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aende Reklamationen hervorgerufen hat, ist mcht begründet. Wie in diesem Entwürfe die Interessen emeö Theils des Han- delSstandes vertreten und als mit dem Gesammtinteresse Deutsch­lands identisch dargestellt werden, so sind in andern, ebenfalls nur von Privaten ausgehenden Vorlagen, von wesentlich an­deren Standpunkten aus und in Versechlung wesentlich ver­schiedener Interessen, ganz entgegengesetzte Vorschläge gemacht und zur Berücksichtigung empfohlen worden. Jener Entwurf, wie diese Vorschläge, sind für die Ausarbeitung eines neuen Tarifs ein schätzbares Material; auf die Bestimmungen des neuen Tarifs kann aber weder aus jenem noch aus diesen ein Schluß gezogen werden.

Berlin. In gewissen Kreisen, heißt eS in der lithogra- phirten Korrespondenz, macht die Nachricht viel Aufsehen, der- zufolge daS russische Kabinet dem französischen eine Note zu- gekerngt habe, in welcher es sich in der italienischen Frage ent­schieden für Oesterreich erklärt, und im Falle einer französischen Intervention in Italien mit einer energischen Parteinahme droht.

Wien, 5. Jan. Uebermorgen findet die Einweihung der neuen protestantischen Kirche in der Vorstadt Gumpen- vorf statt. In dem Einladungsprogramm an die Mitglieder wird der Umstand hervorgehoben, daß die Bekenner der evan­gelischen Lehre sich nun in einer Kirche mit offenem Eingänge versammeln dürfen. Bekanntlich war seit Kaiser Josephs Tode die religiöse Toleranz in Oesterreich so wenig vorgeschritten, daß die Evangelischen beider Konfessionen sich in Wien auf enge Belhäuser beschränken mußten, zu denen der Eingang nur vom Hofraume auS verstattet war. Auch mußten sie bisher daS Glockengeläute entbehren.

Man vernimmt von vielen Seiten, daß ungeachtet der für daS zweite Semester versprochenen Wiedereröffnung der Wiener Universität, dieselbe in diesem Jahre nicht mehr erfolgen werde, indem die Militärbehörde dagegen Bedenken erhoben. Keinem fremden Studirenden wird gegenwärtig der hiesige Aufenthalt bewilligt, er könne sich denn über eine ent­sprechende Bestimmung oder über zureichende Subsistenzmittel auSweisen. Ebenso werden alle fremden Polytechniker und Akademiker von hier weggewiesen, die sich nicht mit gehörigen Frequentationszeugnissen auSzuweisen vermögen.

Wien, 5. Jan. Am 6. Januar sind 100,000 Mann kai­serliche Truppen bei Pesth vereinigt. Kossuth hat sich mit seinem ganzen Anhänge, die heilige Krone deS Königs Stephan und alle ReichSkleinodien mit sich nehmennd, wie eS heißt nach Debreczin geflüchtet. Der Marschall Fürst Windstch-Grätz hatte ihn und alle Mitglieder deS Landesvertheibigungs-Aus­schusses für vogelfrei erklärt. AuS Siebenbürgen melden die neuesten Berichte bis zum 24. Dezember ein Vorrücken des JnsurgentengeneralS Bem bis gegen Klausenburg, allein dieser partielle Vortheil ist unter den jetzigen Umständen ganz ohne Bedeutung. Nachschrift. Eben trifft die Nach­richt ein, daß die kaiserl. Truppen ohne Schwert­streich in Pesth eingerückt sind.

Fürst Windisch-Grätz hat zur Sühnung deS an einigen 50 gefangenen Kroaten verübten Mordes in Güns für das ganze Eise nburg er Komitat eine Kontribution aus­schreiben lassen, durch deren Ertrag die Wittwen und Waisen der armen Opfer lebenslänglich versorgt werden sollen. Unter den Gutsbesitzern, die fast alle Anhänger Kossuths sind, herrscht jetzt die größte Bestürzung, da Leben und Habe auf dem Spiele steht. (Brsl. Z.)

Frankreich.

Paris, 7. Jan.

In den^Ministerien wird ein Plan zur Aenderung deS gesammten Paßwesens ausgearbeitet.

DerConstitutionnel" sagt: In der Nationalversamm­lung (und in den Abendblättern) erzählte man sich, Marrast sey vom Präsidenten zu sich geladen worden, um ein Ministerium zu bilden K. Die Unterredung hat allerdings stattgefunden, doch hatte nicht der Präsident den Hrn. Marrast zu sich geladen, sondern Marrast hatte selbst um die Unterredung gebeten. Wir

können hinzufügen, daß die größte Einigkeit zwischen dem Prä­sidenten und allen Gliedern des KabmetS herrscht.

Man weiß wohl auch in Deutschland schon längst, waS man von dergleichen Widerlegungen zu halten hat.

Niederlande

Briefe auS dem Haag wollen wissen, daß der geistige Zu­stand deS Prinzen von Dramen unheilbar geworden ist, daß derselbe sich aber nichtsdestoweniger hartnäckig weigert, dem Wunsche des Königs gemäß der Krone zu Gunsten seines Bruders zu entsagen. (D. Z.)

Italien.

Brescia. Laut einem Schreiben vom 5. d. hat Radetzky in einem Tagesbefehl an die Armee den Krieg in nahe Aussicht gesteilt. Man werde am Tessin, am Po und gegen Venedig zugleich angreifen; ihr Vater Radetzky werde sie in zwei Schlachttagen nach Turin führen.

Spanien.

Madrid, 1. Jan. Ein ganz romanhafter Vorfall wird heute vom Gerücht umhergetragen. Was wäre aber nicht möglich im Lande der eigensten Romantik? Wir erzählen also, waS uns erzählt worden. Narvaez wird von einer Verschwö­rung zum Umsturz des Ministeriums unterrichtet. Er umstellt das Haus, in dem die Verschwornen sich versammeln sollen, und gibt gemessenen Befehl, Jeden, der kommt, zu fangen. Wirklich naht sich zur festgesetzten Stunde eine Gestalt; man will sie halten: sie entschlüpft. Die Wache haut nach ihr mit dem Degen; sie fällt zu Boden und ruft: Ich bin die Königin! Wirklich, sie war es; sie ist nur leicht an der Schulter ver­wundet und man hat sich beeilt, sie in den königlichen Palast zurückzutragen. Honny soit, qui mal y pense!

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

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