Einzelbild herunterladen
 
  

St. Petersburg die Erlaubniß dazu erhalten, die jedoch sehr selten ertheilt wird, uno dann erst nach Monaten, wenn der vorgehabte Reisezweck bereits verfehlt ist. Andererseits dürfen die in den Grânzstädten wohnhaften russischen Kaufleute eben­falls die Gränze nicht passiren.

Nach den neuesten Nachrichten sah man der Prorogation des Reichstags aus dem Grunde entgegen, weil bereits Kroatien und Siebenbürgen, und ein großer Theil der Ungarn selbst das Verlangen geäußert hätten, an demselben repräsentirt zu wer­den, und somit der Reichstag gerade in seinen wichtigsten Auf­gaben unvollkommen erscheinen würde. (St. C.)

Wien, 8. Jan. (A. Z.) Ein vierzehntägiger glorreicher Feldzug der braven kaiserlichen Armee hat alle Bravaven Kossuth'S und seiner Juraten zu Schande gemacht. Im Gan­zen ist die Phisiognomie der Kaiserstadt in Folge der Besetzung von Pesth eine ungemein heitere, und unverkennbar ist die Freude des Bürger- und Handelsstandes. Nur ein Theil der Radikalen macht sauere Gesichter. Nach Wiedereröffnung der Postroute zwischen Hier und Pesth sind direkte Berichte bis zum 6. Abends von dort hier eingelaufen. Sie bestätigen die Flucht Kossuth'S und seines Anhanges nach Debreczin. Er hat außer der Krone ves heiligen Stetzhan und den Reichs­insignien auch sein Lieblingsinstrument, nämlich die Bankno­tenpresse, womit er bisher den Krieg zu führen und das arme Landvolk zu bethören verstand, mitgenommen. Der Landes­vertheidigungsausschuß und die Deputirten seines Reichstages, welche die ungarische Krone für erledigt erklärt hatten, haben sich an ihren Herrn und Meister angeschlossen. Nach der Zu­rückkunft der zum Marschall Fürsten Windisch-Grätz geschickten Deputation, mit dem Gräfin Ludwig Batthyany an der Spitze, zog die magyarische Armee in der Nacht vom 4. auf den 5. d. ganz in der Stille, ohne einen Schuß zu thun, auf der Straße gegen Debreczin ab. Sie war höchstens noch 10 bis 12,000 Mann stark. Am Freitag rückte hierauf der Marschall in Pesth ein. Der Banus führte die ersten Kolonnen an und defilirte vor dem Fürsten, welcher noch den nämlichen Abend seinen Sohn mit den Schlüsseln der Schwesterstädte nach Ollmütz zu Sr. Maj. dem Kaiser sandte. Die Einwohner empfingen die kaiserlichen Truppen als Befreier und der Banus wurve auf seinem Zug mit freudigen Eljens begrüßt. Am 6. zog das erste Armeekorps auf der Straße nach Debreczin weiter.

Wien, 8. Jan. Man ist auf das Ergebniß der heutigen wichtigen Reichstagssitzung in Kremsier sehr gespannt und man erwartet jeden Augenblick eine telegraphische Depesche. Heute Vormittag ist ein Kurier aus Ungarn hier eingetroffen, und es dürfte somit noch heute Abends ein neues Bulletin ver­öffentlicht werden. Koffuth soll sich nach Debreczin, nach an­dern nach Szegedin gewendet haben.

Kremsier, 5. Jan. Die Tschechen haben in ihrem Klub beschlossen mit dem Ministerium zu brechen. Die nächste Ver­anlassung hiezu war die gestrige Erklärung des Ministers des Innern: die ausdrückliche oder auch nur stillschweigende An­nahme des §. 1 der Grundrechte als einen Eingriff in die Kronrechte anschen zu wollen. Sie werden in der nächsten Sitzung entweder einen Protest gegen die Art und Weise aus­sprechen, wie das Ministerium die Konstitution interpretirt, und bei der Gelegenheit die Grundrechte summarisch annehmen und zwar mit Vorbehalt der Debatte für die dritte Lesung, oder das Ministerium privatim darauf aufmerksam machen, daß sie zwar ein Theil derselben! den ersten Paragraph auf­geben wollen, jedoch gesonnen sind, augenblicklich ein Miß­trauensvotum auszusprechen, sobald es das Ministerium wagen sollte, noch irgend einen Paragraphen anzutasten oder präjudi- zirend aufzutreten.

Kremfier, 7. Jan. (A. Z.) Die Vereinigung der größten- theils tschechischen Rechten mit der Linken behufs einer Demon­stration gegen das Ministerium ist erfolgt. Die Repräsentanten der beiderseitigen Klubs haben mit einander Rücksprache genom­men, und ein Demonftrationsprograznm für die mit allgemeiner Spannung erwartete morgige Sitzung entworfen.

® t « tt I t e i d.

Straßburg, 6. Jom. Die gegen republikanischen Parteien bemühen sich nun, die Nationalversammlung in Mißkredit zu

bringen und Piefe zur Selbstauslösung zu zwingen. Der Po, linsche Eiser, welcher seit einigen Wochen geruht hatte, wird dadurch von Neuem aufgeregt und schadet dèr gedeihlichen Ent­wickelung aller materiellen Fragen.

Paris, 10. Jan. Lesenswerth ist die Fortsetzung der Charles Dupin'schen Vorträge im Kunst- und Gewerbe -Kon­servatorium über Statistik. Darin heißt cs unter Anderem; DaS Volk von Paris trug in dem sehr tolerablen Jahre 1846 für 20,602,895 Frks. Kleiderpfänder ins Leihhaus und in dem Hungerjahre 1847 für 20,699,388 Frks., also nur 4 Frks. 68 Centimen von 1000 Frks. mehr. 1846 wurden für 1,737,135 unausgelöfeter Pfänder verkauft und 1847 für 1,918,266 FrkS.

Sm Jahre 1846 betrug die Ein- und Ausfuhr deS fran# zösischen Handels 2,232,091,258 Frks. und im Jahre 1847 da, gegen 2,275,690,496 Frks. Vom Jahre 1848 fehlen die Zahlen.

Auffallend ist das Sinken der Preise für die Rohstoffe, welche Paris für seine Lurusartikel vom Ausland bezieht. Die Cochenille ist um 10 Prozent, die Steinkohle um 20, Indigo um 22, Blei um 32, Zink um 34, Zinn um 36, rohe Schaaf- wolle um 45, Gußeisen um 49, Kupfer um 50, Mahagoniholz um 82 Prozent gefallen, was von der verminderten Produktion (schwächeren Nachfrage) herkommt.

Im gleichen Verhältniß sanken die Erkomptirungen an der Bank. Im März 1848 zahlte sie 145 Millionen, im Mai 121 Mill., im Juni 117 Mill., im August 92 Mill., im Sep- tember 88 Mill., im Okt. 71 und im Dez. 59 Mill. Franken aus. Vom März bis Dezember entzog, also die Bank dem Handel 57 pCt. ihrer Kapitalshülfe und ebensoviel beträgt die Abnahme des Bedarfs an Rohstoffen in den Arbeitsviertela der Faubourgs St. Denis, St. Martin und St. Antoine.

Herr Dupin, jun., schreibt den größten Theil deS über die Pariser Fabrikation gekommenen Unglücks der Observa­tionsarmee zu, welche an den Marken der Pariser In­dustrie unter dem TitelNationalhandwerkstätten" lagerte, und von 5000 Arbeitern am 15. März auf 117,000 Faullenzer bis zum 1. Mai schwoll und wöchentlich Eine Million Franken verschlang, während der eigentliche Hilfsbedürftige der Stadt vergebens an die Pforten der Mairieämter klopfte.

Heute marschieren wiederholt Truppen an die Barrieren. Es scheint, eine zweite Auflage der Wein-Emeute ist im Anzuge.

Die Nationalversammlung, die sich heute mit dem Afsistenzgcsetz beschäftigt, das den Almosen zum Staatsrecht erhebt, verspricht für übermorgen eine stürmische Sitzung. Sie wird darin nämlich den Rateau'schen Antrag über Auflösung der Nationalversammlung diskutiren.

An den Straßenecken fordern elegant gedruckte kolossale Affiche mit der Ueberschrift:Auf! Auf! Nach den Goldmi­nen !" zur Ueberfahrt nach Kalifornien auf. Die Rheder in Havre haben hiefür ein appartes Bureau bei Hrn. Ferdinand de Courseulles in der Rue de Provence Nro. 60 errichtet, wo alle Goldgierigen sich von Mittags 12 bis 2 Uhr einsinden sollen, um gegen gutes Geld eingeschrieben zu werden.

Ma rrast soll erklärt haben, daß er wieder Journalist werden wolle, wenn man ihn nicht zum Präsidenten der Kam­mer wieder wähle. Er geht daher mit dem Gedanken um, ein Journal zu stiften,da er mit dem National gänzlich ab­gebrochen habe."

Paris, 6. Jan. (A. Z.) Bei all dem äußern Glanze und dem nachgeäfften Hofleben, welches in Elisöe national herrscht, zeigt sich, daß die Geldmittel deS Präsidenten der Republik sehr beschränkt sind, wiewohl sämmtliche Mitglieder der Familie Bonaparte ihr Scherflein beitragen, daß derPrinz" standesgemäß lebe und repräsentire. DaS Privatvermögen L. Bonaparte's ist auf ein jährliches Einkommen von 60,090 Fr. geschmolzen, die Vorschüsse, welche er von seinen Verwandte« bis jetzt verlangt hat, sollen sich auf einige Millionen Fr. be­laufen. Man spricht nun von verschiedenen Ansprüche», welch» der Präsidentals legaler Erbe Napoleons" dem Staate ge­genüber geltend zu machen beabsichtige. Würde sich bk Natio­nalversammlung willfähriger zeigen, so wendete man sich « diese, allein die Sachwalter des Prinzen scheinen vorzuzieh««, daß man einige Prozesse unmittelbar bei den Gerichten an­hängig mache. Mehrere der werthvollsttn Domänen werde« als angebliches Eigenthum deS Kaisers auf diese Weise zu­rückgefordert werden. Die Frage der Auflösung der National­versammlung d. h. die Prüfung der Mittel, wie man die Deputirten am schicklichsten vermögen könne, daß sie freiwillig