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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 2L Donnerstag den 23. Januar 1849»

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des SsnutagS. Der vierteljährige Pränume- rätlonspreis.ist in Wiesbaden 8 fl., für den Umfang des Herzogtums Nassau, des Großherzogthums und Kurfurstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 ff. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen­de rg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

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Uebersicht.

Guizot's neues Buch.

Deutschland. Wiesbaden (Landtag). Frankfurt (Reichstag. Protest gegen einen vom Reichsministerium auf die preußische Staats­kasse gezogenen Wechsel). Düsseldorf (Aufhebung des Belagerungs­zustands). Berlin (Verurtheilung mehrerer Setzer). Wien (Das Eis. Münzprägung. Fürst Windisch-Grätz. Aus Ungarn. Abschaffung des Adels). -- Graz (Verbot gegen die Deutschkatholiken).

* Guizot's neues Buch

wie die anderen es je gewesen. DasVolk," heißt es, hat allein Recht auf die Herrschaft.

Eine solche Anmaßung muß verschwinden, nicht allein von Seiten eines Theiles, sondern von Seiten Aller. An die Stelle des Vernichtungskrieges muß das bloße Ringen nach Kräf­tigung und Vergrößerung des Einflusses das bedingt nun einmal das politische Leben treten, und die Parteien müssen sich daran gewöhnen, neben einander zu stehen.

Zu erreichen ist dieses Ziel durch eine Organisaiion der Regierung, wodurch Alle ihre Stelle und einen Antheil finden, der Alle befriedigt und Allen doch ihre Schranken gibt.

Es ist ein durchaus falscher, unheilvoller Satz:Die na­tionale Einheit führt die politische Einheit mit sich. Es gibt nur Ein Volk. An seiner Spitze kann nur Eine Gewalt stehen, die in seinem Namen handelt." Das ist der revolutionäre, despotische Grundsatz par excellente. Das ist der Konvent, das ist Ludwig XIV. mit dem: Letal test moi. Ein Volk ist keine Herve Menschen, die alle durch eine einzige Zahl, welche man balv Nationalversammlung, bald König nennt, ge­leitet werden könnten. Ein Volk ist ein großer Körper, der durch die Verbindung gewisser sozialer Urbestandtheile gebildet wird. Man braucht nun nicht alle diese Elemente, alle die Gruppen, die Klaffen, die verschiedenen Stimmen in der ober­sten Staatsgewalt vertreten zu lassen. Die Gesellschaft ist ja keine Föveration von Professionen, Klassen, Meinungen, die durch bestimmte Beauftragte die Angelegenheiten, welche ihnen gemeinsam sind, verhandeln lassen. Eben so wenig, wie sie eine gleichförmige Masse von Bestandtheilen einer und derselben Art ist, die nur deßhalb Vertreter in den Mittelpunkt des StaateS abschickl, weil sie sich nicht in Masse hingeben kann, und also sich auf eine Zahl reduziren muß, die sich in einem Saal vereinbaren kann. Es stellt sich aber im Staatsleben ein Abstoßen und Anziehen unter den verschiedenen Klassen heraus; dadurch entstehen die großen Gruppen, die wenigen letzten und umfassenden Parteien, unter welche sich zuletzt die kleineren Abtheilungen der Interessen, der Meinungen, die Nuancen der sozialen Verschiedenheiten unterordnen.

Ich behaupte nicht, daß alle diese letzten großen Gruppen in der Regierung vertreten seyn müßten, durch besondere Ge­walten. Ich sage nur, daß ihre Verschiedenheit die Einheit aus der Central-Gewalt vertreibt.

Man antwortet: Die verschiedenen Elemente der Gesell­schaft finden sich in Folge der freien Wahlen im Schooße der einzigen Versammlung wieder, die das ganze Volk vertritt. Dort mögen sie sich aussprechen und den Einfluß auf die Lei­tung des Staates üben, der ihnen zukommt. Danach wäre die Wahl und die Discussion die einzige Grundlage des gan­zen gesellschaftlichen Gebäudes; in ihnen soll die Bürgschaft für alle Interessen, Rechte, Freiheiten liegen!

Seltsame Unkenntnis! der menschlichen Natur und der menschlichen Gesellschaft! Um nur auf Eins hinzudeuten: es gibt Interessen der Stabilität und der Bewegung. Um nun für die letzteren eine wirksame Bürgschaft zu erhalten, wird man sich an die socialen Elemente wenden, die vorherrschend conservativ und stabil sind? Gewiß nicht; man wird den In-

Guizot's neues Buch über die Demokratie in Frankreich stellt sich von vornherein als ein epochemachendes Werk heraus. Der merkwürdige Staatsmann hat eine Kritik der Demokratie j geschrieben und zugleich eine Selbstkritik. Seine scharf ein­schneidenden Untersuchungen enthalten tiefe Wahrheiten, Wahr­heiten, die man von anderer Seite nicht auszusprechen wagte, oder die in einem andern Munde eine solche Bedeutung nicht erlangen würden. Guizot's Erörterungen beginnen bereits ihren Kreislauf durch die ganze Zeitungspresse Englands, Frankreichs, Deutschlands zu nehmen, sie werden bald popu­lär seyn.

Das Buch ist mit einer großartigen Ruhe geschrieben. Man sieht es, der Verfasser ist den persönlichen Leidenschaften quitt; was er mit durchlebt, mit durcharbeitet, auch was er geirrt und gefehlt hat, liegt in objektiver plastischer Gestaltung vor ihm. So faßt^cr in der Thal jene Bewegung, die ihn stürzte, als ächter Staatsmann auf, er untersucht ihre Motive, verfolgt ihren Zusammenhang, aber er rechtet nicht mit ihr; er erkennt sie eben so gut in ihrer kulturgeschichtlichen Noth­wendigkeit an, als er ihre schwachen Seiten aufdeckt.

Damit sich dec Leser selber ein Urtheil bilden möge, lassen wir hier einige Bruchstücke aus dem Buche folgen.

Der Friede, sagt Guizot, ist unmöglich, so tätige die ver­schiedenen Klassen, die großen politischen Parteien die Hoff­nung nähren, einander vertilgen zu können und allein die Herrschaft an sich zu reißen. Das ist seit 1789 das Uebel, an dem wir leiden und das uns periodisch den Umsturz bringt. Napoleon hat einen Waffenstillstand erzwungen; nach ihm von 1814 bis 1830, von 1830 bis 1848 ist der Krieg von Neuem ausgebrochen. Dabei hat sich ein großer Fortschritt gezeigt; die Freiheit ist zur Wirklichkeit geworden, das aristokratische und das demokratische Element haben sich entfaltet, ohne sich gegenseitig vernichten zu wollen, sie haben sich darauf beschränkt, eifrig nach wechselseitiger Verdrängung zu streben.

Jetzt ist ein dritter Kämpfer dazu getreten. Das demo­kratische Element hat sich gespalten. Gegen den Mittelstand hetzt man die arbeitenden Klassen. Der neue Krieg zwischen Bourgeoisie undVolk" ist ein Krieg auf den Tod, denn der neue Prätendent ist eben so anmaßend, eben so unduldsam,