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Herr Simon geht hierauf auf eine ausführliche Darstel­lung der Frankfurter Septemberereignisse ein. Damals, als noch kein Schuß gefallen, habe Schmerling die Vermittelung der Linken mit den Worten zurückgewiesen: das Gesetz muß aufrecht erhalten werden. (Bravo von der Rechten.) Ich komme auf dies Bravo zurück, meine Herren. Die Strenge des Hrn. v. Schmerling aber war nur unnachsichtlich gegen die untern Schichten des Volks, um desto schonender zu verfahren gegen das Volk nach oben. Die heldenmüthige Vertheidigung Wiens am 31. Okt. war der letzte Protest der deutschen Par­tei Oesterreichs gegen die Gesammtmonarchie. Während aber dort eine Schaar tapferer Mânner, Angesichts des drohenden Todes sang:Was ist des Deutschen Vaterland", erkannte es eine parlamentarische Versammlung, in welcher der Dichter jenes Liedes sitzt, nicht für dringend an, jenen deutschen Män­nern zu Helsen. Die Hindernisse Preußens , das Kaiserthum Deutschlands zu empfangen, sind sein König, find die Antipa- thieen Süddentschlands, welche durch die oktroyirte Verfassung wieder lebhaft hervorgerufen wurden, ist die Note des öster­reichischen Ministeriums. Bedenken Sie, daß Sachsen, Baiern, Hannover gegen ein preußisches Kaiserthum sind, bedenken Sie, daß sich diese Staaten auf Oesterreich und daß sich Oesterreich auf Rußland stützt, und jetzt fragen Sie sich, wie Sie Klein- deutsHland zusammenbringen wollen. Aber da wir (von der Linken) weder eine preußische noch eine österreichische Politik wollen, so lassen Sie sich sagen, was unsere Meinung ist. In dem Anträge des Herrn von Lassaulr erkennen wir die Bezeich­nung einer bitteren Wahrheit. Wir wollen dennoch auf unsere Rechte nicht verzichten, wir wollen keine Sclbstschändung begehen. Zur Tagesordnung über das Mmisterialprogramm. Sonst heißt es künftig: Ein Preußen, Ein Oesterreich, aber kein einiges Deutschland mehr!" Unter dem rauschenden Beifalle seiner Partei kehrt Simon auf seinen Platz zurück. (Schluß f.)

Frankfurt, 13. Jan. 8% Uhr Abends. Die deutsche Reichsversammlung hat in ihrer heutigen, so eben beendigten Sitzung den Minoritätsantrag des Ausschusses für die österreichische Frage, dahin lautend:

Die hohe Nationalversammlung wolle dem Reichsmini­sterium die in der Vorlage vom 18. Dez. 1848 modi- fizirt durch das Schreiben vom 5. Jan. 1849 und er­läutert durch die Erklärung des Ministerpräsidenten in der Sitzung vom 11. desselben Monats erbetene Er­mächtigung ertheilen" mit 261 gegen 224 Stimmen zum Beschluß erhoben.

Kassel, 8. Jan. Von hier wird derDarmst. Zeitung" berichtet: Dem augenblicklichen Bedarf abzuhelsen, ist von unserer Regierung mit dem Hause Rothschild ein Vertrag auf Leistung einer halben Million Thaler in Baarem abgeschlossen worden, welche indessen nur als rückzahlbar in kurzer Frist und unter sonst lästigen Bedingungen geleistet wird. Die Finanznoth drängt auch hier zur Schaffung von Papiergeld; es soll eine Million Thaler in Tresorscheinen emittirt werden, wozu bereits vorbereitende Arbeiten stattfinden.

Kassel, 11. Jan. (D. Z.) Was ich Ihnen heute be­richte, klingt unglaublich und es ist zu beklagen, solche Dinge aus Kassel berichten zu müssen; an die Wahrheit der Mitthei­lungen können die Leser bis auf den letzten Buchstaben glau­ben, da ich Alles mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört habe. Heute wAren die Rechtskandidaten Herle unb der Buchhändler Raabe wegen Preßvergchen (Majestäts­beleidigung, Beleidigung des kurhessischen Heeres ic.) vor das durch Gesetz vom 26. Aug. 1848 wider Preßvergehen unge­ordnete Schwurgericht gestellt; es war die erste öffentliche Ge­richtssitzung mit Geschwornen , welche feit her Einführung des neuen Stvâfverfahrens gehalten wurde. Da die beiden Ange­klagten der republikanischen Partei angehören, so hatte sich natürlich diese in ihren Mitgliedern sehr zahlreich eingefunden; der Sitzungssaal war gepfropft voll und alle Zugänge mitt Zuhörern besetzt. Bis zum Beginne der Sitzung und der Eröffnung des Gerichts wurde die Ruhe ziemlich aufrecht er­halten, aber auch nur bis dahin; unmittelbar nach der Er­öffnung und beim Eintritte der Angeklagten und ihrer Ver­theidiger (Dr. Kellner und Prof. Bayrhoffer) erhob sich der furchtbarste Lärm , nur mit Mühe gelang es der Klingel und Stimme deS Gerichtspräsidenten, für einige Augenblicke Ruhe zu schaffen, Daö Toben begann trotz der wiederholten Dro­

hung, den Saal von Zuhörern räumen zu lassen, stets auf'S Neue, vier bis fünf Mal mußten die Verhandlungen unter­brochen werden; alle Ermahnungen und Aufforderungen blie­ben fruchtlos. Die Verhandlungen waren noch nicht bis zur vollständigen Verlesung der Anklageakte der inkriminirten Stel­len aus den Druckschriften gediehen, als die Schranken durch­brochen wurden unb allgemeiner Tumult entstand; die Sitzung wurde im eigentlichsten Sinne des Wortes gesprengt und mußte ausgehoben werden. Wie weit der Wirrwarr gediehen war, mögen Sie daraus entnehmen, daß Dr. Kellner als Verthei­diger vom Sitzungspräsidenten das Wort erhielt, um daS Publikum zur Ruhe und zu gesetzlicher Ordnung zu ermahnen. Als der Staatsanwalt nach geschlossener Sitzung das Lokal verließ, wurde derselbe verhöhnt, mit Schnee beworfen und er würde sicher noch ärgere Mißhandlungen zu erdulden gehabt haben, wenn er sich nicht in's ObergerichtSbäude geflüchtet hätte. Das war der Hergang und die Haltung der ersten schwurgerichtlichen Sitzung in Kassel und des sogenannten sou­veränen Pöbels.

. Leipzig, io. Jgnuar. (O.P.A.Z.) Nachdem nun schon drei bedeutende Transporte der vorgestrige betrug über 600 Zentner Silber in Stangen von Köln hier ankamen und auf der Eisenbahn weiter nach Wien befördert wurden, ist gestern noch ein vierter Transport angezeigt worden. Mait schätzt den Werth des bis jetzt hier durchpassirten Silbers auf über vier Mill. Thlr. und will wissen, ' daß es aus England komme und mit der neuen österreichischen Anleihe durch Roth­schild in Verbindung stehe.

Hannover, 19. Jan. Das Gerücht, Bayern und Han­nover hätten in London angezeigt,daß sie einem ReichSober- haupte sich nicht unterordnen würden", wird auch von der Hannoverschen Zeitung" als völlig grundlos erklärt. Han­nover habe nirgends seine Meinung zarückgehalten, nirgends heimlich gezettelt, würde also in diesem Falle, wenn es reaktio­näre Bestrebungen solcher Art verfolgte, nicht in London, son­dern wo es sich gebührt, in Frankfurt, seine Meinungan­zeigen." Daß es aber die Einigung und Wohlfahrt des gro­ßen Vaterlandes ernsthaft wolle, habe cs bewiesen, auch wo es manchen einseitigen Meinungen mit Offenheit entgegen trat.

In der meklenburgischen Landesveyammlung ist am 6. d. M. beschlossen worden, an die Nationalversammlung in Frankfurt die Erklärung ergehen zu lassen:Die meklenburgi­schen Kammern anerkennen die politische Nothwendigkeit, daß die neu zu begründende deutsche Zentralgewalt erblich an die Krone Preußen übertragen werde." (Ham. B.)

Berlin. Der Minister Ladenberg hat den Vorständen der seinem Ressort untergebenen Unterrichtsanstalten eine neue Form der Berichtserstattung über die Lehrer zur Pflicht ge­macht, welche die Stelle der abgeschafften Konduitenlisten zu ersetzen bestimmt ist. Alle Heimlichkeit soll hierbei jedoch aus­drücklich ausgeschlossen bleiben.

Wien, 9. Januar, Abends 4*4 Uhr. Das neueste (drei- zehnte) Armeebulletin, welches noch heute erscheinen wird, enthält die Nachricht von einem vollständigen Siege bei Panc- sowa über die Magyaren durch General Mayrhofer mit den serbisch-slavonischen Truppen erfochten. In Oberungarn beab­sichtigten die Magyaren einen Uebersall auf Eperies, der aber vereitelt wurde. Kossuth soll vor, Beamten und Bauern des Fürsten Bretzenheim festgenommen worden seyn.

Wien, 7. Jan. (A. Z.) Ofen und Pesth ohne Schwert­streich unser! Ich blieb absichtlich an ein paar Ecken stehen, um die Bemerkungen der Leute über das Plakat zu hören, und überall hörte ich Verwünschungen über die ungarische Feig­heit und über die eigene Leichtgläubigkeit, mit der die Wiener den ungarischen Ausschneivereien so surchtbaraufgesessen,, seyen! Wer irgend noch Sympathie für die ungarische Sache die Reise" der Insurgenten von Wieselburg, unerreichbar für un­sere nacheilende Armee bis über Buda-Pesth hinaus hat den letzten Funken davon erstickt. Zögen morgen die Truppen von hier ab und käme Kossuth als Flüchtling, er fiele gewiß ein Opfer der Wiener Volkörachc. Der Umschlag der Stimmung ist vollkommen, und Kossuth's Diebstahl der Reichskleinodien wäre nicht einmal nöthig gewesen, um ihn vollends in der Meinung des Volkes zu brandmarken. Dazu kommen jetzt die