Eisenbahn Ankommenden sehr strenge geführt. Auf den Eisenbahnhöfen sind Schutzmänner konsignirt, welche jeden einzelnen Fremden zur Vorzeigung seiner Legitimationspapiere veranlass sen. Sind dieselben in Ordnung, so kann der Fremde den Eisenbahnhof verlassen, entgegengesetzten Falls wird derselbe unnachsichtlich zur Stadtvoigtei gebracht, um sich zuvor zu legiti- miren. Um diese Prüfungen vornehmen zu können, sind besondere Einrichtungen auf den Perron's der Eisenbahnhöfe getroffen, so daß Niemand dieselben verlassen kann, ohne vorher von den Schutzmännern eraminirt zu sevn. Dieß ist eine große Belästigung des reifenden Publikums.
Wien, 3. Jan. (D. Z.) Glaubwürdigen Nachrichten zu Folge ist das Hauptquartier des Fürsten Windisch-Grätz heute in Stuhlweißenburg; die näheren Angaben über die Besetzung fehlen noch. Bei Papa scheinen die Ungarn endlich einmal Stand gehalten zu haben, es soll dort eine sehr blutige Affaire stattgefunden haben und der Ort durch Brandraketen in einen Schutthaufen verwandelt seyn! Komorn soll heute, und zwar mit 48Pfündern beschossen werden. Nach dem Gefechte bei Moor am 30. sind gegen 300 blessirte Ungarn eingebracht worden, alle mit Hieb- und Stichwunden, gar keine mit Schußwunden. Das Regiment Wallmoden Kürassiere, dasselbe, welches das nach Ungarn übergegangene Regiment Preußen beinahe ganz vernichtete, soll auch mörderisch eingehauen haben.
Wien, 4. Jan. (A. Z.) Indeß unsere Vorposten bis Ofen vorgedrungen sind, sind die Vorposten eines Todfeindes in unsern Mauern — wir haben eilf Choleraleichen! Es ist die asiatische Brechruhr und alle Fälle verliefen-äußerst vehement und tödtlich, übrigens ausschließlich im Militärspitale, im Zivil ist noch kein Fall vorgekommen, selbst nicht in der Gegend des Militärspitals. Es ist daher zu vermuthen, daß Erkältung und derlei Ursachen die Veranlassung gewesen sind, kein Wunder bei dem angestrengten Wachdienste der Truppen bei 11 bis 13 Grad Kälte, die wir jetzt täglich haben. Ueb- rigens haben die Behörden alle Vorsichtsmaßregeln ergriffen: ; die schon im Sommer, als die Cholera noch an den Grenzen wüthete, organisirte außerordentliche Sanitätskommission ist einberusen worden und Nothspitäler werden errichtet. Von den Spitälern, die wegen der politischen Cholera im Oktober errichtet worden, dürften vielleicht ein paar noch nicht ausgeräumt und gleich zu verwenden seyn. Uebrigens, wie gesagt, nimmt man die Sache zwar so ernst als nöthig, ohne jedoch grosse Besorgniß zu haben, da während der strengen Kälte bekanntlich die Cholera nirgends heftig aufgetreten ist. Bei der strengen Kälte haben wir leider keinen Schnee, und hören das gleiche aus Steiermark und Mähren, sowie aus Ungarn; man fürchtet allgemein für das Wintergetreide.
Zehntes Armeebulletin. Zufolge einer eben erhaltenen Mittheilung von Sr. Durchl. dem Hrn. Feldmarschail Fürsten zu Windisch-Grätz hat derselbe sein Hauptquartier am 3. d. Mts. nach Bicske und am 4. nach Bia, vier Stunden von Ofen, verlegt. Am 3. Januar Nachmittags kam eine von dem ungesetzlich fortbestehenden ungarischen Reichstage an Se. Durch!. gesendete Deputation im Hauptquartier zu Bicske an, welche aber von Sr. Durch!. dem Feldmarschall als solche nicht angenommen und unbedingte Unterwerfung als der einzige Weg bezeichnet wurde, fernerem Blutvergießen ein Ende zu machen. Der Banus hat mit dem ersten Armeekorps nach dem siegreichen Gefechte bei Moor, um den Rebellen Perczel, der sich nach der erlittenen Niederlage gegen Stuhlweiffenburg zurückzog und seine Vereinigung mit dem Rebcllenoberst Sekulich bewerkstelligen wollte, von dessen vermeintlicher Rückzugslinie nach Ofen abzuschneiden, seinen Marsch über Lovas Bereny fortgesetzt, wodurch Ofen am rechten Donauufer von unseren Vorposten umgeben ist.
Feldzeugmeister Graf Nugent in Vereinigung mit Feldmarschalllieutenant Dahlen hat sich gestern1 den 4. über Szalba- Egerszegg in der Richtung gegen Kanisa in Marsch gesetzt. Zur Vereinigung mit Warasdin blieb eine starke Bedeckung in Lendva, zur Verbindung mit Steyermark eine Besatzung in Körmönd zurück und das .Oedenburger und Eisenburger Komitat wird durch die mobile Kolonne des Oberstlieutenants Graf Althann durchzogen, womit die Verbindung mit der Haupt- armee erhalten wird. Die von der Armee Sr. Durch!. des Fürsten Windisch-Grätz eingetroffenen Nachrichten über die günstigen Operationen gegen Ofen und Pesth bestimmten den Feldmarschalllicutenant Grafen Schlick, um in Uebereinstimmung mit diesen offensiven Operationen zu handeln, gegen
Miskolcz vorzurückcn. Diesem gemäß wurde am 26. Dezbr. 1848 tue Brigade ches Hrn. Generalmajors Grafen Perqen von Kaschau bis Hidas Nemethi vorgeschoben, welcher die Brigade des Hrn. Generalmajors Grafen Deym als Reserve bis Enyizkl nachgefolgt war. Die Brigade Fiedler blieb in Kaschau als Besatzung.
Am 27. rückte die Brigade Pergen bis Forrü, die Brigade Deym bis A. Novaj. Bei Forrü hunc der Feind die erste Stellung eingenommen, und cs waren daselbst nebst meh- rereii Geschützen die polnische Legion und einige hundert Husaren postirt. Beim Herannahen der Avantgarde zog sich der Feind ohne das Gefecht anzunehmen zurück. ' Am 28. wurde die Vorrückung gegen Miskolcz der Art komdinirt, daß die Brigade Pergen durch eine Umgehung der feindlichen Stellung bei Szlkszö deren linke Flanke und Rücken bedrohte, während die Brigade Deym die Fronte derselben an der Hauptstraße anzugreifen beordert war. Der Plan gelang; die Brigade Pergen, geführt von Major Baron Gablenz des Gencralstabs, griff Szikszö im Rücken an, wobei eine halbe Kompagnie Hon, ved gefangen genommen wurde. Eine andere Honvevabtheilung wurde durch die Chevaulegers der Avantgarde'ereilt und gleich- salls gefangen genommen. Die an der Straße vorgerückte Brigade Deym konnte sofort diesen Ort ungehindert und mit klingendem Spiele passircn.
Nachdem die Insurgenten mit bedeutenden Streitkräften die vortheilhafte Position an den Höhen bei Szikszö besetzt hatten, beschloß der Korpskommandant, trotz der vorgerückten Ta, geszcit und der Ermüdung seiner Truppen, dennoch den Feind anzugreifen, um ihn aus der Nähe von Szikszö gegen Miskolcz zurückzudrängen. Die sämmtliche Kavallerie mit einer öpfündi- gen Batterie rückte an der Straße gegen Miskolcz in der Ebene vor, und es entspann sich beiderseits ein lebhaftes Geschützfeuer, welches eine erfolgreiche Wirkung gegen die ihn Uebermacht ausgestellte feindliche Kavallerie übte, so zwar, daß sie sehr bald die Flucht ergriff. Große feindliche Infanteriewaffen, nebst Artillerie und einer Husarenabtheilung , hatten sich aus dem Höhenzuge westlich der Straße festgesetzt. Die Brigade Pergen mit der Raketenbatterie wurde beordert diese Höhen zu erstürmen, was auch mit dem günstigsten Erfolge geschah; — nur die einbrechende Nacht rettete den Feind von der gänzlichen Niederlage. Dieses Gefecht kostete dem Korps dcS Feldmarschall- lieutenants Schlick nur fünf Verwundete. Scr Verlust des Feindes ist bedeutend, und es wurden von demselben 85 Mann, darunter 1 Ossizicr und mehrere Unteroffiziere, gefangen genommen. Wien, den 5. Januar 1849. Der Militär- und Zivilgouverneur: WAden.
S ch w e i z.
Bern, 8. Jan. Der „Verfassungsfreund" schreibt: „Mit der eidgenössischen Hochschule scheint es denn doch Ernst werden zu wollen, und die vorläufige Behandlung des Gegenstandes im Naüonalrathe keine ganz unfruchtbare gewesen zu seyn."
F L a n k r e i G.
Strasburg, 7. Jan. (Mannh. I.) Die Frage über die Auflösung der Nationalversammlung nimmt mit jedem Tage eme bedenklichere Wendung. Im Unterelsaß hat bereits der Petitionssturm begonnen und einflußreiche Männer bemühen sich, der Bevölkerung den Glauben beizubringen, daß neue Wahlen nothwendig seyen, da die jetzigen Deputaten das Vertrauen des Landes verloren haben. Dem Ministerium so wie dem Präsidenten der Republik ist diese Erscheinung eine will- kommene, weil die Nationalversammlung zum größeren Theile aus Elementen besteht, welche die demokratische Republik als Nothwendigkeit betrachten. Wie aber das Ministerium die Republik mit ihren Bedürfliissen betrachtet, geht aus den neuesten Präfekternennungen hervor.
Man hat Jene abgesetzt, welche zu demokratisch gesinnt waren, und eS wurden ihnen Nachfolger gegeben, welche sich Unter Ludwig Philipp durch monarchische Ergeben, heit und reaktionäre Strebungen ausgezeichnet haben. Ss wurde in Colmar der Präsekt abgcsetzt, welcher seit der Februarrevolution dort fungirte. Sein Nachfolger ist ein Legitimist und der Präfekt, Herr Bret, welcher am 25. Februar