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Lichtenstein,der in Angelegenheiten der Jesuitenpartei schon öferS Reisen gemacht hat und gegenwärtig eine Hofmeisterstelle bei dem Fürsten Zeil versieht. ES scheint, die Jesuitenpartei hat bei uns den Anfang mit einem zweiten Freiburger Kollegium gemacht, da der Kanton Freiburg ihnen für immer verschlossen ist, während in Frankfurt der Antrag, die Jesuiten aus Deutsch­land zu verbannen, nicht durchging. (St. B.)

Berlin, 19. Jan. So eben verbreitet sich in ziemlich glaubhafter Weise aller Orten das Gerücht, daß der Graf Brandenburg sein Amt als Ministerpräsident heute nieder- aeleat habe, und daß an seine Stelle Herr Camphausen getreten sey. An der Börse sind in Folge dieses Gerüchts die Kourse nicht unbedeutend gestiegen.

Berlin, 18. Jan. (D. Z.) Zur Feier des Ordensfestes wurde heute, wohl nicht ohne Bedeutung, im Opernhause die Gretrysche OperRichard Löwenherz" (namentlich durch ihre Arie:O Richard, o mon Roi! beliebt und bekannt) ge­geben, und zwar wie die Ankündigung besagte,mit allerhöch­ster Genehmigung." Die königliche Familie trat seit der März­katastrophe zum' ersten Male in diese Räume ein. Es wird Ihren Lesern gewiß von Interesse seyn, zu erfahren, daß der Empfang des Paares einer allgemeinen, tief aus dem Herzen kommenden Huldigung, das Ganze einer Versöhnungsfeier nach langem Schmollen und gegenseitiger Verkennung glich. Das königliche Paar wurde mit stürmischem Applaus begrüßt, welcher den König sichtlich tief zu ergreifen schien, und sodann auf allgemeines Begehren dasHeil dir im Siegerkranz" vom Orchester gespielt und von allen Anwesenden mitgesungen. Wir haben nie daran gezweifelt, daß die Zuneigung der Berliner zu ihren Hohenzollern zu fest begründet ist, um länger als für Augenblicke erschüttert und unterwühlt zu werden.

Berlin, 17. Jan. Bereits feit Monaten besteht hier eine Sekte Jrwingianer, welche sich dieNeuen Apostel" nennt. Ihr Vorsteher ist Niemand Anderes, als der Oberlandesge- richtsafleffor und Chef-Redakteur der Kreuzzeitung Herr Wagner. Auch die Frau Assesforin soll in Herbeiziehung weib­licher Mitglieder sehr thätig seyn.

Berlin, 14. Jan. DieVossische Ztg." erzählt von einem Vorfälle, bei welchem außer mehreren hiesigen Einwohnern auch ein Mitglied des aufgelösten Landtags und der bekannte Flüchtling, Dr. Eichler, kompromittirt seyn sollen. Einer der Partheisttzungen, die im vorigen November in Mylius Hotel gehalten wurden, wohnte ein verkleideter Konstabler bei; der­selbe wurde entdeckt, in ein Nebenzimmer geführt, und dort unter dem Vorsitze des Dr. Eichler förmlich Gericht über iyn gehalten. Das einstimmige Urtheil, auf Tod durch den Strang lautend, sollte eben vollstreckt werden, als einige her­beieilende Abgeordnete dazwischen traten und den Delinquenten retteten. Sie konnten es jedoch nicht hindern, daß er grausam zerschlagen wurde, so daß er von einem mehrwöchentlichen Krankenlager erst jetzt wieder aufgestanden ist. Durch den ihn behandelnden Arzt soll die Sache zur Sprache gebracht wor­den seyn.

Königsberg, 16. Jan. Es will hier eine Anzahl junger Leute zu einem Komite zusammentreten, um eine Erpedition nach Kalifornien im nächsten Frühjahre zu veranstalten.

Frankreich.

Paris, 18. Jan. (Gesetzentwurf.) Art. I.Die Urheber und Mitschuldigen des Attentats vom 15. Mai 1848, welche ein Beschluß des Pariser Appellhofs vom 16. Januar 1849 in Anklagestand versetzte, werden vor den Hohen Rational­gerichtshof gestellt.

Art. II Dieser Nationalgerichtshof tritt binnen einem Monat nach Annahme deS gegenwärtigen Gesetzentwurfs durch die Nationalversammlung in Bourges zusammen.

Art. III Der Justizminister ist mit Ausführung dieser Maßregel beauftragt.

Gegeben im Elyse'e National, 17. Jan. 1849.

(gez.) Louis Napoleon Bonaparte, (gegengez.) Odilon Barrot.

Laut Artikel 92 der Verfassung ist der NationalgerichtS- Hof aus fünf Kassationsräthen und zwölf Geschwornen zu wäh­len, welche nach Anweisung der Art. 93, 94 und 95 derselben Verfassung auS einer Liste von resp, sechzig, von den Depar- tementsräth^n zu ziehen sind. Die Stadt Bourges, zwar ziem­lich weitläuftig, aber ziemlich verödet. Wird gleich Vendöme vor sechzig Jahren plötzlich sehr rege werden und dramatisches Interesse bieten.

Die Bureaus der Nationalversammlung wählen soeben die Kommission, welche ihr gegen 3 Uhr über die Dringlichkeit des ministeriellen Antrages:Die Maigefangenen vor einen Nationalgerichtshof zu stellen," Bericht zu erstatten hat. Die Diskussion ist sehr lebhaft. Die Ansicht de^. Appellhofes, die Angeklagten vor die Jury des Seinedepartements zu stellen.

Cabrera's Niederlage scheint sich zu bestätigen. Laut Depeschen aus Bayonne vom 13. warf sich ein Karlisten- korps von 600 Mann über die spanische Gränze auf fran­zösischem Boden, entwaffnete dort mehrere Posten und wird uns somit in eine unangenehme internationale Streitigkeit verwickeln.

In den Marseiller und Touloner Blättern nichts Wesent­liches über die Erpedition nach Italien. Einigen Zeilen im PariserNational" zufolge dringt Totomayer im Namen Spa­niens vorzüglich in das Kabinet, um zu wissen, was Frank­reich eigentlich für den Pabst zu thun beabsichtige? Das Kabinet, viel zu sehr mit dem Innern beschäftigt, zeigt sich aber zähe und unschlüssig. Es gibt ausweichendes Antworten.

Während die Levru-Rollin'scheRevolution" den Präsi­denten Bonaparte einen Kreuzzug gegen die Römer unternehmen läßt, benachrichtigt uns der Moniteur, daß der Präsident von einem Gastmahle zum andern zieht. Das amtliche Blatt mel­det uns auf seiner ersten Seite, daß der Präsident der Repu­blik gestern Abend einem Mahle bei seinem Nnterrichtsminister Herr von Fallour beiwohnte, zu dem die hervorragendsten Männer aller Parteien geladen waren. Der Moniteur hebt besonders die Anwesenheit des protestantischen Kirchenfürsten Cuvier und des jüdischen Rabbiner Cerfbeer hervor. Auch die Schildträger C h a n g a r n i e r, B u g e a u d und der Marquis v. Pa stor et (Hauptagent Heinrich V.) befanden sich unter den Geladenen.

Morgen begibt sich Se. republikanische Majestät zu einem Nachtmahle beim Minister des Seewesens, Hr. v. Tracy.

Die Pariser Anklagekammern haben endlich gegen die Maigefangenen in Doujon von Vincennes ihre Beschlüsse gefaßt. Alle Angeklagten, auf welche gefahndet wurde, sind vor die Seine-Assissen zu stellen. Blanquiflotte, Martin genannt, Albert, Barbès, Sobrier, Raspail, Quentin, Dëgrö, Larger, Bonne, Thomas, Lonis Blank, Scigneurct, Honneau, Huber, Laviron und Napoleon Chance! sind angeklagt, im Mai 1848 ein Attentat verübt zu haben, dessen Zweck Umsturz der Regie­rung, Bürgerkrieg rc. gewesen. Die Bürger Courtais, Caussi- dière und Villain sind des Einverständnisses und der Begünsti­gung dieses Attentats beschuldigt.

Acht dieser Angeklagten konnten nicht erfahndet werden. Es sind die Bürger Louis Blank, Seigneuret, Houneau, Huber, Caussidiere, Laviron, Chance! und Villain.

Die Bäcker Revolte ist leider noch nicht zu Ende. Da sich die Gesellen den Bedingungen der Meister nicht sügen wollten, so treibt man sie aus der Stadt und eventuell über die Landesgränzen. Dieses Verfahren rief neue Gräuel hervor und wie man hört, will das Ministerium jetzt eine neue Bäckerzunfteinrichtung treffen lassen, die den Rechten der Ge­sellen besser entsprechen.

Der Finanzausschuß hat sich mit Bodin's Anträge auf Wiedereinführung des Zeitungöstemp els beschäftigt. Er beschloß: ihn in Betracht zu ziehen und eine Kommission niederzusetzen, die darüber zu berichten habe.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Abends um 6 Uhr, ausgegeben oder kann im Erpeditionslokale ab geholt werden.

Die Expedition der Nass. Allg. Zeitung.

Druck und Verlag der L. Schellenberg schen Hof, Buchhandlung in Wiesbaden.