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Gliedern, von denen 405 für die Grevy'schen Konklusionen d. h. unbedingte Verwerfung aller Auflösunganträge stimmten, aber 416 dagegen.

Das Journal des DebatS sagt zu diesem Votum:

Die Ausschußkonklusionen sind mit einer Majorität von 11 Stimmen verworfen worden. Aber daS bezeichnet noch nicht, daß die Rateau'scbe Proposition angenommen wäre. Wir glauben selbst, um aufrichtig zu sprechen, daß sie verworfen worden wäre, wenn sie ganz allein stände. Das Votum be­zeichnet also nur, daß sich über die drei anderen Propositionen, sowie über die Amendements, die dazu gestellt werden dürften, eine zweite Berathung eröffnen werde. Die Kammer hat nur die unbedingten und schneidenden Konklusionen deS Berichts verworfen; sie behält sich eine neue Prüfung vor. Ihr Votum hat keine andere Bedeutung. Indessen ist cs ein Beweis (und wir sind glücklich, ihn hervorzuheben), daß die Kammer, wie wir dessen überhaupt sicher waren, keineswegs daran denke, sich auf die Bahn unbegrenzter Diktatur zu werfen. Die Kam­mer hat durch ihr Votum dem Lande zeigen wollen, daß sie geneigt sei, ihrem Mandate selbst eine Grenze zu setzen.

Der Jubel der übrigen konservativen Blätter ist bei weitem mäßiger als es sich nach einem so aufgeregten Tage voraussetzen ließe.

Der National hätte gewünscht, daß die Nationalver­sammlung über alle Auflösungsvorschläge einfach zur Tages­ordnung'schreite ... Die legitimistische Presse behauptet da­gegen jetzt um so kecker, daß die heutige Lage (soll heißen die Republik) nicht fortdauern könne.

Als gestern Abend S72 Uhr Marrast das Stimmre­sultat verkündete, klatschten viele Deputirte der Rechten in die Hände. Die äußerste Linke rief ihnen zu: Nieder mit den Royalisten !

Proklamation des Ministers deS Innern.

Bürger von Paris! Wir haben die Bürgerwehr unter die Waffen gerufen. DieS geschah zur Vertheidigung der ge­sellschaftlichen Ordnung, welche noch ein Mal von denselben Feinden bedroht war, die sie in den Junitagen angriffen. Die Pläne dieser Menschen haben sich noch nicht geändert. Was sie wollen, daS ist: zu jedem Preise die Etablirung einer ge­regelten und honetten Regierung zu hindern. Was sie bedür­fen, das ist: fortwährende Agitation, Anarchie, Zerstörung des Eigenthums, Umsturz aller Prinzipien. Den Despotismus der Minoritäten Hoften sie zu gründen, indem sic wie ein Privi­legium das gemeinschaftliche Eigenthum, den heiligen Namen der Republik usurpiren. Um die Widerspänstigkcit gegen die Gesetze zu färben, sagen sie, daß wir die Verfassung verletzt haben und baß wir die republikanische Regierung zerstören wol­len. Das ist eine verächtliche Verlâumdung. Die Republik hat keine festere Stützen, als diejenigen, welche sie gegen die ultrarcvvlutionäre Erzesse zu bewahren suchen, mit denen man diese Regierungsform nur zu sehr verwechselte. Was die Ver­fassung betrifft, so hat der Herr Präsident der Republik ge­schworen, sie zu respekliren und respektiren zu lassen: er wird seinen Schwur halten. Seine Minister haben eine Vergan­genheit, welche Niemanden das Recht gibt, ihre Intentionen zu verdächtigen und sie können keine größere Probe ihrer Anhäng­lichkeit an die republikanischen Staaseinrichtungen geben, als die Energie, mit welcher sie entschlossen sind, jede Ruhestörung zu unterdrücken, von welcher Proportion sie auch immer seyn mögen.

Bewohner von Paris, es genügt nicht, daß die Gesell­schaft stark sey; sie muß auch ihre Stärke zeigen. Ruhe und Sicherheit sind zu diesem Preise. Mögen darum alle guten Bürger die Regierung in Unterdrückung der Unordnungen un­terstützen, welche auf öffentlichem Platze entstehen konnten. Die Republik, die Gesellschaft selbst, die ewigen Grunvlagen der Regierungsgewalt sind es, welche die Aufrührer in Frage stellen. Der Sieg der Ordnung muß entscheidend und unwider­ruflich seyn. Möge also Jeder seine Pflicht thun; die Regie­rung wird die ihrige nicht versäumen.

Paris, 29. Januar 1849.

Der Minister deS Innern, (gez.) Leon F a u ch e r.

Italien.

Die reaktionäre Maßregel deS Belagerungs-Zustandes ist nun auch von einer demokratischen Regierung in Anwendung gebracht. Das Ministerium Sterbini hat die Stadt Rom in Belagerungszustand erklärt, wahrscheinlich im ersten Schrecken über den Straßenauflauf, den weiter unten unser römischer Korrespondent berichtet.

Die toskanische Deputirtenkammer hat am 22. unter großem Jubel beschlossen, zu der italienischen Konstituante in Rom 27 Abgeordnete schicken zu wollen, welche nach allgemei­nem Stimmrechte zu erwählen sind.

DiePrager Zeitung" enthält Folgendes über die ge­stern erwähnten fabelhaften Luftballonmörser:Venedig wird mittels Luftballons beschossen werden, da die Lagunen das An­rücken der Geschütze nicht erlauben. Zu diesem Zwecke werden unter Anleitung eines beim General-Quartiermeisterstabe zu­getheilten Ingenieurs der venetianischen Eisenbahn in Treviso 5 Luftballons, jeder 28 Fuß Durchmesser, gebaut. Die Ballons werden in die möglichste Nähe Venedigs gebracht, bei günstigem Wetter an ungeheuren Seilen steigen gelassen, und sobald die­selben oberhalb Venedigs angekommen sind, beginnt das Feuern. Dies geschieht mittelst Elektro-Magnetismus, indem jede der an dem Boden des Schiffchens befestigten 5 Bomben durch einen isolirten Draht mit einer auf dem Erdboden.befindlichen großen galvanischen Batterie in Verbindung steht und mit einem Schlage abgerissen, und deren Brandröhre entzündet wird. Die Kugel fällt senkrecht herab und erplodirt erst beim Auffallen; auf diese Art können täglich 25 Bomben geworfen werden, vorausgesetzt, daß der Wind' günstig ist. Man verspricht sich den besten Er­folg, da die am 9. Januar bei Treviso gemachte Probe günstig ausfiel." (??)

Sprechjaal

für Stadt und Land.

Langenschwalbach, 1. Febr. Herr Pfarrer Vietor irrt, wenn er meint, daß ich ihm eine Stelle dahier nicht wünsche. Die Art, in welcher ich mich in Nr. 22 dieser Zeitung über ihn äußerte, dürste ihm doch wohl zeigen, daß ich ihn achte: und ein Geistlicher, der meine Achtung genießt, ist in meinen Augen ein würdiger Seelsorger einer j e d e n Gemeinde. Persön­liche Wünsche habe ich in dieser Beziehung nicht. Bekommt Herr Pfarrer Vietor die hier erledigte Predigerstelle, so soll mich dies herzlich freuen für ihn, sowie für die hiesige evangelische Pfarrgemeinde. Beklagen würde ich es aber (und weiter habe ich nichts gesagt), wenn durch die Anstel­lung desselben Herr Petsch seiner Stelle enthoben würde. Ich bitte Herrn Pfarrer Vietor, in dem, was ich in Nr. 22 dieser Zeitung sagte, nur einen Beweis meiner Achtung vor dem Charakter des Herrn Petsch, allein kein Mißtrauensvotum ge­gen sich erblicken zn wollen; ich bitte ihn weiter, versichert zu seyn, daß es mir nie in den Sinn gekommen ist, zu glauben, er wolle Herrn Petsch verdrängen. Schließlich noch die Be­merkung, daß ich die Verhältnisse des Herrn Pfarrer Vietor niemals öffentlich berührt haben würde, wenn es mir nicht bekannt gewesen wäre, wie offen er diese selbst behandelt. Wünscht Herr Pfarrer Vietor meinen Namen zu wissen, so möge er ihn auf der Redaktion dieser Zeitung erfragen. *)

*) Hiermit muß die Redaktion die Akten über diese Sache, welche ohne­dies nur sehr geringes und rein lokales Interesse hat, für in diesem Blatt geschlossen erklären.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Abends um 6 Uhr, ausgegeben oder kann im Erp editionslokale abgeholt werden.

Die Expedition der Nass. Allg. Zeitung.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof, Buchhandlung in Wiesbaden.