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ani'S Stellung, als Vermittler zwischen der Revolution und dem Pabst, unhaltbar geworden. Die Gewalt ging an Ster- bini über, und was Mamiani hatte verhindern wollen, geschah jetzt durch den Einfluß der Klubs und trotz des Widerspruchs der Kammern: die Einsetzung einer Giunta an die Stelle der gleichsam ausgetretenen höchsten Regierungsbehörde, und die Zusammenberufung einer Konstituante zur neuen Regelung der Staatsgewalten. Die Giunta hat sich "indessen schon wieder aufgelöst; der Pabst erläßt von Gaeta aus Protestationen, über Protestationen, die zwar nur heimlich verbreitet werden, aber doch Viele einschüchtern, so daß, wenn die Konstituante nicht schnell zusammenkommt oder der Pabst wiederkehrt, eine völlige Zerrüttung, eintritt. Die Provinzen waren iu der ersten Zeit nach Rossis Ermordung sehr geneigt, sich ganz von Rom- zusagen, und Zucchi / der päpstliche General, wurde in Bo­logna zum Abgeordneten gewählt; jetzt scheint sich die Stim­mung geändert zu haben. Man hatte offenbar Furcht gehabt, es wurde in Rom eine Schreckensherrschaft eingeführt werden, die wie die Französische das ganze Land terrorisiren wolle, und da die Legationen von jeher dem Einfluß einer Centralregie­rung abhold waren, so wollten sie noch viel weniger einer revolutionären sich unterwerfen. Sobald aber die Einberufung der Konstituante ausgesprochen war, war diese Furcht ver­schwunden und die Legationen erklärten ihren unbedingten An­schluß unterdessen ist freilich Zucchi von Bologna abge- reift und eS scheint, als ob sie den Gedanken, den Kirchen­staat als einen weltlichen einzurichten, mit vielem Feuer er­griffen.

Windischgrätz und Kossuth

DieKölner Zeitung" enthält nachstehende Beschreibung des Feldmarschalls Windisch-Grätz:Er ist nicht groß, aber die militärische Haltung der, trotz der vorgerückten Jahre, auf­fallend elegant gebliebenen Gestalt läßt ihn größer scheinen, als er wirklich ist. Dünnes graues Haar legt sich schlicht um die Stirn, auf der entschlossene Thatkraft ihren Thron aufge- schlagen hall Die etwas lief liegenden Augen blicken kalt und stolz, die kühne und scharf vorspringende Nase vermehrt den gebieterischen Eindruck des Gesichts, um die schmalen Lippen schwebt ein harter Zug, der ebensowohl auf Strenge, wie auf ein schweigend ertragenes Weh deuten kann. Man mag sich von dieser Erscheinung angezogen oder abgestoßen fühlen; ver­gessen wird sie Keiner, der sie einmal sah. Es ist eine von unumstößlichen Ueberzeugungen erfüllte Seele, die uns in dieser Gestalt verkörpert entgegentritt."

Als Gegenstück möge hier die Schilderung stehen, die der Oesterreichische Lloyd" von Kossuth gab:Kossuth mag an die vierzig Jahre zählen; er hatte in der Jugend einnehmende GesichtSzüge, jetzt ist er durch unausgesetzte Aufregung gealtert, sein Gesicht ist eine Ruine, nur das Auge blitzt unheim'ich; die Gestalt schmächtig, die Stimme stark und wohltönend. In ruhiger Berathung, unter Wenigen, wo Verstand und Wissen entscheidet, ist er unbedeutend; feine Berebtsamkeit wird aber groß, wenn er Massen vor sich hat; dann regt er die Leiden- I schäften auf, furchtbar wie der Orkan das Meer aufpeitscht. Er ist der größte lebende Volksredner. Sein positives Wissen ist gering. Wenn er Wissenschaft, wenn er Talent braucht, läßt er sich von seinen Anhängern Ausarbeitungen liefern, die er dann benützt. Er hat die Fehler des magyarischen Charak­ters in höchster Potenz; ungeregelte Phantasie und Selbstüber­schätzung. Sein Talent ist zerstörend, Niederreißen kann er wie Niemand, besser etwas gründen als er, kann Jeder. Er ist ein politisches Erdbeben. Er hält sich für den ersten Finanz­mann der Welt, versteht aber von Finanzen gar nichts."

Eine wenig schmeichelhafte Schilderung entwirft dasselbe Blatt von dem Grafen Ludwig Batthyany, dem frühe­ren ungarischen Premierminister: Graf Ludwig Batthyany's Physiognomie hat viel von der Tigerkatze, wenn sie auf ihre Beute losspringen will. List und Härte ist der Ausdruck sei­nes Gesichts , und das Gesicht lügt nicht. Er ist freisinnig nach oben hinauf; hart und despotisch gegen Alles, was unter ihm steht. Nur seinem eisernem Willen verdankt er es, daß er Chef der Magnatenopposition geworden ist, denn sein Wissen ist gering und oberflächlich; als öffentlicher Redner ist er un­bedeutend. Die Anhänger nennen seine Eigenschaften anders, als die übrigen Menschen. Seine List heißt Klugheit; sein Entèment Konsequenz; seine Tyrannei Kraft; sein Kampf

gegeü alles Höhere Freiheitssinn. Er ist eben so zerstörender Natur wie Kossuth, aber ohne dessen Talente."

Deutschland.

* Wiesbaden, 20. Jan. (Ständeversammlung. Schluß.) Es kommt 8, 14 deS Regierungsentwurfs zur Diskussion. Abg. v. Eck stellt zu pos. I. einen Verbesserungszusatz, und wird darin vom Abg. Raht unterstützt. Reg.-Komm. Werren erklärt, die Regierung habe hiergegen nichts einzuwenden. Zu pos. 3 empfiehlt Reg.-Komm. Werren den Regierungsent­wurf beizubehalten und den Nachsatz zu streichen von dem Worte anüberhaupt vorzugreifen." Dem pflichten die Abg. Raht und Siebert bei. Wird angenommen. Abg. Wimpf beantragt pos. 5 a. zu streichen. Abg. Schmitt spricht für vermittelnde Fassung der pos. 5 wegen Anlegung von Fabriken, Mühlen, Hämmer- und Hüttenwerken. Abg. Müller II. schlägt für pos. 7 eine andere Fassung vor, die angenommen wird. In dieser Fassung wird der ganze 8. 14 angenommen. Abg. Lang beantragt zu 8. 15 eine Befugniß des KreiöbezirksrathS, Beschlüsse deS KreiSbeamten in besonderen Fallen wieder aufheben zu können. Die Re­gierungskommissäre bekämpfen wiederholt diesen Antrag. Na­mentlich bemerkt Werren, daß dadurch der Kreiöamtmann zum Strohmann gemacht werde, und Reg.-Komm. Reichmann fragt, als Lang einwirft, er wolle ein volksthümliches Element, ob denn der Amtmann unvolksthümlich sey, weil er vom Staate bezahlt werde? Die Regierung höre Klagen genug, daß die Polizei zu schwach sey und sey erst heute Morgen in diesem Sinne interpellirt worden. Im Laufe der Diskussion bedauert der Abg. Lang, daß die Polizei leider noch zu stark ausge­übt werde, (!) und er sich nicht bewogen fühle, starke Beamten und Polizei zu schaffen. Nach vielseitigen Debatten wird der Antrag zur Abstimmung gebracht und gegen acht Stimmen abgelehnt. Ein anderer Antrag des Abg. Müller II. in die­sem Sinne wird ebenfalls gegen 7 Stimmen abgelehnt. Die Abstimmung über §. 15 wird auf die nächste Sitzung ver­schoben.

* Wiesbaden, 22. Jan. Gestern wurde die Einführung ,der Grundrechte des deutschen Volks durch eine große Parade der Bürgerwehr feierlich begangen. Des Abends fand eine gesellige Versammlung in den Vier Jahrszeiten statt.

Frankfurt, 20. Jan. Camphausen ist heute von Berlin zurückgekehrt, jedoch ohne Bunsen, da dieser in wichtigen Ver­handlungen noch bis zum 24. in Berlin beschäftigt seyn würde.

Frankfurt, 20. Jan. Zur Feiev des heutigen Geburts­festes des Erzherzog Reichsverwesers fand heute Mittag auf dem Roßmarkt große Parade der hier garnisonirenden Reichs­truppen statt. Von den Frankfurter Damen ist dem Reichs­verweser ein eben so schön als kostbar gestickter Teppich zum Geschenk übergeben.

Gernsheim a. RH., 18. Januar. In der gestrigen Ver­sammlung des Hiesigen über 250 Mitglieder umfassenden vater­ländischen Vereins ging nach Antrag eines Mitgliedes die Diskussion dahin:Der vaterländische Verein erkläre, daß eS ihm eine Freude machen, wenn>sich die Nationalversammlung zu Frankfurt dahin aussprechen würde, statt eines erblichen Kaisers einen Reichsstatthalter für Deutschland zu ernennen, und daß diese Würde dem Großherzog von Hessen Lud wig III. übertragen werden möge." Dieser Antrag wurde mit allge­meiner Akklamation angenommen. (Darmst. Z.)

Mannheim, 20. Jan. Die Vertreter der Stadt Mann­heim haben bekanntlich mit großer Majorität den Abg. Oberge­richtsanwalt Brentano zum ersten Bürgermeister erwählt, die Regierung hat dem Willen der Mehrheit der Wähler ihr Veto entgegengesetzt. Der Wahl Brentano's ist die Bestäti­gung versagt. (M. A.-Z.)

Stuttgart, 19. Jan. Die Jesuiten haben in Würtemberg Grund und Boden gefaßt. Aus Schloß Neu-Trauchburg bei Zeil ist die erste Jesuitenschule errichtet wor­den. Die Unterstützer der Anstalt sind zum großen Theil die oberländer Pfarrer der jüngern Schule, mit dem Gelde des Fürsten von Zeil. Der Unternehmer ist der bekannte Vikar