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für Frankfurt gar nicht gewählt haben! Erinnern Sie sich des Schreibens des Freiherrn von Andri'an, der Erklärung von Würths, der Aeußerungen zahlreicher Korporationen des Kaiserstaats über die 88. 2 und 3 und gegen ihre Frankfurter Vertreter. Endlich hätte doch das Programm des österreichi­schen Ministeriums vom 27. Nov. den letzten Zweifel beseiti­gen müssen. Ich sage das nicht, um einen Vorwurf gegen Oesterreich zu erheben, allein es war natürlich, daß daS Mi­nisterium daraus die Erkenntniß schöpfte, daß Oesterreich nicht in den engern Bundesstaat einzutreten im Stande sey. Wesent­liche Modifikationen dieses Programms sind auch durch die nachträglichen Erklärungen nicht gegeben worden. Wir stün­den in Deutschland mithin wieder an den Pforten des Staaten­bundes, den wir kaum überwunden haben, d. h. eines Staaten­bundes , in welchem eine Volksvertretung in wirksamer und selbstständiger Weise eine Unmöglichkeit ist. Das deutsche Volk will eine solche Vertretung und will das Zusammenfassen seiner Macht. Mit ihr werden auch die materiellen Vortheile kom­men, hinsichtlich deren man uns auf Oesterreich verweist. Der Reichstag in Kremsier beschäftigt sich mit den Grundrechten und läßt auf die Feststellung der Verfassung noch monatelang warten. Werfen Sie dieser Zögerung gegenüber, in die wir geriethen, einen Blick auf Frankreich, einen Blick auf unsere verwickelten Verhältnisse zu Dänemark.

Das Warten auf Oesterreich ist das Sterben der deutschen Einheit. (Bravo.) Ueber den Bericht der Ausschußmehrheit habe ich nur Weniges zu sagen. Er setzt voraus, daß das deutsche Oesterreich in den engern Bundesstaat eintreten werde. Er setzt also voraus, daß der Gesammtstaat Oesterreich zer­falle. Er geht in dieser Voraussetzung so weit, daß er bereits einen besonderen österreichisch-deutschen Staat annimmt. Das sind nicht Thatsachen, sondern Fiktionen. Hat der Bericht, was ich hier nicht untersuchen will, einen ästhetischen Werth, so hat er doch keinen politischen. Ich habe darin vergebens nach einem Vorschläge gesucht, wie das Problem zu lösen seyn möchte, daß das deutsche Oesterreich als ein integrirender Theil der Gesammtmonarchie angehöre und dennoch auch in den deutschen Bundesstaat eintrete. Ich warte nun mit Spannung darauf, ob das geehrte Mitglied aus Oesterreich, welches uns so oft durch sein Gefühl und durch seine begeisterten Reden hingerissen hat, auch noch praktische und klare Mittel angeben wird, wodurch wir es möglich machen können, daß wir unsere deutschen Brüder in Oesterreich in unsere engere Form hinein­ziehen. Wer aber solche Mittel nicht finden kann, der muß um seiner heiligen Pflicht gegen Las Vaterland willen den ein­zigen Weg nicht verschmähen, der in den Verhältnissen Oester- retchs zu Deutschland sich darbietet. Wir werden, meine Her­ren, diesen Weg, wenn Sie uns die Ermächtigung dazu er­theilen, mit dem heißen Wunsche gehen, daß für die Verbrü­derung zwischen Deutschland und Oesterreich, für die unauf­lösliche Verbrüderung eine lebensvollerer künftigen Ausbildung fähige Form gefunden werde. Wir werden ihn betreten mit der reinsten deutschen Gesinnung, das erkläre ich hier vor Gott und der Nation (Bravo auf der Rechten, Zischen und Hohn auf der Linken), frei von allem Partikularismus, nur das Ge- sammtwohl, nur das Heil des gestimmten Vaterlandes im Auge haben (Bravo), Daß das Ministerium diese deutsche Gesin­nung hat bethätigen wollen, davon werden unser Programm vom 18. Dezbr. und die spätere Mittheilung an den Ausschuß, was auch da kommen möge, der Nachwelt unumstößliches Zeug­niß geben. An Ihnen ist cs nun, in diese Bahn einzutreten. Sie haben noch immer in den entscheidenden Augenblicken sich dem bessern Genius des Vaterlandes zugewendet. Sie werden eS auch heute thun, Sie werden die Hoffnungen nicht zerstören, die daS Volk hegt, die Hoffnungen, für die wir als Jünglinge geschwärmt und für die wir als Männer unsere besten Kräfte eingesetzt haben; Siewerden, meine Herren, die deutsche Sache nicht sinken lassen (Bravoklatschen in der Versammlung). Noch ein Wort, meine Herren: daS Programm vom 18. Dez. und die spätere Mittheilung an den Ausschuß sind der innigste Ausdruck unserer gewissenhaften Ueberzeugung, sie sind Satz für Satz im Ministerrathe erörtert und zum Beschlusse erhoben worden. Mit ihnen stehen und fallen wir, meine Kollegen und ich. Ich glaube das hinzufügen zu müssen, damit auch nicht der mindeste Zweifel darüber obwalte, daß zwischen dem Kol­legium und zwischen seinem Präsidenten die engste Solidarität bestehe!"

Wer die Erscheinung des Herrn v. Wydenbrugk, der darauf das Wort nimmt, in'S Auge faßt, wird den Wunsch des Redners natürlich finden:daß die Großen in Deutsch­

land etwaö kleiner und die Kleinen dafür etwas größer seyn möchten." Sein Standpunkt ist der, daß er, unter dem beifälligen Zurufe der Linken nur Schwierigkeiten in der gegenwärtigen Frage sieht und durchaus keinen Ausweg. Ja, er droht jo- gar, sich von der Monarchie abzukehren und zur Republik, wenn dies die letzte Zuflucht derVolkskraft" seyn sollte. Das ministerielle Programm hat ihn mit dem tiefsten Schmerze erfüllt. Denn er hätte nimmermehr gewünscht, daß eine so tief in deutsches Mark und Leben einschneidende Frage zu einer Kabinetsfrage gemacht würde. Um daS was eS sich zwischen Deutschland und Oesterreich handele, daS sey die Auflösung jedes staatlichen Verhältnisses. Denn, wissen Sie, meine Herren, warum man Ihnen die Union nicht näher bezeichnet, die mit Oesterreich errichtet werden soll? Weil sich darunter gar nichts Bestimmtes denken läßt. Ein völkerrechtliches Bünd- niß wie das, auf welches man unS verweist, können wir auch errichten mit Holland oder mit Dänemark. Wir haben die Verfassung für ganz Deutschland abzuschließen, nicht aber den Auftrag, es zu zerreißen. DaS Thor muß offen bleiben für die deutsch-österreichischen Provinzen, wodurch sie jeden Augen­blick eintreten können zu der Familie, zu der sie von Gott und Rechtswegen gehören. Die §§. 2 und 3 der Verfassung wer­den allerdings abgeändert werden müssen; doch nicht blos Oesterreichs, auch anderer Staaten wegen. Wenn die groß­artige Sonderbündelei zu Stande käme, die man vorhat, was wollten Sie dann sagen, wenn Baiern erklärte: Für die Einheit wären wir zu jedem Opfer bereit gewesen. Trennt Ihr aber Deutschland, so trennen wir auch unser Geschick von Euch. Zerreißen Sie, ich bitte, ich beschwöre Sie, zerreißen Sie vor Allem den Boden nicht, auf dem das Vaterland steht. (Langer, angestrengter Beifall von der linken Hälfte des Hauses.) Der Rede des Herrn Sepp aus München fehlt hinwiederum alle Aufmerksamkeit. Er erklärt, daß Baiern in Deutsch­land aufgehen wolle, aber nicht blos in Norddeutschland. Durch das immer mehr anschwellende Geräusch schallen end­lich nicht einmal einzelne Worte mehr hindurch. Nachdem der Präsident bereits bemerkt hat, daß er selbst den Redner längst nicht mehr verstehe, fügt er später hinzu, durch solche Unruhe werde selbst die stenographische Niederschrift verhindert. Herr Sepp behauptet sich dennoch mit bewundernswerther Ta­pferkeit auf seinem Platze, den er sodann unter.dem ironischen Beifall des Hauses verläßt. Sein Antrag lautet dahin, daS Reichsministerium zu veranlassen, daß eS dahin wirke, daß Oesterreich mit seinem ganzen Länderkomplere in den deutschen Bundesstaat eintrete.

Da sich auch die heutige Sitzung über die gewöhnliche Zeit zu verlängern scheint und keine Abstimmung zu erwarten ist, so brechen wir mit unserem Berichte ab, um die Fortsetzung morgen zu geben. Der Redner, der nach Herrn Sepp die Tribüne inne hat, ist der ehemalige Staatssekretär Herr von Würth aus Wien. (Schluß f.)

Frankfurt, 15. Jan. (1 52. Sitzung der Reich S ver­sa m m l u n g.) Der Reichsjustizminister Mo hl beantwortet mehrere Interpellationen. In Bezug auf die westphälische Staatsschuld hat daS Reichsministerium den betreffenden Re­gierungen Vergleichsvorschläge gemacht, worauf die Antwort demnächst zu erwarten ist. Die preußische Regierung ist zur Aufhebung sämmtlicher AuSnahmszustânde, besonders mit Rück­sicht auf die bevorstehenden Wahlen, aufgefordert worden, auch hierauf ist mit Nächstem einer Erwiederung entgegenzusehen. Unterstaatssekretär Bassermann erklärt: die Anwesenheit eines ReichSkommiffärs in Bernburg bezwecke die Vermittlung wegen der Vereinigung der deffauischen und bernbutgischen Landestheile. Ministerpräsident v. Gagern bittet wegen der gehäuften Geschäfte deS Reichsministeriums um Erlaubniß, die Interpellation wegen Einführung der Grundrente erst am Don­nerstag den 18. d. beantworten zu dürfen. Die Tagesordnung führt sodann zur Berathung über daS Reichsoberhaupt und den ReichSrath, und zwar zunächst Art. 1. §. 1 und 8. 1 a). Ueber ersteren §. sind 57, über letzteren 43 Redner eingeschrieben. Bis jetzt (1% Uhr) sprachen die Abgeordneten Schüler von Jena, Falck, Schütz, Biedermann.

Freiburg, 13. Jan. Der in Olmütz erscheinendeOcster- reichische Korrespondent" enthält in seinem Verzeichniß der vom 2. bis 3. Jan. in dieser Stadt angekommenen Fremden den NamenDr. Buß, großherzogl. bad. Hofrath, von Wien." Hr. Buß macht in der gegenwärtigen Jahreszeit schwerlich eine Lustreise nach Olmütz auf eigene Kosten ; er ist zuverlässig ein Abgesandter der ultramontanen Partei in Frankfurt.