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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

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Donnerstag den L1 Januar

L8LN.

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Zeitungsschau.

Preußen und das Meer.

Deutschland. Wiesbaden (Landtag. Die Schulkommission). (Frankfurt (Oesterreich ist zu einem Handelsbund mit Deutschland ge­neigt). Aus Baden (Einführung der Waffenrëcke beim Militär). Karlsruhe (Kammer-Antrag in der Oberhauptsfrage). Freiburg (Das Verfahren gegen «Struve und Blind). Berlin (Der Entwurf eines Zolltarifs für das vereinigte Deutschland. Russische Note an das französische Kabinet). Wien (Einweihung der ersten protestantischen Kirche. Die Wiedereröffnung der Universität. Die Operationen gegen Ungarn. Diè Kaiserlichen ohne Schwertstreich in Pesth eingerückt. Re­pressalien des Fürsten Windifchgrätz).

Niederlande. Aus dem Haag (Der Prinz von Oranien).

Italien. Brescia (Radetzky stellt den Wiederbeginn des Krieges in Aussicht).

Spanien. Madrid (Romantisches Abenteuer der Königin).

Zeitungsschau

Eine Rundschau derTimes" ist in einer charakteristischen Keilschrift geschrieben. Die Uebersicht beginnt mit der Auf­zählung der Symptome, welche das nahe politische Erdbeben verkündeten, und gehl z. B. in Betreff Frankreichs auf die be­kannten skandalösen Geschichten zurück, auf den Selbstmord Bresson'S,den Wahnsinn Mortiers, die Tragödie Praslin's, den BestcchungSprozeß Teste's. Sodann verfolgt diese Ueber­sicht die Verzweigungen der Revolution, wie dèr ihr hart auf dem Fuße folgenden Reaktion durch ganz Europa.

Die süddeutsche Bewegung, auS welcher eigentlich das Frankfurter Parlament hervorging, die badischen Volksver­sammlungen, die Heidelberger Beschlüsse werden im Einzelnen gar nicht der Erwähnung werth erachtet, es heißt nur: die deutschen Staaten hätten sich im Allgemeinen im Revolutions­zustande befunden; dagegen wird die deutsche Einheit mit einer Wasserblase verglichen, die man in Frankfurt habe aufsteigen lassen.

Man hatte nun," heißt es,ein Parlament, eine Ver­fassung, einen Reichsverweser, eine Reichsregierung lauter wesenlose Trugbilder." Der Krieg gegen Dänemark wird ein Krieg der Ratzen, der Prinzipien und der Eroberung genannt. Das Kapitel über die Revolution schließt mit den Worten: die Revolution hat sich fast überall durch beispiellos gräßliche Verbrechen geschändet; Wien, Prag, Frankfurt, Ofen, Rom besudelten sich mit den schändlichsten Meuchelmorden." In dem darauf folgenden Abschnitt über die später mit gleich reißender Schnelligkeit eingetretene Reaktion heißt eine Stelle wie folgt:Jellachich mit Windisch-Grätz führten gegen die Wiener Meuchelmörder die nicht-deutschen Unterthanen des Reichs und brachten mit Hilfe der Waffen von Barbaren die Menschlichkeit wieder zu Recht (!). Alle neuen repräsen­tativen Körper kamen um ihre Geltung. Die Senate von Wien und Berlin wurden aus den Hauptstädten verbannt, die

Weisen von Frankfurt, die ohnehin mit unübersteiglichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, mußten erleben, wie eines ihrer Mitglieder von den kaiserlichen Eroberern Wiens wegen Hochverraths erschossen wurde."

Gelegentlich wird die Palmerston'sche JnterventionSsucht scharf gegeißelt. Es heißt unter andern:Was die britische Vermittelung betrifft, so hat sie zwar kein Blut gekostet, aber auch in dieser Krisis des Ruhms und der Schande keine Lor- beeren geärndel. Nachhinkend in der Scvweiz, verlegen ge­macht in Sizilien, lächerlich geworden in Norditalien und mit Scbmach bedeckt in Spanien, ohne Aussicht, die Sache wieder gut oder rückgängig zu machen, ist sie bei der gegenwärtigen Lage der europäischen Angelegenheiten gerade kein sehr macht- gebietendes Element."

Dem neuen Präsidenten Frankreichs werden die friedlich, sten Gesinnungen untergeschoben; hierzu nöthige ihn schon eine Mehrausgabe, welche um 20 Millionen Pfv. (?) die Einnah­men vom vergangenen Jahr übersteige.Krieg ist Bankerott und Bankerott ist Revolution," setzt die Times hinzu.

Im Ganzen von größerem Werth ist wohl eine ähnliche Uebersicht über die Finanz- und Geldverhältnisse des vergangenen Jahres. Es wird darin bemerkt, daß Oesterreich bereits 8 Millionen, Frankreich einen gleichen Betrag bedürfe, und daß Preußen, Dänemark und die italienischen Staaten in gleicher Lage seyen. Der Weltfrieden beruhe nun hauptsächlich darauf, dâß die kontinentalen Staaten auf dem englischen Markte kein Geld erhalten würden. An einer andern Stelle wird auf die geringen Schwankungen, welche die Konsols im Laufe des vergangenen Jahres erlitten, als auf einen Beweis für die finanzielle Unabhängigkeit Deutschlands hingewiesen. Im Januar 1848 hätten die Konsols auf 85 gestanden und wären dann allmälig bis auf 90 heraufgeschlichen. In Folge der französischen Revolution seyen sie zwar sofort fast um 10 gefallen, aber der Schreck sey ein verzeihlicher und bloß augen­blicklicher gewesen, und sehr bald hätten sie wieder eine stei- gende Bewegung angenommen. (Sie stehen jetzt wieder auf 89.) Schließlich wird darauf hingewiesen, welche ungeheuere Ver­änderungen sich im Geldsysteme ergeben müßten, wenn die Nachrichten über die entdeckte Goldregion in Kalifornien sich in vollem Umfange bestätigten.

Es ist bezeichnend für die Stellung der politischen Par­teien in Deutschland, hieß es dieser Tage in einem Artikel, der AugsburgerAllgemeine Zeitung", daß tue konstitutionell- monarchischen Vereine sich mehrfach für die Bildung eines erblichen Kaiserthums, und namentlich für die Uebertragung an Preußen aussprechcn, während die demokratischen und repu­blikanischen Vereine gegen beite Gedanken sich mit maßloser Erbitterung erheben. Derlei Erklärungen liegen von den ent­sprechenden Vereinen in Nürnberg, Bamberg, Dresden, ^Darm­stadt ic. vor. Die Dresdener Republikaner (wer hätte sie dort noch vor einigen Jahren in der stillen Elbestadt gesucht l) for, dern das sächsische Ministerium sogar auf, im Fall in Frank­furt ein unverantwortliches Oberhaupt an die Spitze gestellt