Hinrichtung! Ein Gemeiner des Regiments Deutschmeister, im Oktober übergegangen, wurde beim Belvedere (nicht mehr im Stadtgraben) erschossen.
Wien, 22. Jan. Das gestrige Gerücht von einer Pro- rogirung des Reichstages in Kremsier bis Mitte Mars ist vorläufig ohne offizielle Bestätigung geblieben, jedoch ist es gewiß, daß in der hiesigen kaiserlichen WinterMtschule, dem früheren Reichstagölocale , Vorbereitungen getroffen werden, um sie Räumlichkeiten für die ReichStagssitzungen bedeutend zu vergrößern, was allerdings auch auf die baldige Einberufung der ungarischen, croatischen, siebenbürgischen und lombar- risch-venetianischen Abgeordneten schließen läßt. In der Lombardei soll es übrigens wieder kriegerischer aussehen und der Ausbruch von Feindseligkeiten mit Piemont nahe bevorstehend seyn.
Prag, 18, Jan, Die letzten Wochen haben die Stellung der Slaven ganz geändert; Ungarn ist erobert und dieselben, welche Wien nicht ohne Schadenfreude und eine gewisse Befriedigung fallen sahen, haben sich selbst ihr Grab gegraben. Je weiter die Truppen in Ungarn vordringen, desto mehr schwindet die Freundlichkeit der Regierung gegen die Slaven, und wir werden in wenig Wochen das eigene Schauspiel erleben, daß sie die Anhänglichkeit derselben doch etwas unbequem findet und sehr rasch gegen gewisse Forderungen Front machen wird. Schon sind die denkenden Czechen sehr betroffen und der nationale Fanatismus ist stark im Sinken, besonders in gewissen Kreisen, wozu die letzten bekannten Vorfälle in Kremsier sehr viel beigetragen haben. Man mißbilligt das Benehmen der Rechten aufs höchste. Haben doch die Führer der Czechen am Reichstag von Anfang an das unbedingteste Vertrauen gefordert und auch erhalten. Jetzt liegt die verfolgte Politik, die sie nur Auserwählten enthüllen, offen zu Tage.
Frankreich.
□ Paris, 25. Jan. Die „Wasserte" und nach ihr -----mehrere Journale halten das Gerücht verbreitet: der Prinz Canino in Rom habe einen Brief an seinen Vetter, den Präsidenten der Republik, gerichtet, worin ihm derselbe mit gefährlichen Enthüllungen früherer Privatbriefe drohe, falls er zugäbe, daß Frankreich den Pabst Pius IX. wieder aus seinen irdischen Thron setzen helft. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß dieses Gerücht alles Grundes entbehrt. Der Präsident der Republik habe keinen Brief vom Prinzen Canino erhalten und nichts hat zum Vorwande dieser Behauptung dienen, können.
Wie man hört, wird die Bergpartei den Minister des Innern wegen der Polizei- und uurergerichtlichen Maßregeln interpelliren, welche seit mehreren Tagen die ganze Stadt in Allarm setzten.
— Ein Erlaß des Präsidenten der Republik reorganisirt die Mobilgarde. Vom 1. Februar ab wird dieselbe nur noch zwölf Bataillone (statt 24) zählen, jedes Bataillon zu 990 Mann, von denen der Gemeine täglich 1 Frk. 20 und resp. 1 Frk. 10 Centimen Sold bezieht. 1848 kostete dieser Vortrab der Pariser Bürgerwehr 12% Millionen Franken, während er 1849 nur 7,600,000 Frk. kosten soll. Hierdurch erspart Hr. Passy 4,670,000 Franken. Diese Ersparniß bildet das eigentliche Hauptmotiv der vielbesprochenen Maßregel.
— Die Familie Bonaparte fuhr diesen Morgen auf der Nord-bahn in den nahegelegenen Flecken Samt-Leu-Faverny, wo der Stammvater der Bonapartisten mit dessen Sohne Ludwig (Erkönig von Holland und Vater des Präsidenten) begraben wurden. Es ist heute der Jahrestag des Todes des Ersteren und die Angehörigen wollen an seiner Gruft beten.
— Gestern Abend speiste Präsident Bonaparte bei Drouin de Lluys, seinem Minister des Auswärtigen. Heute findet große Tafel bei Leon Faucher, Minister des Innern, statt. Unter den Eingeladenen befinden sich allerlei Gegensätze z. B. Marrast, Rothschild und die gesammte blaue Republik.
— Priester Herandeau, Religionslehrer am Gymnasium zu La Rochelle , ist wegen sozialistischer und kommunistischer Tendenzen auf Befehl des Unterrichtsministers Fallour, in seinem Amte suöpendirt worden.
□ Paris, 26. Jan. Ehe der Märzschnee zerfließt, werden sich die Bauern in Masse erheben, um auf Erfüllung der ihnen im Namen Louis Napoleon's gemachten Versprechungen zu dringen. Noch ist der Märzschnee nicht gefallen nnd schon scheint die Erhebung zu beginnen; denn die neuesten mittäglichen Posten melden uns heute früh den Ausbruch von Bauernaufständen im Süden.
Folgen es ist der Hergang in alOr Kürze, nach dem „Echo" des Hot-Departements, vom 21. Jänner.
„Seit einigen Tagen gibt sich in den Dörfern, welche um Gordon liegen, eine große Gährung kund; die Bauern wollen die 45-Centimensteuer nicht zahlen; Andere wollen überhaupt keine Steuern mehr zahlen, und der Präfekt jenes Departements schickte zur Unterstützug der mit der Steuereinnahme beauftragten Beamten ein Bataillon des 35sten Infanterieregiments dahin ab. Er glaubte durch diese Militärhilfe dem Ausbruch einer Revolte vorzubeugen und die Widerspenstigen einzuschüchtern. Aber das Gegentheil ist eingetroffen. In Nozac, Rouffilac, Payrac und Lamothe Finelomwurde in der Nacht vom 19. Sturm geläutet und etwa fünftausend Bauern, mit Sensen, Hacken, Flinten, Mistgabeln und Stöcken bewaffnet, zogen nach Gourdon, wo der Sitz der Präfektur ist. Trotzdem sie das Militär und sieben gegen sie anrückende Gens- darmerieabtheilungen vom Einzuge in die Stadt bindern wollten, waren jedoch die Bauern bald Herren der Bezirkshaupt- stadt. Ohne zu rauben und zu plündern, wie es die Stadtbewohner befürchtet, begab sich ein Ausschuß der empörten Bauern in das Präfekturgebäude, wo er den Unterpräfekten , Bürger Martine, vorfand. Sie erklärten ihm, daß sie die Steuer verweigerten, und übergaben ihm einen Bogen Papier, worauf diese Erklärung in Form einer Petition an die Nationalversammlung gerichtet war. Er solle zuerst unterschreiben, riefen die Bauern auf dem Platze vor dein Präfekturgebäude, und da Martine mehrere Gründe vorschob, welche eine Verzögerung bezweckten, so verloren einige der Untenstehenden die Geduld und warfen einige Steine in die Fenster; auch ein Schuß fiel aus der Menge gegen die Truppen, doch hatte ihr Oberoffizier Verstand genug, das Feuer nicht zu erwidern, wodurch einer allgemeinen Metzelei vorgebeugt wurde. Bis zum 21. lief daher die Sache ohne Schlacht ab, weil die Bauern die Antwort von der obersten Behörde abwarten wollen. Aber, setzt das „Echo" hinzu, der Unterpräfekt erhielt einen Hieb auf den Kopf, ferner wurden zwei Soldaten und mehrere Gensdarmen verwundet. Hoffen wir, daß die allgemeine Wuth der Bauern keine gefährlicheren Folgen nach sich ziehe.
— Der National zeigt sich sehr entrüstet über die neuesten Präfekturernennungen und die theilweise Auslösung der Mobil- garde, die er eine verfassungswidrige Handlung nennt. Die Mobilgarde sey eine Art Bürgerwehr, an welche der Präsident seine Hand ohne den Willen der Nationalversammlung nicht ungestraft legen dürfe.
Großbritannien.
London, 22. Jan. Briefen aus Amerika zufolge zieht Kalifornien noch immer die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, wenn auch das erste Fieber sich bereits gelegt hat. Der,Mangel an Lebensmitteln und die Leiden aller Art, denen die Besucher dieses neuen Eldorado ausgesetzt sind, haben das Verlangen derjenigen, welche ihrem Beispiele folgen wollten, größtentheils zum Schweigen gebracht.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
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