ben Stab darüber brechen. Aber der Angelpunkt seiner Rede liegt nicht in der Ausführung, daß er und die österreichischen Abgeordneten eS als ihre Aufgabe betrachten, die deutschen Provinzen Oesterreichs der neuen deutschen Gestaltung einzuverleiben, und liegt nicht in dem Beweise der Gemeinsamkeit der beiderseitigen Interessen und in dem strategischen Ueberge- wichte, welches er Oesterreich über Deutschland beimißt. Sondern er benutzt seine frühere Stellung beim Rcichsministerium dazu, sich den Anschein zu verleihen, als habe er amtliche Ge- Heimnisse der verfänglichsten Art preiß zu geben. Oesterreich werde der Auflehnung gegen die Frankfurter Beschlüsse und gegen die Centralgewalt beschuldigt. Was solle man da von anderen deutschen Staaten, was namentlich von Preußen sagen? (Hört! Hört! von der Linken.) Preußen habe auf das ; Herbste die Einwirkung der Centralgewalt auf die Verfassungsangelegenheit zurückgewiesen, als eine unberechtigte Einmischung in seine innern Angelegenheiten. Das Ministerium Brandenburg sey eben nur am Ruder geblieben, weil von Frankfurt dessen Entfernung verlangt worden und bis zu dem Augenblicke , wo in Preußen die oktroyirte Verfassung veröffentlicht worden sey, hätte man in Berlin die Reichskommiffäre (Hergenhahn und Ed. Simson) mit der Versicherung getäuscht, man denke an keine oktroyirte Verfassung.
Diese Behauptungen werden mit Entrüstung und mit Scham in die Seele des Redners hinein von der Rechten ausgenommen und von den beiden Centren. Mit hellem Jubel hingegen empfängt sie die Linke. Einer der erwähnten Reichskommissäre erhält das Wort, Hr. Hergenhahn von Wiesbaden. Er bezeichnet die Angaben v. Würths geradezu und einfach als unwahr. Eine Bemerkung über das Benehmen eines gewesenen Staatssekretärs, der in solcher Weise seine amtliche Stellung mißbrauche, wird ihm durch das Toben der Linken abgeschnitten, die in Hrn. v. Würth einen erwünschten Bundesgenossen anerkennt. Dieser erwidert, daß er nur die Wahrheit gesprochen, zu der ihm die Gefahr des zu zerstückelnden Vaterlandes das Recht nicht nur, sondern auch die Pflicht verleihe. Oesterreich sey nicht schuldiger alö die andern. Dcr Präsident, Hr. Ed. Simson, übergibt den Vorsitz an seinen ersten Stellvertreter, Hrn. W. Beseler, um von der Rednerbühne herab zu erklären, das Haus solle sich die Berichte der ! Reichskommissäre vorlegen lassen. Nichts sey in ihnen beschönigt oder verschwiegen und dann werde sich zeigen, daß es einer unbefangenen, daß es nur einer vollständigen Einsicht in die ( Akten bedürfe, um zu einem ganz anderen Urtheil zu gelangen, als Hr. v. Würth abgegeben. Herr Heinrich Simon bestätigt durch sein Zeugniß, daß die Reichskommissäre in der ' That durch eine Veröffentlichung der oktroyirten Verfassung - überrascht worden seyen. (Wie cs denn längst bekannt ist und in der Natur der Sache liegt, daß den Reichskommissären in t Berlin die oktroyirte Verfassung als vollendete Thatsache zu- gebracht wurde, um ihren voraussichtlichen Einspruch und wei- . iere Verwickelungen ;n vermeiden.)
- Erst Hr. Wurm von Hamburg kehrt zu dem behandelten ! Gegenstände zurück. Der gute oder der böse Wille der Kabinete, . sagt er, habe die Versammlung nicht zu kümmern. Sie ord- - nete ihre Angelegenheiten int Namen der Nation. Für uns, I die wir weder Oesterreicher sind, noch Preußen, ist die Aus- , führbarkeit der deutschen Verfassung das einzig Entscheidende, o Die veränderte Sprache von OUmütz komme davon her, daß h man kein preußisches und kein erbliches Kaiserthum dulden - wolle. Es sey nur die erneuerte Kongreßsprache, die sich von ti dort vernehmen lasse. Unter dem Beifalle der Versammlung, der besonders lebhaft am Schluffe hervorbricht, weist sodann i Hr. Wurm die Bemerkung zurück, als bedürfe es zweier Großer machte in den deutschen Angelegenheiten zur Herstellung eines 1 nöthigen Gleichgewichts, ja als vertrüge die deutsche Sache I überhaupt eine solche Theilung des Schwerpunktes. Ebenso $ beseitigt er den Vorwurf der Zerstückelung des Vaterlandes und der Ausschließung der Oesterrcicher.
Der letzte Sprecher ist Hr. Moriz Mo hl. Unter seinem Vortrage kehrt die vorige Unruhe zurück und nachdem er ge- P endet, vertagt sich die Sitzung auf morgen. Hr. Mohl kommt ü zu einem andern Schlüße als der Ministerpräsident. Könne sich nämlich Oesterreich nicht fügen, außer wenn es selbst und » ausschließlich die Regierung bilde, so solle man es dem beut* iy schen Bundesstaate voranstellen. Von Oesterreich hofft er daS i Beste, namentlich für gedeihliche Handels- und VerkehrSver- i hâktniffe, d. h. Schutzzölle, wenn wir die Worte des Redners ei oder ihren Sinn nicht irrig aufgefaßt haben.
ü In der Reichötagssttzung vom 15. Januar rief die humo
ristische Ausdrucksweise des alten Jahn aus Freiburg in der ermüdeten Versammlung wiederholt die allgemeinste Heiterkeit hervor. Die Freiheit sey die Tochter der Einheit. Wer die Tochter haben wolle, müsse es mit der Mutter halten. „Ein Kutscher auf dem Bock, Ein Steuermann auf dem Deck, Ein Führer aus dem Feuerwagen der Eisenbahn, Ein Arzt am Krankenbett, Ein erblicher Kaiser!"
Frankfurt, 14. Jan.^ (D. Z.) Die Einbeitsbestrebungen tchreltcn vorwärts. Es ist auch von der Regierung des König reichs Sachsen eine Erklärung ein gegangen, die ilch mit dem preußischen Kai serthum einversteht, ^^s Bedenken, was Sachsen dabei äußert, bezieht sich aus ein ern stlicheS Widerstreben der süddeutschen Stâaten. Es wünscht im letzteren Falle, daß die Uebertragung der Kaiserkrone auf Preußen zunächst nur auf eine persönliche Dauer bemessen werde. ' "
Maunheim, 13. Jan. (D. Z.) Wir haben hier seit mehreren Tagen Streitigkeiten zwischen Militär und Bürgern zu beklagen, bei denen es auf Seiten der Letzteren bedeutende Verwundungen gegeben hat. Veranlassung .sind theils Neckereien in Wirthshäusern, theils was wir schon bei zwei Fällen zu beklagen hatten, Muthwillen des Militärs. Wir dürfen hoffen, daß solche Störungen strenge geahndet werden. Die Aushebung der Außerordentlich-Konskribirten wird im Laufe der nächsten Woche beendet werden. Daß die Wahl eines neuen Bürgermeisters auf den Abgeordneten Brentano fiel, hat bei einem großen Theile der hiesigen Bürger nicht wenig Unzufriedenheit erweckt.
Die republikanischen Aufstände in Thüringen sind vorüber, die Zentralisationsplane für die kleinen sächsischen Fürstenthümer werden in Ministerkongressen berathen, von denen einer zu Anfang Januars wiederum in Gotha stattfand, indeß bleibt für die Landtage der einzelnen kleinen Staaten noch ein weites Feld der Bearbeitung frei. Der alten bürg i sch e Landtag, der am 22. Dez. vertagt ward, und anfangs eine mehr republikanische Haltung gezeigt hatte, nahm später mehr und mehr eine konstitutionelle an.
Wien, 11. Jan. 14tes Armeebülletin. Das tn Oberungarn unter Feldmarschalllieutenant Grafen Schlick ope- rirende galizische Armeekorps hat am 14. bas unter Kommando des General Meßaros zum Ueberfall gegen Kasckau anrückende Jnsurgentenkorps in der Stärke von 16 Honveb- und Nationalgardenbataillonen mit 33 Kanonen und 800 Husaren sieg, reich in die Flucht geschlagen. Dieses höchst wichtige Gefecht fand zwischen Kaschau und den Höhen von Parcza statt. Die Insurgenten verloren 10 Kanonen, 6 Muninonskarren, 1 Fahne, über 200 Gewehre und 40 Pferde, sowie 2 Offiziere und 500 Mann gefangen wurden. Die Chevaurlegers verfolgten den fliehenden Feind und überfielen dessen Arrieregarde, wobei noch 6 Mörser, 1000 Gewehre, viele Pferde erbeutet und mehrere Gefangene gemacht wurden. Das Regiment Parma zeichnete sich rühmlichst aus; es schlug die polnische Legion, brachte ihr einen bedeutenden Verlust bei, nahm ihr eine Kasse mit 10,000 Stück Dukaten in Gold ab und außerdem eine Schriftenkiste Meßaros, die polnischen Angelegenheiten betreffend. Ungeachtet des heftigen Kampfes hatten wir nur sehr wenige Todte oder Verwundete. Meßaros entging dem Tode nur dadurch, daß die Pistole, welche ein k. k. Offizier auf ihn abdrückle, versagte. — Am 4. d. marschirten vier Kompagnien des 1. Bataillons Zanini von Neusatz, wo sie in Garnison lagen, ab und trafen 2 Stunden später bei den k. L Vorposten auf der Römerschanzx von Kars ein, mit denen sk sich vereinigten.
Wien, 9. Jan. Der Großfürst Konstantin von Rußland, der Prinz Friedrich von Baden und der Fürst Egon zu Fürstenberg haben von dem regierenden Kaiser das Großkreuz deS ungarischen St. Stephansorden erhalten.
Frankreich.
□ Paris, 13. Jan. Die Nationalversammlung hat gestern Abend 8 Uhr mit 404 gegen 401 Stimmen entschieden, daß sie sich am 19. März trennen wolle, nachdem sie nur zwei der