wird, ist ein mehr und mehr Konsistenz gewinnendes „on dit.“ Ich bin versucht, es sogar für ganz gewiß anznnehmen; wenigstens die Gründe, welche noch dagegen vorgebracht werden, sind nicht im Mindesten stichhaltig. Es heißt, man dürfe diesen Staatsmann nicht in das Vordertreffen lassen. Als ob wir sogleich das Vordertreffen verloren geben sollen?! Auf Saalfeld folgt Jena! Eine Maßregel ächter Staatsweisheit wäre vielmehr die Ernennung Camphausens zum Ministerpräsidenten, einmal von wahrhaft erschütternder Wirkung für die Wahlen! Die Kanonen der Opposition würden dadurch vollständig vernagelt und unbrauchbar, während das schwere Geschütz der Revolutionspartei gerade für die Wahlmänner verspürt scheint. Sodann vielleicht noch wichtiger wäre die Er- nennung eben des Bevollmächtigten am Reich, welcher die Verkündigung der Grundrechte bereitwillig in Aussicht stellte. Für die deutsche Frage wäre ein solches Ereigniß epochemachend. Es wäre eine Erklärung durch die That, wenn nicht auch die königlichen Worte noch folgten! Wir hoffen, daß jene kleinlichen Rücksichten schwinden. Ein Ministerium Camphausen, selbst ohne sonstige Modifikation des Kabinets, stände jetzt wie auf Felsen!
Wien, 15. Jan. In verflossener Nacht wurden in einer hiesigen Vorstadt allein 11 Gastwirthe nebst ihren Gästen von Militärpatrouillen arretirt, da sie noch nach 11 Uhr in den betreffenden Gasthäusern betreten wurden. — Noch immer finden sich verborgene Waffen vor. So wurde in einem Hause der Stadt vorgestern eine Muskete in einem Kellerloche versteckt gefunden. — Sämmtlichen Nürnbergern Waarenhändlern ist der Verkauf von Degen- oder Stiletstöcken aufs Strengste untersagt worden. — Gegen den mit mehr als 4 Millionen ausgewiesenen Schaden, den die Stadt Wien durch das Bombardement erlitten hat, sind kaum 50,000 fl. durch die Sammlungen zur Unterstützung der Betroffenen eingegangen. Zu jener für die Familien der in Güns ermordeten Kroaten wird eine große Wohlthätigkeitsakademie im Hof-Opern-Theater angekündigt, nwbei die eminentesten Talente ihre Mitwirkung zugesichert haben.
S eh w e i z.
Vom Zürichsee, 16. Jan. Der Lärm, der in der Tages- Presse gegen den Bundesrath wegen Berufung eines „Schwaben", das Prof. Lobhauer in Berlin, für den Vortrag der höheren militärischen Wissenschaft erhoben wurde, dauert immer noch fort; seit der Anstellung des „Schwaben" Zeller in Bern hat keine Vokation solches Aufsehen, solche ungemessene Befeindung erregt.
Ungarn.
Oedenburg, 12. Jan. (A. Z.) Eben erfahre ich von einem Geistlichen, der gestern von Raab kam, es seyen in Csorna und Kapuvar (4—5 Meilen von hier, in der Richtung gegen Raab) neue Bauernaufstände ausgebrochen. Der in Csorna hatte zuerst stattgefunden; zu seiner Dämpfung waren die in Kapuvar liegenden Truppen gegen den erster» Ort abgeschickt worden. Kaum waren sie fort, so erhoben sich — Sie sehen, die Sache wird mit System betrieben — die Bauern in der Umgegend Kapuvârs. Der vorhin erwähnte Geistliche stieß zwischen den beiden genannten Orten auf einen Haufen von etwa 1500 derselben, die mit Knitteln und Mistgabeln bewaffnet (andere Waffen haben sie nicht mehr) gegen Raab zogen. Weiteres konnte ich nicht erfahren, indeß genügt das angeführte Faktum, in Verbindung mit dem, was ich oben über die Stimmung der Landbevölkerung bemerkte, um meine Behauptung zu rechtfertigen, daß die Pacifikation Ungarns kerne so ganz leichte Sache sey.
Frankreich.
Paris, 15. Jan. Auch Frankreich will sich an der kalifornischen Goldwäsche betheiligen. Mehrere Unternehmungen sind im Plan. „Seit zwei Tagen, schreibt der Constitutionnel, steht man an den Mauern von Paris rosenfarbene Anschlagzettel mit der Anzeige, daß das Schiff Marie am 15. Februar
mit Passagieren nach Kalifornien abgeht. In Havre wird die Bildung einer Gesellschaft zum Betrieb der kalifornischen Goldminen unter dem Titel: Caravane havraise angekündigt. In Dieppe hat ein Kaufmann, Colette Quenouille, eine Subskription zu einem Aktienkapital von 100,000 FrS. eröffnet, um einen Schnellsegler nach Kalifornien auSzurüsten, der 24 Mann , Matrosen und Arbeiter, an Bord nehmen will. Die Reise ist auf 10 bis 12 Monate berechnet."
□ Paris, 19. Januar.
— Die Pariser demokratische Polengesellschaft erläßt in der heutigen Reform einen Aufruf an die Slaven, um sie zur Einigung mit ihr im bevorstehenden Freiheitskampfe zu ermuntern.
— Zahlreiche Patrouillen durchziehen die Straßen, und man könnte glauben, Paris stehe am Vorabend einer neuen Revolution. Es herrscht allerdings eine große Aufregung unter dem Volke, wofür mehrere Gründe sprechen. Die Maßregeln der Regierung, die Aufregung der Bäckergesellen, von denen 2000 spaziren gehen und endlich ein Heer von 30,000 anderen Proletariern, welche der hohe Wasserstand und die Jahreszeit außer Brod warf, harren in letzter Instanz die Erbitterung wegen des Ausbleibens einer Amnestie für die Junigefangenen: das sind allerdings Zündstoffe, die einen Brand befürchten lassen. Es wird aber zu keinem Massenkampfe kommen.
— Ein karlistischeS Korps von 700 Mann , bis an die Zähne bewaffnet, ist nicht auf französischem Gebiete, sondern in die baskischen Provinzen an drei Punkten, Urdar, Aldalden und Fontarabien, eingefallen. Die königlichen Truppen wagten ihnen nur bei Oyarzun Widerstand zu leisten, wurden aber zurückgeworfen.
— Zu den politischen Leiden gesellen sich seit der auffallend gelinden Witterung plötzliche Ueberschwemmungen. Fast alle Flüsse, namentlich aber wieder Seine, Rhone und Loire sind so plötzlich gestiegen, daß die Uferbewohner kaum Zeit gewannen, das Nöthigste zu retten. Die Berichte auS den Departements lauten fürchterlich.
Zwischen Drouge de Lluys, unserm Minister deS Auswärtigen und dem russischen Geschäftsträger fand in den letzten Tagen (feit Ankunft der orientalischen Post) ein lebhafter Notenwechsel statt, der in den Klagen des Generals Aupick gegen Hrn. v. Tittow in Konstantinopel seinen Grund hat. Tittow wollte die Kanonenschüsse nicht erwiedern lassen, welche die französischen Fahrzeuge bei Proklamirunsi der neuen Verfassung lösten. ES soll wegen dieser Förmlichkeit zu lebhaften Szenen zwischen den beiden Diplomaten bei der Pforte gekommen seyn, die sich hoffentlich wieder wegdiplomatisiren lassen werden.
□ Paris, 20. Jan. Aus Marseille traf gestern Abend die indische Post mit wichtigen Depeschen für die englische Regierung ein. Ihnen zufolge hat eine große Schlacht zwischen dènEngl ändern und denSigh's stattgefunden, in welcher die Letzteren unter dem Befehl des Rajah Schire- Singh 30 bis 40,000 Mann stark mit 28 Kanonen, vollständig aufs Haupt geschlagen worden sind. Das Journal deS Debats enthält darüber einen sehr ausführlichen Bericht. Die Shigs hatten sich hinter das rechte Ufer des Chenaub- flusses, ungefähr zwei Stunden von Ramenggur entfernt, sehr stark verschanzt. In den ersten Tagen des Novembers eröffneten die Englänver die ersten Laufgräben und pflanzten mehrere Batterien dem Feinde gegenüber auf, der den Angriff für Ernst nahm und nicht ahnte, daß die eigentliche Armee der Engländer fünfzehn Stunden (22 engl. Meilen) oberhalb des Flusses, bei Wuzerabad, über denselben setzen und sich dann auf die ersten Verschanzungen der anderen Seite werfen wollte. Der Uebergang der engl. Armee über den Chenaub erfolgte am 2. Dezember und zwar in demselben Augenblicke, wo Gough von seinen ersten Batterien aus ein furchtbares Artilleriefeuer gegen das feindliche Lager eröffnete.
Die Indianer, sich auf diese Weise von der englischen Kriegslist überrumpelt sehend, wehrten sich zwar mit all jener Wuth , die stets die Nationalverèheidigung gegen fremde Einfälle erzeugt, aber sie mußten der europäischen Taktik weichen und fanden nur ihr Heil noch darin, nach großen Verlusten ihr kolossales Lager rasch abzubrechen und nächtlich zu flüchten.