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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

Jfë iS Donnerstag den 18. Januar 18LS

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich. mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume­rationspreis ist in Wiesbaden 8 ft., für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen. der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petit,zeile oder deren Raum mit 8 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der 8. Schellen- berg'scheu Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Nassauischer Bergbau.

Deutschland. Mainz (Das Rheineis. Adresse gegen die Herabsetzung der Weinzölle und das Freihandelssystem). Franks»r t (Reichstag. Rede Bassermanns über die Oberhauptsfrage. Die Linke desavouirt das Reichstagsblatt. Der Reichsverweser). Mannheim (Der vater­ländische Verein über die erbliche Kaiserwürde). Karlsruhe (An­trag des Herrn v. Andlaw auf eine neu zu berufende ständische Versamm­lung). Köln (Der Karneval). Berlin (Der Prinz von Preußen als Wahlmann. Unfall auf der schlesischen Eisenbahn).

Schweiz. Bern (Die ökonomische Lage der Schweiz).

** Nassauischer Bergbau

Dillenburg, 15. Jan. Ich habe Ihnen für dieses Mal leider nur Trauriges zu berichten. Unsere Bergwerks- Industrie nämlich, worauf das Dillenburgische in Bezug seiner Erwerbsquellen fast allein angewiesen ist, kommt sicht­lich immer mehr in's Stocken. Es ist damit nicht genug, daß in Folge der schwankenden politischen und Zoll-Verhältnisse das Eisenhüttenwesen und der Eisenstcinbergbau, mit Allem, was daran hängt, in Verfall zu gerathen drohen, da vie In­dustriellen, ohne Absatz in ihren Provukten, die Mittel unmög­lich lange mehr aufbieten können, ihre Operationen fortzu­setzen; sondern es ist auch drauf und dran, daß unser lebens­fähiger Kupferbergbau ganz in Abgang kommt.

So wurde im vorigen Frühjahr eine Grube, auf der 90 Arbeiter beschäftigt waren, auf einmal stillgelegt und am Anfänge dieses Monats hat auch die englisch-deutsche Berg­werksgesellschaft ihre Gruben bei Nenzenbach unter Wasser gehen lassen. Es werden dadurch auf's Neue gegen 300 Ar­beiter brodlos. Diese Gesellschaft soll eine Einbuße von zwei Millionen Gulden erlitten haben, was nach den Urtheilen von Sachverständigen nicht möglich seyn konnte, wenn mit den Fonds der Gesellschaft nicht auf das Unverantwortlichste ge- wirthschaftet worden wäre. Sowohl falsche Rathgeber unter den Technikern unseres Landes, als auch die eigene schlechte Verwaltung haben das Unternehmen schon in den ersten Jah­ren (von 1835 im Frühjahre) an den Rand des Verderbens gebracht, auf dem es sich bis jetzt kümmerlich erhalten hat, ohne daß es unter den gegenwärtigen üblen Verhältnissen auf­recht zu erhalten gewesen wäre. Der letzte Direktor der Ge­sellschaft, Herr Lindon, der vor einigen Tagen abgetreten ist, war zwar den allgemeinen Urtheilen nach ein Ehrenmann, der das Interesse derselben kräftigst zu vertreten und das Unter­nehmen wieder zu stärken suchte es war aber zu spät.

Es ist wirklich zu beklagen, daß diese großartige Unter­nehmung, die unter besserem Einflüsse gewiß zu guten und dauerhaften Resultaten hätte führen müssen, so zu Grunde gehen muß und uns nicht allein so viele brodlose fleißige Menschen, sondern auch da Jeder nach dem Erfolg und nicht nach den Ursachen desselben urtheilt unseren hoffnungs­vollen Kupferbergbau kreditlos hinterläßt.

In einer Zeit wie die jetzige, wird es erst recht fühlbar, wie wohlthätig unsere Bergwerks-Industrie auf alle Zweige der öffentlichen Lebsucht gewirkt hat, und wie nothwendig eS gewesen, daß diese ergiebige Quelle von Arbeit und Wohlstand besser gepflegt und im Auge behalten worden wäre, anstatt daß sie so vernachlässigt und im Privatinteresse ausgebeutet worden ist.

Der bisher so wichtige Braunkohlenbergbau auf dem Westerwalde und in der hiesigen Gegend, ist auch in bedenk­lichem Abnehmen, da der starke Rückgang der Holzpreise, der in Folge der mißlichen Jndustricverhältnifse eingetreten ist, den Braunkohlen die Konkurrenz fast unmöglich macht. So sehen wir nach und nach alle unsere Hülfsquellen versiegen nnd alles Eigenthuüi entwerthen; wobei es aber unseren Volksbe­glückern noch gar nicht bange ist, da sie in schönen Redens­arten den Talisman gefunden haben, nicht allein das arme Volk satt zu halten, sondern ihm auch noch obendrein Wohl­stand und Bildung zu geben. Es ist da erklärlich, daß diese Wunderdoktoren mit vornehmer Selbstgefälligkeit auf diejenigen herabsehen, die sich das mühsame Wirken für öffentliches Wohl nach altmodischen Grundsätzen zur Lebensaufgabe gemacht haben.

D e n L s eh l a n d.

Mainz, 15. Jan. In der letzten Nacht ist der Rhein bei unserer Stadt ganz frei vom Eise geworden, so daß die regel­mäßige Verbindung zwischen beiden Ufern von der Brückenver­waltung wieder hergestellt worden. So eben treibt auch das Maineis an unserem Ufer vorüber, 15 größere und kleinere Fahrzeuge mit sich führend. Bon Kastel sowohl als von hier eilten, ungeachtet der größten Lebensgefahr, verwegene Schiffleute den Fahrzeugen nach, um solche in Sicherheit zu bringen, und es soll ihnen gelungen seyn, zwei Fahrzeuge zu retten; die übrigen mußte man ihrem Schicksal überlassrn. Glücklicherweise befinden sich auf allen diesen Schiffen keine Menschen.

Mainz, l5. Jan. Bei sämmtlichen Gutsbesitzern und Wein- Händlern zirkulirt eine sehr gediegene Adresse an die Reichsver­sammlung zu Frankfurt a. M., gegen die von den norddeutschen Kaufleuten mit vielem Eifer betriebene Machination , bezüglich einer Herabsetzung der Zölle auf ausländische Weine. Die Adresse wird von allen Gutsbesitzern unserer Provinz unterzeichnet, wie man denn überhaupt bei uns Alles aufbieten wird, um die ver­derblichen Ideen der Freihandelsmänner in Frankfurt scheitern zu machen. Man erwartet hier, daß sich die Weinbergbesitzer der Bergstraße mit1 allem Eifer den hiesigen Bestrebungen an­schließen werden, da man dort dasselbe Interesse hat, wie in Rheinheffen.M

8? Frankfurt, 13. Januar. (Reichstag. Schluß der Be­rathung des Berichts über das ministerielle Programmdie österreichische Frage betreffend).

Nach 3 Uhr wird die Sitzung wieder eröffnet, v. Gagern besteigt die Rednerbühne.Ich bin mir bewußt, beginnt er,