und Ehre. Dazu ist keine Kaserneneinheit nöthig. Dann vergleicht Hr. Zimmermann das Werk des Verfassungsausschusses mit dem Unternehmen eines Goldschmieds, der einen Ring für einen Riesen schmieden solle. Noch waren nicht alle Edelsteine in seinen Händen und doch vollende er schon seine Arbeit. Die Freiheit, fährt er fort, ist der Zweck, die Einheit das Mittel dazu. Wie, wenn Preußen das österreichische Kunststück nachahme, wenn cs die Politik der alten heiligen Schaar des Absolutismus erneuern wollte? Der Augenblick sey entscheidend, ruft man uns zu, wir (von der Linken) sollten uns anschließen an die Rechte, damit die Stunde nicht versäumt werde. Ich denke, es ist besser, man wartet zu und läßt die Ereignisse sich reifer gestalten. Hr. Bassermann hat ein ganz neues Bild gebraucht— vom Kölner Dom, um uns die Nothwendigkeit einer festen Bedachung nachzuweisen. Die Griechen aber hatten gar kein Dach als den blauen Himmel der Freiheit für ihre Verfassung und befanden sich sehr wohl dabei. „Die Sklaverei zur Grundlage" wendet mir der Präsident des Reichsministeriums ein? Nun ich kenne die Geschichte und darf aus ihr versichern, daß sich unsere armen, geknechteten Bauern glücklich schätzen würden, dürften sie ihren Zustand mit der griechischen Sklaverei vertauschen. (Verneinung und Gelächter.) Hätte man vor acht Monaten die allgemeine Volksbewaffnung durch ganz Deutschland verfügt, so wäre es nicht also gekommen, nämlich so.— daß wir endlich am Berge stehen. (Heiterkeit.) Hrn. Bas- sermann's Angaben über die Abnahme und das Wachsen der Abonnentenzahl verschiedener Parteiblätter werden dann von dem Redner auch damit erwidert, daß „Hrn. Bassermann's eigene Zeitung, die.„Deutsche Zeitung" zu Anfang des neuen Jahres 1200 Abnehmer gehabt habe." Dann kommt er auf die Haupteigcnschaft zurück, welche die Verfassungsspitze seiner Meinung nach haben müßte, auf die Billigkeit. Hunderte von Millionen werde das Kaiserthum kosten! (Lachen) Machen Sie reinen Boden, meine Herren, wenn Sie die Auflagen für das Kaiserthum durchsetzen wollen. Sonst sagt der Jesuit Mariana (Lachen — der Jesuit Mariana also sagt, wenn dem Volke neue Auflagen zu den alten zugemuthet werden, so steht eine Revolution bevor. (Heiterkeit.) Eine Prophezeihung Cha- teaubriand's über die Zukunft der Monarchie bringt Hrn. Zimmermann auf die Verräther und auf die ungeschickten und übertreibenden Freunde der Freiheit zu sprechen. Aber ihr auf Felsen gegründeter Tempel wird endlich doch den Pforten der Hölle trotzen. Die Sterne gehen ihre ewigen Bahnen und der sie lenkt, wird die kleinen Gespinnste der Menschen zerreißen. Wenn Sie einen unvolkSthümIichen Kaiser machen, so dürfte er der Vorläufer eines blutigen Volkshsilands seyn. Der Redner wünscht keine abermalige Revolution, aber erhält sie für unausbleiblich. Dann werde das Volk wallfahrten nach einer einsamen Stelle der Brigittenau, wo das edelste Blut vergossen worden! (Unruhe). Ich bin am Ende (Beifall). Thun Sie keinen Griff nach einem Kaiser. Es wäre ein Mißgriff in dieser Zeit der schweren Noth.
Die Mittheilung mehrerer neuer Verbesserungsanträge und ein abgelehnter Antrag von der Linken auf Schluß der Debatte führen eine Unterbrechung herbei, nach welcher auf der Rednerbühne erscheint Herr
Mittermaier aus Heidelberg. Ein Bundesstaat aus Monarchien gegründet ist möglich in Deutschland, sey der Ausspruch eines berühmten Nordamerikaners, wenn die Fürsten, die an der Spitze der einzelnen Staaten stehen, ihre fürstlichen Interessen denen des Volks unterordnen. Wenn ferner Derjenige, der an die Spitze des Reichs gestellt wird, es fühlt, daß er nur der Erste unter Gleichen ist. Deutschland will ein einheitliches Reich und will so mächtig sein wie Frankreich und England. Wir müssen daher eine Form für unsern Staat erschaffen, die Vertrauen einflößt für ihre Stetigkeit. Die Erblichkeit der Oberhauptswürde hält der Redner dazu nicht für nöthig, sondern er räth zu einer Wahl auf Lebenszeit, aber er fügt hinzu: wir kommen durch die natürliche Entwicklung des Bundesstaats zum Einheitsstaate. Lassen Sie sich nicht irre machen durch vorgebliche konfessionelle Abneigungen, durch einen Zwiespalt von Nord- und Süddeutschland, den man Ihnen als ausbrechend vorspiegelt. Im Namen Bayerns Protestire ich gegen die undeutsche Gesinnung, die man diesem Volksstamme Schuko gibt. Bayern wird sich eben so gern der deutschen Einheit einordnen, als irgend eine andere Landschaft.
Der Schluß der Debatte wird jetzt von mehreren Seiten zugleich beantragt und angenommen, worauf Herr Besel er als Berichterstatter das Wort erhält:
Nachdem vor sieben Monaten die Frage über das Ober
haupt lange herüber und hinüber gewogt, entschied man sich für die Einherrschaft und rief den Mann an die Spitze der deutschen Regierung, der ihr seitdem vorgestanden hat. Leider ist dieselbe Frische des Entschlusses nicht mehr in der Versammlung, und es sind bei der Behandlung dieser letzten Debatte sogar Wege eingeschlagen worden, auf die ich nicht folgen kann. Fassen wir den §. 1 in's Auge, ohne für jetzt auf Weiteres, und namentlich ohne auf die Erblichkeit einzugehen. Das Direktorium würde eine Kollektivregierung, keine auf selbstständigem Willen beruhende Bundesregierung seyn. Was an Intrigue, an Egoismus und Partikularismus in den deutschen Regierungen irgend steckt, das würde dort seine Vertretung finden. Wenn Sie Deutschland beruhigen, wenn Sie einen Abschluß unseres Werkes finden wollen, so stehen Sie von einem Direktorium ab. Allein noch verderblicher wäre der Turnus. Jeder Staat, der eben an der Spitze stünde, würde für sich sorgen, und wehe dann dem deutschen Bundesstaate! Die Zwietracht heiße eS säen, nicht die Eintracht. Sollte endlich die republikanische Spitze die passende Form seyn, die auf dreißig Monarchien zu setzen wäre? Nur ein großer, ein ausserordentlicher Mann würde es vermögen, seinen Willen so vielen widerstrebenden Interessen gegenüber zum Vollzüge zu bringen. Gegen die Monarchie ist der Kostenpunkt angeführt worden. Als ob die wohlfeile Regierungsform auch darum die beste wäre? Gegen die Zeit der Auflösung des deutschen Reiches bezog der Kaiser, Judenschutz und alles eingerechnet, etwa 14,000 fl. vom deutschen Reiche. Meine Herren, nichts ist dem deutschen Reiche so theuer zu stehen gekommen, als dies wohlfeile Kaiserthum! (Beifall.) Das Kleindeutschland, wie es verächtlich genannt worden ist, wird 33 Millionen enthalten. Ist dies nicht eine achtungswerthe Anzahl deutscher Männer? Und gehen nicht Adressen und Zustimmungserklärungen von allen Seiten an uns ein? Dieser Meinungsausdruck ist zum allerwenigsten nicht zu behandeln mit Spott. Sogar mit Spott von einem Bevollmächtigten derselben badischen Regierung, deren Großherzog sich mit so vieler Hingebung für die deutsche Sache erklärt hat. (Beifall.) In Norddeutschland, woher ich genaue Nachrichten habe, weiß man sehr wohl, was daran liegt, daß eine energievolle Gewalt geschaffen werde, und der miedersächsische Volksstamm gibt, was er einmal erfaßt hat, nicht so leicht auf. Das sind keine dynastischen Interessen in Oldenburg, Hannover, Schleswig, Mecklenburg, ebensowenig wie in Preußen, denen man das vorgeworfen hat. Sie wollen eine starke Gewalt in Deutschland, weil sie nur so in Deutschland sich glücklich fühlen (wiederholter Beifall). Aber, sagt man, welche Gefahr! Wer bürgt uns dafür, wenn wir eine kräftige einheitliche Gewalt über Deutschland setzen, daß Ttt^t unsre Freiheit-Lefiroht wirb? daß sie nicht verloren geht? Nun, meine Herren, wenn^bë^der Berfassung, Die wir gründen, bei den Grundrechten, welche wir von hier aus gegeben haben, wenn bei der ganzen Umgestaltung des deutschen Volks unsere Freiheit beeinträchtigt werden kann durch ein monarchi, sches Oberhaupt, dann ist Deutschland der Freiheit nicht werth. (Lebhaftes Bravo.) Dann mag cs die Sklavenknute küssen, aber mag nicht sagen, daß es aus einer Nation von Freien bestehe. (Große Unruhe.) Diese Unterbrechungen widerlegen mich nicht. DaS, was ich spreche, fühlt Jedermann im Volke, und wenn die Männer im Volke Zusammenhalten und ehrlich die Freiheit wollen, dann kann kein Monarch der Erde sie nehmen. Ich sage, es kommt darauf an, daß wir die Form finden, welche uns die Einheit der Gewalt gibt und die Macht der Vollziehung. Nehmen Sie an, was Ihnen von der Mehrheit des Verfassungsausschusses geboten wird! (Lebhafter Beifall.)
(Hierauf werden die Abstimmungen vorgenommen, deren Ergebniß wir bereits in der zweiten Ausgabe unserer vorigen Nummer mitgetheilt haben.
Aus dem Großherzogthum Weimar, 18. Jan. Wie man hört, will unser Ministerium die Höhe der Zivilliste (280,000 Thlr., an welchen der Großherzog für das laufende Jahr 30,000 erlassen) zu einer Kabinetsfrage machen und entweder den nächsten Landtag auflösen, oder sich zurückziehen, dafern er auf einer Verminderung besteht.
Berlin. Die Abstimmung über das Ga gern'sche Programm hat hier in allen Kreisen, und vornehmlich auch an der Börse, einen höchst günstigen Eindruck gemacht. (D. R.)
Berlin. Gegen den flüchtigen Redakteur der ZeitungS- Halle, Dr. Julius, ist von dem hiesigen Kriminalgericht, Ab-