Nassauische
Allgemeine Zeitung.
â 18. Montag den 22» Januar 18âS
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Zweite Ausgabe.
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Uebersicht.
Zeitungsschau.
Winvischgrätz und Kossuth.
Deutschland. Wiesbaden (Landtag, geier der Grundrechte). — Frankfurt (Camphausen. Geburtsfest des Steichsuerwesers). — Gernsheim (Der vaterländische Verein spricht sich zu Gunsten -es GrvßherzngS von Hessen als Reichsoberhauptes aus). — Mannheim (Die Bürgermeisterwahl Brentano'S). — Stuttgart (Neue Jesuitenschule). — Berlin (Gerücht eines Ministerwechsels. Die Feier des Ordensfestes. Die Sekte der Jrwingiauer. Enthüllungen). — Königsberg (Erpedi- tion »ach Kalifornien).
Frankreich. Paris (Tagesbericht).
Z e i t u N g s s eh a N
Die Deutsche Zeitung gibt folgenden Rückblick auf die jüngsten ReichSlagSvnyanblungen:
Di e W ür d e d c s Re i chs o b'er h a u p t e s w ird einem der regierenden d e v t s ch e n F ü rst en ü Vertragen — das ist das Ergebniß, daS gewonnen worden. Die praktischen Rücksichten, die bei dieser Entscheidung zur Sprache kamen, waren alle schon in ter österreichischen Frage gewürdigt worden; soweit die Verhandlungen sich also nicht auf theoretischem Felde bewegten, waren sie nur Wiederholungen dessen, was in der vorigen Woche bereits durchgekämpft worden — und wir fürchten sogar, wir sind noch nicht am Ende dieser Wiederholungen, denn wer seine Meinung über alle diese eng verbundenen Gegenstände noch nicht geäußert hat, der wird sich bei der Frage nach der Erblichkeit zum Worte melden.
Sollen wir nun ernsthaft den Kern der Verhandlungen angeben, so sind es vor Allem die Gegensätze, in denen derselbe Partikularismus sich aussprach, die wir hcrvorhebcn müssen. Es war, als ob jeder Stamm übereingekommen wäre, was von dem Gesichtspunkt seiner speziellen Verhältnisse für und gegen die Einheit der Verfassung gesagt werden könne, geltend zu machen. Sv traten sich auS Bayern Phillips und Stahl, aus Sachsen Eisenstuck und Biedermann gegenüber. Man bewundert vor Allem den Reichthum der Sachkenntniß, mit der Herr Stahl alle die Einwände zurückwies, als würde der Süden vom Norden übervorlhcilt werden können, als würde Bayern seinen politischen Einfluß verlieren, als würde namentlich die Industrie keinen genügenden Schutz finden. Herr- Biedermann hätte für die Wärme, mit der er von seinen engern Landsleuten den Vorwurf undeutscher Gesinnung zurückwies, mehr Dank verdient, als ihm Herr Eisenstuck später zu Theil werden ließ. Welche Gründe die republikanische Partei für ihre Vorschläge aufzustellen pflegt, ist bekannt; uns ist in dieser Beziehung nichts Neues aufgefallen. Mit unendlichem Humor aber widerlegte Herr Bassermann alle ihre Deduktionen, oder vielmehr, er räumte sie auS dem Wege: aus den Gründen, die verschiedne ihrer Redner aufgestellt hatten, wußte
er immer zwei herauszunehmen, die, nebeneinandergestellt, sich widersprachen, und so schlug er sie mit ihren eigenen Waffen. Als er bemerkte: Sie wollen ein eigenes Reichsoberhaupt schaffen, wir wollen einen der schon vorhandenen Fürsten dazu machen — so sind wir cs doch nicht, welche die Throne vermehren: Geht es nach unserm Sinne, so bleibt es ja bei den 34 — da lohnte allgemeiner Beifall den heiteren Beweis.
Einen würdigen Abschluß der ganzen Verhandlung machte des Berichterstatters Beseler's Rede. Er trennte von der Frage, die zur Entscheidung vorlag, Alles, was von Nebensachen durch die langen Berathungen hineingemischt war, und mit einfacher, würdiger Sprache faßte er kurz zusammen, welche überzeugenden Gründe für die Einheit sprächen.
Drei Prinzipien waren es, welche in den Anträgen, über die jetzt abgestimmt werden sollte, enthalten waren: eine einheitliche fürstliche Spitze, eine vielheitliche fürstliche und eine republikanische. Was sollte man zuerst zur Frage stellen? Darüber entspann sich jetzt ein kurzen Kampf. Den Anhängern der ersten war cs offenbar am günstigsten, wenn ihr Antrag zuletzt kam, weil sie dann Einige, die vielleicht in zweiter Linie für ihn stimmten, gewinnen konnten, umgekehrt wünschten es natürlich die Anhänger eines Direktoriums. Das Stärkste, sagten sie, und unter ihnen Hr. Schmerling, müsse zuerst kommen, und das sey der Kaiser; das Allerstärkste aber, entgegnete mit einem glücklichen Wortspiel Herr v. Vincke, sey doch, den Deutschen zuzumuthen, sich sechs Herren zu setzen; das Direktorium müsse zuerst kommen. Man entschied sich nach seiner Meinung, und nachdem alle übrigen Anträge verworfen waren, wurde der des Verfassungsausschusses mit einer größern Mehrheit, als man erwartet hatte, angenommen. Die Anhänger des Direktoriums bewiesen eine traurige Konseguenz; Rotenhan; Detmold, Schmerling und Welcker stimmten auch jetzt noch dagegen, Radowitz stimmte dafür. So oft aber ein Mitglied der Linken, z. B. Löwe von Kalbe, sein Ja abgab, erscholl lauter Jubelruf der Versammlung und der Gallerie — und der Beifall wollte kein Ende finden, der die Verkündigung des Ereignisses begleitete.
Die „Vossische Zeitung" bringt folgenden/ für die Stimmung in Berlin bezeichneten Artikel:
'„Während G agern in Frankfurt, Kraft d(S edlen männlichen BcwtrßtfeynS, der großen Sache, dre er tragt, gegenüber einem chaotischen Knäuel von Intriguen, Selbstsucht, und doch auch der edelsten Interessen (das sind unbedingt tie der Oesterreicher , die sich nicht von Deutschland scheiden lassen wollen) siegreich aus dem Kampfe hervorgeht, will man ihm von hinten eine Falle legen. Man streut die Meinung aus, daß er sich umsonst für Deutschlands Freiheiten abmühe, indem Preußen, für dessen Prinzipat er kämpft, ihn spielen lasse, etwa zum Zeitvertreib der aufgeregten Gemüther, nichts weniger aber im Sinne habe, als, wenn die Entscheidung komme, daraus einzugehen. Geschickt sind diese Intriguen eingefädelt: die aulhen- tifchc Versicherung aus München,- der offiziell scheinende Artikel auS Berlin in der OberpostamtS-Zeitung, jüngst die vertrauliche