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liegt die Schuld einzig daran, daß die zuverlässigen zu saumselig waren).

Frankfurt, 12. Januar. (Reichstag. Fortsetzung der Berathung des Berichts über das ministerielle Programmdie österreichische Frage betreffend.)

Raveaur von Köln. Auf den rothen Fanatismus folgt die bleiche Sentimentalität der Linken. Hr. Raveaur ist gegen eine Maßregel, die er den Ausschluß Oestreichs nennt, aus rechtlichen Gründen. Die Wünsche, die uns hierher gesendet haben, waren sehr unbestimmter Art. Sie fassen sich jedoch in den Worten zusammen: Einheit! Freiheit! Kein Theil der Deutschen Abgeordneten hat das Recht, den andern auszustoßen. <Von der Rechten: Soll das geschehen?) Es wäre die Konse- squenz. Der Ministerpräsident sagt: Oesterreich will nicht in Den Bundesstaat eintreten. Er meint damit die Regierung. Das Volk von Oesterreich will aber allerdings in den Bundes­staat eintreten, es darf nur seine Meinung nicht äußern; ich behaupte sogar, selbst das österreichische Ministerium will in den Bundesstaat eintreten. Es ist nur nicht frei in dem Lande, wo die slawischen Soldaten herrschen. Für Schleswig haben wir einen Krieg übernommen, um bei Deutschland zu halten, was zu Deutschland gehören will ich rathe Ihnen Oester­reich gegenüber keinen Bürgerkrieg, ich rathe Ihnen atrer nicht los zu lassen, waS unser ist. Herr Raveaur kommt dann auf den Empfang der Deputation zu sprechen, die nach Oesterreich ging, den Reichsverweser einzuholen. In Linz sei von Tausen­den am Ufer kein Mensch gewichen, bis das Dampfboot, auf dem sich die Abgeordneten des deutschen Reichstags befanden, aus den Augen der Zuschauer verschwunden war. Die Ab­reise eines Fürsten, hätte damals v. Saucken bemerkt, würde die Masse so lange nicht beisammen gehalten haben. Kein Land ; in Deutschland sey damals deutscher gewesen als Oesterreich. Dennoch wolle es der'Ministerpräsident jetzt aus dem Gesichts­punkte eines Sonderverhältnisses behandeln. Dazu sey kein Grund vorhanden. Am 18. März habe sich der König von Preußen mit so familiärer Herzlichkeit gegen die Deputation und über seine Stellung zur Oberhauptsfrage ausgesprochen, daß er (Hr. Raveaur, derzujenerDeputation gehörte)durchaus daran k zweifeln müsse, daß König Wilhelm IV jemals die Kaiserkrone annehme. Was dann? die Anarchie würde herrschen statt eines Kaisers. Auch für die materiellen Interessen des Volkes bietet nur die Verbindung mit Oesterreich ersprießliche Aussichten dar. Die Konkurrenz der beiden Hauptmächte Deutschlands ist für Deutschland nothwendig, wir dürfen sie nicht nähren. Wir müssen mit Oesterreich Preußen im Schache halten und mit Preußen Oesterreich, ohne von da oder dort einen Kaiser zu entlehnen. Denn ich denke mir die Spitze der deutschen Ver­fassung nicht in monarchischer, sondern in republikanischer Form. Die Ration soll regieren, kein Fürst. Ich bin aus Köln, wo das Symbol der deutschen Einheit, der Dom steht. Nehmen Sie Eine Säule heraus aus diesem Dome und Sie machen ihn zu einer Ruine. (Fortsetzung folgt.)

Köln, 14. Januar. Die Kölnische Zeitung schreibt: Von allen Seiten haben wir heute Erklärungen deutscher Regierun­gen, deutscher Kammern und Vereine zu bringen, in welchen die Nothwendigkeit einer starken, einheitlichen Zentralgewalt anerkannt und mehr oder minder ausdrücklich auf die Noth­wendigkeit hingewiesen wird, daß es Preußens König und dieser allein sey, welcher die deutsche Kaiserkrone auf eine dem Wohle des Gesammtvaterlandes angemessene Weise zu tragen habe. Das deutsche Volk in seinen einzelnen Landesvertretun­gen und selbst viele seiner Fürsten sehen wir somit weniger von partikularistischen Tendenzen erfüllt und kräftiger auf die Gründung eines einigen und mächtigen Vaterlandes hinwir­kend, als wir es leider an so vielen Mitgliedern unserer Na­tionalversammlung zu erfahren haben.

Es freut uns, daß selbst in Süddeutschland die alten An- tipathien gegen Preußen von Tag zu Tag mehr von der Er­kenntniß dessen schwinden, was das nothwendigste Bedürfniß zur festen Begründung eines einigen, mächtigen Bundesstaates ist. Ueberblicken wir die Presse in allen ihren bedeutenderen Organen, so wird man finden, daß auch da über die Nothwen­digkeit eines einigen Oberhauptes, und zwar in der Person des preußischen Königs, weniger Zweifel und Unsicherheit alS in der deutschen Nationalversammlung herrscht.

Sigmaringen 9. Jan. Die Großherzogin Stephanie von Baden, Mutter der regierenden Fürstin, ist nach einem mehr­

monatlichen Ausenthalte abgereist und wird sich vorerst nach Baden und Karlsruhe begeben. Von dem Vorhaben, dem Hause des Prinzen Ludwig Napoleon vorzustehen, ist hier nichts be­kannt; später dürfte sich die Großherzogin zu einem Besuche ihres Neffen nach Paris begeben.

Der Fürst befindet sich noch fortwährend in Berlin, und in der Mediatisirungs-Frage verdrängt ein Gerücht das andere; das einzige scheint festzustehen, daß der Fürst entschlossen ist, die Regierung nicht mehr zu behalten.

Eisersdors bei Glatz, 8. Januar. Heute Morgen ereig­nete sich in hiesiger Fabrik ein Akt der gräßlichsten Barbarei. Vor ein paar Tagen sollte ein Fabrikspinner wegen schlechter Arbeit und Widersetzlichkeit entlassen werden; auf sein brin* gendes Bitten jedoch wurde ihm außerhalb der Fabrik Taglöh­nerarbeit angewiesen. Statt diese zu verrichtn, begab sich der­selbe wieder an seine Spinnmaschine. Etwa 103 Arbeiter nah­men sich dieses Widerspenstigen an, und wollen ihn nicht auS ihrer Mitte entlassen. Heute früh stürmten sie auf ein gege­benes Zeichen mit der Glocke in Masse das Komptoir, nahmen den Fabrikdirektor Hrn. Giese bei den Ohren, packten ihn von allen Seiten und schleppten ihn hinaus, über die Stufen hin­ab durch den Hof, schlugen ihn mit Fäusten, warfen ihn zu Boden, traten auf ihn, rissen ihm die Haare aus, und schleif­ten ihn fort bis auf die Straße, die der Fabrik entlang durch zwei Reihen Häuser führte. Aus diesem kamen Frauenzimmer mit Besen und hieben damit dem bis zu Tode Gequälten in's Gesicht. Furchtbar zugerichtet, voll Wunden am ganzen Leibe, liegt der gräulich Gemißhandelte auf dem Krankenbette. Schauerlich war das Hurrahrufen und Beifallsgeschrei der rohen, vor Wuth knirschenden Menge, die, wohl an 5 600 Köpfe stark, das unglückliche Opfer ihrer Rache verfolgte. Die Untersuchung wird gegen die Rädelsführer eing. teilet.

Wien, 10. Jan. (A. Z.) Nachmittags 4 Uhr. Heute Abend wird abermals ein SiegeSbülletin ausgegeben werden, aus dem ich vorläufig mittheile, daß General Schlick bei Kaschau einen vollständigen Sieg über Meszaros erfochten hat, 16 Ka­nonen , 8 Munitionskarren, 60,000 Patronen, 70 Pferde, 800 Gefangene, die Kriegskassc des polnischen Korps und wichtige Papiere sind die Beute.

Altona, 8. Jan. Von Seiten des preußr yen Oberpost­amts in Hamburg ist an die Redaktion derSchleswig-Hol- stein'schen Zeitung" die Anzeige gelangt, daß berliner Bestellun­gen auf dieselbe nicht ferner ausgeführt werden können, da die Schleswig-Holstein'sche Zeitung" dort nicht mehr eingeführt werden dürfe. DieSchleswig-Holsteinsche Zeitung" begleitet diese ganz unbegreifliche Mittheilung mit folgendem Etat des §. 24 der preußischen oktrovirten Verfassung, welcher fast gleich­lautend ist mit 8, 13 der deutschen Grundrechte:Die Preß­freiheit darf unter keinen Umständen und in keiner Weise, na, mentlich weder durch Zensur noch durch Konzessionen und Sicherheitsbestellnngen, weder durch Staatsausia gen noch durch Beschränkungen der Druckereien und des Buchhandels, noch endlich durch Postverbote und ungleichmäßigen Postsatz oder durch andere Hemmungen des fremden Verkehrs beschränkt, suspendirt oder aufgehoben werden."

Frankreich.

Paris, 12. Jan. A. Trecul, Naturforscher, der auf Regierungskosten Nordamerika bereist, richtet von den Ufern des Neosho einen interessanten Bericht an das Ackerbau- und Handelsministerium, worin er die Psoralea esculenta und Apios tuberosa als vortreffliche neue Nahrungèstoffe (besser als die Kartoffeln) bezeichnet und eine wilde Thierart (Bison) nach Kreuzung mit unserer vaterländischen Ochsenratzk, für den Ackerbau geeignet empfiehlt.

Die Akademie hat den Erherzog von Noailles mit 25 von 31 Stimmen zu ihrem Mitgliede an Chateaubriands Stelle ernannt. Der Erherzog ist Verfasser der Histoire de Madame de Maintenon und war Mitglied derPawskammer.

In den Vierteln BatignolleS-Monceaus dauert der Belagerungsstand fort.

Die Zahl der für heute eingeschriebenen Redner der Nationalversammlung beträgt 35, darunter auch Lamartine.

Unsere Kaiserlichen belagern jetzt die republikanische Ma­jestät im Elisee National mit dem Ansinnen: um die Hand