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RH. 3." gehe so weit, der sogenannten demokratischen Partei zwei Wahlmänner zuzuzählen, die dem Vorstande des konsti­tutionellen Bürgervereins zu Siegburg angeboren. Aehnlich mag es sich mit vielen der demokratischen Berichte verhalten. Insbesondere scheint sich immer mehr herauszustellen, daß, wo im Bergischen pnd anderen rheinischen Fabrik g eg enden die Demokraten bedeutenderen Erfolg gehabt haben, derselbe nur als das Ergebniß einer gewissen sozialen Spannung, und keineswegs als ein Erfolg revolutionär-politischer Slgitationen zu betrachten ist. In den meisten kleineren Orten dieser Ge­genden ist ohnehin der Ausfall der Urwahlen gemäßigt-konsti­tutionell gewesen. Das Gleiche war im Landkreise Köln der Fall.

Leipzig, 24. Jan. Das Ergebniß der heutigen Sitzung der zweiten Kammer kann maßgebend werden für die fernere Eristeuz des Landtages. Es handelt sich nämlich um die Blum'sche Angelegenheit und um das Verhalten des sächsischen Gesandten am österreichischen Hofe bei derselben. Man ist natürlich hierorts außerordentlich gespannt und begierig auf die Folgen diesen Verhandlung, und Mancher ist nach Dres­den gereist, um derselben persönlich beizuwohnen.

Dresden, 26. Jan. (O.-P.-Z.) In der heutigen sechsten Sitzung ter zweiten Kammer erhebt sich nach Vortrag der Registrante der Staatsniinister v. d. Pfordten mit ohngefähr folgenden Worten:Die hier befindlichen Minister (außer dem Sprecher sind anwesend: Georgi, Oberländer und v. Buttlar) und der in Dresden jetzt wieder anwesende Dr. Braun haben gestern, im Hinblick auf die Schwierigkeiten, welche sich ihrer erfolgreichen Wirksamkeit entgegen stellen, Se. Maj. den König um ihre Entlassung gebeten. Der König hat sich zur Zeit seine Entschließung noch vorbehalten. Die Minister werden morgen die Entscheidung Sr. Maj. den Kammern mittheilen, können sich aber an Verhandlungen der Kammern über Prinzip­fragen bis dahin nicht betheiligen." Hierauf entfernten sich sämmtliche Minister, der Regierungskommissär Todt. Vize­präsident Tzschirner bat ums Wort.Nach den vernommenen Worten des Ministers, sprach er, bleibt der Grund des Zu­rücktritts der Minister zweifelhaft. Man ersteht daraus nicht, ob die Minister nicht mehr mit den bermaligen Kammern re­gieren, oder ob sie, andern Einflüssen nicht mehr widerstreben können. Morgen soll die Frage, ob die sächsische Regierung die Grundrechte einführen und publiziren will, beantwortet werden. Jedenfalls ist dies der Grund ihrer Demission. Die Aeußerungen des Ministers lassen darüber ein Dunkel. Da der Regierungskommissär noch anwesend, wird die Kammer zur Fortsetzung der Berathung der Geschäftsordnung schreiten." Dieser Vorschlag fand stillschweigend Genehmigung. Hierzu kann ich noch die Nachricht fügen, daß in der Stadt folgende Ministerliste zirkulirt: v. Karlowitz, Präsident; v. Langenn, Justiz-, v. Nistiz-Wallwitz, Kriegsminister.

Berlin, 24. Jan. (O.-P.-Z.) Dle Wahlen, wird aus dem Korrespondenzbüreau berichtet, sind noch immer ausschließ­licher Gegenstand des Tagesgesprächs. Aus einer Anzahl von Bezirken sind bereits Proteste gegen die Giltigkeit der Wahlen eingereicht. Die Proteste haben die verschiedenartigsten Motive. Zum Theil sind sie gegen die vom Magistrat einseitig ohne Mitwirkung der Stadtverordneten vorgenommene Abgrenzung der Bezirke gerichtet, zum Theil auch gegen die Mangelhaftig­keit deS WahlmoduS. Ein so eben erschienenes, durch Mauer- anschlag feilgebotenes Flugblatt eines Hrn. Forster aus Köln bemängelt die Legitimationsprüfung durch Anführung nicht unerheblicher Bevenken. Es war ein Leichtes bei dem hier beobachteten Verfahren, sich in den Besitz einer Urwählerkarte zu setzen und mit Hülfe derselben ohne alle Berechtigung an der Wahl Theil zu nehmen. Auch ohne den Besitz einer sol­chen Karte war es möglich, sich an dem Wahlakte zu bethei-. ligen, da nach Ablieferung der Legitimationskarten keine wei­tere Kontrole stattfand. So sollen von 220 anwesenden Mäh­ern an einem Orte über 250 Stimmzettel abgeliefert worden seyn.. Endlich gibt die willkürliche Entfernung von Wahlbe- r«chiigten durch polizeiliche Zwangsmaßregeln eine Basis für « âskchtung einzelner Wählen. In dem Marienstraßenbe- zwk z. B. hatte die demokratische Partei den Dr. Golvstücker alë ersten Kandidaten auf ihre Liste gesetzt, und nur die Maß­regeln des Herrn v. Wrangel haben die Wahl desselben hin­tertrieben. Nach dem bis jetzt bekannt gewordenen Parteien- verhâltniß unter den Wahlmännern hat die Opposition in sämmtlichen Bezirken das Uebergewicht.

Im zweiten Wahlbezirk z. B., wo sie am schwächsten ist, wird sie nach ungefährer Schätzung eine Majorität von 40 bis 50 Stimmen haben; im ersten, welcher drei Abgeordnete zu wählen hat, dürfte die Majorität sich auf 150 belaufen. Das Mandat eines sehr großen Theiles der oppositionellen Wahlmänner geht dahin, nur für Temme, Waldeck und Jacoby zu stimmen. Daß diese hier gewählt werden, scheint schon jetzt wenig zweifelhaft.

Das Militär hat in Berlin fast nur Offiziere und Un- terofflziere gewählt. In Charlottenburg sind die Wahlen ganz in konservativem Geiste ausgefallen. In Potsdam nur zum Theil. In Stettin, Prenzlau und Magdeburg hat nach Privatmittheilungen die Partei der Linken die Oberhand bei den Wahlen. In Hainau (in Schlesien) hat die konstitutionelle Partei bei den Wahlen den Sieg davon getragen.

Berlin, 24. Jan. (K. Z.) Das Resultat der vorgestri­gen Wahlen ist nunmehr definitiv bekannt, und es erscheint erklärlich, wenn eine jede Partei dasselbe so viel als möglich in ihrem Sinne zu deuten sucht. Nach halb-offiziellen Angaben befinden sich unter den 1317 hiesigen Wahlmânnern zunächst die 68 militärischen Wahlmänner, die man [im Ministerium sämmtlich als streng konservativ betrachtet, wiewohl im Publi­kum ganz andere Gerüchte darüber umlaufen; 748 gehören der entschieden demokratischen Richtung an, 60 sind schwankend und 441 ministeriell-konservativ. Bei Hofe und in den Mini­sterien hat dieser Ausfall der Wahlen in Verbindung mit den stündlich neu eingehenden Nachrichten über die für das gegen­wärtige System noch weit ungünstigeren Resultate an anderen Orten einen wahrhaft panischen Schrecken hervorgebracht.

Berlin, 23. Jan. Das Ministerium Brandenburg-Man­teuffel denkt an nichts weniger als an seinen Rückzug vor Er­öffnung der Kammern. Es hat die Absicht, die' aus seinem Schooße hervorgegangenen organischen Gesetze erst vor den Kammern zu vertreten und dann einem andern Ministerium Platz zu machen, ein Entschluß, dem die Billigung aller Par­teien wahrlich nicht fehlen wird.

DieSchles. Ztg." berichtet über den Ausfall der Wahlen in Posen spezieller Folgendes: In den 17 Bezirken sind mit Ausnahme von 3 Bezirken überall nur Deutsche gewählt wor­den. Nach einer Durchnitts-Berechnung werden von sämmtli­chen Wahlmännern unserer Stadt V, den Polen und % den Deutschen angehören. Die deutsche Bevölkerung ist, der über­wiegenden Mehrzahl nach, darüber einig, daß unser Deputirter sich für die Annahme der VerfassungS-Urkunde vom 5. Dezbr. v. J. erkläre.

Schleswig, 23. Jan. (O.-P.-Z.) In den letzten Tagen haben dänische Freischaaren von Ripen und von Jütland aus einen ,Einfall auf schleswigsches Gebiet gemacht. Gestern kam es bei Bröns zu einem förmlichen Gefecht zwischen unsern Truppen und 5600 Mann Freischaaren; in welchem die letz­teren zurückgeschlagen wurden.

Von der Donau, 20. Jan. Die fortdauernden Verur« Teilungen machen nebst den Maßnahmen in Preßsachen die Besorgnisse vor dauernder Reaction immer großer. Als die Soldaten gegen die Wühler heranzogen, wurden sie als Be­freier, begrüßt, denn die unverständigen Schwärmer und der politische Janhagel sollten durch sie verjagt upo die Verbrecher bestraft werden. Wer hätte aber damals geahnet, daß man die Theresianische peinliche Halsgerichtsordnung alö Gesetz für Verblendete und Verführte aufstellen werde! Der gemüthliche Oesterreicher ist in seinem tiefsten Innern gegen die Militär­justiz. Der Höherstehende muß bekennen, daß der Instinkt des Volkes mit Recht gegen gewisse Männer und Zustände agirte. Man wünschte sich eine starke Regierung, die das Gesetz hand­habt und schützt; jetzt haben wir eine Militärregierung, die in Ungarn Proclamationen wie kaum in Feindes Land erläßt.

Wien, 21. Jan. (A. Z.) Seit gestern haben wir wieder 16Vr Fuß Wasserhvhe, die Eismassen stehen unbeweglich im Donaukanal, und es ist nicht abzusehen, bis wann die anlie­genden Vorstädte vom Wasser befreit werden, bas nun wieder seit 24 Stunden alle tieferen Straßen bedeckt. Gefahr scheint nicht zu befürchten, aber die Parterrewohnungen sind auf lange ruinirt, fünf Häuser sind übrigens theils schon eingestürzt, theils dem Einsturz nahe. Gestern früh einmal wieder eine