Einzelbild herunterladen
 

Leipzig, 12. Jan. Der hiesigen, sogenannten alten' Leipz. Ztg." schreibt ein Korrespondent auS Berlin, man er­zähle, die hiesige Stadt sey zum Versammlungsort für einen Congreß von Republikanern aus allen europäischen Ländern auSersehen.

Berlin, 12. Januar. Die geschichtlichen Vorlesungen, welche Bruno Bauer der jungen Kaufmannschaft in den Räumen unserer Börse hielt, sind verboten worden.

Wien, 10. Jan. Eine besondere Sensation erregte das gestern Abend erfolgte Verbot der ferneren Herausgabe von Kuranda'sOstdeutscher Post", und zwar nicht von Seite des Gouverneurs Weiden, sondern auf Befehl des Ministers Stadion aus Veranlassung eines als. aufreizend befundenen Artikels. Gleichzeitig sind einige Provinzialblätter für Wien im Allgemeinen und schon früher die Breslauer-, Oder- und Weser-Zeitung verboten worden.

Die österreichische G esam mt- Mo n archic zählt 37,662,135 Einwohner, und zwar 7,819,275 Deutsche 6,308,202 Tschechen, Mähren und Slowacken, 2,180,524 Polen, 3,069,132 Ruthenen und Russen, 1,143,367 Slowenen, Krain er und Wenden, 1,270,355 Kroaten, 1,685,146 Serben, Schokazen, Slawonier, Dalmatier und Jstrier, 10,000 Bulgaren, 5,214,047 Ungarn (MagyareM, 5,066,846 Italiener, 389,511 Furlaner, 8642 Ladiner, 2,630,278 Moldowalachen, 97,000 Zigeuner, 1970 Albanesen , 10,000 Griechen, 17,384 Armenier, 740,256 Juden.

Wien, 10. Jan. Eben eingehenden Nachrichten aus Sem- lin vom 6. zufolge sind vier Kompagnien deS k. Infanterie­regiments Zanini mit allen Waffen ins Lager von St. Thomas zu der k. Armee übergegangen. Aus Pesth wird von gestern gemeldet, daß die magyarischen Truppen auf ihrer Flucht bei Szolnok eingeholt und aufgerieben wurden. Meszaros, der Kriegsminister, ist nebst 22 Mitgliedern der Deputirtenkammer gefangen. (A. Z.)

Italien.

Lombardei. Man soll einer weit verbreiteten auswärts angezettelten Verschwörung aus die Spur gekommen seyn, welche im Laufe des nächsten Monats zum Ausbruch gelangen sollte. Dies ist wahrscheinlich der Grund der in Brescia vorgcnomme- nen Verhaftungen. Die Stadt Mailand hat wieder ein sehr kriegerisches Ansehen. Auf den Straßen sind Tag unb, Nacht Truppen und Kanonen aufgestellt, wie in der ersten Zeit nach Wiederbesetzung derselben. Einem piemontestschen Geschäftsrei­senden, der vom. Militärkommando aus Mailand weggewiesen wurde, soll man gesagt haben:Mit den Piemontesen werden wir künftig durch Kanonen korrespondiren." (Basl. Z.)

In Venedig ist noch immer eine österreichische Garnison! Das klingt sehr wunderbar, und mehr wie eine Zeitungsente, ist aber durchaus wahr, insofern das Folgende wahr ist. In der Konfusion der Uebergabe Venedigs an eine Macht, die nicht da war, und des Abmarsches der Oesterreicher unter dem Grafen Zichy ward der Posten auf einem Pulverthurm vergessen. Es ist mehr als Dies damals vergessen worden. Als die Kaiser­lichen fort waren, fiel es wenigstens den Venetianern ein, daß die Oesterreicher noch im Pulverthurm steckten. Sie forderten sie trotzig auf, den Thurm zu räumen, das Pulver auszuliefern und sich gefangen zu geben. Zu ihrer großen Verwunderung erhielten sie indeß die Antwort: die 14 Mann mit ihrem Unter­offizier würden den Posten halten bis auf den letzten Mann, bis sie Kondrc-Ordre von ihrem Kaiser oder General erhielten. Auch sollten sich Venetianer und Italiener nicht unterfangen, die Garnison mit Gewalt anzugreifen, widrigenfalls dieselbe sich und damit die halbe Stadt in die Luft sprengen werde. Ja noch mehr, der Kommandant forderte von den Venetianern täglich so und so viel zugebrachte Speise- Wein und was sonst zu des Lebens Nothbedarf gehört; denn auch, wenn man sie hungern ließe, würden sie das Erperiment vornehmen, lieber in die Luft fliegen, als langsam an Hunger sterben. Der österreichische Unteroffizier verrieth durchaus kein diplomatisches Talent, und im Thurm ist sehr viel Pulver. Die Behörden

der neuen Republik des heiligen Markus mußten sich daher zur Kapitulation verstehen. Täglich wurden und werden, in dampfenden Körben und klirrenden Flaschen, der Thurmbesatzung Speise und Wein zugetragen sie brauchen nur den Küchen­zettel von einem Tage zum andern zu machen; aber die Sol­daten stürzen sich nicht sofort auf die Kost, sondern die Köche oder deren Diener müssen sich zuvor von jeder Speise selbst : satt essen, von jeder Flasche selbst trinken, und zwar in Gegen­wart der Soldaten, die für sie wählen, ihnen vorschneiden. Ja die Köche werden drei Stunden im Thurme festgehalten, und erst, wenn nach Ablauf der dritten kein Unbehagen, kein Bauchgrimmen, fein blasses Gesicht sich verräth, entläßt man sie. Mf diese Weise haben besagte vierzehn Mann, vom wohl­bekannten Regiment Terzky, den Pulverthurm in Venedig unter drei Regierungen, der der Republik des heiligen Markus, dann des Königthums Karl Albert's von Sardinien, und endlich wieder der Republik, bis auf den heutigen Tag zu Ehren Oesterreichs gehalten. (So nach den mündlichen Mittheilungen eines Preußen, welcher als Offizier unter österreichischen Fah­nen in der Lombardei und im Venetianischen gefochten und nach einer Verwundung jüngst wieder seine Verwandten in Berlin besucht hat. Wäre es nicht absolute Wahrheit, so bleibt es wenigstens eine interessante Zeitungsente.

Sprechsaal

für Stadt und Land.

5 Vom Taunus. Einer Mittheilung, welche dieNas­sauische Zeitung" in ihren letzten Nummern machte, müssen wir gedenken, da sie originelle Thatsachen enthielt. Sie han­delte nämlich von der Wahlangelegenheit der nassauischen Elementarlehrer. Diese Wahlangelegenheit macht in der That der jugendlichen Partei, die hauptsächlich im Lehrerstande un- genirt das Wort führt, recht viel zu schaffen, um ihre Ver­trauensmänner mit ihren einseitigen Ansichten in die Kommission zu bringen. Namentlich soll nach der Mittheilung der Nassaui­schen Zeitung ein junger Lehrer in Wiesbaden große Thä­tigkeit entwickelt und nach allen Dimensionen des Landes hin Briefe entsendet haben, in welchen erWelcker" in Wiesbaden undPrätorius" zu Höchst als die einzigen Kandidaten bezeichnet, die von Seiten der Volksschullehrer im ganzen Lande zur Schulkommission müßten durchgesetzt werden, wenn die Sache der Schule nicht verloren und verrathen seyn soll.

Wir wollen nun keineswegs in Abrede stellen, daß die Empfohlenen einzige Kandidaten sind. Allein wenn der junge Lehrer die Sache der Volksschule in den Händen.dieser Kan­didaten nicht für verloren hält, dann müssen wir erklären, daß sie uns in ihren Händen nicht gesichert erscheint; er hält sie nicht für ver- und wir nicht für gerathen.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

In der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wies­baden ist soeben angekominen:

Darmstädter Schreib- und Geschästskalender auf das Jahr 1849.

Preis der ordinären Ausgabe . 48 fr.

feinen Ausgabe 1 fl. 12 fr.

Komischer Volkskalender für 1849. Herausgegeben von Adolf Brennglas.

Mit vielen Illustrationen von Th. Hosemann. Preis 36 fr. Dieser Jahrgang übertrifft alle frühern an Witz und Satyre!

Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Abends um 6 Uhr, ausgegeben oder kann im Erpeditionslokale abgeholt werden.

Die Expedition der Nass. Allg. Leitung.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.