Nassauische
Allgemeine Zeitung.
M 20.
Mittwoch bcn 24. Januar
1849
Die Näss. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der Vierteljährige Prânume- rationspreis ist in WieSbaveu T ft., für den Ilmfang des Her^ogthums Nassau, des GroKherzogthumS und KurfürftenthumS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fL 30 fr.. in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 40 fr. — Inserate werden die dreispaltige PetitzcUc oder deren Raum mit 8 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- be r g'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
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Uebe r f t ch r.
Die Börse.
Deutschland. Wiesbaden (Landtag). — Weil bur g (Das Fortjagen der Gerichtsvollzieher. Die Blattern. Pfarrer Snell. Dr. Gerau). — Frankfurt (Reichstag. Schmerling für die Auswanderung nach der Donau). — Ka sfrl (Das zweite Schwurgericht). — München (Vorsatz der landständischen Oppositionspartei). — Wien (Die Ueberschwemmung).
Frankreich. Paris (Tagesbericht. Die üble Finanzlage des Landes).
Die Börse.
Die Deutsche Zeitung leitet ihre neuesten Frankfurter Börsenberichte mit folgender Schilderung ein:
Seit der vormârzlichen Zeit zeigte sich keine solche Regsamkeit an der Börse, wie im Laufe der vergangenen Woche. Gleichwie im dritten Akt der Oper „Robert der Teufel" die Sargdeckel der Nonnen auf ein gegebenes Zeichen sich erheben, so schienen, wie auf Verabredung, alle Truhen und Kassen sich zu öffnen, um die edlen Metalle zu erlösen aus ihrer zu langen Haft. Es war ein Treiben, Ringen und Jagen nach Obligationen, Loosen und Aktien, mahnend an jene Blüthenzeit der Börse, die bald, wie ein verklungenes Märchen, nur noch in der Erinnerung leben wird.
Fragen wir nach dem Grund dieser Erscheinung, so läßt sich sagen, daß in den letzten Monaten die Aussichten auf größere Stabilität in unsern innern und auswärtigen Angelegenheiten eine festere Gestaltung gewonnen; diese Ansichten sind in der öffentlichen Meinung nun zum Durchbruch gekommen. Unbekümmert um die parlamentarischen Kämpfe in der nahen Paulskirche, über Feststellung unserer Staalssorm, fürchtet die Börse keine Wiederkehr bedrohlicher Zustände und sieht nâch Innen und Außen friedlicher Entwickelung entgegen.
Diese Ansicht scheinen die Kapitalisten auch zu theilen; sie sind es müde geworden, ihre Gelber fruchtlos in den Kassen lagern zu lassen, und wir sehen Kapitalien aus Stadt und Umgegend an die Börse strömen zum Ankauf aller Gattungen Staatspapiere. Möchte dieser gute Glaube an friedliche Entwickelung nie getäuscht werden! Möchten die Dämonen der Zwietracht und des Unfriedens nie zurückkehren; ihre Erscheinung würde die kleinen klingenden Geister znrückscheuchen in den Bann der Kisten und Kasten, um sobald nicht wieder aufzuerstehen.
D e u t f ch l a n d.
* Wiesbaden, 23. Januar. (Ständeversammlung.) Unter den eingelaufenen Petitionen befinden sich auch mehrere, „die Entfernung der Gerichtsvollzieher betreffend," was allgemeine Heiterkeit erregt. Von der Regierung wird die Mittheilung gemacht, daß Justizrath Reichmann zum Regierungskom
missär ernannt sey. Fresenius stellt die Anfrage, ob die Regierung keinen Entwurf über die Organisation der höheren Verwaltungsstellen, sowie, keinen Vcrfassungsentwurf vorgear- beitet habe? und stellt den Antrag, solche Entwürfe einzubringen. Reg.-Komm. Werren erwiedert, daß der erstere Entwurf vorliege, allein zurückgehalten worden sey, da die Kammerkommission selber einen solchen eingebracht habe. Ueber die Verfassung sey noch nichts vorgearbeitet. Schmidt dringt auf Vorlage einer neuen Forstorganisation. Jeder Tag Zögerung bringt Nachtheil für Staat und Gemeinden, indem bei dem gegenwärtigen provisorischen Zustand eine förmliche Verwüstung der Waldungen stattfinve. Reg.-Komm. Reichmann verspricht in der nächsten Sitzung Auskunft über die Bearbeitung dieses Gegenstandes zu geben.
Die Tagesordnung führt zur fortgesetzten Berathung des Entwurfs über die Trennung der Justiz von der Verwaltung.
Ein Vorschlag der Kommisfion, der die Kompetenz des Kreisausschusses in Bezug auf die Vizinalwegbauten bestimmt, wird angenommen. §. 17 handelt von dem Zusammenrufen des Ausschusses durch den Kreisamtmann, welches in der Regel monatlich einmal, überhaupt nach Bedürfniß geschehen soll. Diese Fassung, wie sie die Regierung vorgeschlagen hatte, wird angenommen gegen einen Antrag der Kommission, welcher einen bestimmten Termin festgesetzt wissen wollte, dagegen der ganze Paragraph noch' einmal auf die nächste Sitzung verschoben, da sich Stimmengleichheit ergab. Doch hebt sich dies nach- gchends auf, indem ein Antrag Bellinger's angenommen wird, welcher „wenigstens einmal in jedem Monate" die Einberufung des Krcisratheö fordert. Mit diesem Zusatze geht dann auch der ganze Paragraph durch.
8. 18 bestimmt, daß der KreiSamtmann den Vorsitz im Kreisrathe führen soll. Ein Gegenantrag will den Vorsitzenden aus Dem Kreisrache frei gewählt haben. Bei diesem Anlaß tritt sogleich die Frage vor, ob der Kreisamtmann auch Mitglied des Kreisrathes sey. Raht geht so weit, daß er den Kreisamtmann nicht einmal für überhaupt wählbar in den Kreisrath erklärt, wobei er die Analogie der Landstände geltend macht. Die Regierungskommissäre stellen diese Analogie in Abrede, da der Bezirksrath nach 8. 3 keine kontrol- lirende, sondern eine verwaltende Behörde ist, nicht gegenüber- stehend, dem Amtmann, auch nicht über denselben gestellt, sondern ein koordinirter Theil der gesummten Kreisverwaltungsbehörde. Könnte aber in dieser Behörde der Amtmann den Vorsitz nicht führen, dann würde von einer Verantwortlichkeit gar keine Rede seyn. Auch ist in diesem Paragraphen cher nass säuische Entwurf noch freisinniger als der kurhessifche und badische, welcher Letztere dem Amtmann noch eine entscheidende Stimme gibt, die er im nassauischen Regierungsentwurf nicht hat. Reg. Kommissar Werren erklärt, daß der Vorschlag Raht's eine Monstrosität in die Berwaltungs- organisation bringen würde, wie sie keine konstitutionelle Regierung genehmigen könne. (Schluß folgt.)
0 Weilburg, den 19. Jan. Wie man vernimmt, gibt sich in mehreren Ortschaften des hiesigen Amts, sowie auch in den Aemtern Runkel und Rennerod eine entschiedene Ab-