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Nassauische

Mgemcinc Zeitung.

^N 1ät Mittwoch den 17 Januar 18419»

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- rationSpreis ist in Wiesbaden 8 fl., für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Laudgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl. SO fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Naum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Zur inneren Entwickelungsgeschichte der deutschen Revolu­tion.

Die Schreckensherrschaft in Pesth.

Deutschland. Wiesbaden (Landtag). Frankfurt (Reichstag.

Der alte Jahn über das erbliche Kaiserthum. Die sächsische Regierung für ein preußisches Kaiserthum). Mannheim (Streitigkeiten zwi­schen Bürgern und Militär. Brentano zum Bürgermeister gewählt). Thüringen (Die republikanischen Aufstände. Der altenburger Land­tag). Wien (Vierzehntes Armeebüllctin).

Frankreich. Paris (Die Nationalversammlung beschließt, sich bis zum März aufzulösen. Tagesbericht).

* Zur inneren Entwickelungsgeschichte der deutschen Revolution.

Dritter Artikel.

Die revolutionäre Spannkraft im Geiste der Nation hatte i bereits nachgelassen, als der deutsche Reichstag zusammen- trat.

Nichts dcstoweniger lag es in der Hand dieses politischen Körpers, eine wirkliche Revolution zu beginnen. Denn da derselbe die erste und einzige positive Schöpfung der März­bewegung gewesen, so hatte sich alle Mächten: Reichstage vereinigt. Derselbe war im Mai und Juni der wahrhafte Souverän von Deutschland. [ Allein diese absolute Machtvoll­kommenheit dauerte nicht lange an. Denn da sie auf die : gemeinsame Anerkennung aller Parteien gegründet war, so ; konnte sie überhaupt nur so lange in voller Geltung bleiben, als der Begriff des Parlaments noch leer und inhaltslos er­schien. DaSParlament" war gleichsam die Formel, in welcher sich Fürsten und Republikaner, Konstitutionelle und Anarchisten vereinigten. So wie aber der Reichstag etwas zu thun begann, mußte cs offenbar werben, daß die eine i Partei zwar in dieser That ihre Befriedigung, die andere aber auch ihren Gegensatz fand. So lange der Reichstag noch nichts gethan hatte, war er Allen recht, als er aber etwas zu thun begann, genügte er nur noch einer Partei und seine moralische Alleinherrschaft war gebrochen.

Der größeste und erste Beruf des Reichstages war aber ' unstreitig, an der Stelle des alten Staatenbundes eind e u t- sches Reich" zu gründen. Diesen Beruf hätte er erfüllen müssen zur Zeit, da er noch die Macht in Händen hatte." Der Anfang seiner Thätigkeit mußte die Gründung einer neuen Reichsverfastung seyn. In diesem Punkte allein war wirklich Neues zu schaffen, die Augenblicke aber, in welchen solches geschehen kann, sind selten in der Weltgeschichte und werden nicht ungestraft versäumt. Im Mai und Juni konnte der Reichstag die neue deutsche Reichsverfassung aus Einem Guße zu Tage fördern, und sicherlich ohne sonderlichen Widerstand, jetzt kann er sie nur noch mit Noth zusammenstückeln. Ja

fragt sich sehr, ob das, was jetzt als Einigung herauskommt, nicht vielmehr der Anfang der größten Entzweiung wird.

Statt aber sofort zur Neubildung, nämlich zur Verfassung zu schreiten, begründete man das faktisch bereits vorhandene, sie Grundrechte, in theoretischer Weise und goß sie in Gese- tzesform.

Währenddem hatte sich aber eine ganz neue, oder vielmehr eine sehr alte, zweite Macht neben dem Reichstage zu bilden begonnen, die Macht der Bajonette. Der Krieg, welcher an allen Gränzen des Vaterlandes geführt wurde, in Schles­wig, in Oberitalien, in Posen, dämpfte die innere Gährung, indem er den Blick auf die von Außen drohende Gefahr lenkte. Der Soldatenstand, welcher sich in dem 30jährigen Frieden stark zu Grunde gerichtet hatte und in den Märztagen nichts auszurichten vermochte, fühlte sich wieder, und zugleich kehrte auch den größeren Mächten Deutschlands das partikulare Sekvstvertrauen zurück.

Der Reichstag hörte auf, souverän zu seyn faktisch, ob­gleich er seine Souveränität theoretisch noch fortführte. Die Vereinbarung" ward erfunden zwischen den Regierungen und Ständen der einzelnen Ländersi die Vereinbarung ward auch zwischen den deutschen Großmächten und dem Reichstage gel­tend gemacht.

Hiermit war aber die Geschichte der revolutionären Be­wegung abermals in ein weiteres rückgängiges Stadium ge­treten.

Die Schreckensherrschaft in Pesth.

DieAllgemeine Zeitung" bringt folgenden Brief aus Pesth, der den Terrorismus der kossuthischen Partei in den anschaulichsten Zügen schildert:

Da heute fic_ regelmäßige Post von hier nach und über Wien wieder eröffnet wird, so benütze ich diese Gelegenheit, meine seit lange unterbrochene Korrespondenz wieder zu be­ginnen. Sie werden von der am 5. d. M. erfolgten Besetzung der Hauptstädte Ungarns durch die f. k. Truppen über Wien unterrichtet seyn, eS erübrigt mir nur, Ihnen einige Details über die vorausgegangenen Ereignisse mitzutheilen, indem ich mir Vorbehalte, künftig erschöpfender darauf zurückzukommen.

Wir lebten seit drei Monaten unter einer wahren Schreckens­herrschaft. Von dem Auslande fast gänzlich abgeschnitten, hüllte man uns in ein Gewebe der krassesten Täuschungen und unverschämtesten Lügen. Wir erfuhren nichts, als was die ter­roristischen Machthaber eben für gut fanden, uns vorzuspiegeln.

Alle Korrespondenz mit dem Auslande wurde eingestellt, keine Zeitungen, keine Briefe kamen uns von dort zu, und wehe dem, der nicht unbedingt glaubte, was die hiesigen Sudel- blätter den Lesern auf die ekelhafteste Weise auftischtcn. Eines dieser Blätterder Ungar", das unter der besondern Pro­tektion des Polizeidirektors Madaras stand, schlug allen Ernstes vor, Den erschießen zu lassen, der eine für Ungarn günstige Nachricht nur bezweifle! Die Post stand unter der Auf­sicht des genannten Polizeidirektors, eines wahren Wütherichs,