufgeboten wird, den vorläufigen Beschluß der Kammer rückgängig zu machen. Mag man anderwärts immerhin glauben, wir säßen in der Wolle, weil nicht halbnackte Bettler mit hungrig-hohlen Augen zwischen Baracken und Misthaufen einherschleichen, weil die Straßen und Häuschen ein freundliches Ansehen haben, und Jeder der arbeiten will, seinen Unterhalt findet; so ist der Grund hier, von doch nur in der früheren Gunst der Verhältnisse und hauptsächlich in der sittlichen Natur der hiesigen Einwohner zu suchen. Ein fleißiger und dabei höchst genügsamer Mittelstand ließ niemals, wie anderwärts, ein Proletariat aufkommen; aber eben so wenig konnte eine Geldaristokratie auf Kosten der Unbemittelten sich breit machen. Wollte indessen eine andere Eintheilung der Verwaltungsbezirke nicht beliebt, und Hadamar als der geographische Mittelpunkt zum Sitz deS KreiS- amtS erkoren werden, so wird gewiß in billiger Berücksich, tigung unserer Verhältnisse eines der vier Kreisgerichte als Entschädigung unS zugedacht seyn. Dann würde sich das Be, amtenpersonal nicht mindern, selbst wenn auch, wie man an-