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der fast alle Briefe eröffnen ließ und so in die Privatgeheim, Nisse aller Familien drang.

Von den Begebenheiten außerhalb Ungarns wußten wir so viel wie nichts; bis zum Einrücken der kaiserlichen Truppen waren wir über die Präsidentenwahl in Frankreich in Ungewiß­heit; ein hiesiges Blatt wollte uns durchaus Ledru-Rollin auf- disputiren. Jetzt erst wißen wir, daß es Ludwig Bonaparte ist.

Wenn einer so glücklich war, auf irgend einem Schleich­wege irgend ein österreichisches Provinzialblatt zu erlangen, ließ man diesen Schatz nur im Geheimen, unter strenger Ver­schwiegenheit, unter Freunden zirkuliren. Die Privaten ange, hörenden ausländischen Zeitungen und Briefe, die mit der Post in Ungarn anlangten, wurden von der Regierung in Beschlag genommen und das fremde Eigenthum zu ihren Zwecken benutzt.

Ucberdieß herrschte das geheime Polizeiwesen und Spionir- festem ärger als unter Fouchâ, die Angeberei wurde im Großen, öffentlich, ohne Scheu getrieben; die demagogischen Blätter führten bald diesen bald jenen namentlich an, der eine ihren Ansichten entgegengesetzte Aeußerung wagte, und drohten mit Tod und Verderben. Blätter, welche, wie derFigyelmezo" (der Beobachter), andere Gesinnungen hegten oder nur an­ständiger schrieben, wurden von dem Terroristen Mavaras un­terdrückt. Andere Redakteure erhielten strenge Verweise und entsetzliche Drohungen, sogar mit Hängen, wenn sie nicht in seinem Sinne schrieben.

Alle Angestellten, meist Verwandte, Freunde, Günstlinge Kossuth's und seiner Genossen (denn der Nepotismus erreichte den höchsten Grad), becifertcn sich diese harten Maßregeln auf das Pünktlichste zu vollziehen. Von dem Tone, der in den hiesigen radikalen Blättern vorherrschend war, kann ich Ihnen unmöglich eine Beschreibung geben. Denken Sie sich die nie­drigsten Zoten und Schimpfwörter, wie man sie nur unter der Hefe des Pöbels findet, so haben Sie einen schwachen Be­griff davon. Die Matadore unserer Revolution gaben Ihnen einen Beispiel.

Man lese unsere offiziellen Manifeste und besonders unsere Kriegsberichte, und man wird ein Muster pöbelhaften Styles finden. Die österreichischen Feldmarschälle und Generale wur­den nur Räuberhauptleute, Banditenanführer, Schurken, Ha­lunken, Spißbuben u. s. w. genannt, und der ungarische Ober­general Görgei bediente sich |elbft des AusdruckesLumpen­pack" gegenüber einer Armee vor der er so schmählich geflohen! Dabei tischte man uns Kriegberichte auf, die einem Münch­hausen Ehre gemacht haben würden. Bald haben 90 Ungarn 8000 Walachen in die Flucht geschlagen; bald sind 500 Rachen gefallen, während die Ungarn nur das Hufeisen eines Pferdes verloren, balv hat wieder ein Husar 20 Kuirassiere gefangen genommen und dergleichen mehr.

Verständige Leute lachten wohl im Geheimen über so kolossale Lügen, aber die Kossuthianer glaubten daran, wie an ihr Evangelium, und so lebten sie in angenehmer Täuschung bis zum letzten Augenblick. Noch am 3. b. ließ der neuge­backene Major Mack (ein österreichischer desertirter Artillerist) öffentlich anzeigen, daß der Feind (die Söldlinge der Kama­rilla") in so verzweifelter Lage sey, baß er vor 14 Tagen gar nicht angreifen könne, und daß er (Mack) Pesth unb Ofen mit 150 Kanonen vertheidigen werde. Am 4. d. kündigte der Wütherich Madaraß offiziell an:daß Ungarn nie so stark gcwesen, wie in diesem Augenblick, und daß daher vom Feinde gar nichts zu fürchten sey." Und an demselben Tage verließ die ungarische Armee ihee fast un­angreifbaren Positionen auf den Anhöhen Ofens, und ergriff bei Nacht und Nebel feige über Pesth die Flucht! Alle diese Verschanzungen, die ungeheure Summen gekostet, und die Her­zustellen man alle Einwohner Pesths und Ofens zur persön­lichen Hanbanlegung gezwungen hatte, waren also vergebens! Tags darauf, am Morgen des 6. Jan., zogen die kaiserlichen Truppen, ohne den mindesten Widerstand gefunden zu haben, in Ofen ein, besetzten die Festung und zogen Nachmittags über die herrliche neue Kettenbrücke mit großer Macht nach Pesth. Alles war erstaunt über die musterhafte Haltung, die Ordnung und Mannszucht dieser Truppen, welche man uns nur als Räuberhorben, Gesindel, Lumpenpack, Diebe und Plünderer zu schildern bemüht gewesen war.

Es herrscht nun Ruhe unv Ordnung in beiden Städten, das kaiserliche Militär benimmt sich äußerst freundlich; nicht der mindeste Erzeß geschieht; Alles wird baar bezahlt, und Jever ist froh, von dem revolutionären Joch befreit zu seyn. Furst Windisch-Grätz wohnt in der königl. Burg in Ofen, LeUachich in dem gräflich Karoly'schen Palast in Pesth. Kom­

mandant beider Städte ist F. M. L. Gras Wrbna. Pesth und t Ofen, sowie die Umgegend find im Belagerungszustand. Alle l Waffen müssen abgeliefert werden. Die Armee ist bereits 1 gestern von hier zur Verfolgung der Ungarn aufgebrochen. 1 Man glaubt, daß noch in diesem Monat die ganze Sache be- 1 endigt seyn werbe. '

Deutschland.

* Wiesbaden, 16. Januar. (Ständeversammlung.) Vor­sitzender: Wirth. Nach Verlesung der eingelaufenen Petitio­nen führt die Tagesordnung zur Abstimmung über den 8. 3 des Gesetzentwurfs über die Pensionirung der Staatsdiener. Abg. Raht beantragt ein Amendement, die Abänderung des alten, willkührlichen Verfahrens bei den Pensionirungen der Staatsbiener betreffend. Reg.-Komm. Reichmann protestirt dagegen im Namen der Regierung und erklärt, daß dieser An­trag nicht als Amendement zu dem Gesetze zugelaffen werden könne, weil er im Ausschusse nicht vorgebracht worden sey, sondern müsse als besonderer Antrag in die Kammer gebracht werden. Derselben Meinung ist Professor Bellinger. Jung von Rüdesheim beantragt, in der Fassung des Amendements das Wortunverschuldet" zu streichen. Abg. Bertram wird vom Präsidenten zur Erklärung des von ihm gebrauchten Aus­druckseinschwärzen" aufgefordert. Abg. Leisler erklärt sich mit dem Formellen des Antrages Raht'ö zwar nicht einver­standen, führt jedoch die ganze Wichtigkeit des darin enthal­tenen Materiellen aus, und ist ebenfalls der Meinung, daß dieses Amendement des Abg. Raht als besonderer Antrag in die Kammer zu bringen sey. Nach längeren Debatten stellt der Abg. Lang den Antrag auf Abstimmung. Der Antrag des Abg. W imp f, die Sache an den Ausschuß zur Berathung zurückzuweisen, wird gegen 21 Stimmen angenommen.

Es erfolgt die Wahl des Ausschusses für die Mittheilung der Negierung wegen des Leihhauses. Die Tagesordnung führt zur Berathung des Gesetzentwurfs über die Trennung der Rechtspflege von der Verwaltung. Berichterstatter Mül­ler 11. Abstimmung paragraphenweise. Präs. Wirth bittet den Abg. Gergens seine Stelle einzunehmen. Zu Gewer­ben mehrere Amendements von den Abg. Bertram, Schmitt, Born, Blum, Wimpf und Müller II. gestellt, die Eintheilung der Kreisämter betreffend. Abgeordneter Keim unterstützt den Antrag der Abg. Schmitt und Born. Abg. von Eck schlägt vor in Uebereinstimmung mit dem Anträge Bertrams die bisherige Eintheilung in Bezirksämter bestehen zu lassen, und die Rechtspflege und Verwaltung getrennt, besondern Per­sonen aufzutragen, bis die allgemeine Organisation des Ge­richtswesens berathen werbe.

Ein zweiter Antrag veffelben geht dahin, für das Amt Reichelsheim dem Wunsche der Einwohner zufolge, die Verwaltung mit der Justiz wie bisher verbunden zu lassen. Der erstere Antrag von Ecks wird von mehreren Seiten be­kämpft und gegen 7 Stimmen abgelehnt. Der Antrag des Abg. Bertram wird ebenfalls gegen 2 Stimmen abgelehnt.

Auf eine Bemerkung des Abg. Lang, baß nurvermo­derte Steinhaufen" in den Dörfern die Ursache von Petitionen und Deputationen seyen , und nicht das allgemeine Interesse, erwidert Jung aus Rübesheim, daß von den Petitionen und Deputationen des Landes nicht so wegwerfend und verächtlich zu sprechen sey. Der Antrag Müllers II., den zweiten An­trag von Ecks, in Betreff Reichelsheims in die Commission zu verweisen, wird angenommen.

Der Vorschlag des Abg. Schmidt, die Eintheilung bei Kreisämter betreffend, gegen 8 Stimmen angenommen. De« Antrag des Abg. Lotichius, die Diskussion über die Sitzt der Kreisbezirke zu verschieben, bis die deßfallsige Mittheilung der Regierung erfolgt seyn wird, gegen 16 Stimmen ab] gelehnt.

Die Sitzung wird bis 5 Uhr Nachmittags vertagt.

Frankfurt, 12. Januar. (Reichstag. Schluß der Be« rathung des Berichts über daö ministerielle Programmbi österreichische Frage betreffend).

Hr. v. Würth aus Wien, Unterstaatssekretär bis zur Rücktritt v. Schmerling's, vergleicht die ministerielle Forderung des Programms mit dem Vertrage von Verdun, mit der Then lung des römischen in ein östliches und westliches Reich. Di Billigung, welche Heinrich Gagern's Vorschlag von Seiten de französischen und englischen Presse erfährt, läßt ihn vollend