Nassauische
Allgemeine Zeitung.
M 2S. Dienstag den LV Januar L8LV.
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme res Sonntags. — Der vierteljährige Prünume- ratwuspreis ist in WieSbareu 8 fl., für den Umfang des Herzogthums Nassau, reS Großherzogthums und KurfürstenthuniS Hessen, der Laudgrafschast Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl. SW ft., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 40 fr. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit S fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellender gischen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen,
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Uebe r s i ch t.
Die Opposition tu der nassauischen StändevvrsaWnlung
Deutschland. Wiesbaden (Die Diebstähle). — Langenschwal - bach (Ueberfall). — Idstein (Der Thäter des Leichenraubes. Kirchen- diebstähle. Strenge Justiz. Die Blattern. Kamberg's günstige Lage als Kreisamtssttz). — Mainz (Fürst Metternich soll auf den Jobannis- berg kommen). — Frankfurt (Gemeinschaftliche Schritte der deutschen Spielbankorte).— Mannheim (Begünstigung des Segelschifffahrt). — Baden (In Sachen der Spielbank). — Fulda (Katholische Zentralfakultät). — Kassel (Minister Eberhard tritt ab). — Berlin (Ruge. Selbstmorde). —Wien Widerlegung. Koffuth. Vermischtes. Der Ministerwechsel).
Frankreich. Paris (Tagesbericht).
Großbritannien. London (Annäherung an Oesterreich. Verminde- derung des Heerès).
Sprechsaal für Stadt und Land.
ist Die Opposition in der Itassauischen Ständeversammlung.
Nach den Ereignissen im Monat März v. I. konnte der ruhige Beobachter wahrnehmen, daß der Sturm, welcher über Deutschland hereingebrochen war, nicht allein drohte, alle Bande der gesetzlichen Ordnung zu losen, und es den Regierungen fast unmöglich machte, das Staatsschiff zu lenken, sondern daß der Orkan auch die freie Urtheils kr a ft vieler Menschen angegriffen, und diese dadurch auf Wege geführt hatte, welche sie nicht betreten haben würde, wenn der klare Verstand die Oberherrschaft über die wild erregten Leidenschaften behalten hätte.
Kam man in eine Versammlung, wo über Politik gesprochen wurde, so fühlte man sich oft, zu dem Gedanken getrieben, man befände sich in einer Gesellschaft Tollhäusler.
Wie von mehreren Seiten berichtet wurde, nehmen auch die Geisteskrankheiten wirklich zu.
Wären unseres unsterblichen Schillers schöne Worte:
L „Der Meister kann die Form zerbrechen
Mit weiser Hand zur rechten Zeit re." nicht so ganz und gar vergessen worden, wahrscheinlich hätte die im Frühjahr in Blüthe getretene Freiheit schon im Herbst herrliche Früchte getragen. Leider sollte es anders seyn.
Der Sturm, welcher den Strom aus seinen Ufern getrieben und viele Zerstörungen im Staalsgebäude angerichtet hatte, ras'te noch lange fort und machte es schwer, das Volk seine Freiheiten genießen zu lassen. An die Stelle der Freiheit sah man häufig Zügellosigkeit und Anarchie treten, statt daß eine ächte Freiheit das Eigenthum schützen sollte, regte sich der Kommunismus, welcher seine räuberische Hand nach seines Nachbarn Eigenthum ausstreckt.
Daß dieses so kam, war freilich vorauszusehen, denn die aufgeregten Leidenschaften der großen Masse konnten so leicht nicht beruhigt werden.
Man konnte dagegen darauf wohl rechnen, daß bei dem Theil des Volks, welcher die Geschichte kannte, und von ihr lernen konnte, durch den Einfluß seiner Erfahrungen, die Fieberhitze, welche die Menschheit ergriffen hatte, nach 10 Monaten sich legen oder doch vermindern würde, und daß im Aèonat Januar 1849 von Volksvertretern, welchen vor allen Anderen der hohe Beruf wurde, in Gemeinschaft mit den Regierungen für Herstellung eines gesetzlichen Zu st an des zu sorgen, keine Grundsätze aufgestellt würden, welche man selbst im Monat März 1848 für die Ausgeburt einer krankhaft erregten Phantasie" angesehen hätte.
Gerade der praktische Standpunkt, welchen die Volksvertreter einnahmen, mußte nach alter Erfahrung bei ihnen dem Verstand wieder die Herrschaft über die Leidenschaften geben und die Männer, welche die Rechte des Volkes wahren sollten, mußten vor allen Dingen den Satz sich klar machen, daß man nur dann ein Reckt schützen kann^rvenn man nicht selbst das Recht ciyeS Anderen antastet. Obgleich^wir nun durch die Verhandlungen unserer Ständeversammlung belehrt wurden, daß noch nicht bei Allen des Volkes Wohl durch ruhige, klare Behandlung der Geschäfte gefördert wurde, so glaubten wir doch manche Worte nur als' die Folge eines augenblicklich entbrannten Kampfes ansehen zu müssen, welche der Redner selbst nach einigen Stunden schon desavouircn würde, wir glaubten nicht, daß total verkehrte, allen Rechtsboden verlassen ce Grundsätze mit ruhiger lleberlcgung niedergeschrieben und dem Publikum mitgetheilt werden würden.
Mit „maßlosem Erstaunen" lasen wir daher den Artikel „die Oppositionsmänner der nassauischen Ständekammer" in Nr. 21 der Freien Zeitung. Es theilt uns diese das iljr mitgetheilte politische Glaubensbekenntniß derjenigen nassauischen Ständemitglieder mit, welche es sich zur zeitigen Pflicht gemacht haben, der Regierung überall zu opponiren.
Sie werden als die wahrhaft freisinnigen Männer bezeichnet, ihre zeitige Pflicht soll es seyn, mit unerschütterlicher Konsequenz und unermüdlicher Beharrlichkeit die heilige Fahne der Volkssonveränetät aufrecht zu erhalten.
Es wird gewiß den Lesern der Nass. Allg. Ztg. interessant seyn, die politischen Grundsätze jener Herren kennen zu lernen, und diese freisinnigen Männer werden es uns nicht übel neh- cken, wenn wir es wagen, ihre Sätze etwas näher zu beleuchten, denn wir gehören auch zum Volk, um dessen Rechte und Interessen cs sich handelt. Bei einem freien Volke ist cs aber Gebrauch, frei seine Ansichten über die Meinungen Anderer auszusprechen , selbst auf die Gefahr hin, den souveränen Zorn derselben sich zuzuziehen. Frei von der Leber weg wollen wir daher sprechen und den Oppositionshelven in ihrem Glaubensbekenntniß Schritt vor Schritt folgen. (Forts, f.)
Deutschland.
5 Wiesbaden, 28. Jan. Nachdem erst in der Nacht vom
23. auf 24. l. M. in das Landhaus des Herrn von Erath