Einzelbild herunterladen
 

uißvollen Gabel" dem Aristophaneö zu Kurzweil deutscher Leser nachsyllabirte.

Deutschland.

* Wiesbaden, 11. Jan. Heute Morgen wurde Buch­händler Fischer mit bedeutender Stimmenmehrheit zum Bür­germeister der Stadt Wiesbaden erwählt.

-s-ch Wiesbaden, 10. Jan. Heute ist uns, ein gedruckter Bericht veS von den Ständen bestellten Ausschusses, welcher sich mit den nöthig scheinenden Reformen in der Zentralver­waltung beschäftigen sollte, zu Gesicht gekommen.

Der Ausschuß hat dießmal die Initiative ergriffen, er hat nicht âbgewarlct, daß die Regierung einen Gesetzentwurf vorlege, sondern er hat einen solchen ausgearbeitet.

Wir hofften bei Durchlesung dieses legislatorischen Werks den Grundsatz befolgt zu sehen, daß dieVerwaltung ver­ein sacht und die Kosten derselben vermindert würden, wir fanden uns aber sehr getäuscht. Auch hierbei bestätigte sich die leider schon vielfältig gemachte Erfahrung, daß bei der herrschenden totalen Verwirrung der Begriffe über Recht, Volksregierung, den Zweck des Staats und seiner In­stitutionen wohl keine Zeit weniger geeignet, als die gegenwär­tige, um gute Gesetze zu schaffen.

Wir hoffen, daß der erwähnte Entwurf recht bald durch die öffentlichen Blätter verbreitet werde, und drückenden Wunsch aus, daß derselbe vielseitig geprüft und besprochen werde, da­mit es klar wird, ob durch solche Gesetze den Forderungen der Zeit und dem wahren Wohl des Volks entsprochen werden kann. Wir wollen das Publikum deßhalb auf dieses neueste nassauische Geistesprodukt aufmerksam machen. Es wird uns wohl bald die Gelegenheit gegeben seyn, dasselbe etwas näher zu betrachten.

):( Von der Lahn. Volentes ducimur, nolentes trahi- mur! Es ist ein schon oft durch Ihr geehrtes Organ gerügter Fehler unserer 6. ^. der aufrichtig konstitutionell gesinnten Partei, daß sie so leicht vor einem offenen politischen Be­kenntnisse zurückschreckt, und daß sie, obgleich vollkommen hin­reichend berechtigt und befähigt dazu, theils aus Bescheidenheit, theils aus falsch verstandener Vorsicht, zumeist aber lassen Sie mich das Kind beim rechten Ramen nennen aus Feig­heit eine freie, herausfordernde Stellung vermeidet. Klug­heit ist gar oft eine Tochter der Feigheit; und die beste Politik istWahrheit," das sind zwei goldene Sprüche, von denen es zu wünschen wäre, daß sie sich nicht allein unsere Politiker von Fach" merken möchten, sondern daß sie auch unser Volk beherzige unser Volk, das leider noch ein gar schlechter Po­litiker, wenn auch immerhin ein durch die Ereignisse des Jah­res 48 zumPolitiker von Fach" mit einem Mal gestempel­ter ist.

In Herz und Kopf, oder lassen Sie uns lieber sagen, im Herzen oder im Kopse, denn cs giebt jetzt leider so gar viele Individuen, bei denen daS eine oder andere dieser edlen Or- gane gänzlich zu fehlen scheint, also im Bewußtseyn der bei weitem größten Mehrzahl unseres Volkes, namentlich deS Vol­kes aus unserm hiesigen rheinischen Gau, hat sich die Ueber­zeugung geltend gemacht, daß Gagern in Bezug auf die öster­reichische, sowie auch in Bezug auf die daran nothwendig ge­reizte Oberhauptsfrage , daS Richtige getroffen, und den von gebieterischen Verhältnissen unserm Vaterlande vorgezeichneten Weg betreten habe. Unser Volk fühlt es mit richtigem Takt heraus, daß Oesterreich als das alte bekannte, wenn auch im­merhin mit einem hübschen konstitutionellen Firniß überzogene, kaiserlich-königliche Oesterreich, an dem der ganze tolle Wust der slavischen, magyarischen, italienischen Wirren, und die ganze Erbschaft deS Metternich'schen Sündenregiments als Hemm­schuh hängt, Oesterreich, das unserer vaterländischen Entwicke­lung aus eine so schmähliche Weise diesen Hemmschuh bis jetzt mitanlegte, daß dies Oesterreich vorläufig aus unserm engeren Staatsverbande ausscheiden müsse, um, so hoffen und vertrauen auch wir, in geeigneter Zeit und in geeigneter Weise auf's Neue mit unS verbunden zu werden, und dann mir uns ver­eint die nationale Pflicht, germanischer Gesittung immer wei­tere Herrschaft zu verschaffen, zu erfüllen.

Weiter aber ist auch darüber unser Volk in den meisten Kreisen einig, daß Preußen, daß Preußens König an die Spitze

Deutschlands zu stellen sey, damit sie scharf und wehrhaft werde. Nur wenige eraltirte Herzen, die eigentlich nie wissen, was sie wollen, und einige schlaue Köpfe, die â la baisse spe- kuliren, weil allein beim Sinken des allgemeinen Wohlstandes ihr gesunkener Zustand au niveau mit dem anderer redlicher Bürger kommen kann, nur diese sind noch gegen die Erhebung des preußischen Königshauses zur deutschen Kaiserwürde. Es liegt zu klar am Tage, daß Preußen durch seine unbestreitbare Uebermacht besähigt, daß Preußen aber auch durch sein Ver­halten moralisch und historisch berechtigt ist, den ersten Platz in dcr Reihe deutscher Stämme einzunehmen.

Ich wiederhole nochmals, über die Entscheidung dieser beiden Fragen ist unser Volk, unser hiesiges Volk, in seiner Mehrzahl einig. Allein dennoch wagt cs nicht, dies sein Be­kenntniß laut und offen auszusprechen. Mehrere konstitutio­nelle Klubbs (wie ich mit Freude hörte, auch Ihr Wiesbadener) haben mit anerkennenswerther Bravheit dem Ministerium Ga­gern Zustimmungsadressen, der Reichsversammlung Aufforde­rungen, Preußen an die Spitze des Vaterlandes, auf den Thron deSvereinigten deutschen Vaterlandes" zu berufen, zugehen lassen; allein, ist das denn etwa genug, ist das denn etwa Alles, was Gagern, unser edler, vielgeprüfter, lang­bewährter Gagern, was der preußische Theil der Reichsver­sammlung von unserem Volke zu erwarten berechtigt sind? Wehe über unser armes Vaterland, wenn's wirklich dahin ge, kommen wäre, daß sich unser Volk, daß sich der bessere und tüchtigere Theil unserer Bürger- und Bauernschaft nicht zu einem thätigeren, erfreulicheren Lebenszeichen, als zu ein Paar, vergleichsweise doch immer nur die Ueberzeugung sehr Weniger vertretenden Adressen aufrütteln ließe! Ein Schrei, ein Kampfichrei sollte billiger Weise, wenn der Nerv unserer vaterländischen Geschichte so schmerzlich blosgelcgt ist, unser ganzes Vaterland von Gau zu Gau durchdringen, und unser Volk sollte kühn und frei, wie's die mannhafte Sitte unserer Voreltern war, ihn mit einem offenenHie Preußen!" beant­worten. Allein, was geschieht? UnsereNassauische kon- stituirende Nationalversammlung" zu Wiesbaden beobachtet ein vorsichtig, kluges Schweigen, und wenn Einer in einem Bürger­vereine (wer und wo thut hier nichts zur Sache) die Meinung ausspricht, jetzt wäre es wohl Zeit, sich an die vereinten kon­stitutionellen Vereine anzuschließen, und unsere Stimme-offen für Preußen zu erheben, so erhält er zur Antwort: Es ist nicht klug, das jetzt zu thun, jetzt keine Politik, seyen wir froh, daß die versteckten und kaum leidlich beschwichtigten Republi­kaner Ruhe halten, sie möchten sonst, gereizt, uns beweisen, daß doch noch viel Sympathie für ihre Sache im Volke lebt!

Allein der Spruch:volentes ducimur, nolentes trahi- inur (mit Willen werden wir geführt, wider Willen werden wir geschleppt) wird sich an Euch, wird sich durch Euch an unS, an unserem Volke bewähren. Deutschland wirb sich doch zusammenraffen, wird doch die alten Hemm- und Kinder­schuhe ausziehen ober vielmehr nicht mehr affziehen, Deutsch­land wirb sich doch um Preußens Banner in ber Stunde des Kampfes und der Gefahr schaarrn es wird um dies Heldenbanner gedrängt werden, und dann werdet Ihr zu spät erkennen und bejammern, daß Ihr Euch besser wollend hättet führen, als nicht wollend schleppen lassen. Preußen, die unser deutsches Vaterland vom Joche fremder Knechtschaft befreienden Preußen, sie sind schon einmal in unsere rheinischen Gaue mit kaum verhaltenem und damals allerdings nicht ganz gerechtfertigten Grimme über Die undeutsche Gesinnung unseres Volkes eingezogen; das preußische Heer hat auch neuer­dings wieder unser Vaterland in Ost und West und Süd und Nord gegen äußere Feinde gedeckt, und in Berlin und Frank­furt die freie Entwickelung unserer vaterländischen Geschichte glorreich geschirmt und gesichert, dies preußische Heer, es wird zum andern Male, wenn vielleicht auch erst nach man­chem heißen Kampfe, mit stolzem, wohl erworbenen Siegsge- sühl an unseren Rhein, in unser Lahn-, Main- und Neckar­thal kommen! Dann aber wehe Denen, die jetzt, im Augen­blicke zweifelhafter Entscheidung, durch Furcht oder Thorheit verblendet, einkluges" Schweigen beobachtet haben. Das preußische Heer hat seit dem März 1848 viel Schmach und Hohn und Undank ruhig hingenommen und sich muster- h'aft bewährt; allein glaubt mir, der Soldat weiß so gut wie der Wirth sein Büchlein der Vergeltung leider nur zu oft sogar auch mit doppe lter Kreide zu führen, -^ und Gott möge nicht fügen, daß unser Ländchen mit dazu auserkoren sey, die im Schuldbüchlein der preußischen Soldaten verzeich­neten Posten vom Jahre 1848 zu löschen!