diese kamen zusammen, und da ist ausgemacht worden, daß Derjenige, welcher viele Aktien hat, auch viele Stimmen haben soll, und so haben wir das Staaten- und das Volks, Haus begründet, das ist recht und löblich. Aber jetzt fehlt noch etwas. Ich will es geradezu sagen: daß die dynastischen Interessen vertreten werden, denn sonst werden sie im Geheimen vertreten. Sie sollen aber öffentlich vertreten werden, damit sie keinen Schaden thun. Wir haben ein Zwittergeschöpf, das sind die bevollmächtigten Vertrauensmänner. Hier sitzen sie auch als Abgeordnete, und treten auf die Tribüne und sprechen. Allein man weiß nicht, sprechen sie als Abgeordnete oder als Bevollmächtigte. (Zuruf: Sehr gut!) Wir wollen aber Ord, nung haben. Lasst sämmtliche Dynastien ihre Vertreter haben. Sie können in einem Kolleg zusammen seyn, da sind sie nicht schädlich. Diplomatie wird bleiben bis an's Ende der Tage. Sie soll aber nicht seyn, wie der Preuß. General Müller bei der Eroberung von Mainz sagte. Er ließ einen Spion zu sich bescheiden mit den Worten: „Lassen Sie mir den Diplomaten hereinkommen. Ein Spion ist ein Diplomat ohne das Prädikat Erzellenz." (Gelächter.) Gegen das Minderheitserachten bin ich geradezu ; das ist gar nichts, das ist wie im Sprichworte, „wasche mir den Buckel und mache mir ihn ja nicht naß." Wie sollen die anhaltischen Staaten zusammenwäMn mit den thüringischen? Jeder Staat muß für sich vertreten seyn. Wir haben ja sogar das Beispiel, daß die Staaten Bernburg und Köthen mit einander im Streite sind. Sie schicken Deputationen hin und her und können sich nicht vertragn). Jede Dynastie muß daher vertreten werden im Reichsrathe, und da kommen sie mit dem Reichsministerium zusammen und sagen, was sie wollen. Da können sie nicht schädlich werden. Schädlich kann also der Reichsrath durchaus nicht seyn, er ist nützlich und sogar nothwendig. Wenn Sie Deutschland fest und mächtig wollen und die dynastischen Sondergelüste geschwächt, — so stimmen Sie für den Reichsrath, so werden sich die Regierungen zufrieden geben, dann haben Sie offene Leute und das gibt Schutz und Stärke. Denken Sie sich, wir wären in Worms zu Luther'S Zeit und Kaiser Karl wäre da mit allen Fürsten und Herren. Da kamen die Herren noch selbst, später schickten sie ihre Gesandten, und dadurch ist der Reichstag schlecht geworden. Durch die Gesandten und durch die Heimlichkeit. Der schlimmste Wühler von allen ist der diplomatische Wühler. Stimmen Sie für den Reichsrath!" (Lachen und Beifall.)
Herr Buß aus Freiburg: Wenn das Staatenhaus bei der zweiten Lesung einige Abänderungen erleidet, so wird der Reichsrath unnöthig seyn. Nicht blos zum Zweck der Gesetzgebung , sondern noch mehr für Maßregeln der Vollziehung, wird aber mehr und genauere Kenntniß der Einzelverhältnisse nöthig seyn, als von einem Staatenhause zu erwarten, wie Sie es vor der Hand zusammengesetzt haben. Errichten Sie einen festen Dom der Verfassung, allein lassen Sie auch die Luft, löcher daran offen, durch die der Wille des Volkes Eingang finden kann.
Herr Karl Welcker: Der Natur der Sache nach kann der Reichsrath nur einen begutachtenden und moralischen Einfluß auf die Maßregeln der Regierung ausüben. Wäre also die Demokratie wirklich ein so gewaltig übertretender Strom wie sie uns Hr. Schütz bezeichnet hat, so lassen Sie der Monarchie diesen Damm. Sie kann ihn dann nur um so weniger entbehren. Wenn Sie ein festes Werk begründen wollen, so dürfen Sie die Interessen der einzelnen Regenten nicht ohne Vertretung lassen. Nur wer das monarchische Prinzip geradezu zerstören wollte, könnte den deutschen Fürsten, an denen ihre Stämme noch immer mit unerschütterlicher Liebe und Pietät hängen, ihre Stimme im Gesammtstaatswesen verwehren. An eine große Umgestaltung, wie Hr. Buß für daS Staatenhaus gefordert hat, glaube ich nicht. Um einen gesunden, organischen Bundesstaat zu bilden, dazu ist daher der Reichsrath nach meiner Meinung, wenn auch nicht etwas unbedingt Nothwendiges, so doch ein kaum aufzugebendes und durchaus nützliches Glied. (Forts, folgt.)
Köln, 25. Jan. Gestern Abend wurde auf der Hahnenstraße, am Ecke der Benesisstraße, yon einem Haufen Soldaten abermals der Versuch gemacht, ein verrufenes Haus zu stürmen. Da die Polizei früh genug einschritt und Wache requi- rirte, blieb eS bei einigen Steinwürfen, von denen ein Polizeidiener hart getroffen wurde. Es wird doch endlich einmal Zeit seyn, durch ernste Maßregeln diesem Unfuge zu steuern.
Neuere Nachrichten vom preußischen Niederrhein bestätigen den vollständigen Sieg der Demokraten und Radi,
Men bei den Urwahlen zur zweiten Kammer. In Köln ge- hören zwei Drittel der Wahlmänner der demokratischen Partei, sehr viele der arbeitenden Klasse an. Das Resultat von Bonn ist gestern schon gemeldet. In Koblenz setzten die Demokraten zu den 77 zu stellenden Wahlmännern 76 ihrer Kandidaten durch. In Düsseldors sind 141 Demokraten und 20 Konservative zu Wahlmännern gewählt. In Elberfeld halten sich beide Parteien die Wagd. In Aachen soll der PiuSverein zwei Drittel, der Volksverein die übrigen Wahlmânnrr gestellt haben.
Magdeburg, 22. Jan. Bei den heute stattgefundenen Wahlen hat die demokratische Partei oder, wie man hier sagt, die Partei Unruh, den vollständigsten Sieg errungen: die Wiederwahl von Un ruh's, vielleicht auch die von Par, ist unter allen Umständen für die Kammer gesichert.
Aken a. d. Elbe, 21. Jan. Gestern Abend hat sslch bei uns folgende schauderhafte Thatsache zugetragen. Durch die hiesigen Handwerker war eine Volksversammlung anberaumt, zu welcher auch der frühere Abgeordnete unseres Kreises, Bürgermeister Schneider aus Schönebeck, eingeladen worden. Hr. Schneider erschien mit vier Herren aus Calbe und eröffnete um 7 Uhr die aus zirka 300 Personen bestehende Versammlung. Er wurde jedoch schon bei den ersten Worten durch den Schenkwirth I. und demnächst mehrfach unterbrochen und konnte trotz aller Bemühungen, die Störungen zu beseitigen, die Unruhestifter nicht beruhigen. Da diese nur einen kleinen Theil der Versammlung bildeten, so ersuchte Hr. S. endlich diejeni- gen, welche ihn nicht hören wollten, den Saal zu verlassen. Hierauf schrie der Schenkwirth I.: „Nein, Sie sollen den Saal verlassen", sprang auf Hrn. Schneider zu, riß ihn von der Erhöhung, auf welcher er stand, herab, und zu gleicher Zeit gab der Kaufmann S. durch Pfeifen auf dem Finger das verabredete Zeichen zum Losschlagen. Ueber dreißig gedungene Personen, bewaffnet theils mit großen Knütteln, hauptsächlich aber mit 1 bis 1V» Fuß langen, nach oben keulenartig breit zugehenden Holzstücken, Jemand sogar mit einem sogenannten Todtschläger (einem mit bleiernen Kugeln an den Enden versehenen kurzen Rohr) fielen über den Bürgermeister S. her und umringten ihn in Sturmesschnelle dergestalt, daß ihm eine Hülfe kaum zukommen konnte. Unter den furcht, barsten Schlägen dieser wüthenden, mordsüchtigen Horde würde der Bürgermeister S. dem grausamsten Tode haben unterliegen müssen, wäre nicht der Drechslermeister Jordan auS Calbe in doppelter Beziehung sein Retter geworden. Dieser stürzte sich in den Knäuel von Knütteln, welcher den Bürgermeister S. umgab, diesem zu Hülfe. Zu gleicher Zeit gelang eS dem letztern, sich aus der wüthenden Menge herauszudrängen, die auf ihn bereits dergestalt eingeschlagen hatte, daß daS vom Kopfe herabströmende Blut die eine Hälfte seines Gesichtes vollständig bedeckte. Die mordlustige Bande hielt dagegen den genannten Drechslermeister I., welcher mit dem Bürgermeister S. namentlich wegen eines ziemlich gleichen Bartes Aehnlich- keit hat, für den letztern und schlug auf ihn ein.
Hr. S. wurde inzwischen aus dem Saale in daS Vorderhaus "geführt, und, da man überall die antobende Rotte fürchtete, auf den obersten Theil des Bodens. Die Mordszenen sollen, wie man sich erzählt, veranlaßt worden seyn durch den Oekonom B., welcher 14 seiner Leute gedungen, durch den Sohn eines Försters, welcher 30 Holzhauer und durch den Maurermeister T., welcher seine sämmtlichen Gesellen gedungen hätte. Außerdem sind die Leute durch SchnapS betrunken gemacht worden. Die Nemesis sollte dies Mal dem Verbrechen schnell folgen. Dem Oekonom B., dem Kaufmann S., dem Maurer- meister T. und einem Förster wurden noch an demselben Abend von der aufgeregten Volksmenge, unter welcher sich die verführte und zur Besinnung gekommene Rotte hauptsächlich be- theiliqt hat, die Häuser demolirt. Einem weitern Unheil wird eine requirirte Abtheilung Soldaten vorbeugen, damit die Anstifter und Vollzieher dieses Mordanfalles der gesetzlichen Bestrafung anheim fallen können.
Berlin, 23. Jan. Die gestrigen Wahlen haben hier den dichten Nebel, der bis dahin jedwede Aussicht verhüllte, wenigstens in etwas gehoben. Soweit nämlich ihr Resultat bekannt ist, hat die demokratische Partei die meisten Kandidaten durchgebracht, und man glaubt mit Sicherheit selbst daS doppelte Verhältniß gegen die konservative Partei annehmen zu können, so daß von den 1225 Wahlmännern, welche die neun Depu-